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Digital detox – ein Selbstversuch

26. Juli 2016
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Von: Kristina Sauerstein

Selbstversuch von Kristina

Das Thema „Digital detox“ (ein Modewort, das mir nur schwer über die Lippen kommt, aber es dennoch gut beschreibt und durch die schöne Alliteration nicht so hart klingt wie das deutsche „Entgiftung“)  schwirrt schon länger in meinem Kopf herum und ist vielleicht angesichts der PokémonGo-Welle aktueller denn je. Und doch ist es im digitalen Büroalltag quasi unmöglich, durchzuziehen. Und dennoch … irgendwie stressen diese ganzen Digitalgeräte, die permanent meine Aufmerksamkeit wollen, ja doch extrem.

Also beschloss ich kurzerhand, in meinem Slowenien-Urlaub eine Art „digitale Abstinenz“ zu vollziehen. Zugegeben, eine abgespeckte Version, denn schließlich wollen nahe Verwandte und Freunde ab und an mal ein kleines Lebenszeichen hören und da ich einige wichtige Mails erwartete, wollte ich mir einen Blick auf das Smartphone alle 3 Tage mit max. 5 min erlauben. Facebook, Twitter und Co., sprich alle Apps, die zur Ablenkung und Unterhaltung gedacht sind, sollten aber absolut tabu sein, denn das Leben passiert ja auch um einen rum, gerade in so einem spannenden Land wie Slowenien, über das man selbst als überdurchschnittlich reisefreudiger Mitteleuropa kaum etwas weiß.

Die Reise beginnt …

Sachen gepackt, ab in den Flieger – „Bitte Smartphones auf Flugmodus schalten“, tönt es durch die die Reihen. „Ha!“, denke ich, „digital detox kann kommen. Warum nicht gleich ganz aus und so lassen?“ Und ich freue mich, endlich einmal dazu zu kommen, an meinem Zeitschriften-Rückstand zu arbeiten. Nach einem entspannten Flug haben wir in Klagenfurt noch etwas Zeit. Statt unsere Smartphones aus der Tasche zu graben, setzen wir uns in das einzige Café des kleinsten Flughafens, den ich je gesehen habe. Die Zeit vergeht auch ohne Smartphone, aber sie vergeht langsam. Macht nichts, wir sind ja im Urlaub, man kann ja erstmal ankommen.

So eine Rundreise ohne Smartphone verlangt optimale Vorbereitung. Wir haben also einen ausgedruckten Reiseplan inkl. Wegbeschreibungen und Umgebungskarten dabei und genaue Uhrzeiten mit den Gastgebern vereinbart. Und ich muss sagen: es klappt erstaunlich gut.

Tagsüber kein Problem

Um das Ganze abzukürzen: wir kommen tagsüber gut zurecht. Zur Sicherheit hat mein Freund meistens das Handy dabei, aber wir nutzen es quasi nicht. Ich lasse mein Smartphone guten Gewissens konsequent in der Unterkunft zurück und komme nach einem Tag voller Erlebnisse und Eindrücke erschöpft zurück.

Und dann beginnt der schwierige Teil. Ich versuche, den (in jeder Unterkunft obligatorischen) W-LAN-Schlüssel zu ignorieren, der mich in fetten Versalien verlockend angrinst, und mich stattdessen auf den Reiseführer oder mein Buch zu konzentrieren. Und ich bleibe hart, zumindest zu Beginn. Und tatsächlich: es hat wirklich was für sich, die Tage ganz mit sich zu verbringen und die Außenwelt so gut wie möglich auszublenden (außer natürlich den Ort, an dem man sich gerade befindet). Am Tag sind wir eigentlich immer unterwegs, abends hören wir Hörspiele, lesen, rätseln, gehen aus oder quatschen einfach, was bei einer Fernbeziehung im Alltag leider auch viel zu kurz kommt.

Ungeplante Hürden

Doch es kommt, wie es kommen muss: durch Zufall sehen wir die Ankündigung zur Brexit-Abstimmung und die Smartphone-Abstinenz lässt sich nicht mehr durchhalten, denn natürlich wollen wir morgens wissen, wie es geendet ist (obwohl: warum eigentlich? Eine Woche später wäre das Ergebnis ja immer noch dasselbe). Aber um ehrlich zu sein: so ganz ohne Smartphone wäre angesichts der Digitalisierung auch nicht gegangen, denn selbst kleine Abenteuer-Agenturen (z.B. Rafting oder Canyoning) verschicken ihre Bestätigungen inkl. Wegbeschreibung und Zeit per Mail – vom Check-In für den Flug ganz zu schweigen.

Fazit:

Ich würde gerne von einem Wow-Effekt schreiben – das Gras war plötzlich grüner, die Vögel zwitscherten lauter und die Blumen rochen intensiver – aber das wäre auch übertrieben. Und mal ganz ehrlich: Slowenien ist ohnehin einfach wow! Aber – und das ist nicht übertrieben: es war sehr erholsam, nicht ständig von Informationen, Nachrichten und „News“ zugeballert zu werden und auf ein kleines Display zu starren, sondern sich auf die Umwelt zu konzentrieren und die wortwörtliche „Aus“-Zeit zu genießen. Und das kann ich ganz eindeutig sagen: die Zeit vergeht langsamer. Wie oft will ich im Alltag vor dem Schlafengehen nur mal kurz nochmal aufs Handy schauen und auf einmal ist es zwei Stunden später. Wir hatten in diesem Urlaub das Gefühl, mal richtig „raus“ zu sein und die Zeit kam uns – glücklicherweise – ungewöhnlich lang vor.

Es hat mich allerdings doch nachhaltig verunsichert, wie schwer es mir teilweise gefallen ist, das Handy zu ignorieren, vor allem, wenn es in Reichweite liegt.  Deshalb nehme ich mir für den Alltag mit, auch mal das Handy in der Tasche oder im Nebenraum zu lassen. Das ist als PR-ler mit Fernbeziehung schon an sich eine Herausforderung und natürlich nur sehr eingeschränkt machbar, aber ich empfehle wirklich Jedem, mal sein Handy für einen (halben) Tag oder auch nur einen Abend komplett zur Seite zu legen und euch ganz auf die Eindrücke um euch rum zu konzentrieren. Durch eine kleine „digital detox“ fühlt ihr euch im Nu ein ganzes Stück wohler. Ist wohl doch was dran an der Entgiftung.

Bildquelle: © digital detox – Frau mit Handy und Laptop

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