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Ein Hoch auf die Mittelmäßigkeit

19. Mai 2016
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Achtung, es folgt ein Geständnis: Manchmal fühle ich mich neben mancher meiner Fielfalt-Kolleginnen ganz schön klein und ich schäme mich für meine Mittelmäßigkeit. Sie haben grad gegründet, sind Chefinnen, arbeiten erfolgreich frei und haben tolle Kunden. Ich freue mich für jede von ihnen, doch manchmal gibt es mir das Gefühl, unbedeutend zu sein. Strahlende Vorbilder, interessante Lebensläufe und spannende Forgestellts sind nicht immer nur inspirierend. Manchmal und in manchen Fällen geben sie das Gefühl, unbedeutend zu sein. Weil man selbst nicht „den Traum“ lebt. Weil man selbst tolle Ideen hat, für die Umsetzung aber Mut und Elan fehlen. Oder weil man selbst seine Ideen ungenügend findet. Kennst du das Gefühl? Ich verspreche dir: Du bist damit nicht allein!

Woher kommt das Gefühl?

Offen gestanden fühle ich mich ziemlich oft ungenügend. Meine Ideen sind nicht gut genug. Meine Disziplin nicht ausreichend. Mein Talent beschränkt und mein Leben ziemlich durchschnittlich. Ich sehe andere Frauen meines Alters, was sie erreicht haben, leisten und was sie ausmacht und stelle fest: Daneben wirke ich ziemlich grau. Erkenntnis Nummer 1: Immer erst der Vergleich vermittelt das Gefühl, ungenügend oder nur durchschnittlich zu sein. Jede von uns, wenn man sie für sich betrachtet, hat etwas ganz Besonderes an sich. Erst im Vergleich mit anderen beginnen wir, unser Licht unter einen Scheffel zu stellen. Es ist toll, zu sehen und anzuerkennen, was andere leisten. Aber wir sollten uns davon niemals das Gefühl geben lassen, ungenügend zu sein. Wir sind vielleicht anders begabt, aber das heißt nicht, dass unsere Begabungen geringer oder weniger wert seien. Mittelmäßigkeit, das Gefühl, nur durchschnittlich zu sein, entsteht erst durch die Glorifizierung des Anderen.

Ein weiteres Geständnis: Bislang hat keines meiner Projekte lang genug überlebt als dass es den Namen verdient hätte. Ich hab immer 1000 Ideen, sprühe vor Euphorie und Tatendrang – und spätestens vier Wochen später ist das Strohfeuer erloschen, die Weiterführung des Projektes eine Qual und ich fühle mich wie eine Versagerin. Der einzige Trost: Es gibt immer mindestens eine zweite Person auf dieser Welt, der es genauso geht. Bist das vielleicht sogar du? Was würdest du als Grund dafür anführen, dass es bei uns so läuft? Offensichtlich würde man erst einmal auf mangelnde Disziplin und zu geringes Durchhaltevermögen tippen. Mag sein. Wenn du mich fragst, liegt der Grund aber viel tiefer: Wir haben unser „Warum“ noch nicht gefunden. Wir haben zwar tolle Ideen, sprühen auch erst vor Eifer – aber die Beweggründe für das Projekt waren die falschen.

Dein „Warum“ kannst du nicht erzwingen

Es gibt nämlich diese eine Krux, die mit Facebook, Instagram und Co verbunden ist. Wir stehen im ständigen Vergleich und werden ständig mit den Erfolgsgeschichten anderer konfrontiert. Bei mir ist auch der durch mein Bloggerdasein ständige Kontakt zu ambitionierten Frauen und der Start-Up-Szene mit diesem Stolperstein verbunden. Ich höre, lese, sehe Erfolgsgeschichten anderer, spreche über spannende Projekte und ganz schnell schleicht sich der Gedanke ein: Das musst du auch tun. Da musst du mithalten können. DAS ist das wahre Leben. Also habe ich meine Projekte aus zwei Gründen begonnen: 1. Der Wunsch, dazu zu gehören. Nur aus dem Wunsch, auch Teil dieser schillernden, pulsierenden Szene zu sein, habe ich viel zu schnell Projekte umsetzen wollen, bevor ich wusste, ob die Euphorie eher schnell verloschenes Strohfeuer oder dauerhaft brennende Glut ist. Ich habe Dinge angefangen, Projekte angestoßen, nur, damit ich sagen konnte: Guckt her, ich mache aus etwas!
2. Ich folgte dem Wunsch nach Anerkennung. Meine Projekte basierten darauf, dass andere sie gut fanden. Ein Problem lösen, Mehrwert schaffen, etwas tun, das ich liebe – ja, das wollte ich auch. Aber zuallererst wollte ich anerkannt, gelobt, gemocht werden. Gaaaaanz schlechte Motivation, etwas durchzuziehen. Denn wir alle wissen: In Zeiten von Social Media sind Likes schwer zu generieren, Follower mühsam zu sammeln und leider sind unsere Mitmenschen mit Kritik leider schneller als mit Lob.

Du bist TOLL wie du bist!

Im Grunde waren meine Projekte also von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Weil mir aktuell ein „Warum“ fehlt, kann ich nichts Eigenes vorweisen, denn ich weiß, jedes andere Projekt würde ich hauptsächlich aus oben genannten Gründen angehen – und damit scheitern. Aber weißt du was? Das ist nicht schlimm! Es ist ok, kein „Warum“ zu haben. Begeisterung ist zwar gut, aber nicht jeder von uns muss brennenden Herzens durch die Welt laufen. Es ist vollkommen ok, sich mit seinem Alltag ausgelastet zu fühlen und seine Freizeit mit Netflix, einem Buch oder was auch immer zu verbringen, statt 24/7 an einem neuen Projekt zu feilen. Vielleicht begegnet uns unser „Warum“ eines Tages – wenn nicht, dann ist das auch nicht schlimm. Auch ein Alltag als Angestellte ohne spektakuläre Hobbies oder exotische Reisen kann immer wieder neu aufregend und wunderbar sein. Wir müssen nur dazu stehen können. Steh zu dir und deinem Leben! Wenn du mit deinem Leben glücklich bist, du zufrieden bist und nichts Essentielles vermisst, dann ist es völlig in Ordnung, das Mittelmaß zu leben! Wir sind der ausgleichende Pol, den die Welt braucht. Dass wir vermeintlich weniger aufregend sind als andere, macht uns nicht schlechter. Du bist TOLL so wie du bist! Lass dir nichts anderes einreden.

Gerade unsere Generation wird von dem Wunsch getrieben, etwas Besonderes sein zu wollen. Die immer größer werdende Öffentlichkeit, in der jeder durch soziale Netzwerke sein Leben führt, gibt uns das Gefühl, unser Potential auch nach außen tragen zu müssen. Schnell geraten wir in die Gedankenfalle, dass unser Leben nur erwähnenswert ist, wenn es öffentliche Aufmerksamkeit erhält. Das ist Bullshit. Jeder von uns ist wertvoll, liebenswert, beachtenswert. Keiner von uns braucht dafür einen Magazinartikel, eine Führungsposition oder ein eigenes Business. Bei all den Powerfrauen, die wir jeden Tag sehen, hören, lesen und die wir auch bei Fielfalt ins Rampenlicht rücken, dürfen wir eins nicht vergessen: Egal ob still und heimlich oder laut und öffentlich – jede von uns ist eine Heldin. Denn auch nur ein Lächeln für die Kassiererin oder das Aufhalten einer Tür kann uns für jemand anderen zu etwas ganz Besonderem machen. Darum sorge dich nicht, ob dein Leben außergewöhnlich genug ist. Lass uns stattdessen lieber anstoßen: Ein Hoch auf die Mittelmäßigkeit!

Eure Celsy

Bildquelle: © pixabay.com

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  • Reply
    Ruhrstyle
    20. Mai 2016 at 16:56

    Ein wunderschöner Text mit einem tollen Fazit! Immer wieder sage ich mir und anderen, dass Vergleiche nicht notwendig sind, denn jeder Mensch ist in seiner Einzigartig etwas ganz besonderes.

    liebe Grüße
    Rebecca

    • Reply
      Celsy Dehnert
      21. Mai 2016 at 22:52

      Liebe Rebecca,

      danke für das riesige Lob! 🙂 Du bringst es auf den Punkt und ich bin sehr erleichtert, dass ich bei euch, unserer Community, mit solch einem Beitrag offene Türen einrenne! 🙂

      Hab noch ein ganz wunderbares Wochenende!
      Liebe Grüße,
      Celsy

  • Reply
    Malin
    31. Mai 2016 at 8:45

    Liebe Celsy,

    ich finde es super, dass Du mit diesem Thema an die Öffentlichkeit gegangen bist, denn ich denke, dass es im Gegensatz zu den „Erfolgreichen“, deren Welt von Außen betrachtet ja in der Regel super aussieht – eine Vielzahl mehr von jenen Menschen gibt, die es eben in dieser Form nicht sind und die sich regelmäßig mit den von Dir beschriebenen Herausforderungen herumschlagen.

    Was wir nicht vergessen sollten, und das habe ich letztens von einer “ Erfolgreichen“ zu dem Thema gehört:
    Sie haben ebenso Herausforderungen, die oftmals nicht minder belastend -wenn auch „anders“- sind.
    Es ist eben auch die Frage, ob jede/r dazu imstande ist mit dem Erfolg umzugehen, denn es erfordert viel Disziplin etc. Auch wenn man an Herausforderungen wächst – man muß es auch „können“ und bereit dazu sein, viel Arbeit an und mit sich selbst in Kauf zu nehmen.

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass nicht nur viele „mittelmäßig“ leben, weil sie nicht in der Lage sind, „besser“ zu sein oder, wie man es so häufig liest „ihre Komfortzone nicht verlassen“ sondern, weil es letztlich auch nicht ihrem Typ entspricht und eine Überforderung für sie darstellen würde.

    Finde es wichtig, dass man seinen ganz eigenen, individuellen Weg findet, der glücklich macht – unabhängig davon, was andere darüber denken.

    Liebe Grüße,
    Malin

    • Reply
      Celsy Dehnert
      31. Mai 2016 at 11:52

      Liebe Malin,

      danke für deinen Kommentar und dein Feedback! 🙂

      Sicher hast du recht mit dem, was du sagst – nicht jeder ist dafür gemacht, „größerem“ Erfolg ausgesetzt zu sein oder ein eigenes Business zu schultern. Leider wird uns aber immer mehr eingetrichtert, dass wir alles erreichen könnten und jeder, der ein Durchschnittsleben lebt, bloß zu bequem sei. Gerade für diejenigen, die sich ihrer eigenen Grenzen bewusst sind und manchmal aber auch damit hadern, hab ich diesen Artikel geschrieben.

      Umso schöner find ich es, dass sich auch immer mehr Menschen, so wie du, bewusst darüber sind, dass jeder glückliche Weg individuell ist und nicht jeder den überwältigenden Erfolg zum glücklich werden braucht! 🙂

      Liebe Grüße,
      Celsy

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