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BLOGAZINE PORTRAITS

FORGESTELLT: Dr. Caroline Braune, Inhaberin des Katzenmusikcafés „Zur Mieze“ und promovierte Biologin

28. November 2016
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Dr. Caroline Braune

kehrte der Wissenschaft nach ihrer Promotion den Rücken und eröffnete das Katzenmusikcafé Zur Mieze in Berlin-Charlottenburg. Das Leben ist schließlich viel zu kurz, um Dinge zu tun, die keinen Spaß machen! Im Interview spricht sie darüber, wie sie mit Zweifel umgeht und wie sich alles fügt, wenn man an seine Idee glaubt.

Ein Katzenmusikcafé – was ist das?

Caroline: Es ist, wie der Name schon sagt, eine Kombination aus einem Katzen- und einem Musikcafé. Das Café ist also nicht nur etwas für Katzenliebhaber, sondern auch für Musikinteressierte. Diese Mischung kommt verdammt gut an, was ich anfangs selbst nicht gedacht hätte. Ich kriege von Besuchern oft die Frage gestellt, ob die Katzen echt sind und ob man sie anfassen darf. Natürlich dürfen sie gestreichelt und mit Leckerlis gefüttert werden! Sie warten auch immer gespannt auf die Gäste. Aber hier wird keine Katze dressiert. Die Katzen laufen frei herum, sollen und dürfen Katze sein. Die fünf Fellnasen wurden mir übrigens über den deutschen Tierschutzverein „Hand in Hand for Cats e.V.“ vermittelt und stammen aus der Ukraine. Am Wochenende gibt es im Café Konzerte am Bechstein Flügel aus dem Familienbesitz.

Und nebenbei kann man noch einen Kaffee trinken?

Caroline: Ich habe eine sehr kleine Getränkekarte. Ich wollte nur das anbieten, von dem ich wirklich überzeugt bin. Cappuccino gibt es nicht, aber hervorragenden Kaffee in der Stempelkanne, dazu, nach Wunsch, Bio-Milch. Die Kaffeebohnen beziehe ich von einem Berliner Röster. Auch die heiße Schokolade hat viele Fans. Ich verwende dafür ungesüßtes, echtes Bio-Kakaopulver. Der Kuchen ist zum Teil selbstgebacken und zum Teil von einem Konditor bezogen. Es ist wirklich nicht leicht heutzutage einen sehr guten Konditor zu finden! Das hätte ich mir einfacher vorgestellt.

Am 1. November 2016 feierte das Café einjähriges Bestehen. Deine Bilanz?

Caroline: Kurz zusammengefasst: Höhen und Tiefen! Ich hatte einen unglaublichen Start – von Januar bis März 2016 war es so voll, dass ich an meine Erschöpfungsgrenze kam. Von Juli bis September dann das Sommerloch… Bei über 30 Grad Außentemperatur wollte keiner im Café sitzen. Diese Zeit habe ich genutzt, um neue Ideen zu entwickeln. Das Schöne ist, dass ich an jeder Ecke immer noch etwas optimieren kann: An der Außenwahrnehmung, an der Produktpalette, an der Inneneinrichtung.

Hast du jemals an deiner Idee gezweifelt?

Caroline: Nach jahrelanger Übung, wie man mit Zweifel umgeht, habe ich ihn in Bezug auf das Café keine Sekunde zugelassen. Ich war überzeugt von der Idee und ich wollte es durchziehen! Als der Zweifel aufkam, habe ich zu mir gesagt: Zweifel, verschwinde aus meinem Leben! Ich brauche dich nicht, ich habe dich nie gebraucht und ich werde dich nie brauchen! Das hat sich für mich als so unglaublich kraftvoll erwiesen. Auf meinem Weg zum Café habe ich dann so viele motivierende und positive Dinge erlebt… dass die Auflagen, die das Café erfüllen muss, gar nicht so ein drastisches Problem darstellen oder Geschäftsbeziehungen auf Anhieb gut funktionieren. Bei ganz vielen Vorhaben gab es schnell grünes Licht und das hat mir gezeigt: Das soll so sein, ich muss diesen Weg gehen, ein deutlicheres Zeichen kann ich gar nicht kriegen. Außerdem hatte ich den familiären Segen. Zusammen mit meinem Vater habe ich den Laden ausgebaut. Er hat gleich gesagt: „Ich vertraue dir! Ich glaube an dich! Ich helfe dir!“
Und ich dachte mir, wenn ich schon einen Doktor gemacht habe, dann schaffe ich alles andere auch. Es gibt einem einen unglaublichen Kraftschub, wenn man schon andere Herausforderungen gemeistert hat.

Du bist promovierte Biologin. Wann und warum hast du die Entscheidung für das Café und gegen eine wissenschaftliche Laufbahn getroffen?

Caroline: Ich hatte bis zum Abitur Klavierunterricht und habe an einer sehr guten Kreismusikschule eine musikalische Ausbildung absolviert. Parallel zu meiner Promotion habe ich mit einer Sängerin Konzerte gespielt. Bei einem Weihnachtskonzert im Jahr 2014 habe ich mich gefragt: Was bewegt mich ganz tief in meinem Herzen? Was ist so kraftvoll, dass es mich bis ins Tiefste mitnimmt? Als wir mit der Gemeinde Weihnachtlieder gesungen haben, merkte ich, welche Emotionen Musik in mir auslöst. Und da wusste ich: Ich muss weg von der Biologie! Ich muss einen Konzertraum schaffen, in dem junge Musiker klassische Musik machen können, wo Musik geschätzt wird, wo man über Musik unmittelbar sprechen kann. Mit dem Café habe ich nun so einen musikalischen Raum. Ich wollte aber auch meine Liebe zu Katzen wieder ausleben. Ich hatte von Katzencafés gelesen und fand die Idee total super. In den letzten Monaten meiner Promotion überlegte ich, was ich danach machen will. Schwuppdiwupp, war die Katzenmusikcafé-Idee da! Die Agentur für Arbeit fand es total klasse, dass ich schon wusste, was ich machen will. Wissenschaftler sind bekanntlich schwer zu vermitteln. Daraufhin habe ich Existenzgründungskurse besucht, Businesspläne erstellt und nach langer Zeit gemerkt, dass meine Bemühungen endlich einen Sinn für mich machen.

Warum hast du dich nicht gleich der Musik gewidmet?

Caroline: Die Musik war immer eher ein Hobby. Biologie hat mich interessiert und ist mir leicht gefallen. Zu Beginn der Promotion war ich noch voll motiviert und enthusiastisch. Doch die Rahmenbedingungen für wissenschaftliches Arbeiten erwiesen sich als sehr schwierig. 90 Prozent sind Niederlage und Frustration. Hinzu kam, dass ich keine Perspektive sah, wie es nach der Promotion weitergehen sollte. Ich merkte, dass ich da kein Herzblut reingeben kann, sondern eher ausblute. Fast hätte ich das Handtuch geworfen, aber dann zu mir gesagt: Du machst das jetzt fertig, egal wie! Es war aber klar, dass etwas anderes kommen muss, sobald die Arbeit fertig ist. Vielfach habe ich hören müssen, ich würde mir durch die Abwendung von der Biologie die Zukunft verbauen. Aber ich wusste, ich habe da einfach keinen Bock mehr drauf.

Gibt es ein Motto, dass dich durch dein Leben begleitet?

Caroline: „Das Leben ist viel zu kurz, um Dinge zu tun, die keinen Spaß machen!“ Ich habe so oft in meinem Leben Dinge gemacht, die keinen Spaß machten, mich durch irgendetwas geschleppt, das mich nicht interessiert und nicht berührt hat. Das war nicht lebenswert. Aber jetzt hier, in meinem Café, in den 1,5 Jahren, in denen ich mich damit beschäftige, habe ich so viel Lebensqualität gewonnen und das ist wunderschön!

Weitere Infos unter: www.zur-mieze.de

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