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FORGESTELLT: Die Code Girls Julia Hoffmann und Natalie Sontopski

25. April 2016
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Die Gestaltung des digitalen Raumes bietet Frauen und Männern gleichermaßen Chancen zu partizipieren. Doch noch immer ist die weibliche Perspektive in der Informatik und Softwareindustrie unterrepräsentiert. Die Leipziger Code Girls Julia Hoffmann und Natalie Sontopski wollen das ändern. Regelmäßig organisieren sie Workshops und Vorträge, um anderen Frauen die Grundlagen des Programmierens zu vermitteln. Vor Kurzem erschien ihr erstes Buch We Love Code! Das kleine 101 des Programmierens – ein Reiseführer in die Welt der Bits und Bytes.

Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Natalie: Julia und ich haben uns vor rund vier Jahren kennen gelernt, als wir kurz vor dem Abschluss unseres Studiums standen. Wir hatten bereits erste Erfahrungen im Programmieren. Julia hatte einige Kurse besucht und ich hatte mich durch meinen Blog Endemittezwanzig bereits mit den Programmiersprachen html und css beschäftigt. Wir merkten schnell, dass uns die Thematik interessiert und wir einfach Spaß am Programmieren haben. Nach dem Besuch eines Technologiefestivals in Berlin, bei dem wir zahlreichen inspirierenden Vorträgen gelauscht hatten, beschlossen Julia und ich, einen niedrigschwelligen Codier- und Programmierstammtisch für Mädchen und Frauen in Leipzig ins Leben zu rufen.

Was wollt ihr mit den Code Girls erreichen und wen sprecht ihr an?

Natalie: Die von uns organisierten Veranstaltungen sollen einen Raum für Frauen etablieren, in dem sie keine Scheu haben, Fragen zu stellen und in dem sie sich wohlfühlen – mit und ohne Vorkenntnisse. Das bedeutet nicht, dass wir Männer ausschließen, zum Beispiel haben wir auch regelmäßig männliche Workshopleiter. Aber erfahrungsgemäß ist die Atmosphäre und der Austausch unter Frauen ein anderer. Unser Grundgedanke ist, von- und miteinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen. Wir haben in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass das nicht immer funktioniert und es manchmal auch externe Workshopleiter braucht, die bestimmte Thematiken anleiten. Es wäre toll, wenn unsere Veranstaltungen dazu beitragen, dass sich mehr Frauen in der IT-Branche sehen beziehungsweise einen Zugang zum Programmieren finden.

Wie hast du den Zugang gefunden?

Natalie: Ich habe tatsächlich viel gegoogled und mir zahlreiche Tutorials angesehen. Ich bin keine Informatikerin, habe aber mittlerweile eine „Code Literacy“ entwickelt, wie ich das gern nenne. Ich kann Programmieren, aber ebenso interessiert mich die Bedeutung von Codes für unseren Alltag und inwiefern sie unsere Umwelt gestalten und unsere Wahrnehmung steuern können.

© Koehler Amelang

© Verlag Koehler Amelang

Dass die analoge und digitale Welt immer stärker miteinander verwoben sind, beschreibt ihr auch in eurem ersten Buch „We Love Code!“. Wie entstand die Idee dazu?

Natalie: Wir hatten selbst nicht den Plan, ein Buch zu dieser Thematik zu schreiben. Dann kam jedoch der Verlag mit der Idee auf uns zu und zunächst war der genaue Inhalt noch vage. Da Julia und ich weder Informatikerinnen noch Programmiererinnen sind, war schnell klar, dass wir kein Fachbuch schreiben wollen und können. Vielmehr ist „We Love Code!“ ein Nachschlagewerk und Reiseführer in die Welt der Bits und Bytes mit einem popkulturellen Touch. Wir schmeißen nicht mit Fachtermini um uns und haben gern auch mal ein paar Fun Facts eingestreut. Das Buch soll einen leicht verständlichen Einstieg ins Programmieren bieten, ohne dabei weder flach zu sein noch neue Barrieren aufzubauen.

Warum arbeiten noch immer gravierend weniger Frauen im Informatikbereich?

Natalie: Ich denke, das Problem beginnt unter anderem schon in der Schulzeit. Gerade in der Endemittezwanzig-Generation wurde häufig nicht viel Wert auf einen guten und anwendungsbezogenen Informatikunterricht gelegt. Das hat sicher viele abgeschreckt. Zudem empfinden viele Frauen das Programmieren immer noch als typischen Männerberuf. Das war nicht immer so. Während der Recherchen für unser Buch haben wir herausgefunden, dass bis in die 1980er Jahre vor allem Frauen in der IT-Branche gearbeitet haben. Den ersten Computer ENIAC beispielsweise haben größtenteils Frauen mithilfe von Lochkarten bestückt.

Was heißt für dich Programmieren lernen?

Natalie: Ich vergleiche das ganz gerne mit Fremdsprachen lernen. Nur wenn man sich kontinuierlich mit einer Programmiersprache auseinandersetzt, lernt man sie wirklich verstehen und anzuwenden. Unsere Workshops geben einen ersten Impuls, aber nach 90 Minuten kann keiner einfach mal so einen perfekten Code schreiben.

Und wie geht es weiter mit den Code Girls?

Natalie: Wir möchten unser Workshopangebot mit externen Referenten ausbauen und dabei verstärkt auf Mikrothemen setzen, die aber auf ein Makrothema Bezug nehmen. Zum Beispiel wird es am 3. Mai in Leipzig einen Workshop zum Thema „Was ist eigentlich ein Algorithmus?“ geben, der einen Einblick in die theoretischen Grundlagen gibt und zeigt, wie man von einer Problemstellung schrittweise zu einer algorithmischen Lösung kommt. Zudem arbeiten wir daran, unser bestehendes Netzwerk zu stärken und noch mehr Leute aktiv einzubinden. Wir könnten uns auch gut vorstellen, vermehrt mit Schulen zusammenzuarbeiten und fächerübergreifende Workshops anzubieten.

Liebe Natalie, die Leichtigkeit und Freude, mit der du übers Programmieren sprichst, nimmt auch mir die Vorbehalte. Wir sehen uns beim nächsten Workshop.

VORGEMERKT!

Natalie und Julia halten am 12. Mai in Leipzig im Rahmen der Veranstaltung #DMWonTour einen Impulsvortrag zum Thema: „Du nennst es Programmieren, wir nennen es Rock’n’Roll?“. Kommt gern vorbei.

Bild: © Roland Sontopski

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