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FORGESTELLT: Ann-Carolin, Gründerin Hilfe für Nepal

18. Oktober 2015
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Liebe Ann-Carolin – Du hast schon super viel erlebt. Es wäre toll, wenn Du dich in ein paar Worten den FIELFALT-Lesern vorstellen könntest.

 
Ann-Carolin: Klar, ich bin Ann-Carolin, 32 Jahre alt und Wahlberlinerin. Ich habe im Januar nach sieben Jahren Management einen Tapetenwechsel gebraucht. Bei meiner Auszeit in Asien bin ich auch nach Nepal gekommen, habe dort das Erdbeben hautnah miterlebt und bin geblieben, um zu helfen. Jetzt bin ich Gründerin von „Hilfe für Nepal“ und dem Modelabel „Yakmandu“.

StudiVZ, Absolventa und Co sind nur einige deiner Lebensstationen – wie kam es zu deinen Reiseabsichten? Welche Entscheidungen haben Dich dazu bewegt, zu sagen: „Schluss jetzt mit diesem Dasein. Ich möchte raus aus meiner Komfortzone und rein ins Abenteuer?“

 
Ann-Carolin: Ich liebe es zu arbeiten, zeitweise würde ich sagen, war ich ein Workaholic – aber halt auch mit den negativen Begleiterscheinungen. Mehrfach ging es um die Diagnose Burn-out und ich dachte immer, dass drei Tage in einem Spa-Hotel die Sache
wieder richten wird – Pustekuchen! Im Januar habe ich mich dann vor einem Scherbenhaufen befunden. Nervenzusammenbruch, Vertragsauflösung, Sinnkrise.
Natürlich hätte ich gleich wieder einen Job finden können, aber ich wollte mal einen Gang runter schalten. Ich liebe es zu reisen und hatte dafür zu wenig Zeit in den letzten Jahren. Also ging’s mit einem One-way-Ticket nach Asien und ich habe mir keinen Zeitpunkt gesetzt, wann ich wieder in Berlin sein möchte. Nach Kultur in Myanmar, abhängen in Bali und Tempeln in Kambodscha, hat es mich nach Nepal gezogen. Reine Bauchentscheidung damals. Dort bin ich in ein Ashram und habe zwei Wochen in einer Kommune gelebt und durch Meditation, Yoga und die Gemeinschaft einfach mal seelischen Ballast abgeworfen – das hat gut getan.

Du warst in Nepal als das Beben kam, was alles veränderte. Was hat das in Dir ausgelöst? Wie kam es dann zu der Überlegung Hilfe für Nepal zu gründen?

 
Ann-Carolin: Niemand ist vorbereitet, wenn eine Naturkatastrophe passiert – ich war es auch nicht. Natürlich hatte ich Todesangst und habe tagelang im Freien geschlafen, wir hatten kaum Strom, mussten uns Essen über den Schwarzmarkt besorgen, stündlich
gab es Nachbeben und ich war psychisch ziemlich am Ende durch die ständige Bedrohung.
Aber irgendwas sagte mir, dass ich bleiben soll. Freunde fingen an mir Geld zu überweisen, damit ich dort Gutes tun kann. Ich rechnete mit 1.000€ und stand nach vier Tagen schon mit über 5.000€ da. Dann musste ich aktiv werden. Und ich habe

auch mein Leben lang irgendwie nach einer Chance wie dieser gesucht. Also habe ich „Hilfe für Nepal“ auf einem kaputten iPhone mithilfe von Facebook ins Leben gerufen – die Resonanz war überwältigend.

© Ann-Carolin

Jeden Tag hunderte von Mails, Spenden überall aus der Welt und viel Aufmerksamkeit durch die Presse. Wir haben Häuser gebaut, ich habe LKW voller Lebensmittel in entlegene Bergdörfer gebracht.

Es ist so viel Gutes aus etwas Schlechten entstanden und wir haben mittlerweile über 50.000€ gesammelt – es darf gerne noch mehr werden.

Wie passt das ganze jetzt mit Yakmandu zusammen?

 
Ann-Carolin: Nepal ist, ähnlich wie Indien, für feines Tuch bekannt. Ich habe einen ziemlich ausgeprägten Schal-Tick. Rund 100 Exemplare hab ich im Kleiderschrank und in Nepal habe ich mich unheimlich in die vielen verschiedenen Schals

verliebt. Als ich zurückkam, haben mir alle die Schals fast aus den Händen gerissen und wollten sie kaufen. Da ich vorher schon nebenbei ein Schmucklabel im Internet mit Karmasammler aufgebaut hatte, war die Idee schnell klar.

© Ann-Carolin

Schals aus Nepal, fair gehandelt, dort gefertigt und mit einer Philosophie und Geschichte dahinter. Kein Schal von der Stange, den alle anderen auch tragen.
Yakmandu ist eine Wortschöpfung aus Kathmandu, der Hauptstadt Nepals und Yak, dem Hochlandrind, das dort vor allem für die Wollproduktion bekannt ist.
Ich kaufe nur bei Kleinunternehmern, lasse die Leder-Patches dort herstellen und annähen, alles in winzigen Manufakturen. Das unterstützt die Wirtschaft vor Ort, aber eben vor allem Familien nach dem Erdbeben.
Und sind wir mal ehrlich, die Schals sind eben auch unfassbar schön – warum also nicht beides kombinieren und Mode nicht mehr so oberflächlich sein lassen?

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Ann-Carolin: Glücklich sein. Ich habe dieses Jahr das erste Mal wirklich eine Konfrontation mit dem Tod gehabt – das macht demütig. Ich bin voller Leidenschaft für das, was ich tue. Yakmandu, Karmasammler und Hilfe für Nepal, das sind eigentlich drei Jobs, ich weiß. Ich habe früher sehr viel mehr Geld verdient als jetzt. Aber es hat mich nicht zufriedener gemacht. Und wer weiß, was aus den Projekten noch alles entwachsen kann? Ich freue mich auf die Zukunft – so richtig.

Was würdest Du anderen Frauen und natürlich gern auch Männern raten, die etwas zaghafter sind als Du?

 
Ann-Carolin: Hört endlich auf euer Herz. Oft sind wir zwar fühlende, aber vor allem denkende Lebewesen. Die Vernunft ist gut, aber sie kann auch ein Gefängnis sein.

In meinem Lieblingsbuch „The big five for life“ wird dir folgende Aufgabe gestellt: Stell dir vor du bist am Ende deines Lebens und alles was du erlebt hast, hängt in einem Museum an der Wand.OLYMPUS DIGITAL CAMERA Deine Freunde und deine Familie, aber auch Fremde können das Museum betreten – welche Bilder möchtest du in den kommenden Jahren aufhängen? Denn jeder Tag ist ein Museumstag.

Was bedeutet für dich Mut?

 
Ann-Carolin: Mut kann man lernen. Ich war nie ein außergewöhnlich mutiger Mensch. Als ich nach dem Erdbeben in die Talkshow „Nachtcafé“ eingeladen wurde deren Titel „Wenn Mut gefragt ist“ war, musste ich kurz innehalten.
Für mich hatte das nichts mit Mut zu tun, den kostenlosen Heimflug auszuschlagen und in Nepal zu bleiben, um zu helfen. Es kam aus meinem Inneren heraus und hat sich selbstverständlich angefühlt. Mir gefällt das Wort „Courage“ besser, es meint zwar das gleiche, aber für mich schwingt da noch Leidenschaft mit. Die Mutigen werden die Welt verändern, dessen bin ich mir sicher. Mein Anspruch ist nicht ganz so hoch, aber ich möchte dennoch andere inspirieren und ihnen zeigen, dass viel möglich ist, wenn man dem Herzen folgt. Ob das immer rational ist? Nein. Ob es sich lohnt? Definitiv!

Was bedeutet für dich Freiheit?

 
Ann-Carolin: Meine Zeit NICHT damit zu verbringen, Träume von Anderen aufzubauen. Das habe ich lange gemacht und das war auch ok, denn ich habe dadurch viel lernen können, was ich jetzt brauche. Wir machen uns schnell unfrei und stecken zu oft in langweiligen Jobs und Routinen, das ist der Vernunft geschuldet. Auch nicht jeder hat den Geist des Gründers in sich, das ist total in Ordnung. Aber für mich ganz persönlich ist es eben das größte Geschenk beruflich nun frei zu sein. Auch wenn das bedeutet weniger Geld zu verdienen und vor viele neue Herausforderungen gestellt zu werden.
Es lohnt sich, versprochen.
Ihr habt Fragen oder Anmerkungen zu „FORGESTELLT: Ann-Carolin, Gründerin Hilfe für Nepal?“ Ihr möchtet Ann-Carolin unterstützen? Dann hinterlasst einen Kommentar oder schreibt mir unter Julia@fielfalt.de – ich werde Euch vernetzen.
Eure Julia

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  • Reply
    Kristina
    27. April 2016 at 11:58

    Hallo AC!

    ich kenne dich noch von unserer zeit bei Absolventa (ich glaube 2008?). Dort war ich als Praktikant im Marketing. Ich habe dich da schon als „Macher“ kennen gelernt und hatte schon immer Respekt vor dem was du machst und was du schaffst.

    Ich habe deine Projekte (Karmasammler) die ganze Zeit weiterhin im stillen verfolgt und muss sagen, dass du eine Art Vorbild für mich bist und mir Mut und Courage gibst, meinen Weg weiter zu gehen.

    Du gibst wie immer 100% und das für eine wirklich tolle Sache! Ich hoffe es läuft alles weiterhin so gut für dich und dass du jetzt mehr Erfüllung findest. Zum Schluss hast du recht, es geht nur darum, dass man glücklich wird.

    Deswegen wünsche ich dir vor allem GLÜCK!

    Liebe Grüße!
    Kristina

  • Reply
    Ann-Carolin
    9. Mai 2016 at 18:08

    Liebe Kristina,

    danke für deine wunderbaren Worte und dass du die Zeit findest, meine Arbeit zu verfolgen, ich fühle mich geehrt 🙂

    Gib gerne mal Bescheid, wenn du in Berlin bist, dann trinken wir einen Tee und plaudern über alte und neue Zeiten!

    Alles Liebe
    Ann-Carolin

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