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Von Beziehungen und sozialen Netzwerken

28. Juni 2016
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Follower, Fans, Pinner… ich gebe zu, dass ich tief drinstecke im Sumpf der sozialen Medien. Ich bin ein Junkie, der seine Droge täglich in hohen Dosen braucht. Ich liebe es, durch meine Twitter-Timeline zu scrollen und über die witzigen Texte zu kichern, ich entspanne beim Betrachten meines Instagram-Feeds und wenn mir mal eine Idee fehlt, dann suche ich Inspirationen bei Pinterest. Soziale Netzwerke sind das Zentrum unserer modernen Kommunikation, unseres zwischenmenschlichen Miteinanders. Sie bestimmen unseren Alltag und füllen ihn mit Inhalten.

Wenn aus Netzwerken Beziehungen werden

Beim Nachdenken über den Sinn und Unsinn von social networks kam mir vor kurzem ein (zumindest in meinen Augen) witziger Gedanke: Was, wenn Facebook, Instagram und Co. Beziehungen wären, wie würden diese aussehen? Wie würden die Partner miteinander umgehen? Wie würden sie miteinander streiten? Wie würde der Sex aussehen? Ich fand Gefallen an meinem Gedanken-Experiment und begann damit, es schriftlich festzuhalten.

Die Facebook-Beziehung

Fabian und Franzi sind seit zwei Monaten und vier Tagen ein Paar. Fabian weiß das ganz genau, denn kaum hat Franzi auf seine Frage „Willst du mit mir gehen?“ eingewilligt, hat er auch schon seinen Beziehungsstatus geändert. Das hat ihn sehr stolz gemacht, schließlich huldigten ihn seine Freunde (auch diese Menschen, die er gar nicht kennt) mit tonnenweise „Gefällt mir“. Ob Fabian like-geil ist? Nein. Aber Franzi. Sie liebt es, Fabian spontan an sich zu ziehen, die Lippen zu spitzen, ein Auge zuzukneifen, ein anderes aufzureißen und verliebte Pärchen-Selfies zu machen. Franzi sagt, dass ist ihre Art, ihre Liebe zu Fabian auszudrücken. „Und außerdem darf ruhig jeder sehen, dass wir glücklich sind.“ Dass Fabian auf den Selfies weniger glücklich, dafür mehr wie ein erschrockenes Reh kurz vor dem Überfahren aussieht, ist Franzi egal. Immerhin sieht sie auf dem neuesten Schnappschuss irgendwie ein bisschen wie Kim Kardashian aus und was könnte es bitte besseres geben?

Vorgestern hatten Fabian und Franzi einen schlimmen Streit. Franzi war so sauer, dass sie überlegt hat, Fabian zu entfreunden. Man mag sich kaum vorstellen, was der Grund für diesen Konflikt gewesen ist. Trotzdem wollen wir ihn an dieser Stelle nicht verheimlichen, sondern ein Exempel daran statuieren – damit andere Paare gewarnt sind und Jungs nicht den gleichen Fehler machen, den Fabian gemacht hat.

Dieser hat sich nämlich allen Ernstes erdreistet, das neue Profilbild von Nina, Franzis bester Freundin, nicht nur mit einem „Gefällt mir“-Daumen, sondern einem „Love“-Herzchen zu versehen. Love? Wie jetzt? Liebt der Fabian die Nina etwa mehr als Franzi? Oder sehen ihre Brüste auf dem Profilbild nur einfach rattenscharf aus? So oder so, Franzi war stinksauer und hat aus Trotz erst einmal ihren alten Facebook-Flirt Denis (den sie in der Gruppe „Singles aus/um Wuppertal kennengelernt hatte) angestupst – der auch prompt zurückstupste, schließlich musste er oft an Franzi denken und hatte sie in der Vergangenheit ziemlich erfolgreich gestalked. Die Freude auf Seiten von Denis war so groß, dass er sich schnell dazu hinreißen ließ, etwas in Erinnerungen zu schwelgen und Franzi ein Foto von seinem halbsteifen Lümmel zu schicken. Das schockierte Franzi sehr, sie wollte doch nur etwas hin- und herstupsen und nicht an uralte Gewohnheiten anknüpfen. Schnell schloss sie ihre Facebook-App und ging zu Fabian. Die beiden vertrugen sich augenblicklich und knipsten zur Bestärkung dieses Entschlusses ein Paar-Selfie, das beide mit den Worten „Für immer du“ als Profil-Bild hochluden.

Die Instagram-Beziehung

Ina und Ignaz sind ein glückliches Paar. Sie haben sich auf einem kleinen Club-Konzert in Berlin kennengelernt und wussten schon nach dem dritten Club Mate-Date, dass sie füreinander bestimmt sind. Einer der Schlüssel für ihren Erfolg ist ihre Gegensätzlichkeit. Während Ina irgendwas mit Medien macht und von einer Karriere als international bekannte und gefeierte Bloggerin träumt, ist Ignaz der bodenständige Part. Er studiert Geoinformatik – im 8. Semester – und jobbt nebenbei als Hiwi. Sein großer Traum ist es, irgendwann mit Ina eine Familie zu gründen… vorausgesetzt, diese schafft es mal, ihr Handy für den Bruchteil einer Sekunde aus der Hand zu legen.

Denn um ehrlich zu sein, ist Inas Smartphone (ein iPhone 6S) der einzige Faktor, der die heile Welt von Ina und Ignaz ins Wanken bringt. Erst vor kurzem beispielsweise, hatten die beiden ihren Kennenlern-Tag. Um dieses Ereignis zu feiern, lud Ignaz seine Ina in derer beiden Lieblings-Lokal ein. Ignaz hatte extra den ganzen Tag über nichts gegessen, um am Abend so richtig Hunger zu haben. Ina schien diese Strategie nicht befolgt zu haben. Denn als die dampfenden Teller mit veganen Köstlichkeiten endlich an ihren Tisch gebracht wurden und sich Ignaz wie ein ausgehungertes Raubtier darüber stürzen wollte, bremste Ina ihn im letzten Moment brüsk aus.

„Halt, du darfst noch nicht!“, kreischte Ignaz‘ Herzdame entsetzt. „W…was, warum denn nicht? Sind da etwa Erdnüsse drin?“ Ignaz war verwirrt und leicht nervös, denn nun fiel ihm ein, dass er sein Notfall-Set für allergische Schocks nicht dabei hatte. „Nein, du Dummi, ich muss das erst noch fotografieren. Das wird der Community gefallen…. Ach, wenn doch nur der Untergrund etwas schöner wäre… heller wäre toll, dunkle Bilder kommen immer nicht so gut an. Apropos dunkel, kannst du mal bitte die Kerze ran holen? … Nein, nicht da hinstellen, da wirft die so einen doofen Schatten auf die Falafel. Lieber da hin, ach nee, jetzt sieht das irgendwie noch blöder aus… Scheiße, das passt doch überhaupt nicht in meinen Feed! Ich hätte mir doch lieber das Curry mit den bunten Linsen bestellen sollen, das hätte viel cooler und irgendwie so ein bisschen exotisch ausgesehen.“

Je länger sich Ina über ihre missglückten Fotos aufregte, desto auswegloser wurde die Situation. Ignaz wusste: Bild doof, Ina schlecht gelaunt. Doch wie konnte er dem emotionalen Super-GAU entgehen? Sein grummelnder Magen erinnerte ihn daran, dass sie zum Essen und nicht zum Fotografieren hier hergekommen waren. Ignaz hielt für einen Moment inne und wog seine Chancen ab. Er erkannte, dass es nur einen Ausweg geben würde und setzte die Gabel an.

Die Falafel waren schneller weg als Ina das Bild hätte hochladen können. Ihre Augen weiteten sich so sehr, dass Ignaz Angst bekam, sie würden vielleicht herausfallen. „Was hast du getan? Ich habe das noch nicht fotografiert gehabt?!“ – „Ich hatte Hunger – und du bist doch sowieso schon mies drauf.“ – „Aber das interessiert meine Follower nicht. Wie sollen die denn jetzt wissen, was es bei uns Tolles zum Abendessen gab? Und dass heute unser Kennenlern-Tag ist und wir in diesem coolen Restaurant sitzen – so voll Szene-mäßig, weißt du wie?“ – „Nee, weiß ich nicht, ist mir auch egal, was deine Follower wissen und was nicht. Ich hatte Hunger!“ – „Ich, ich, ich… hast du dabei auch nur eine Sekunde lang an mich gedacht?“ Darauf konnte Ignaz nur noch mit einem entnervten Augenrollen reagieren.

Er liebte seine Ina und wusste, dass es an ihm war, ihr ein tolles Foto für ihren Instagram-Account zu bescheren, um den Abend doch noch irgendwie zu retten (vielleicht hatte er ja immer noch Chancen auf #sexualhealing). Er ließ Ina grummelnd ihr Essen (das nicht zu ihrem Feed passte) essen, zahlte dann für beide und zerrte sie bestimmt aus dem Lokal. „Was hast du…“, setzte Ina an, doch entschied dann, sich überraschen zu lassen. Nachdem sie kreuz und quer durch die Innenstadt gerannt waren, blieb Ignaz plötzlich stehen. Er zog unauffällig sein Smartphone aus der Tasche, trat dann an Ina heran und küsste sie. Dabei machte er ein Foto von ihren Füßen. Nach dem spontanen Kuss, der Ina sichtlich überrascht hatte, hielt ihr Ignaz sein Handy unter die Nase. „#fromwhereistand – darauf steht ihr auf Instagram doch. Ich wollte das nicht direkt vor dem Restaurant machen, weil dort der Fußboden so schäbig aussah. Aber hier ist es ganz schön. Mögen deine Follower Kopfsteinpflaster?“ Ina wusste darauf keine Antwort mehr. Sie wie war glücklich und formte ihre Finger wortlos zu einem Herz, dass sie Ignaz entgegenstreckte.

Die Twitter-Beziehung

Tim und Tina sind zwei von diesen Menschen, die wirklich, wirklich cool sind. Ihre Beziehung ist locker, ihre Witzeleien spontan und unverkrampft und der Sex – ja, der Sex… punktiert, knackig und immer mit der nötigen Prise Pfeffer. Wenn sich Tim und Tina einmal streiten, können sie meist nicht lange böse aufeinander sein – schließlich gibt es viel zu viel, worüber sie sich austauschen wollen.

Wenn Tim im Laden und Tina in der Agentur ist, spielen die beiden gern ein witziges Spiel, das sie sich vor einer Weile ausgedacht haben. Einer von beiden beginnt einen Satz und der andere beendet ihn möglichst unvorhersehbar. Im Anschluss daran twittern sie ihre oftmals vollkommen sinnlose Aussage über ihren gemeinsamen Account und kichern in ihre nicht vorhandenen Bärte. Ja, Tim und Tina sind schon ziemlich cool, hart an der Grenze zum Hipster, aber ziemlich cool – und sehr locker, aber das wurde schon erwähnt, glaube ich.

Mehr gibt es zu Tim und Tina nicht zu sagen. Sie sind ein glückliches Paar und werden es wahrscheinlich auch immer bleiben. Denn sie wissen, was sie aneinander haben.

Alle Personen und Situationen, die in diesem Beitrag vorgekommen sind, sind frei erfunden. Eventuelle Ähnlichkeiten oder Namensverwandtschaften mit Menschen, die ich (persönlich) kenne, sind rein zufällig entstanden und sollen auf nichts anspielen. 

Eure  Jessika

Bildquelle: © pexels.com

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