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FORGESTELLT: Cloudy Zakrocki, Chefredakteurin Refinery29 Germany

16. August 2016
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Wir stellen vor: Cloudy Zakrocki!

Cloudy ist Chefredakteurin von Refinery29 Germany, dem noch sehr jungen deutschen Ableger eines der erfolgreichsten Medienportale für Frauen in den USA. Vor dieser neuen Herausforderung war Cloudy verantwortliche Online-Redakteurin beim Interview Magazine und hat für den ersten deutschen Modeblog Les Mads geschrieben. Cloudy ist durch und durch Medienmensch und Modevorbild mit einer großen Fanbase, die ihre Abenteuer auf Instagram und Snapchat verfolgt.

Cloudy, wenn du dich in drei Wörtern selbst beschreiben solltest, wie würde sich das anhören? „Hallo, ich bin Cloudy und ich bin….“

Cloudy: Quirlig, aufgeschlossen, loyal und rede ziemlich viel.

Ich habe gerade kürzlich ein Interview von dir gehört, in dem du gesagt hast, dass du eher zufällig in die Modewelt gekommen bist. Magst du uns verraten, was du eigentlich für Pläne hattest und wie es zu dieser Neuausrichtung kam?

Cloudy: Ich habe ziemlich jung Abi gemacht und bin dann direkt zum Studieren nach Heidelberg. Ich wollte eigentlich schon immer in den Journalismus, habe mich anfangs aber „nicht getraut“, diesen unsicheren Weg einzuschlagen und mich im Gegenzug für das sichere Lehramtsstudium entschieden. Als ich dann während des Studiums in Australien gelebt hab, habe ich in die Mode- und Redaktionswelt reingeschnuppert und Blut geleckt, zurück in Deutschland dann kurzerhand mein Studium auf einen Magisterabschluss umgeschrieben und nebenher meinen eigenen Blog gegründet. Direkt nach dem Studium ging es dann nach Berlin, dort war ich als freie Autorin bei LesMads tätig und habe nebenher als Consultant dutzende Projekte betreut. Und schwupps war ich mittendrin in der Mode- und Medienwelt.

Du hast für den Modeblog „Les Mads“ geschrieben und gehörst damit zur Riege der ersten deutschen Modeblogger. Für viele Frauen bist du ein Modevorbild – siehst du dich selbst auch als Vorbild? Wie fühlt sich das für dich an?

Cloudy: Es ist natürlich immer schmeichelhaft zu lesen, dass einen jemand als Vorbild bezeichnet, denn ich selbst würde das nie über mich sagen geschweige denn denken. Ich bin kein typisches Modemädchen und habe letztlich auch durch LesMads gemerkt, dass ich meinen Arbeitsalltag gerne über Outfitposts, Shoppingtipps und meine persönliche Meinung zu Modethemen hinaus ausfüllen möchte. Es hat mir intellektuell schlichtweg nicht gereicht, außerdem arbeite ich lieber für eine Sache und ein Projekt, als meine eigene Person in den Vordergrund zu stellen. Das mache ich nur noch bei Instagram und dort auch nur nebenbei und so macht es auch Spaß. Wenn ich auf Instagram andere inspirieren kann oder andere meine Outfits mögen, dann freut mich das natürlich sehr! Einen Vollzeitberuf würde ich aus dem Bloggen aber nicht mehr machen wollen. Ich schätze die Arbeit einiger Blogger jedoch sehr und finde, dass besonders Sarah und Nike von This Is Jane Wayne zeigen, dass Modeblogger auch Themen abseits des Tellerrands interessieren und sie diese fundiert diskutieren können.

Hast du selbst ein Vorbild? Was macht ein echtes Vorbild für dich aus? Welchen Wert, welche Bedeutung gibst du diesen?

Cloudy: Ich hatte noch nie wirklich viele Vorbilder, weil ich immer der Meinung war, dass man seinen eigenen Weg gehen, auf seinen eigenen Instinkt hören und sich nicht zu sehr auf einen Kurs einschießen sollte. Meine Mutter ist mir ein großes Vorbild, weil sie der liebevollste Mensch der Welt ist und mir gezeigt hat, wie wichtig Empathie, Geduld und aufrichtiges Interesse an anderen Menschen sind. Mein Vater ist mir ein Vorbild, weil er mir immer wieder zeigt, wie wichtig es ist, jeden Tag etwas Neues dazu zu lernen, vor Unbekanntem nicht zurück zu schrecken, sich auf seinen Lorbeeren nicht auszuruhen und gleichzeitig mutig zu sein und seinen Fähigkeiten zu vertrauen. Stars und Sternchen hingegen habe ich nie wirklich als Vorbilder gesehen, weil ich glaube, dass Vorbildfunktionen erst entstehen können, wenn sich die Person wirklich mit einem auseinandersetzt, auf einen eingeht und vice versa.

Du bist beruflich auf vielen, unter anderem Fashion-, Events unterwegs und dazu gehört auch zweimal jährlich die Berliner Fashion Week. Kannst du dich noch an deine erste Fashion Show erinnern? Wen hast du gesehen und wie hast du dich gefühlt?

Cloudy: Natürlich kann ich mich noch erinnern, es war für mich ein ganz besonderes Ereignis. Die erste Berliner Fashion Week habe ich im Juli 2009 besucht, ich war damals gerade frisch aus Australien zurück und voller Tatendrang, mich auch in Deutschland in die journalistische Richtung zu bewegen. Mein damaliger Freund ermutigte mich, einen Blog zu starten und machte mir als Geburtstagsgeschenk ein Ticket für die Fashion Week klar. Das war der Anfang von allem und dafür bin ich ihm bis heute sehr dankbar. Da ich ziemlich gut im Socializen bin, habe ich schnell wichtige Kontakte geknüpft und unter anderem Katja Schweitzberger bei einem Event an einem Kühlschrank kennen gelernt. Tja, der Rest ist Geschichte.

Was macht dir in einem Job am meisten Spaß?

Cloudy: Ich liebe meinen Job und würde ihn gegen keinen anderen der Welt eintauschen wollen. Es gibt so viele Aspekte, die mich täglich reizen. Unter anderem, dass man immer up to date ist, man sich in viele unterschiedliche Themen reinfuchsen und – wenn alles gut läuft – einen oder mehrere Leser da draußen in ihrem Alltag bereichern kann. Ein Jackpot ist es, wenn man mit den Geschichten, die man thematisiert, einen richtigen Einfluss haben kann. Ich habe das große Glück, jetzt mit einem großartigen Team zusammen arbeiten zu dürfen, das jeden Tag an seine Grenzen geht, um fabelhaften Output für die Leser zu liefern, der in seiner Themenvielfalt genauso breit gefächert ist, wie die Frau von heute interessiert ist. Und das große Glück für ein Unternehmen zu arbeiten, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen weltweit darin zu bestärken, ein selbstbestimmtes, aufgeklärtes und erfülltes Leben zu führen. Es macht großen Spaß, Teil dieser ganzen Bewegung zu sein und ich würde für nichts lieber jeden Morgen aufstehen wollen.

Was sind die größten Herausforderungen und wie meisterst du diese?

Cloudy: Die Herausforderungen, denen ich mich stellen muss, decken sich sicherlich mit denen von jedem, der schon mal ein Unternehmen aufgebaut hat: Vom Einstellungsprozess der Mitarbeiter über hunderte von Strategien für hunderte Aspekte des Unternehmens und der einen Seite bis hin zum Workflow des täglichen Geschäfts und kreativen Brainstormings ist alles dabei. Es ist ein Job, der fast gänzlich die 24 Stunden meines Tages füllt, aber der so einzigartig und aufregend ist, dass ich jede Sekunde genieße. Wichtig ist für mich ein Ausgleich am Wochenende: Ich versuche, nicht meine Emails zu checken oder das Handy in die Hand zu nehmen. Außerdem verbringe ich viel Zeit mit meinen Freunden, die größtenteils nichts mit der Branche zu tun haben. Das erdet einen, spendet Energie und bringt mich dazu, auch mal kreativ outside the box zu denken.

Die Zielgruppe von Refinery29 Germany sind Frauen, d.h. du schreibst auch gezielt für Frauen. Wir von FIELFALT setzen uns ganz stark für „Women Empowerment“ ein.  Was bedeutet dies für dich?

Cloudy: Der Begriff female empowerment ist für uns bei Refinery29 besonders wichtig, weil das Unternehmen diese Bewegung stark mit geprägt hat. Das Bild der Frau im Netz und den Medien ist immer noch sehr einseitig, was das Ideal einer Frau betrifft.

Ein Beispiel: Googelt man “Women” und ruft die Bildsuche auf, findet man hauptsächlich Bilder von weißen, kaukasischen Frauen. Googelt man jedoch “Women Refinery29” und ruft ebenfalls die Bildsuche auf, dann findet man Bilder von Frauen unterschiedlicher Ethnizität. Ich bin daher sehr stolz, für ein Unternehmen zu arbeiten, das ein diverses Frauenbild vermittelt und den Leser herausfordert, das von den Medien standardisierte Frauenbild in Frage zu stellen. Täglich gibt unser Team alles, die Wünsche, Erfahrungen und Ängste unserer Leser offen anzusprechen und sie mit service-orientiertem oder emotional ansprechendem Content zu inspirieren, ein selbstbestimmtes, aufgeklärtes und erfülltes Leben zu führen.

Nun bist du als Journalistin nicht allein hinter den Kulissen tätig, sondern lässt uns über deine Social Media Kanäle auch an deinem Alltag teilhaben. Gönnst du dir auch mal eine komplette Auszeit? Was machst du am liebsten, wenn wirklich mal keiner zusieht?

Cloudy: Als Onlinemensch, der ich durch und durch bin, und in meiner Position als Chefredakteurin bei Refinery29 Germany, kann ich mir wirkliche Auszeiten momentan nicht gönnen. Wie oben beschrieben, versuche ich am Wochenende die Seele baumeln zu lassen, was für mich unabdingbar ist, damit die Kreativität nicht flöten geht. Über meine Social Media-Kanäle teile ich aber nur gezielt Momente, die im öffentlichen Raum etwas zu suchen haben. Die schönsten, privaten Momente werden oftmals nicht geteilt, weil ich beispielsweise auf Instagram auch nicht Menschen zeige, die auf der Plattform nicht stattfinden wollen. Ich versuche bewusst eine Grenze zwischen Social Media und meinem realen Leben zu ziehen, weil ersteres auch einfach zu meinem Job dazu gehört. Viele Situationen, die ich auf privater Ebene genieße und liebe, haben auf professioneller Ebene nichts zu suchen und so möchte ich es auch beibehalten. Sonst wäre ich weiterhin Blogger von Beruf und würde alles teilen.

Und ganz zum Schluss muss ich dir noch eine Fachfrage stellen, wenn ich schon mal die Gelegenheit habe: Was sind deine 3 Must-Have-Pieces für diesen Sommer?

Cloudy: Aufgrund des Workloads und des bescheidenen Wetters habe ich vom Sommer bislang noch nicht so viel gespürt. Momentan liebe ich aber die Kleider von Reformation und Réalisation Par (dieses Sternenkleid ist mein absoluter Liebling) und die Sandalen von Cornetti. Außerdem sieht man mich kaum noch ohne meine runde Sonnenbrille von Ray Ban und Vintage-Shirts. Ich habe früher mal T-Shirts gesammelt und viel zu viele von ihnen, freue mich aber, jetzt wieder Lust darauf zu haben, sie täglich auszuführen.

Bildquelle: © Eyecandy Berlin

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