Instagram

Follow Me!

PORTRAITS Weitere Beiträge

FORGESTELLT: Andrea Designforscherin und Gründerin design:transfer

24. September 2016
Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedinmailby feather

Wie ihr wisst, habe ich dieses Jahr bei Panda teilgenommen. Ich habe dort so viele interessante Frauen kennengelernt, das war schon Wahnsinn. Heute bekommt Andrea – Designforscherin – die Bühne. Ja ihr habt das richtig gelesen – Designforscherin – was das bedeutet, lest ihr heute bei uns. Njoy!



Liebe Andrea – wer bist du? Stell dich uns doch einmal vor.

Andrea: Ich bin Designforscherin, Gründerin von design:transfer und in manchen Augen sicher eine Idealistin, oder besser gesagt: Ich habe die Vision die Designforschung interdisziplinär zu stärken – also weniger idealistisch, sondern maximal visionär. Achja, und ich liebe die Wellen und das Meer.

Du beschäftigst dich mit etwas ganz anderem, als man es so gewohnt ist: Designforschung. Was genau machst du den lieben langen Tag?

© Andrea

© Andrea

Andrea: Als Designforscherin suche ich nach Problemen, um sie zu lösen, anders als das vielleicht bisher geschehen ist. Ich versetzte mich beispielsweise in die Lage des Nutzers um herauszufinden, wie dieser morgen von A nach B reisen möchte: zeitlich, komfortabel, mit welchem Transportmittel, und wie sein Koffer zum Ziel gelangt, ohne das er getragen, gezogen oder geschoben werden muss – nicht nur für mich als Weltreisende zentrale Fragestellungen!

Auch gleicht die Arbeit einer Designforscherin der einer Tatort Kommissarin: observieren, befragen, protoypen, testen, experimentieren und intervenieren, immer auf der Suche nach neuen Erkenntnissen.

Mein Tatort ist die Organisation. Ich bin auf der Suche nach Problemen innerhalb von Organisationen und das mit Hilfe kreativer Arbeitsweisen. So entdecke ich Prozesse, die nicht reibungslos sind, sehe nicht zielgerichtete Kommunikationswege, umständliche Informationsweitergaben oder Ideen, die auf der Strecke bleiben und stelle den Menschen in den Mittelpunkt dieser Interaktionen. Zu jedem Zeitpunkt stelle ich mir die Frage: Warum ist das so? Das spannende daran: eine Organisation kann ein wirtschaftliches Unternehmen oder eine Hausgemeinschaft sein – also ein temporäres Zusammensein von Menschen. Und am liebsten forsche ich im Team. Erst die unterschiedlichen Blickwinkel und Disziplinen lassen Lösungen wachsen.

Die Intiative design:transfer habe ich 2014 genau aus diesem Grunde gegründet, um Menschen zusammenzubringen. Wir sind rasant zu einem Netzwerk von knapp 500 Personen angewachsen, die eins verbindet: das Design und dessen Arbeitsweisen inmitten anderer Disziplinen anzuwenden. Verstreut von Glasgow bis Neu Delhi treffen wir uns regelmäßig online zum Austausch, verfassen Blogbeiträge, Artikel oder wissenschaftliche Paper. Zunehmend werden wir auch um Meinungsbeiträge in der Politik und im öffentlichen Sektor gefragt, ein Feld auf welchem das Design lange nur vereinzelt vertreten war. Vorträge sind auch dabei, doch eigentlich arbeiten wir lieber mit dem Menschen als frontal zu referieren.

Wusstest du von Kindesbeinen an, was genau du später einmal werden willst?

Andrea: Aus tiefstem Herzen, ja.

Ich wusste immer, dass ich etwas Kreatives mit viel Abwechslung machen möchte und was meine Neugier und Mut fordert. Eintönigkeit langweilt mich. Das Kreative stand immer fest. Nach Praktika in Agentur und bei einem freiberuflichen Fotografen-Duo, ist meine Leidenschaft für die Fotografie entzündet worden. Fortan fand man mich meist zwischen Studio und Dunkelkammer, zum Leidwesen meiner Eltern und Zeugnisse. Durch den Sucher der Kamera war ich auf der Suche nach ungewöhnlichen Motiven und Interaktionen. Das ist bis heute geblieben, nur bin ich jetzt auf der Suche nach Mustern in Organisationen.

Wie kam es zu der Entscheidung sich mit Designforschung zu beschäftigen?

Andrea: Der Designforschung begegnete ich erst am Ende meines Studium, getrieben von der Frage: Was kann ich neben einem Produkt, einem Service noch gestalten – ein System! Mich hat das große Ganze interessiert, ob das in Wirtschaft oder in der Politik ist. Mich interessiert, wie eine Organisation in ihren Strukturen, Prozessen, Interaktionen gestaltet werden kann, dass Menschen zusammen denken, entwickeln und neues entstehen lässt.

Was haben deine Eltern gesagt als du ihnen deinen Weg, den du jetzt einschlagen wirst, mitgeteilt hast?

Andrea: Meine Eltern haben mir beim Finden meines Weges freie Hand gelassen, mich aber immer unterstützt. Sie haben mich aktiv begleitet, mich aber meine eignen Erfahrungen machen lassen statt sie vorzugeben. Ich versuche ihnen auch heute noch viele Bilder und Eindrücke meines Weges mitzugeben oder sie zu einer Konferenz oder einem Vortrag einzuladen. Auch sind sie die kritischsten design:transfer Newsletter Leser und finden immer noch ein Fehler, darauf ist Verlass.

Ich bin ihnen dankbar für die Freiheit, in der sie mich erzogen haben, und den individuellen Weg meines Bruders und mir begleiten. Da sie Kreativwirtschaft und Forschung selber nicht kennen, ist dies ganz besonders wichtig – und sicher nicht immer einfach. Aber meine Leidenschaft steckt eher an, als das sie mich stoppen könnte, so sagt es der jährliche Weihnachtstisch-Dialog.

Was bedeutet für dich Mut?

Andrea: Bereit sein Neues zu wagen, und sich dabei nicht von bisherigen Erfahrungsgrenzen abhalten zu lassen, auch eingefahrene Wege zu verlassen und wider skeptischer Meinungen Anderer fortzufahren. Ich lerne durch das Erleben soviel mehr, als vorher alles detailliert zu planen. Das spannendste sind die Dinge, die sich einfach nicht planen lassen und mich ein wenig aus der Komfortzone reißen. Sonst muss ich mich manchmal selbst ein wenig schubsen, wenn ich zu sehr alles durchplanen möchte, und mir selbst das spannendste nehme. Mutig sein ist für mich: Dinge ausprobieren, reflektieren, verändern und das eigene Leben zu gestalten!

Wie stark musst du dich in deiner Umgebung tagtäglich durchsetzen? Gerade in der Researcherbranche stelle ich mir einen hohen Männeranteil vor – ist dem so?

Andrea: Das Wohlfühlen in einem Arbeitskontext liegt für mich eher an der Unternehmenskultur als am Geschlecht. In einem hierarchisch, kompetitiven, technokratischen Unternehmen vermisse ich häufig die Kollaboration, ein WIR Gedanken. Anreizsysteme, eigentlich als Belohnung gedacht, sind oftmals noch rein monetär und auf individuelle Ziele ausgerichtet Diese werden zu Beginn eines Jahres festgelegt und deren Erreichen am Ende evaluiert. Dabei ist längst belegt, dass monetäre Anreize nicht nachhaltig wirken und die extrinsische Motivation berücksichtigen.

Für mich schränken sie mein Freiheitsgefühl und Kreativität ein. Ich wünsche mir mehr Menschzentrierung in Organisationen, also das Vorantreiben spannender Tendenzen wie Teal Organisation, Purpose driven oder auch Holacracy ganz unabhängig vom Geschlecht!.

Was willst du dieses Jahr noch wagen oder hast du dieses Jahr bereits gewagt? 🙂

© Andrea

© Andrea

Andrea: Dieses Jahr steht im Zeichen meiner Promotion, daher sind die Abenteuer eher in Auswertung der Daten zu finden. Ich finde das sehr spannend, aber auch speziell. Mein Wagnis besteht wohl darin, mich auf das Neue, die Promotion einzulassen und meine vertraute „Doing“-Landschaft zu verändern. Die Projektdauer von drei Jahren ist für mich unbekannt, bisher gab es Sprints und kürzere Projekte. Die Promotion ist ein Wagnis, viel über mich selbst zu lernen.

Zukünftig sehe ich die Gestaltung von design:transfer: Wie entwickelt sich eine Community, welches Beziehungssystem herrscht vor, wie werden Konflikte gelöst. Im Gegensatz zu einem Unternehmen, ist der Freiraum der Gestaltung da, aber es ist auch mehr Gestaltungswille notwendig. Als Gründerin beobachte und gestalte ich hier gleichermaßen, neues entstehen kann aber nur kollaborativ entstehen. Eine Community braucht viele Köpfe und ich hoffe, uns gelingt die Menschzentrierung auch weiterhin!

Liebe Andrea hab vielen Dank für das Interview! Ich wünsche dir ganz viel Erfolg bei deinem Wagnis und danke dir für das wunderbare Interview!

Ihr habt Fragen an Andrea oder über design:transfer, dann kommentiert gern unter: „FORGESTELLT: Andrea Designforscherin und Gründerin design:transfer“

Eure Julia

Facebooktwitterinstagramby feather

    Leave a Reply