FORGEFÜHLT

FORGEFÜHLT: Von der Idee zum Geschäftsmodell

20. Dezember 2015
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In der zweiwöchentlichen Serie FORGEFÜHLT begleite ich Katharina und Sandra vom Onlinemagazin VIERTELRAUSCH auf dem spannenden Weg zur Gründung. Diesmal habe ich mit ihnen über die Entwicklung ihres Geschäftsmodells gesprochen.

„Die Teilnahme am Startup Weekend Leipzig im April dieses Jahres war ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung unseres Geschäftsmodells“, berichtet Sandra. Ziel des Veranstaltungsformates ist es, innerhalb von 54h die Basis für ein Unternehmen oder den Launch eines Produktes zu legen. Gemeinsam mit anderen Gründungsinteressierten werden die anfangs vagen Gründungsgedanken im Team zu einem konkreten Konzept oder Produkt ausgearbeitet und zum Schluss vor einer Jury präsentiert.

Das Startup Weekend begann am Freitagabend mit der Vorstellung verschiedener Gründungsideen im einminütigen Elevator Pitch. Die Teilnehmenden konnten entweder eigene Ideen vorstellen oder zunächst den Pitches zuhören. Sandra und Katharina pitchten die Idee einer sozialen Agentur für Web- und Corporate Design sowie Social Media- und SEO-Beratung: „Wir präsentierten ein nachhaltiges Geschäftsmodell, bei dem ein Kreislauf entstehen sollte. Durch eine speziell angepasste Preispolitik ermöglichen Auftraggeber größerer Unternehmen kleineren Firmen und Startups zum Beispiel einen professionellen Webauftritt. Diese gegenseitige Unterstützung sollte durch ein spezielles Zertifikatsystem attraktiver gestaltet werden.“

Katharina verrät, dass beide vor dem Pitch sehr aufgeregt waren: „Wir waren alles andere als entspannt. In 60 Sekunden seine Idee vor einem großen Publikum zu präsentieren, ist eine Herausforderung. Wir wollten nichts dem Zufall überlassen und hatten deshalb unseren Pitch vorab immer wieder trainiert, bis wir ihn buchstäblich im Schlaf konnten.“

Im Anschluss an die Pitches wurden die besten 10 Ideen ausgewählt und die Teams fanden sich zusammen, um gemeinsam in den kommenden zwei Tagen an der Entwicklung der jeweiligen Geschäftsidee zu arbeiten: „Wir waren ein Team von 4 Leuten, was sich als großer Vorteil erwies. Denn in dieser Gruppengröße konnten wir sehr effizient und produktiv an unserer Idee arbeiten.“

Die darauffolgenden Tage dienten dazu, in den Teams intensiv die jeweilige Idee auszubauen und ein funktionierendes Geschäftsmodell zu entwickeln: „Am Freitag und Samstag haben wir bis spät abends weiter an der Idee gefeilt, unter anderem mithilfe des Business Model Canvas. Jederzeit standen uns Mentoren und Coaches aus den verschiedensten Bereichen zur Seite, die uns bei Fragen zur Zielgruppen-Analyse, über die Finanzierung bis hin zur Rechtsform unterstützt haben.“

Im Laufe des Samstags steigerten sich bei Sandra und Katharina der innere Druck und die Anspannung vor dem finalen Pitch am Sonntag: „Unser Pitch sollte richtig knallen. Wir wollten unbedingt überzeugen, denn es waren auch viele potentielle Kunden beim Startup Weekend anwesend. Doch am Samstagnachmittag hatten wir das Gefühl, immer noch am Anfang zu stehen, während einige Teams bereits an ihrem Pitch Deck bastelten. Die zündende Idee für die Präsentation kam schließlich von einer Mentorin, die uns empfahl, mit einem eigenen Unternehmensvideo zu pitchen, denn das sollte auch ein zentrales Angebot unserer zu gründenden Agentur werden.“

Das Konzept für den Imagefilm arbeiteten die beiden bis Samstagnacht aus und nach wenigen Stunden Schlaf fand am Sonntagmorgen der Dreh unter großem Zeitdruck statt. Sandras größte Befürchtung, dass die Videodaten nicht an die Cutterin in Oldenburg übermittelt werden können, bewahrheitete sich zunächst: „Wir versuchten ruhig zu bleiben, obwohl uns bis zum finalen Pitch nur noch wenige Stunden blieben. Letztlich konnten wir über eine stabile Datenleitung die Dateien übermitteln und mit dem fertig geschnittenen Video unseren Pitch noch mehrmals proben.“

Am Abend präsentierten Sandra und Katharina vor der Jury ihr Geschäftsmodell. In das bestehende Onlinemagazin VIERTELRAUSCH sollte ein ästhetisch ansprechendes, digitales Branchenbuch integriert werden. Kleinunternehmen erhielten somit gegen einen niedrigen Betrag einen Webauftritt, auf den sie verweisen können, wenn sie zum Beispiel keine eigene Webseite haben. Daneben sollte die Agentur EFFEKTRAUSCH für Web- und Corporatedesign und Kommunikationsstrategien bestehen. „Unser Pitch klappte reibungslos und die Jury hatte vor Ablauf der Zeit keine weiteren Fragen an uns. Wir wussten erst nicht, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist. Bei der abschließenden Preisverleihung gewannen wir den Preis für den ‚Best Pitch’. Danach waren wir wortwörtlich wie im Rausch.“

Seit dem Startup Weekend sind einige Monate vergangen. Sandra und Katharina bilanzieren: „Mittlerweile haben wir unser Geschäftsmodell weiterentwickelt, das wir im finalen Pitch präsentierten. Das Branchenbuch haben wir aus mehreren Gründen verworfen. Einerseits gestaltet sich der Kontakt zu mittelständischen Unternehmen wie Handwerksfirmen als Adressaten des Branchenbuches schwierig, Andererseits wäre der Arbeitsumfang für uns beide sehr schnell nicht mehr zu bewältigen gewesen. Denn Interviews und Unternehmensvideo sind natürlich auch sehr aufwendig zu produzieren.“ Und Sandra ergänzt: „Hinter dem jetzigen Geschäftsmodell stehen wir voll und ganz. Das Onlinemagazin VIERTELRAUSCH bleibt unser regional fokussiertes Kunstprojekt. Mit EFFEKTRAUSCH stellen wir uns hingegen bundesweit auf. Auf der EFFEKTRAUSCH-Webseite wird es die Kategorie ‚Visionen’ mit UnternehmerInnen-Portraits geben. Somit stärken wir unser Netzwerk, dass wir mit VIERTELRAUSCH begonnen haben aufzubauen.“

Im November haben Katharina und Sandra beim Startup Weekend Chemnitz teilgenommen. Diesmal pitchten sie jedoch nicht selbst eine Idee, sondern unterstützten mit ihren Erfahrungen das Team „Guetewerk – ein Onlineshop für nachhaltige Produkte. Glückwunsch zum 2. Platz.

Im nächsten Teil von FORGEFÜHLT geht es um rechtliche Regelungen in Bezug auf die Unternehmensgründung. Welche Unternehmensform passt zum Geschäftsmodell und welche Behördengänge sind notwendig?

Tina und Sandra & Katharina von VIERTELRAUSCH

Bildquelle: © Tina Müller

Wie sind eure Erfahrungen mit Gründerveranstaltungen wie dem Startup Weekend? Kennt oder nutzt ihr noch andere Methoden und Tools zur Entwicklung eurer Geschäftsidee? Kommentiert gern unseren Beitrag „FORGEFÜHLT: Von der Idee zum Geschäftsmodell“.

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