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FORGESTELLT: Anna Ott, Koryphäe im HR-Bereich

21. September 2016
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Jeder der sich in der HR Szene ein wenig auskennt, kennt Anna Ott.

Sie ist eine Vorreiterin und Koryphäe auf diesem Bereich. Grund genug für mich diese inspirierende Frau zu interviewen und euch einen Einblick zu gewähren. Sie spricht vor allem über Trends in HR und der Bezug zur Digitalisierung.

Liebe Anna, Vollblut HRlerin, Anhängerin der digitalen Szene und Schaffensperson – trifft es das ungefähr auf den Punkt? Oder wie würdest du dich in deinen eigenen Worten beschreiben?

Anna: Ich glaube schon, dass man von außen am ehesten versteht was ich tue, wenn man die Label „HR“ und „Startup“ verknüpft. Irgendwie hat sich das aber in den letzten Jahren weiterentwickelt und ich glaube ich muss nach 16 Jahren HR einen neuen Titel finden. HR ist auch einfach nicht sexy und verändert sich zum Glück gerade. Mal sehen, wie ich mich in den nächsten Jahren vorstelle. Irgendwas mit Menschen und Jobs auf jeden Fall. Gerade habe ich bspw. total Interesse an HR Tech und vielleicht ist das meine nächste Nische.

Wie kam die Entscheidung in Richtung HR zu gehen?

Anna: Purer Zufall. Ich war 18 und hatte gerade Abi in der Tasche, ein Jahr Zeit und bin durch Zufall in der Personalabteilung der Bertelsmann Konzernzentrale in Gütersloh gelandet. Zum Glück bin ich direkt zu einem Startup in die HR Abteilung gewechselt, denn sonst wäre ich sicherlich nicht in der Wirtschaft geblieben. So ein Konzern wie Bertelsmann damals ist für junge Menschen mit Kreativität und Ideen ja ziemlich frustrierend. Im Startup waren aber alle jung, wild und alles war neu und Pionierarbeit. Wir haben uns viel selbst beigebracht und ich habe Personalwesen gelernt.

Ich finde das immer ziemlich abgelutscht wenn Personaler sagen, sie machen halt „gerne was mit Menschen“. Mich hat Recruiting immer am meisten fasziniert. Menschen zu Jobs zu verhelfen, für Unternehmen neue Mitarbeiter zu finden… Die Macht dahinter, die Einblicke die man bekommt, hinter Organigramme und Lebensläufe zu schauen, das hat mich damals schon gepackt.


Wenn du zurückblickst, würdest du jede Entscheidung genau so treffen oder gibt es Entscheidungen, die du heute bereust?

Anna: Offensichtlich entscheide ich sehr intuitiv und irrational, auch im beruflichen Kontext. Neue Jobs müssen mich begeistern und das wird auch stark von den Menschen mit denen ich arbeite, beeinflusst. Solange ich lerne, bin ich glücklich. Daher bin ich bisher immer gegangen, wenn ich das Gefühl hatte, weiterziehen zu müssen weil mein Gehirn stillsteht. Bereuen kann man daher immer nur mangelnden Mut für Veränderungen.

Du hast sowohl im Corporate als auch im Start-up Bereich gearbeitet, gibt es eine Präferenz?

Anna: Unternehmensgrößen sind nicht unbedingt der entscheidende Faktor, zumal sich Konzerne inzwischen an einigen Stellen auch moderner aufstellen, Hierarchien flacher werden und alles schneller gehen muss. Als Person funktioniere ich allerdings in der Tat am besten in Umfeldern in denen ich selbstbestimmt arbeiten kann und mich Strukturen und Politik nicht aufhalten. Ich bin da auch einfach anders sozialisiert und kann Menschen leider nicht in den Hintern kriechen, um eine absurde Vorstellung von Karriere voranzutreiben oder mich selbst zu optimieren. Mich treiben schon Themen und Ideen an und nicht Titel und Privilegien. Das gibt es aber, sowohl in großen als auch in kleinen Unternehmen. (Old) Boys Clubs, Narzissten und Politik gibt es auch in Startups.

Wir stehen für Female Empowerment – in einem Interview für die Gründerszene sagst du, dass es eine zu hohe Männerquote im Gründerspektrum gibt. Wie glaubst du können wir hier vorgehen, um mehr Frauen „nach oben“ zu ziehen?

Anna: Mehr weibliche Vorbilder in den Vordergrund stellen. Eine Zeit lang waren auf Berliner Startupkonferenzen immer die selben drei Frauen auf der Bühne. Das hat sich schon mal gewandelt. Es wird leider immer anteilig weniger Frauen geben die gründen, aber die, die es tun, brauchen Bühnen und Aufmerksamkeit. Damit sie sichtbar sein können für die Mädchen die jetzt an die Unis gehen oder im Kinderzimmer ihre ersten Apps bauen.


Gibt es Dinge, die dir auf deinem Weg in die Selbstständigkeit aufgefallen sind, an denen noch dringend gearbeitet werden muss? Was ist mit dem Thema Glass Ceiling – existiert er oder nicht?

Anna: Wenn man mal Glass Ceiling von Geschlechtern trennt, dann erlebe ich in der Tat, dass Karriere immernoch was mit Seilschaften zu tun hat. Jemanden einem Job verschaffen oder befördern, weil man davon selbst profitiert, sei es auch nur weil man jemandem der unangenehm werden könnte, damit den Weg versperrt. Andererseits muss man das auch mal neutral sehen und überlegen, wie man das für sich nutzen kann. Stuart Cameron hat ja hier in Berlin die Unicorns in Tech ins Leben gerufen um ein LGBTI Netzwerk zu schaffen, dass sich auch beruflich unterstützt. Vielleicht erleben wir ja noch eine Glass Ceiling für heterosexuelle, weiße Männer? Unser Zeitalter des Netzwerkens erlaubt Bündnisse in alle Richtungen und Kontakte bzw. Verbindungen sind halt kein elitäres Privilegium mehr.

HR ist das Herzstück eines jeden Unternehmens – zumindest sehe ich das so. Menschen sind die wichtigste Ressource und werden teilweise doch so stiefmütterlich behandelt. Warum wird dem HR Department noch nicht die Aufmerksam zu teil, die es verdient? Gibt es hier deiner Meinung nach Unterschiede in Start-Ups im Vergleich mit dem Corporate Bereich?

Anna: Da könnte ich jetzt abendfüllend drüber philosophieren, aber ich will es mal sehr vorsichtig so formulieren: den meisten HR Departments fehlt es an Mitspracherecht bzw. Entscheidungsstärke an den großen Tischen. Oft sind sie nur Erfüllungsgehilfe und Dienstleister für die „eigentlichen“ Kernfunktionen im Unternehmen. Nur wenige Unternehmen haben die Wertigkeit der Menschen im Unternehmen begriffen.

Als ich studiert habe, hörten wir immer vom Fachkräftemangel und ich konnte das nie richtig spüren bis ich versucht habe für unbekannte Berliner Frühphasenstartups Developer zu finden. Und da spürst Du dann die volle Macht, Kompetenz und Notwendigkeit von guter HR Arbeit. Im Finden und Halten von Talenten, denn sonst ist das Unternehmen ganz schnell am Ende.

Jedoch sind halt nicht alle HR Abteilungen und nicht alle Chefetagen so nah aneinander, wie in Startups. Da wird HR ja erstmal von den Gründern selbst übernommen. Die sind dann ja froh, wenn sie ihren ersten Vollzeitpersonaler an Bord haben und atmen auf, weil sie HR als Thema oft total unterschätzen. Es ist halt zu recht ein Beruf der Erfahrung oder Ausbildung verlangt. Aber es braucht halt auch Eier den Fachabteilungen entgegenzutreten und Chuzpe sich nicht in die „ich zauber Dir dann mal ein paar tolle Kandidaten“ Ecke zu stellen. Die meisten Arbeitgeber die schlechte Bewertungen und frustrierte Mitarbeiter haben, haben halt auch oft schlechte Führungskräfte. Da sind wir wieder bei Seilschaften und Beförderung qua Geschlecht oder Sympathie und nicht Führungskompetenz.

Wie stark hat sich die HR Szene mit Beginn der Digitalisierung und im Zeitverlauf deiner Meinung nach verändert?

Anna: Auch hier ist das Spektrum m.E. groß. Ich habe vor ein paar Jahren mal einen Vortrag zum Thema „aktive Bewerberansprache“ gehalten, da saßen dann Personaler drin, die sich noch „www.linkedin.de, Profil anlegen“ aufgeschrieben haben. Und mit anderen habe ich über Bool’sche Suchstrings debattiert. Wie in der Gesellschaft auch, gibt es hier Vorreiter und Hinterherhinkende. Aber: HR Tech fasziniert mich ja deswegen gerade so, weil es an einigen Stellen den Mensch in der HR Abteilung abschafft und durch klügere System ersetzt. Weil es endlich datengetriebene HR Arbeit ermöglicht. Weil Digitalisierung und Tech die Personalarbeit auf mehr Köpfe auch außerhalb der HR Abteilung verteilt. Führungskräfte, die über eine App ihre Mitarbeiterthemen bearbeiten können und sich mobil Input/Wissen zu HR Themen ziehen können, statt es dem Personaler zu geben, der dass dann schon macht… Ich glaube also fest daran, dass HR effizienter, klüger und breitentauglicher wird durch Digitalisierung/Tech. Und das wird noch sehr spannend!

Es bleiben viele Grundprobleme, z.B. in der Kommunikation oder Transparenz, bestehen oder gab es durch eher einen Schub?

Anna: Schub. Vor allem wenn man sich anschaut, wer gerade HR Tech Unternehmen gründet: das sind oft keine HR Experten. Sondern Menschen die Verbesserungen sehen, wo wir schon alle beriebsblind sind. Die Technologie einsetzen, wo wir glaube ein Mensch unersetzbar zu sein. Es gibt schon ein paar richtige coole Bots für bspw. Recruiting – das ist doch super! Dann kann ich mich als HR Mensch endlich auf anspruchsvolle Tätigkeiten konzentrieren als die immer gleichen Bewerberfragen zu beantworten!

Was glaubst du sind die Trends, die in der Verknüpfung HR und Digitalisierung noch kommen werden, gibt es überhaupt welche?

Anna: Da HR im Vergleich zu anderen Bereichen total hinterher hängt in der Digitalisierung, passiert hier überall bestenfalls noch was. Am sichtbarsten sind die ganzen Lösungen für Recruiting, Jobsuche und Bewerbungen. Aber in ein paar Jahren haben wir sicherlich auch dann ein Level erreicht in dem wir dann Technologien besser zusammenführen können. Wie wäre es zum Beispiel wenn Mitarbeiter (freiwillig) Wearables tragen mit denen nicht nur Arbeitszeiten, sondern auch Stresslevel erkannt werden und dann kluge Systeme Prävention z.B. für Burnouts leisten können? Und Arbeitszeiten daher nicht mehr nach Stechuhr, sondern nach Energielevel und Leistungsfähigkeit gehen. Dann gehen wir halt nicht wie die Lemminge alle um 9 ins Büro, sondern dann wenn unsere individuellen Biorythmen am leistungsstärksten sind. Und eben auch nach hause wenn es nicht mehr so ist.

Vielen Dank für das Interview liebe Anna und vor allem die aufschlussreichen Antworten. Ich bin gespannt, wie sich der HR-Markt in den kommenden Jahren entwickeln wird. Solltet ihr Fragen oder Kommentare haben, so schreibt einfach unter diesen Artikel: „FORGESTELLT: Anna Ott, Koryphäe im HR-Bereich.“

Happy day!
Eure Julia

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