MOTIVATION PORTRAITS

FORGESTELLT: Antonia von Careship

9. März 2018
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Antonia hat zusammen mit ihrem Bruder Nikolaus Careship gegründet – dort werden Alltagshelfer aus der Nachbarschaft an Senioren vermittelt. Für ihre Geschäftsidee wurden die Beiden im letzten Jahr sogar vom Forbes Magazine unter die 30 under 30 Europe: Social Entrepreneurs gewählt. Wie es zu der Idee kam und warum dieser Ansatz so wichtig ist, erzählt sie uns im heutigen FORGESTELLT.

Liebe Antonia, Welche 3 Bücher sollte man unbedingt gelesen haben?

Antonia:

Welche 3 Wörter beschreiben Dich am Besten?

Antonia: Zielstrebig, mitreißend, lösungsorientiert.

Du hast im Business Development bei Rocket Internet gearbeitet und dann 2015 zusammen mit deinem Bruder Nikolaus Careship gegründet – Wie kam euch die Idee dazu?

Antonia: Unsere Großmutter wurde 2015 völlig unvorbereitet pflegebedürftig, und es war unfassbar schwierig für unsere Familie eine passende Unterstützung für sie zu finden. Wir wollten, dass unsere Großmutter solange wie möglich Zuhause bleiben kann. Wir wollten auch, dass immer dieselbe Person kommt und dass eine enge Beziehung aufgebaut werden kann. Bei herkömmlichen Anbietern ist das leider nicht der Fall, man kann sich die Betreuungsperson nicht aussuchen und es kommt immer eine andere Person. Die Suche nach passender Unterstützung war so frustrierend, dass mein Bruder und ich beschlossen haben, für andere Familie eine bessere Lösung zu schaffen und haben deswegen Careship gegründet.

Was ist euer Konzept?

Antonia: Careship ist ein Betreuungs- und Begleitdienst für Senioren. Careship steht für individuelle Unterstützung nach Maß: Egal ob Hilfe im Haushalt, Gesellschaft leisten oder Begleitdienste – wir finden für Senioren und pflegende Angehörige die Unterstützung, die am besten passt.
Uns ist es wichtig, langfristige Beziehungen aufzubauen, deswegen kommt immer derselbe Careship-Helfer zur stundenweisen Alltagsunterstützung. Pflege und Beziehung – Care und Relationship – schon in unserem Namen findet sich diese Firmenphilosophie.

Welchen Bewerbungsprozess müssen die Betreuer bei Euch durchlaufen?

Antonia: Qualität steht bei uns an allererster Stelle. Jeder unserer Helfer durchläuft ein 5-stufiges Auswahlverfahren inklusive persönlichem Kennenlernen. Nach einer schriftlichen Bewerbung folgen ein Telefoninterview und anschließend ein persönliches Kennenlernen. Danach prüfen wir alle relevanten Unterlagen, wie zum Beispiel das polizeiliche Führungszeugnis. Wenn die Qualifikationen, das Auftreten und die Motivation stimmen, folgt unsere Careship-Schulung. Erst danach können unsere Helfer Senioren unterstützen.

Wo gibt es Deiner Meinung nach in Deutschland noch Verbesserungsbedarf im Bereich der Pflege?

Antonia: Egal ob Pflegedienst oder Altenheim: Häufig stehen die Pflegekräfte unter enormem Druck und haben nur ein kleines Zeitfenster für die Versorgung der einzelnen Patienten zur Verfügung. Darüber hinaus ist Personalwechsel oft an der Tagesordnung. Gerade bei älteren Menschen ist es jedoch wichtig, sich Zeit zu nehmen und ihnen jemanden zur Seite zu stellen, zu dem sie Vertrauen aufbauen können.

Was sind Deine größten Herausforderungen?

Antonia: Unsere Vision ist es, Careship für so viele Menschen wie möglich verfügbar zu machen. Dafür ist es essentiell, dass wir ein tolles Team aufbauen und uns richtig priorisieren, um uns auf die richtigen Dinge zu konzentrieren und mit Careship so viele Familien wie möglich unterstützen zu können.

Gerade zu Beginn der Selbständigkeit, wie hast Du es geschafft Kunden auf Dich aufmerksam zu machen?

Antonia: Unsere Kunden sind sowohl Senioren selbst, als auch pflegende Angehörige. Um beide Kundengruppen bestmöglich zu erreichen, ist ein ausgewogener Marketing-Mix aus sowohl Online als auch Offline Maßnahmen wichtig. Online Maßnahmen inkludieren zum Beispiel Google Anzeigen, im Offline Bereich ist Print sehr wichtig. Außerdem haben wir ein starkes Netz an Kooperationspartnern aufgebaut, mit denen wir eng zusammenarbeiten, wie zum Beispiel Krankenhäuser und Ärztehäuser.

Welchen Tipp kannst Du aus Deiner Erfahrung anderen mit auf den Weg geben, die sich selbständig machen wollen?

Antonia: Do it! Das wichtigste ist, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen und es einfach zu machen. Man wird immer eintausend Ausreden finden wieso jetzt gerade nicht der richtige Zeitpunkt ist, und es wird immer Opportunity Costs geben. Es wird auch immer Leute geben, die nicht an die Idee glauben werden, aber das wichtige ist, sich selbst treu zu bleiben und sich nicht von der Idee abbringen zu lassen
Die wichtigste Entscheidung beim Gründen selbst ist, mit wem man gründet. Man muss jemanden finden, der zur selben Zeit am selben Ort von derselben Idee so überzeugt ist, dass er/sie bereit ist, alles andere liegen zu lassen und sich zu 100% darauf zu konzentrieren. Man muss sich aber auch ergänzen in seinen Fähigkeiten, und sich zu 100% aufeinander verlassen können. Das Wichtigste ist aber dieselbe Wertehaltung und Einstellung zur Unternehmensführung, Kultur und Werten. Die Entscheidung, mit wem man gründet ist meiner Meinung nach wirklich das allerwichtigste, und auch das, wofür sich die meisten Gründer zu wenig Zeit nehmen.

Wie sehen Deine Pläne für die Zukunft aus?

Antonia: Wir sind erst ganz am Anfang unserer Reise mit Careship. Unser Ziel ist es, Careship für so viele Menschen wie möglich verfügbar zu machen, und daran arbeiten wir mit unserem ganzen Team jeden Tag.

Wie bildest Du dich weiter und was tust Du aktiv dafür Dein Business weiterzuentwickeln?

Antonia: Ein gutes Mentorennetzwerk und Austausch mit anderen Gründern ist für mich ganz wichtig. An der Weiterentwicklung unseres Unternehmens arbeiten wir jeden Tag mit unserem gesamten Team, und dabei geht es immer darum, auch unsere Mitarbeiter konstant weiterzuentwickeln.

Welche 3 Tipps kannst Du unseren Leserinnen mit auf den Weg geben, für den Fall, dass Sie mit der plötzlichen Pflegebedürftigkeit eines Verwandten konfrontiert werden?

Antonia:

  • Informieren: Es ist wichtig, sich über Pflegeformen und Finanzierungsmöglichkeiten gut zu informieren. Welche Pflegeform passt am besten zu unserer Situation, und wie kann ich verfügbare Budgets beantragen und Leistungen bestmöglich kombinieren
  • Hilfe in Anspruch nehmen: Es ist wichtig, Unterstützungsangebote in Anspruch zu nehmen, und dabei sowohl an Senioren , aber auch an pflegende Angehörige zu denken, um auch für Entlastung zu Sorgen
  • Offene Gespräche in der Familie: Des Weiteren ist es wichtig, das Thema offen in der Familie anzusprechen, und alle Familienmitglieder dabei zu integrieren sodass die Aufgaben aufgeteilt werden und eine bestmögliche Versorgung sichergestellt werden kann

Vielen Dank, liebe Antonia, für das Interview!

Über die Autorin: Ann-Kathrin ist 29, kommt aus dem schönen Harz und ist seit einigen Jahren in Berlin zu Hause. Sie reist gerne, liebt Konzerte, den Sommer in Berlin und Serien.

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