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FORGEFÜHLT: Ideen erfolgreich mit der Crowd finanzieren

17. Januar 2016
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Ideen erfolgreich mit der Crowd finanzieren?

In der zweiwöchentlichen Serie FORGEFÜHLT begleite ich Katharina und Sandra vom Onlinemagazin VIERTELRAUSCH auf dem spannenden Weg zur Gründung. Diesmal habe ich mit ihnen über das Thema Finanzierung gesprochen. Dabei haben sie mir ihre Tipps für eine gelungene Crowdfunding-Kampagne verraten.

Sandra und Katharina haben den Aufbau von VIERTELRAUSCH aus Eigenmitteln finanziert und zunächst nicht daran gedacht, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten. Der Preis für den Best-Pitch beim Startup Weekend Leipzig im Frühjahr 2015, den die beiden gewannen, beinhaltete ein Crowdfunding-Projekt bei VisionBakery – der zweitgrößten Crowdfunding-Plattform Deutschlands. Im Oktober ging die Kampagne online und nach 21 Tagen war das Fundingziel erreicht. Anhand der VIERTELRAUSCH-Kampagne geben euch Sandra und Katharina Tipps, wie ihr eure Ideen erfolgreich mit der Crowd finanziert.

1. Wahl des Crowdfunding-Modells und der Plattform

Derzeit gibt es vier unterschiedliche Crowdfunding-Modelle:

  • Spenden Crowdfunding: Spende ohne Gegenleistung
  • Klassisches Crowdfunding: Investment gegen nicht-monetäre Leistung
  • Crowdlending: Unterstützung durch Mikrokredite
  • Crowdinvesting: Kapital gegen Unternehmensanteile

Welches Crowdfunding-Modell oder welche Mischform die geeignete ist, ist abhängig von eurem Geschäftsmodell. Gleiches gilt für die Wahl der Plattform. Es gibt thematisch fokussierte oder generalistisch aufgestellte Plattformen. Manche agieren regional, andere national. Schaut euch verschiedene Seiten vorab an.

2. Fundingziel und Laufzeit

Ideen erfolgreich mit der Crowd finanzieren? Fast alle Crowdfunding-Plattformen funktionieren nach dem „Alles-oder-nichts-Prinzip“, das heißt ihr bekommt das Geld nur ausgezahlt, wenn das Fundingziel erreicht wird. Daher ist es sinnvoll, eine möglichst realistische Summe zu wählen und in der Projektbeschreibung transparent zu machen, wofür ihr das Geld verwenden möchtet.

Die VIERTELRAUSCH-Kampagne hatte mit 21 Tagen eine verhältnismäßig kurze Laufzeit: „Dadurch ist schnell eine Dynamik entstanden, obwohl wir generell eine Laufzeit von 30 bis 40 Tagen empfehlen würden. Wir haben uns damals aber gegen die Verlängerung unserer Kampagne entschieden. Das war vor allem eine persönliche Entscheidung, denn der Druck, der auf uns lastete, war enorm.“

 3. Sich gedanklich vorbereiten

 „Da wir die Kampagne gewonnen hatten, haben wir nie wirklich hinterfragt, warum wir crowdfunden. Uns war nicht bewusst, worauf wir uns einlassen. Wir würden jedem raten, sich vorab genau Gedanken zu machen, welche Ziele man neben der finanziellen Unterstützung mit dem Crowdfunding erreichen möchte.“ Beim Crowdfunding stellt ihr euch und eure Idee in die Öffentlichkeit und erzielt in der Regel eine enorme Reichweite. Eine gute Kampagne bedeutet sehr viel Arbeit und kann trotzdem das Fundingziel verfehlen. Sandra und Katharina erinnern sich: „Es war ziemlich nervenaufreibend, auch weil wir uns so stark mit dem Projekt verbunden fühlen. Wir wollten nicht scheitern und dabei ging es uns nicht mal in erster Linie ums Geld. Zudem urteilen die Leute permanent über dich und deine Idee. Das muss man aushalten können.“

4. Gegenleistungen

Die Auswahl der passenden Dankeschöns ist sehr wichtig. Gerade bei Projekten, deren Projektergebnis, wie etwa eine CD oder ein Buch, nicht als Gegenleistung für die Unterstützung angeboten werden kann, heißt es kreativ werden: „Wir haben immer wieder gebrainstormed, welche Rewards am besten zu unserem Projekt passen. Die Idee, eine Party zu veranstalten, kam unglaublich gut an. Auf diese Weise haben wir eine viel stärkere Verbindung zu unseren LeserInnen aufgebaut, einfach weil wir uns an dem Abend persönlich kennengelernt und ein individuelles Erlebnis ermöglicht haben.“

Sandra und Katharina fiel es nicht leicht, die Preise für die einzelnen Dankeschöns festzulegen: „Wir würden jedoch nie wieder bei 5 Euro anfangen, sondern bei Minimum 10 Euro. Da muss man auch wirtschaftlich denken und überlegen, was Produktion und Versand der einzelnen Gegenleistungen an Zeit und Kosten in Anspruch nehmen. Zudem sollte die Zahl der Dankeschöns überschaubar bleiben. Wir hatten uns auf 10 Gegenleistungen festgelegt.“

Sandra und Katharina raten dazu, den Aufwand für die Anfertigung und Versendung der Rewards nicht zu unterschätzen: „Es war schon ein Kraftakt, die Dankeschöns neben dem Relaunch unserer beiden Webseiten fertigzustellen, da wir sie alle selbst angefertigt und liebevoll verpackt haben. Aber wir haben das sehr gern gemacht und es war schön zu erleben, wie sehr sich unsere UnterstützerInnen darüber gefreut haben.“

 5. Die Crowd mobilisieren

„Durch VIERTELRAUSCH haben wir uns eine Community aufgebaut, die unser Projekt nicht nur ideell und finanziell unterstützt hat sondern auch ganz praktisch durch ihr Feedback und das Teilen der Idee.“ Sandra und Katharina betonen, wie wichtig es ist, den potentiellen UnterstützerInnenkreis regelmäßig mit Projektupdates zu versorgen und auf Fragen und Kommentare einzugehen: „Am Anfang waren wir uns zum Beispiel unsicher, in welcher Intensität wir die sozialen Netzwerke bespielen sollen, denn wir wollten unsere Community auch nicht nerven. Wir bekamen aber die Rückmeldung, dass regelmäßige Posts sinnvoll sind, um die UnterstützerInnen an das Projekt zu erinnern. Obwohl wir jeden Tag wussten, wie viele Stunden und Sekunden uns noch bis zum Projektende bleiben, hatte unsere Crowd das natürlich nicht in dem Maße im Blick.“

Und Sandra hat noch einen weiteren wichtigen Tipp: „Es lohnt sich auf jeden Fall, die Social Media Kommunikation vorab sorgfältig zu planen: wann bespiele ich welche Kanäle. Ebenso hilfreich ist es, Posts inhaltlich vorzubereiten, denn dafür fehlt schlichtweg während der Kampagne die Zeit. Dennoch sollte immer Raum für spontane Aktionen sein, denn man weiß vorab nie, in welche Richtung sich die Kampagne entwickelt. Die Bewerbung über instagram hat bei uns beispielsweise kaum Resonanz erzeugt. Dafür kam der Live-TV über Periscope, in dem uns Interessierte Fragen zu unserem Projekt stellen konnten, sehr gut an.“

6. Geht euren eigenen Weg

Was Katharina und Sandra vor allem durch ihre Kampagne gelernt haben: „Der Blick auf andere erfolgreich abgeschlossene Kampagnen und Ratschläge von Experten sind hilfreich. Aber viel wichtiger ist es, auf sich und die eigene Kreativität zu vertrauen. Man kennt sein Projekt oder Produkt selbst am besten und sollte sich nicht zu sehr von der Meinung anderer verunsichern lassen.“

Im nächsten FORGEFÜHLT berichten Sandra und Katharina, wie sie nicht nur während ihrer Crowdfunding-Kampagne gelernt haben, mit Kritik umzugehen.

Tina und Sandra & Katharina von VIERTELRAUSCH

Welche Tipps habt ihr, um eine Crowdfunding-Kampagne erfolgreich umzusetzen? Kann sich Crowdfunding langfristig als Alternative zu anderen Finanzierungsmodellen etablieren? Kommentiert gern unseren Beitrag „FORGEFÜHLT: Ideen erfolgreich mit der Crowd finanzieren“.

Bildquelle: © Tina Müller

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  • Reply
    Katja
    18. Januar 2016 at 9:22

    Das Interesse an Crowdfunding steigt immer weiter an. Für viele ist und bleibt diese eine tolle Finanzierungsalternative, insbesondere wenn das Eigenkapital für die Umsetzung eines Projektes fehlt. Es ist schon beeindruckend zu sehen, was in der Vergangenheit alles durch Crowdfunding realisiert werden konnte.

    • Reply
      Tina Müller
      18. Januar 2016 at 9:40

      Liebe Katja,

      danke für deinen Kommentar. Ich stimme dir absolut zu, denn es sind zahlreiche tolle Projekte in den vergangenen Jahren mit der Crowd realisiert worden. Zunehmend lässt sich auch der Trend erkennen, dass Crowdfunding zum Indikator für Investments wird, d.h. eine erfolgreich abgeschlossene Kampagne bestärkt Business Angels darin, in ein Produkt zu investieren. Und auch die Marktanalayse des eigenes Produktes durch Crowdfunding ist nicht zu unterschätzen.

  • Reply
    Was wir Euch noch sagen wollen... -
    27. Januar 2016 at 19:05

    […] … für das schnelle Wachsen unserer Community […]

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