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FORGESTELLT: Carina Herrmann von Um 180 Grad

12. Juli 2016
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Um 180 Grad?

Wer genau ist Carina Herrmann? Das wollten wir wissen!

Liebe Carina, nachdem ich das erste Mail auf deinen Business-Blog aufmerksam geworden bin, habe ich mich einfach nur gefragt: Macht sie das hauptberuflich? Kann sie davon leben? Wie genau funktioniert das? Wer ist diese mutige Frau? Gib unseren Leserinnen und uns bitte einen kleinen Einblick in deine Persönlichkeit. Was zeichnet dich als Menschen besonders aus?

Carina: Vermutlich meine Ambitionen, kombiniert mit meiner Hartnäckigkeit. Wenn ich mir ein Ziel gesetzt habe, dann erreiche ich es auch. Das schießt dann zwar manchmal ein wenig darüber hinaus und endet in Visionen von Weltherrschaft und absoluter Gleichberechtigung der Frauen in allen Bereichen… aber warum auch nicht?!

Wann hast du deinen eigenen ersten Blog „Pink Compass“ gegründet? Welche Idee hast du anfangs damit verfolgt?

Carina: In seinen Grundsteinen gab es ihn seit 2011, damals allerdings noch alles andere als professionell. Wirklich als Business-Grundlage habe ich im März 2013 damit durchgestartet und seinen heutigen Namen „Pink Compass“ fand ich für das Baby sogar erst im Juni darauf.

Zum einen wollte ich mir eine Basis für eine ortsunabhängige Selbständigkeit schaffen, habe aber auch bei meiner ersten langen Reise festgestellt, wie sehr mich die Reise alleine verändert hat, was das mit uns macht, uns selbst wirklich kennenzulernen und wie wichtig das ist. Ich wollte einfach mehr Frauen alleine raus in die Welt bringen und zu dem Menschen machen, der sie wirklich sind.

© Kris Braun

© Kris Braun

Seit 2013 bist du ortsunabhängig selbständig mit „Um 180 Grad„. Wie kam es vom Reiseblog zum Business-Blog für Frauen?

Carina: Es kam nicht wirklich vom einen zum Anderen. Die beiden stehen eher nebeneinander und Um 180 Grad war die logische Konsequenz, aus allem, was ich von und durch Pink Compass gelernt hatte. Wie hart es ist, sich eine Selbständigkeit aufzubauen, wie wenig Unterstützung und wie viel Gegenwind Frauen bekommen, wenn sie sich dazu entscheiden „anders“ zu leben, als mit dem Haus, Hof, Mann, Kind-Prinzip.

Ich wollte da unbedingt nachhelfen. Für Gleichberechtigung sorgen und den emotionalen Müll beseitigen, den wir dabei mit uns herumtragen. Selbstzweifel, chronische Unterschätzung unserer Fähigkeiten und dem Anpassungs-Drang, lieber unserem Umfeld zu gefallen, statt uns selbst.

Aus welcher Lebenssituation heraus hast du damals entschieden dein Leben als Digitale-Nomadin zu finanzieren und als Dauerreisende überall in der Welt zuhause zu sein?

Carina: Ich war nach einer langen Reise wieder in einem festen Job. Dieses Mal in einer Bürotätigkeit, statt wie zuvor in der aktiven Pflege als Kinderkrankenschwester. Und obwohl dieser Job vor der Reise wahrscheinlich mein Traumjob gewesen wäre, merkte ich einfach, dass ein sesshaftes Leben einfach für mich nicht mehr funktionierte. Ich hatte da mit dem Reisen die Büchse der Pandora geöffnet.

Also baute ich noch nebenberuflich sechs Monate lang Pink Compass als Business-Konzept um, gab dem Blog eine klare Nische und eine deutliche Aussage. In dieser Zeit hatte ich neben meinem Job und dem Aufbau meiner Selbständigkeit nicht viel mehr und verbrachte gut 70 Stunden pro Woche im Büro oder der Bibliothek. So konnte ich auch gleichzeitig einen finanziellen Puffer schaffen, um die erste brotlose Zeit in der Selbständigkeit zu überbrücken.

Im September 2013 meldete ich dann meine Selbständigkeit an (bis dahin hatte ich noch keinen Cent mit Pink Compass verdient und nur in den Aufbau investiert), verließ meine sichere Stelle, verkaufte alles, was nicht in meinen Rucksack passte und zog los. Mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung, endlich wieder frei zu sein.

Wie sieht dein Werdegang bzw. sah dein Alltag vor „Pink Compass“ und „Um 180 Grad“  aus? Was hast du beruflich gemacht?

Carina: Für mich spaltet sich mein Leben heute in zwei Bereiche, plus eine Pufferzone dazwischen: Vor der ersten Langzeitreise und nach dem Start von Pink Compass. Die Zeit im Bürojob war der fließende Übergang dazwischen.

Bevor ich anfing zu reisen (da war ich sogar schon 30) habe ich sechs Jahre lang als Kinderkrankenschwester auf Kinderkrebsstationen und Knochenmarkstransplantations-Einheiten gearbeitet. Nach dem Abitur und der Ausbildung bin ich in diesen Fachbereich irgendwie reingerutscht. Viel zu tief, wie sich irgendwann herausstellte. Ich kam damit gegen Ende einfach nicht mehr zurecht. Und die Reise war unbewusst ein Ausbruch daraus. Ich habe meine Arbeit geliebt und ich bin mir sicher, ich war auch gut darin. Aber sie hat mich gleichzeitig auch aufgefressen, bis ich mich einfach nur noch leer gefühlt habe. Spätestens an diesem Punkt musste ich irgendwie die Reißleine ziehen. Und ging auf eine Reise, die in Kettenreaktion mein Leben grundlegend verändert hat.

Gab es einen ausschlaggebenden Impuls, welcher dir den Anstoß in deine Selbständigkeit gegeben hat?

Carina: Ehrlich gesagt, bin ich auch in die Selbständigkeit eher reingerutscht. In meiner Familie war nie jemand selbständig und ich kannte auch niemanden, der selbständig arbeitete. Aber es war die einzige Option, ortsunabhängig zu sein… also bin ich da langsam reingewachsen. Das Schreiben habe ich schon auf der langen Reise lieben gelernt und wurde zu meinem Zug- und Angelpunkt der Selbständigkeit.

Wie war es anfangs für dich selbständig zu sein? Gewöhnungsbedürftig oder komplette Freiheit?

Carina: Ein bisschen von beidem. Die Existenzängste wurden meine stetigen Begleiter, Tag wie Nacht. Das ist eigentlich das Hauptmerkmal, womit ich die anfängliche Selbständigkeit verbinde: Die Ungewissheit. Schaffe ich das? Kann ich das? Wer bin ich denn, dass ich das darf??

Aber ich lebte vom ersten Moment an das Leben, was ich mir erträumt hatte: unabhängig, an fremden, exotischen Orten und völlig frei, von Anforderungen von außen. Was nicht bedeutet, dass die eigenen Anforderungen an mich, leichter zu erfüllen gewesen wären. Aber genau das machte mich glücklich: Selbst bestimmen zu können. Wo ich arbeite, mit wem ich arbeite und woran ich arbeite.

Welche Vision, welcher persönliche Traum, versteckt sich hinter deinem eigenen Business?

Carina: Meine Vision ist es, ein gutes Stück zur Gleichberechtigung beizutragen. Auch wenn ich das ganz am Anfang noch nicht gesehen habe, war es doch vom ersten Tag an das, was mich angetrieben hat. Frauen zu unterstützen, ihre eigenen Träume endlich zu leben, statt nur zu träumen. So zu leben, wie sie es wollen, nicht, wie man es ihnen aufdrückt oder vorschreibt. Egal ob auf das Reisen oder die Selbständigkeit bezogen.

Ich habe mich in den letzten drei Jahren zur starken Verfechterin der Gleichberechtigung entwickelt und mein Ziel (Träume sind Schäume) ist es, nachhaltig etwas dazu beitragen zu können. Ich nutze das Wort Feministin nur selten, auch wenn es das definitiv trifft. Aber Tatsache ist, die Gleichberechtigung hinkt in beide Richtungen. Solange unsere Seite allerdings noch stärker dabei nachhinkt, beschäftige ich mich also erstmal mit den Nachteilen bei uns Frauen. Und die beginnen viel zu häufig vor allem in unserem eigenen Kopf.

Von wo aus arbeitest du aktuell am liebsten? Gibt es einen Moment seit deiner Gründung, an welchen du dich immer gerne zurückerinnerst und bei dem du denkst „alleine deswegen war es für mich richtig mich selbständig zu machen“?

Carina: Da gibt es keinen speziellen Ort. Ich liebe es, dass die Liste der Orte, an denen ich glücklich war oder die ich liebe, stetig weiterwächst. Ich würde es mir momentan auch nicht anders wünschen.

Dieser Moment kommt jeden Tag aufs Neue: Jedes Mal, wenn ich eine E-Mail öffne, in der mir jemand schreibt, ich hätte dazu beigetragen, dass sie gerade alleine reist oder ihre eigene Selbständigkeit gegründet hat. Das war von Beginn an mein stetiger Motivator weiterzumachen. Das hat es alles wert gemacht.

Neben dem eigenen Online-Business ist neue Energie tanken sicherlich auch ein Thema. Wie machst du das?

Carina: Oh, ein sehr großes sogar. Nach jedem größeren Projekt falle ich regelmäßig in ein Loch, in dem mir die Puste ausgeht. Ich muss mich dann immer wieder daran erinnern, dass ich mich auch gar nicht in das nächste stürzen muss. Ich kann mir die Freiheit nehmen, auch einfach mal durchzuhängen und meine Erfolge zu feiern. (Das vergesse ich gerne…)

Momentan entwickelt es sich zur Sucht, mich danach mit einem Roadtrip zu belohnen. An der Westküste Australiens, im Südwesten der USA… dabei kann ich komplett abschalten, ich selbst sein und meine Batterien wieder auftanken. Und die Kreativität läuft danach immer wieder wie auf Hochtouren!

Im „Alltag“, auch wenn er bei mir sehr wechselhaft aussieht, nehme ich einfach mal einen Tag komplett frei, wenn ich merke, meine Energie lässt nach. Meist werde ich dann zum nöligen kleinen Kind, das mit seiner Tastatur um sich werfen will…

Dann schnappe ich mir meine eBooks und setze mich in ein schnuckeliges Café, ans Meer, düse auf einem Scooter durch die Gegend oder streife mit meiner Kamera durch die Straßen, je anchdem wo auch immer ich gerade bin. Was auch immer mit gut tut, wird gemacht. Stundenlang, tagelang. Bis ich meine Balance und Energie wieder gefunden habe.

Herzlichen Dank für das tolle und wirklich interessante Interview!

Bildquelle: © Kris Braun

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