PORTRAITS

FORGESTELLT: Dr. Nadja Rosmann, Journalistin und PR-Beraterin

16. Juli 2015
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Meditation & Wissenschaft 2016

Dr. Nadja Rosmann: Journalistin, PR-Beraterin und Co-Autorin

Liebe Nadja,  wir freuen uns sehr darüber als Medienpartner beim Kongress „Meditation & Wissenschaft 2016“ dabei zu sein, da auch wir uns aktuell sehr viel mit Meditation und innerlicher Stärke von Frauen beschäftigen. Erzähl doch bitte ganz kurz, welche 3 Eigenschaften dich als Person besonders ausmachen.

Nadja: Das ist eine schwierige Frage 😉 Ein Leben auf Eigenschaften festnageln zu wollen, fühlt sich für mich recht eng an. Meine Erfahrung ist, dass alles, was ich im Leben mache, mich immer wieder verändert. Natürlich habe ich bestimmte Charaktereigenschaften, bin ein bestimmter Typ. Aber mich interessiert eigentlich mehr, was aus diesen Eigenschaften durch mich werden kann, was mein Beitrag in der Welt ist.

War für dich schon immer klar, dass du freiberufliche Journalistin und PR-Beraterin werden möchtest oder was war als Kind dein Berufswunsch?

Nadja: Das Schreiben war für mich schon früh sehr wichtig. Ich habe mit 16 angefangen, für eine Lokalzeitung zu schreiben. Zu versuchen, Gedanken in Worte zu bringen und damit Dinge verstehbar zu machen, hat mich schon immer gereizt. Das Schreiben ist für mich dafür ein wunderbarer Kanal. Mit einigen Kollegen, die genau wie ich sehr an Bewusstseinsentwicklung interessiert sind, arbeite ich zum Beispiel seit zweieinhalb Jahren an evolve – Magazin für Bewusstsein und Kultur. Das ist ein wirkliches Herzensprojekt, weil wir hier immer wieder versuchen herauszufinden, wer wir als Menschen in der Tiefe sein können.

Und gleichzeitig ist für mich der Ausdruck, ob ich nun schreibe, berate oder Projekte organisiere, nur die äußere Form. Worum es mir vor allem geht, sind Inhalte. Sei es das Thema Meditation und Achtsamkeit im Kontext des Kongresses Meditation & Wissenschaft, den ich seit 2010 für drei Stiftungen organisiere, oder auch meine Mitarbeit bei der Meditations-App 7Mind, die der Zen-Lehrer Paul J. Kohtes entwickelt hat und bei der ich ihn bei der Ausarbeitung des didaktischen Konzepts unterstütze. Menschliche Entwicklung ist für mich wohl ein Lebensthema – und dafür neugierig zu machen, ob mit Artikeln, Büchern oder auch wissenschaftlichen Projekten, ist für mich sehr erfüllend.

Vielen Frauen fällt es schwer Entscheidungen fürs Leben zu treffen. Wie geht es dir damit? Gab es bereits eine Herausforderung, bei welcher auch du dich schwer getan hast zu entscheiden?

Nadja: Ich glaube, was uns das Entscheiden oft schwer macht, ist die Vorstellung, dass wir damit viele andere Möglichkeiten aufgeben. Aber ist das wirklich so? Das Leben ist ja ständig im Fluss. Für mich war an der Uni die Germanistik meine erste Wahl, aber schon nach einem Semester habe ich gemerkt, dass es das nicht wirklich ist – und bin dann zur Kulturanthropologie gewechselt. Nach dem Studium war ich vier Jahre Chefredakteurin einer Computerzeitschrift, dann habe ich mich selbstständig gemacht und seitdem die verschiedensten Projekte realisiert. All das waren immer Entscheidungen – und oft keine leichten. Aber für mich ist da auch noch eine andere Dimension. Wenn ich mit meiner Wahrnehmung einfach bei dem bleibe, was gerade ist und was mich bewegt und versuche, darauf zu antworten, dann bin ich mitten im Leben – und es passt einfach. Mein Bedürfnis nach Sicherheit revoltiert da natürlich, denn etwas in mir hätte auch gerne die Gewissheit, dass ich das „Richtige“ tue. Manche Entscheidungen tragen mich über Jahre und erweisen sich als „gut“, andere nicht. Dann muss ich halt weitergehen. Meine Erfahrung: Diese innere Unsicherheit, manchmal sogar Aufgewühltheit, ist das Leben. Und dem möchte ich mich gar nicht entziehen.

Du hast viele verschiedene Weiterbildungen nach deinem Studium absolviert. Gab es einen Grund für diese Orientierung? Woher kam dein Interesse an Entspannungsverfahren, Körpersprache, Coaching, Feng-Shui,…?

Nadja: Mich hat schon immer interessiert, was uns als Menschen bewegt und wie wir uns entwickeln können. Meine Festanstellung hat mich im Hinblick auf die heutige Arbeitswelt recht desillusioniert. Ich hatte einen spannenden Job, aber das Menschliche hat da nicht gezählt. Und das hat mir einfach gefehlt. Ich bin ein Big-Picture-Typ und suche gerne nach den großen Zusammenhängen. Entspannung ist für mich zum Beispiel eine Grundvoraussetzung, um überhaupt wirklich anwesend sein zu können. Oft sind wir eher total verkrampft, sei es körperlich oder auch in Gedanken, und merken es noch nicht einmal. Im Feng Shui konnte ich viel lernen über das Wechselverhältnis zwischen Mensch und äußerem Lebensraum. Wir spüren sofort, ob wir uns an einem Ort wohlfühlen oder nicht – und zu verstehen, welche äußeren Umgebungen uns gut tun, macht es leichter, das eigene Umfeld entsprechend zu gestalten.

In gewisser Weise ist es paradox: Wir gehen in die Schule, machen eine Ausbildung oder studieren, aber mit den tieferen Grundlagen unseres Menschseins beschäftigen wir uns eigentlich selten. Ich habe das wohl in den letzten Jahren ein bisschen umgedreht – und dieses tiefere Interesse an der Frage, wie Menschsein gelingen kann, findet nun auch in fast allen meinen beruflichen Projekten seinen Ausdruck.

Da ich über den Kongress „Meditation & Wissenschaft 2016“ in Kontakt mit dir gekommen bin, würde mich sehr interessieren, ob du selbst regelmäßig meditierst. Wenn ja, wann hast du mit dem Meditieren angefangen, warum und wie?

Nadja: Ich habe mit dem Meditieren begonnen, als ich 19 war. Am Anfang meines Studiums bekam ich ein Buch von dem Niederländer Jan Willem van de Wetering in die Hände, der als einer der ersten Europäer in den 1960-er Jahren in einem japanischen Zen-Kloster war. Diese Erfahrung von Freiheit in der Meditation, die er beschrieb, hat mich damals zutiefst berührt. Ich habe mir ein Sofa-Kissen genommen, mich auf den Boden gesetzt und losgelegt… 😉 Damals vor 25 Jahren war Meditieren noch eine eher esoterische Angelegenheit – das haben eher die Spinner oder die Super-Heiligen gemacht. Deshalb habe ich die ersten Jahre nur für mich meditiert, später auch einige Kurse in Zen-Meditation besucht.

Seit einigen Jahren bin ich bei emerge bewusstseinskultur aktiv. Dort verbinden wir das Meditieren mit einer tiefen Form von Dialog. Für mich ist Meditation nicht einfach eine Methode, die man anwendet, um sich vielleicht besser zu fühlen. Ich erfahre sie eher als Weg der Selbst- und Welterkenntnis – und aus diesem tieferen Durchdringen von dem, was ist, kann dann auch etwas Neues erwachsen.

Was ist deine Aufgabe bei diesem Kongress und wie bist du dazu gekommen dort aktiv mitzuwirken?

Nadja: Ich arbeite seit gut 10 Jahren unter anderem für die Identity Foundation, eine gemeinnützige Stiftung für Philosophie, die von Paul Kohtes, den ich bereits erwähnt hatte, gegründet worden ist. Als Zen-Lehrer ist er schon seit vielen Jahren am Thema dran und da Meditation und Achtsamkeit in der letzten Zeit einen starken Popularitätsschub erleben, hat er sich 2010 mit zwei anderen Stiftungen entschlossen, diesen Kongress ins Leben zu rufen. Dieses Jahr nun findet er zum vierten Mal in Berlin statt. Ich bin dabei für alles Organisatorische zuständig – die Location, die Vermarktung der Tickets, die Betreuung der Referenten und der Teilnehmer, die Webseite. Es macht große Freude, mit lauter Menschen zu tun zu haben, die sich für das Thema interessieren. Unser Anliegen ist es, immer wieder neue Beispiele zu zeigen, wie mit Meditation in der Arbeitswelt, in Medizin und Therapie Menschen zu einem besseren, lebenswerteren Leben finden können.

Hast du ein persönliches Vorbild oder eine Vision, die du in deinem Leben verfolgst?

Nadja: Mich treibt die Motivation, dass ein gutes Leben möglich ist. Wir sind heute mit so vielen Herausforderungen konfrontiert, sei es der Klimawandel, die Flüchtlingskrise, jetzt noch der Brexit – schaut man Nachrichten, glaubt man manchmal, alles geht den Bach runter. Und doch steckt in jedem Menschen auch ein unglaubliches Potential, das sich entfalten kann. Diesem Möglichen ein bisschen mehr zum Ausdruck zu verhelfen, ist für mich eine große Sehnsucht.

Wie wichtig ist dir das Thema „Netzwerken“?

Nadja: In gewisser Weise gar nicht. 😉 In mir hat das Meditieren über die Jahre die Wahrnehmung reifen lassen, dass ich eigentlich immer mit allem verbunden bin. Das Netz ist immer schon da. Wozu also werken? Ich versuche einfach, dem Leben und den Menschen mit größtmöglicher Offenheit zu begegnen (was natürlich nicht immer gelingt). Zu manchen Menschen oder Ideen entsteht eine tiefere Resonanz, dann folgt man der gemeinsam. Und bei anderen geschieht das vielleicht nicht, was auch nicht weiter schlimm ist. Meine Facebook-Freunde zum Beispiel kenne ich alle persönlich und habe mit ihnen schon irgendetwas gemeinsam bewegt. Für mich steht das Vernetzen nicht im Vordergrund – es geschieht ganz von selbst, wenn man mit anderen etwas bewirken möchte.

Möchtest  du unserer FIELFALT Community etwas Bestimmtes mit auf den Weg geben?

Nadja: Einfach mal die Augen schließen und eine Minute nichts tun. Ganz bewusst ein- und ausatmen, einfach da sein.

Wie sieht deine Quality Time im Alltag aus? Was gönnst Du dir?

Nadja: Quality Time hört sich für mich immer ein wenig an, als wäre der Rest des Lebens Murks. 😉 Ich versuche eigentlich, alles als Quality Time zu gestalten. Gelingt nicht immer, ist aber work in progress. Wenn ich morgens meditiere, schafft das für den ganzen Tag eine gewisse Ausrichtung, ein Verwurzelt-Sein. Ich versuche einfach, das Leben als Ganzes zu sehen und zu leben.

VIELEN DANK FÜR DIESES INTERVIEW LIEBE NADJA!

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