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FORGESTELLT: Anne & Marlene von Nata Y Limón

18. Oktober 2017
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„Let’s make this more than a pillowtalk“ – das ist das Motto von Anne und Marlene, die mit ihrem Social StartUp Nata Y Limón unsere Wohnungen und das Leben ihrer Weberinnen im Hochland von Guatemala verschönern wollen.

Mit handgewebten Lifestyle-Produkten und tollen Designs wollen sie nun ihre erste Kollektion produzieren und auf den Markt bringen.
Die Finanzierung läuft über eine Kickstarter-Kampagne und soll der Anfang für viele weitere werden und den Weberinnen ihren Lebensunterhalt sichern. Ein tolles Projekt, das wir Euch unbedingt auf FIELFALT vorstellen möchten. Hier lernt ihr heute die beiden Gründerinnen Anne und Marlene kennen und lernt mehr über Nata Y Limón.

Liebe Anne, liebe Marlene, Wie sieht ein typischer Start in den Tag bei Euch aus?

Anne: Meine Morgenroutine sieht z.T. sehr unterschiedlich aus. Manchmal lese ich vor dem Aufstehen 2-3 Seiten, um in den Tag zu starten; manchmal stehe ich direkt auf und bringe meine Glieder mit ein paar Stretches in Schwung. Ausgiebig und konzentriert frühstücken fällt meistens flach. Ich esse eher nebenbei während ich mich für den Tag vorbereite. Allerdings immer Teil meiner Routine ist Musik oder ein inspirierendes Video und ein großes Glas Wasser.

Marlene: Ein gemütliches Frühstück mit Müsli und gutem Kaffee; am besten zusammen mit meinem Freund und im Sommer auf unserer Terrasse. Dann schwinge ich mich auf mein Radl und fahre in den Impact Hub oder mache es mir gemütlich an meinem Homeoffice Arbeitsplatz.

Welche 3 Wörter beschreiben Euch als Gründerinnen und Nata Y Limón am Besten?

Anne & Marlene: Authentisch, leidenschaftlich, menschlich.

Ihr habt beide im Bereich Marketing gearbeitet; Anne in Berlin und Marlene in München – wie kam es zu der Entscheidung, Eure Jobs aufzugeben und für NGOs zu arbeiten?

Anne & Marlene: Wir beide kennen uns seit dem Tourismus Studium in 2005. Seitdem sind wir sehr gut befreundet. Nach dem Bachelorstudium hat es uns beide ins Marketing gezogen. Anne ging für ein Marketing Masterstudium nach Wiesbaden und Marlene nach Dänemark. Danach zog Anne nach Berlin und Marlene nach München. Hier haben wir unsere beruflichen Laufbahnen bei großen Unternehmen gestartet.

Nach ein paar Jahren hat sich bei uns beiden ein sehr großes Unwohlgefühl entwickelt. Viele Gespräche, schlaflose Nächte und langes Zögern hat uns für einige Zeit begleitet, bis wir uns beide unabhängig voneinander im gleichen Jahr (2015) dazu entschieden haben, unsere Jobs zu kündigen. Der Drang, unsere Energie in etwas Sinnvolles zu stecken und bei dem wir mit voller Leidenschaft dabei sind, wurde sehr groß. Wir kündigten und wollten beide den Moment nutzen, um eine längere Zeit im Ausland zu verbringen, hier unsere bisherigen Erfahrungen aus den vorigen Jobs in sozialen Projekten einzubringen und dadurch einen neuen ganz neuen Blick auf diese Welt zu bekommen.

Wie ist die Idee für Nata Y Limón entstanden?

Anne & Marlene: Mit der Entscheidung für ein soziales Projekt, fiel gleichzeitig die Entscheidung bei uns beiden für Lateinamerika, weil wir beide Spanisch sprechen. Anne ging zu einem Bildungsprojekt nach Costa Rica und Marlene zu einem Frauenprojekt in Guatemala – hier nahm die Idee von Nata Y Limón ihren Ursprung.

In Guatemala lernte Marlene sehr viel über das Leben indigener Gemeinden und über schwierige die Rolle der Frau innerhalb dieser Gesellschaftsschichten. Gleichzeitig hat sie die besondere Maya Textilkunst kennengelernt, welche die Kultur Guatemalas sehr stark prägt. Die MeisterInnen dieser uralten Handwerkskunst sind gegenwärtig überwiegend Frauen. Für sie ist die Handarbeit oftmals die einzige Möglichkeit zum Lebensunterhalt ihrer Familien beizutragen. Im häuslichen Umfeld wurde ihnen die Webkunst bereits als Kind beigebracht und üblicherweise sind sie es, die das Handwerk auch an die kommenden Generationen weitergeben.

Nach unserer Freiwilligenzeit trafen wir uns beide in Nicaragua und bereisten für ein paar Wochen gemeinsam das Land. An unserem ersten Abend entstand die Projektidee zu Nata Y Limón.
Die Erfahrungen in Mittelamerika haben uns sehr geprägt und das Projekt Nata Y Limón ging uns einfach nicht mehr aus dem Kopf. Als wir wieder in Deutschland ankamen, starteten wir sofort die Marktrecherche und Business-Planung. Im August 2016 reisten wir ein zweites Mal nach Guatemala zur Recherche und zum Aufbau der Partnerschaften mit lokalen Webkooperativen. Im Oktober 2016 kam es dann zur Unternehmensgründung und offiziellen Geburtsstunde von Nata Y Limón.

Nach welchen Kriterien habt Ihr die Mitarbeiter und Unternehmen in Guatemala ausgesucht?

Anne & Marlene: Beim ersten gemeinsamen Besuch in 2016 reisten wir für 4 Wochen durch das nordwestliche Hochland und besuchten insgesamt 8 Webkooperativen. Die Kooperativen gibt es oft schon seit vielen Jahren und formierten sich in den schweren Zeiten des langen Bürgerkriegs, der bis zum Ende der 90er Jahr anhielt. Aus der Notwendigkeit heraus und weil viele Frauen ihre Ehemänner im Krieg verloren, schlossen sie sich zu Webkooperativen zusammen, um als Gruppe aufzutreten und vom Handwerk als einzige Einkommensquelle für ihre Familien leben zu können.

Bei der Auswahl der Kooperativen war es uns sehr wichtig, dass die Führung in lokalen Händen liegt und die Vision sehr klar dahingeht, das Handwerk als wesentliches Mittel zur Armutsbekämpfung gestärkt werden soll. Dass die Maßnahmen daraus ausgelegt sind, die Weberinnen und Weber darin zu entwickeln. Ein klar unternehmerischer Ansatz, der sich zu dem einer Organisation oder NGO unterscheidet, die in erster Linie von Spendengeldern abhängig ist. Eine Vision, die sich langfristig für die Unabhängigkeit der Weberinnen und Weber auszahlt.

Weiterhin war ein wichtiges Auswahlkriterium die Qualität der Webarbeiten. Zum Start des Unternehmens und für unsere erste Kollektion war es uns sehr wichtig mit Kooperativen zu arbeiten, die bereits eine hohe Qualität der Webarbeiten und im Schneidern schaffen. Je mehr unsere Vertriebsstrukturen etabliert sind, umso mehr Zeit und finanzielle Mittel können wir in diesen Bereich stecken – damit mehr Weber im Lernen unterstützen und neue Kooperativen hinzunehmen.

Was sind Eure größten Herausforderungen?

Anne & Marlene: Bei unserer Arbeit treffen zwei komplett verschiedene Welten aufeinander. Wie häufig mussten wir schon schmunzelnd sagen ‚Wenn das alles so einfach wäre, würde es ja jeder machen’.

Die größte Herausforderung für uns ist die Kommunikation über eine so große Distanz und zwischen unseren wirklich sehr verschiedenen Kulturen. Wir haben unsere Stoffe und die erste Kollektion in Partnerschaft mit der Textildesignerin Georgina Espasa und unseren drei Kooperativen entwickelt. Für uns ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe sehr wichtig und das unterscheidet uns auch von vielen anderen Unternehmen. Genau diesen Prozess über die Distanz zu entwickeln, ist jedoch sehr herausfordernd.

Wir versuchen in Zukunft mindestens 1-2 Mal im Jahr unsere Kooperativen und einige Häuser, in denen unsere Weber leben und arbeiten, zu besuchen. Vor allem in der Phase der Kollektionsentwicklung ist das besonders wichtig. In Summe ist das natürlich nicht viel Zeit, deswegen haben wir auch bei der Auswahl der Kooperativen sehr darauf geachtet, dass vor Ort bereits eine stabile Struktur für den Prozess zur Musterentwicklung, für die Produktion und zur Qualitätskontrolle besteht.

Welchen Tipp könnt Ihr aus Eurer Erfahrung anderen mit auf den Weg geben, die im Bereich Social Entrepreneurship arbeiten wollen?

Anne & Marlene: Social Entrepreneurship ist eine sehr junge Bewegung. Die meisten Menschen, die es in diesen Bereich zieht, möchten dieser Welt etwas Gutes tun, sie glauben an eine bessere Welt und das Gute im Menschen. Sie können sich nicht weiter mit veralteten und starren Strukturen arrangieren und wollen Themen selbst in die Hand nehmen. Das Wichtigste ist, dass man wirklich davon überzeugt ist, was man tut, Leidenschaft spürt und das vor konventionellen Rahmenbedingungen, wie z.B. das Gehalt, stellt. Für uns war und ist es heute auch noch sehr wichtig ein gutes Netzwerk an Sozialunternehmern zu haben. Das haben wir in den Impact Hubs Berlin & München gefunden. Viel Austausch und Einblicke in andere Social Business Branchen hat uns sehr dabei geholfen, unsere eigene Idee zu entwickeln.

War Euch Nachhaltigkeit schon immer wichtig und habt Ihr selbst beim Einkaufen darauf geachtet?

Anne & Marlene: Das Thema ist uns bereits seit vielen Jahren sehr wichtig, aber insbesondere seitdem wir Nata Y Limón aufbauen. Durch unsere Netzwerke im Social Entrepreneurship bekommen wir ganz neue Einblicke in das Thema. Vorher waren wir beide sehr beschäftigt mit unserem Alltag. Die Unzufriedenheit mit unseren Jobs und die Suche nach schneller Ablenkung war groß. Die Zeit für bewussten Konsum daher sehr knapp. So wie es wahrscheinlich vielen Menschen geht.

Heute gehen wir bei unseren Kaufentscheidungen mit einem viel größeren Bewusstsein heran. Wir essen beide kein Fleisch und versuchen vor allem frische, unverarbeitete Lebensmittel zu kaufen. Kleidung kaufen wir sehr gern aus zweiter Hand. Unsere Fahrräder sind unser liebstes Fortbewegungsmittel. Wir haben unser Geschäftskonto bei einer nachhaltigen und sozialen Bank eröffnet und unsere Flüge nach Guatemala versuchen wir zu kompensieren.

Aktuell läuft Eure Kickstarter-Kampagne – wie sieht Euer Zeitplan für die erste Kollektion aus?

Anne & Marlene: Die Kampagne läuft noch bis zum 20. Oktober. Wir befinden uns im Endspurt. Unser minimales Finanzierungssziel haben wir bereits erreicht. Damit sind die Kosten für unsere erste Produktion in Guatemala gedeckt. Wir sind überglücklich über alle Vorbestellungen und das positive Feedback von allen Seiten. Mit unserer neuen Finanzierungsschwelle von 25.000€ ziehen wir nun in den Endspurt unserer Kampagne und hoffen, durch viele weitere Vorbestellungen Arbeit und sichere Einkommen für unsere Weberinnen und Weber in Guatemala für zwei weitere Monate zu schaffen.
Alle weiteren Informationen gibt es auf unserer Kickstarterseite: http://kck.st/2y6RvMC Wir freuen uns riesig, wenn ihr mitmacht!
Nach Abschluss unserer Crowdfunding-Kampagne wird es darum gehen, feste Vertriebsstrukturen aufzubauen. Wir wollen hier vor allem mit Online Händlern, Interior Läden, Raumausstattern und Hotels sprechen.

Wie sehen Eure Pläne für die Zukunft aus? Wollt ihr expandieren?

Anne & Marlene:
Unser Ziel ist es in erster Linie für unsere drei Webkooperativen, mit denen wir aktuell zusammenarbeiten, stabile Herstellungszyklen zu etablieren und planbares Einkommen sicherzustellen. Das ist die wichtigste Grundlage, um Bildung für ihre Kinder zu ermöglichen und die Stellung der Familien in den indigenen Gemeinden zu stärken. Danach wollen wir unseren Wirkungskreis erweitern, um Partnerschaften mit weiteren Kooperativen in Guatemala aufzubauen. Wir wollen neue Stoffmuster und Produkte entwickeln. Als Social Business ist es unser Ziel unseren Gewinn komplett in unsere soziale Mission zu reinvestieren. Dazu muss aber sichergestellt werden, dass wir beide und ein Team, das wir aufbauen, um die Mission langfristig nach vorn zu treiben, davon auch in Deutschland leben können.

Wie bildet Ihr Euch weiter und was tut Ihr aktiv dafür Euer Business weiterzuentwickeln?

Anne & Marlene: Zum einen werden wir weiter unser persönliches Netzwerk aus Experten und Unterstützern ausbauen, die uns in unserem Unternehmensaufbau begleiten. Es ist unheimlich schwer, für jeden Themenbereich eigenes Wissen aufzubauen und gleichzeitig das Auge für das große Ganze zu behalten und das Unternehmen mit einer notwendigen Geschwindigkeit in Schwung zu bringen, wenn alles aus eigenen Ressourcen entsteht. Ein gutes Netzwerk, wie oben beschrieben, ist hierzu wieder extrem wichtig.

Ansonsten haben wir auch verschiedene Coaching-Angebote in Anspruch genommen. Sie haben uns geholfen, Wissen aufzubauen und unseren Blick auf die neuen Themen von einer außenstehenden Person reflektieren zu lassen.

Welche 3 Tipps für eine nachhaltige Lebensweise könnt Ihr unseren Leserinnen mit auf den Weg geben?

Anne & Marlene: 

  • Rede weniger, stell Fragen, beobachte und verstehe.
  • Nimm dir regelmäßig Zeit nur für dich und deine persönlichen Interessen.
  • Weniger ist oft so viel mehr.

Vielen Dank liebe Anne, liebe Marlene für das Interview!

Über die Autorin: Ann-Kathrin ist 28, kommt aus dem Harz und ist seit einigen Jahren in Berlin zu Hause. Sie reist gerne, liebt Konzerte, den Sommer in Berlin und ist ein Serien-Junkie.

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