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FORGESTELLT: Amber Riedl, Gründerin von Makerist – der Handarbeitsschule im Internet

13. Mai 2016
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Im Interview mit Amber Riedl

Amber ist in Kanada geboren und aufgewachsen. 2004 verließ sie jedoch Kanada und kam nach Berlin. Die studierte Politikwissenschaftlerin gründete dann 2008 ihr erstes Startup „1001 hochzeiten“, während sie ihre eigene Hochzeit plante. Sie wurde Mutter von zwei Kindern und im Frühjahr 2013 lernte sie ihren heutigen Co-Founder Axel Heinz kennen, mit dem sie noch im gleichen Jahr Makerist gründete – die Handarbeitsschule im Internet! Wie Sie Startup, Familie und Freizeit unter einen Hut bringt und was Amber erfolgreich macht, erfahrt ihr im Interview:

Amber, welche 3 Worte beschreiben Dich am Besten?

Amber: Kreativ, offen und authentisch.

2008 hast Du dein erstes StartUp „1001 Hochzeiten“ gründet. Während dieser Zeit hast Du viele Erfahrungen sammeln dürfen. Was hat Dich in dieser Zeit am meisten geprägt?

Amber: Bei 1001hochzeiten habe ich erlebt wie gern man arbeitet, wenn man den Effekt seiner Arbeit direkt sehen kann, wenn Ideen zum Leben erweckt werden. Das motiviert viel stärker als Geld! Und die kurzen Entscheidungswege haben mich geprägt. Wir versuchen es jetzt auch bei Makerist so zu halten und hier haben wir viel mehr Mitarbeiter.

Außerdem durfte ich erfahren, wie groß der Unterschied zwischen strategischer und operativer Arbeit ist. Hast du als Gründer(in) genug Geld von Investoren, kannst du mehr Leute einstellen und dich so wiederum wirklich auf die strategische Ebene konzentrieren. Deine Aufgabe als Gründer ist, Geld zu sammeln und damit das klappt, musst du die operativen Elemente zwar verstehen, deinen Fokus aber auf die Strategie setzen, sonst kannst du nicht exponentiell wachsen. Und noch jemand hat mich in der Zeit von 1001hochzeiten geprägt: Ich habe zwei wunderbare Kinder zur Welt gebacht.

Und welche Tipps kannst Du anderen Gründerinnen durch diese Erfahrung mit auf den Weg geben?

Amber: Mein Tipp, wenn man Familie, Kinder und Startup kombinieren will: Du brauchst einen Co-Founder, auf den du dich verlassen kannst. Nur so kann man sich mit gutem Gewissen auch ganz auf Familie und Kinder konzentrieren. Und ich rate ganz allgemein dazu, nicht an Dingen festzuhalten, die nicht funktionieren. Man muss vom Markt getragen werden oder die richtige Rückmeldung von Investoren bekommen. Ich habe da vielleicht etwas zu lange gewartet, mit der Hoffnung, dass alles einfacher wird, wenn ich wieder voll arbeite. Das war kein Aspekt der operativen Arbeit, sondern eine strukturelle Frage – und die Struktur für Wachstum war so einfach nicht gegeben.

Manchmal steckt man selbst so tief drin, dass man solche Dinge nicht sieht. Man muss andere Menschen fragen und sie bitten, offen und ehrlich zu sein. Und dann braucht man den Mut, auch mal aufzugeben. Nur so schafft man Platz für etwas neues.


 

„Mein Tipp, wenn man Familie, Kinder und Startup kombinieren will: Du brauchst einen Co-Founder, auf den du dich verlassen kannst“

 


Später, nach dem Kennenlernen von Deinem heutigen Mitgründer Axel Heinz, habt ihr gemeinsam die Online-Handarbeitsschule Makerist gegründet. Was hat Dich dazu bewogen?

Amber: Zum einen habe ich bei 1001hochzeiten erfahren, dass alle wie verrückt nach Möglichkeiten suchen, Dinge selber zu machen. Von den Einladungskarten, über die Dekoration, bis hin zum Gastgeschenk. Eine Hochzeit feiert man nur einmal, im Hobbybereich ist die DIY-Kultur aber ein richtiger Trend und auch ein wiederkehrender Faktor. Zum anderen habe ich in Axel sofort einen starken Partner gesehen und wusste, wenn wir das Ding zu zweit machen, hat es eine hohe Erfolgschance.

Was macht Makerist besonders?

Amber: Makerist ist ein Netzwerk von tollen, kreativen Leuten, die ihre Leidenschaft für Handarbeit (ob Nähen, Stricken oder Backen) mit anderen teilen wollen. Wir haben sehr früh gesehen, dass es in diesem Bereich unbedingt eine koordinierende Plattform für die Community brauchte. Am Anfang haben wir also einfach unsere Facebook-Gruppen, das Näh Café und das Strick Café, geleitet und haben danach das Angebot auf unsere Website Makerist.de übertragen. Mitglieder unserer Community wollen sich über ihre Hobbys austauschen und netzwerken. Bei uns stehen sie selbst dabei im Vordergrund. Wobei wir auch schnell das Potenzial von eigenem Content gesehen haben: unsere Video-Kurse und Ebooks, kombiniert mit einem umfangreichen Materialangebot. So erzeugen wir viel Wert!

Und welche Zielgruppe sprecht Ihr mit der Plattform an?

Amber: Wir wollen Kreative ansprechen und ihnen helfen, mit ihrem Hobby weiter zu kommen – sei es durch Tipps von unseren Experten (die Trainer in den Video-Kursen), Inspiration für neue Projekte in unserer Werkschau oder das nötige Material für alle möglichen Projekte im Anleitungsmarkt – bei uns ist alles an einem Ort vereint.

Unser typischer User ist statistisch eine Frau zwischen 35 und 55, mit einem oder mehreren Kindern, die Teilzeit arbeitet. Sie gehört zu den Menschen, die einfach mehr Zeit in ihre Hobbys investieren. Wir wollen aber durchaus auch eine jüngere Zielgruppe erreichen, z.B. mit unserem Printmagazin, dem Makerist Mag, oder ältere Leute, die einfach mehr Zeit haben, sich auch mal einen Video-Kurs anzusehen.

2013 wurdet ihr als „StartUp des Jahres“ nominiert. Würdet Ihr Euch heute nach wie vor als „StartUp“ bezeichnen?

Amber: Wir haben uns im Sommer 2013 gegründet. Und ich würde uns immer noch als Startup bezeichnen, ganz bewusst. Für mich bedeutet Startup mehr als “kein Geld haben”, es ist eine Denkweise und eine Arbeitseinstellung. Die Vorteile, die ein Startup gegenüber etablierten Businesses aufweist sind Flexibilität und Geschwindigkeit. Startup heißt auch, dass man bereit ist ein Risiko einzugehen und Fremdkapital anzunehmen, um Wachstum zu erzeugen.

Makerist sollte eigentlich 2016 den break-even schaffen. Weil wir aber viel Potenzial in anderen Märkten sehen (z.B. Frankreich), nehmen wir dieses Jahr wieder Geld an, um unsere Präsenz auch international auszubauen.


 

„Für mich bedeutet Startup mehr als “kein Geld haben”, es ist eine Denkweise und eine Arbeitseinstellung.“

 


Wie groß ist inzwischen Euer Team und was macht Dich als Führungskraft aus?

Amber: Wir haben jetzt schon 35 großartige Mitarbeiter bei Makerist. Ich hoffe, ich kann sie motivieren, indem ich die Hintergründe und Zusammenhänge von Entscheidungen erkläre und Verantwortungen für Projekte abgebe. Ich weiß selbst, dass das Privatleben mal dazwischen kommt, darum vertraue ich den Mitarbeitern, wenn sie mal später rein oder früher raus müssen.

Gibt es etwas, was Dir besonders wichtig ist, um den Erfolg des Unternehmens, wie auch die Motivation der Mitarbeiter zu steigern?

Amber: Mir ist es wichtig, dass wir den kreativen Aspekt unserer Arbeit und unsere Branche unter dem alltäglichen Berg von E-Mails nicht aus den Augen verlieren. Wir haben immer wieder kleine Kreativ-Treffs innerhalb des Teams und bekommen Material von Herstellern zum Ausprobieren gesponsert. Wir erkennen die Stärken und die Kreativität unserer Leute und freuen uns, wenn sie auch mal über die Bereiche hinweg mitarbeiten, wenn sie z.B. mal für die dpa vor der Kamera stehen.

Wie vereinst Du bestmöglich Familie und Beruf?

Amber: Mit tollen Partnern zu Hause und im Büro. Mit einer guten Organisation (ich habe 3 Kalender!), einem verlässlichen Babysitter und einem Netzwerk von Freunden, die auch mal spontan einspringen, weil sie auch Kinder haben. Es ist auch wichtig, bei beiden noch flexibel zu bleiben – nicht jeder Abend ist ein Feierabend. Und – um genug Zeit für beides zu haben, habe ich andere Dinge zurückgefahrent: Veranstaltungen, Treffen mit Freundinnen, Hobbys… Die kommen erstmal eine Zeitlang an dritter Stelle.

Und wie sieht für Dich der perfekte Start, sowie Ausklang aus in der Woche aus?

Amber: Der perfekte Start in die Woche: Keiner ist krank, wir sind alle voller Energie und Motivation für die Woche. Außerdem kenne ich meine Termine und weiß, was auf mich zu kommt.

Ich weiß, welche meine größten To-Dos und weiß, dass die Kinderbetreuung gesichert ist. Und dann habe ich direkt einen starken Kaffee in der Hand. Montagvormittags haben wir bei Makerist ein Senior Management Meeting, in dem wir die großen Projekte der Woche besprechen. Das hilft allen bei der Priorisierung von Aufgaben und gibt eine bereichsübergreifende Denkweise. Gut ausklingen kann die Woche mit vielen erledigten To-Dos, der Familie, Freunden, Yoga, Sauna, Schlaf und einem Glas Wein.

Vielen Dank liebe Amber!

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