BLOGAZINE PORTRAITS

FORGESTELLT: Cornelia von der Preussischen Whiskymanufaktur

24. Juli 2018
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Cornelia hat früh ihre Liebe zum Whisky entdeckt, aber erst später in der Uckermark ihren Traum verwirklicht: Heute stellt sie ihren eigenen Whisky her und hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Wie sie den Whisky für sich entdeckt hat und was das besondere an ihrem Whisky ist, erzählt sie uns im heutigen FORGESTELLT.

Liebe Cornelia, welche Bücher sollte man unbedingt gelesen haben?

Cornelia: Unbedingt wunderschön sind Märchenbücher (zum Beispiel Grimms Märchen), denn diese begleiten dich ein ganzes Leben. Erst wird dir daraus vorgelesen, später liest du deine Lieblingsmärchen selbst und irgendwann liest du dann deinen Kindern und Enkelkindern daraus vor.

Unbedingt heimlich sollte man die Tagebücher seiner Kinder lesen.

Wie sieht ein typischer Start in den Tag bei Dir aus?

Cornelia: Der beste Ehemann von allen weckt mich jeden (wirklich jeden !) Morgen mit einem romantischen und üppigen Frühstück.

Welche 3 Wörter beschreiben Dich am Besten?

Cornelia: Mein Mann und meine Tochter haben sich hier mal spontan dazu geäussert und meine 3 Wörter beachtlich ergänzt:

Bissig, dickköpfig, eigenwillig, nervig, detailverliebt, selbstbewusst, sarkastisch, taff, zickig, zielstrebig
rebellisch

Du bist studierte Pharmazeutin und stellst nun in der Uckermark deinen eigenen Whisky her – wie hast Du Deine Liebe für Whisky entdeckt?

Cornelia: Als junge Frau habe ich auf einer Urlaubsreise ein Schlückchen Whisky probiert. Es war mehr Neugier auf das sogenannte „Getränk der Männer“ als das Verlangen nach hochprozentigem Alkohol. Nun, Geruch und Geschmack haben mich tatsächlich überrascht und fasziniert und später habe ich die Erfahrung gemacht, dass Whisky das komplexeste Getränk der Welt ist und jeder Whisky seine eigene Geschichte in sich trägt.. Die Liebe für Whisky hängt wohl auch mit diesen Geschichten zusammen.

Wann hast Du dich entschieden selbst Whisky herzustellen und wie lange hat es gedauert deinen eigenen Whisky zu entwickeln?

Cornelia: Die Entscheidung habe ich 2006 getroffen, meinen Whisky zu entwickeln hat dann noch mal 3 Monate gedauert.

Was macht Deinen Whisky einzigartig?

Cornelia: „Der Zauber steckt immer im Detail“, ein wirklich treffendes Zitat von Theodor Fontane. Ich liebe und lebe es.
Die hohe Qualität der Zutaten, das Maischeverfahren, die Brenntechnik, die Fassauswahl, die Art und Dauer der Lagerung oder die Hingabe bei der Herstellung, das Zusammenspiel dieser großen und kleinen Dinge trägt dazu bei, einen einzigartigen Whisky zu kreieren.

Du stellst deinen Whisky im Pferdestall einer ehemaligen Brennerei her – warum hast Du Dich für diese ungewöhnliche Location entschieden?

Cornelia: Wahrscheinlich war es rein intuitiv. Das Gebäude hat mich von Anfang an fasziniert, obwohl es in einem jämmerlichen Zustand war. Aber es hat mich angelächelt und ich habe das Lächeln erwidert.

Foto: Robert Michael / www.robertmichaelphoto.de

Bis vor 3 Jahren hast du die Brennerei neben deinem Hauptjob betrieben – wie hast du das geschafft?

Cornelia: Viele kleine und große Dinge haben auf das Gelingen Einfluss gehabt.

Unterstützung hatte ich aber auch durch meinen Mann, meine Eltern, meine Kollegen, meinen Chef.
Und wir besitzen keinen Fernseher!

Du feierst in diesem Jahr das 10-jährige Firmenjubiläum – wie hat sich Dein Unternehmen seit der Gründung entwickelt?

Cornelia: Das Unternehmen ist nicht gewachsen und das ist auch genauso gewollt. Es ist eine kleine Manufaktur, das heißt, die Herstellung von qualitativ hochwertigen Whisky war, ist und bleibt auch weiterhin mein Ziel und obliegt nur mir.

Mittlerweise gibt es Wartelisten für Händler, die deinen Whisky in ihr Sortiment aufnehmen möchten – wie hast du gerade am Anfang auf Dein Unternehmen aufmerksam gemacht?

Cornelia: Ehrlich gesagt habe ich mir nicht allzu viele Gedanken über den Vertrieb gemacht, da mein Fokus auf die Produktion gerichtet war. Hätte schief gehen können, ist es aber nicht.
Betreffend Marketing habe ich dann das gemacht, worauf ich Lust hatte und was in einem zeitlichen und finanziellen Rahmen gepasst hat. Dazu gehörten beispielsweise der Imagefilm und die Teilnahme an mehreren Whiskymessen.

Was sind Deine größten Herausforderungen?

Cornelia: Aus finanzieller Sicht: Whisky zu produzieren, ohne diesen sofort verkaufen zu können (die Mindestlagerzeit für Whisky beträgt 3 Jahre).
Aber abgesehen davon war und bin ich selbst auch die Herausforderung schlechthin, da meine Kommunikationsbereitschaft nicht sonderlich stark ausgeprägt ist.

Was liebst Du besonders an Deinem Job?

Cornelia: Die Destillation selbst, denn diese ist wie eine Geburt. Und natürlich die Unabhängigkeit, vor allem die freie Zeiteinteilung.

Wie sehen Deine Pläne für die Zukunft aus?

Cornelia: Die Zukunftspläne sind nur in meinem Kopf gespeichert. Je weniger man davon publik macht, umso wahrscheinlicher ist deren Umsetzung.

Wie bildest Du Dich weiter und was tust Du aktiv dafür Dein Business weiterzuentwickeln?

Cornelia: Business und Weiterbildung, das ist wohl mein wunder Punkt. Allein schon diese Wörter mag ich überhaupt nicht und jetzt in diesem Augenblick darüber zu schreiben, treibt mir schon imaginäre Schweißperlen auf die Stirn. Es hat etwas von Pflicht, Zwang und Stress.

Nun, vieles mache ich aus dem Bauch heraus, es muss für mich interessant sein, mich irgendwie berühren, dann kann es Spaß machen und regt auch die eigene Fantasie und die Produktivität an. Wenn man genügend Freiraum für eigene Emotionen lässt, inspiriert und erreicht man Menschen vielleicht eher, als durch Fleißarbeit.

Hast Du Vorbilder oder Frauen, die Dich inspirieren?

Cornelia: Oh ja: In meiner unmittelbaren Nähe gibt es einige Frauen, welche mich auf verschiedenste Art und Weise inspirieren. Meine Mutter erdet mich, meine Tochter gibt mir Flügel, meine Schwestern helfen und hören zu, meine Schwiegermutter zeigt mir, dass es irgendwie immer weiter geht und ich habe ehrliche Freundinnen, deren Freundschaft und Aufrichtigkeit mich seit Jahren begleiten.

Ein richtiges klassisches Vorbild hatte ich jedoch nie. Wenn ich ehrlich bin, haben mich eher Leute (unfreiwillig) beflügelt, welche ich überhaupt nicht ausstehen kann. Andere sagen Feindbild dazu.

Welche 3 Tipps für Whisky-Einsteiger kannst Du unseren Leserinnen mit auf den Weg geben?

Cornelia:

    • Zeit für Genuss (also auch für euch) nehmen
    • Neugier bewahren und experimentieren (sch….. drauf, wenn das ab und an mal nach hinten losgeht)
    • Keine Belehrung von sogenannten „Experten“ dulden (also auch nicht von mir), denn kein anderer Mensch verfügt über deine Sensorik

Foto: Robert Michael / www.robertmichaelphoto.de

Vielen Dank, liebe Cornelia, für das Interview!

Über die Autorin: Ann-Kathrin ist 29, kommt aus dem schönen Harz und ist seit einigen Jahren in Berlin zu Hause. Sie reist gerne, liebt Konzerte, den Sommer in Berlin und Serien.

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