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FORGESTELLT: Flavia Hollburg, Gründerin von Flavia Wilde Feinkost

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Flavia Hollburg strebte immer weiter

„Weiter nach oben“

von Manuel Pape

Sie arbeitete und lebte zwölf Jahre lang in Österreich, zuletzt als Marketingmanagerin. Doch Flavia Hollburg ist ein ruheloser Mensch. Sie strebte weiter nach oben. „Weiter nach oben“ hieß für sie, Chefin zu werden. Sie wollte ein Unternehmen gründen, das genau das anbietet, was Flavia am meisten auf der Welt liebt: Essen.

Die 33-Jährige aus der Magdeburger Börde eröffnete Ende 2015 im Hundertwasserhaus Magdeburgs das Delikatessengeschäft „Flavia Wilde Feinkost“. Das Fleisch in der Auslage stammt aus der Landfleischerei ihrer Eltern, mit der sie eng kooperiert. Und im Laden selbst ist da noch Dörthe, die Flavia stets den Rücken freihält. Dörthe sei ihre zuverlässigste Mitarbeiterin, scherzt sie. Dörthe ist ihre einzige Mitarbeiterin.

Flavia ist immer in Bewegung. Sie liebt das Tanzen, Ski- und Motorradfahren, Reisen, Kochen und Gärtnern. Auch bis tief in die Nacht, so sagt sie, müsse sie manchmal einfach in der Erde rumwühlen. „Das erdet einen.“ Sie pflanzt an, was sie selber kocht. Und obwohl sie 150 Kochbücher besitzt, nutzt sie diese höchstens als Inspirationen. Die Rezepte entstehen in ihrem Kopf.

Auch wenn es kein Kinderspiel war, einen Interviewtermin mit Flavia Hollburg zu bekommen, so hat sich Manuel Pape doch mit dem „Duracellhasen der Feinkost“ für FIELFALT unterhalten können.

Wie lange rumorte in dir der Wunsch nach beruflicher Selbstständigkeit, bevor du den Schritt gewagt hast?

Flavia: Der Wunsch rumorte in mir schon ganz lange, weil ich immer schon jemand war, der auf eigenen Beinen steht, der immer schon machen wollte, was er kann. Ich habe eine Ausbildung gemacht als Sekretärin, Verwaltungsangestellte, tralala. Es gab aber nie den Punkt, an dem ich gesagt habe: „Ich bin Sekretärin.“ Ich war immer Assistentin vom Geschäftsführer oder eine Projektleiterin oder eine Referentin. Damit habe ich mich aber nie zufrieden gegeben. Ich wusste immer, ich wollte irgendwo da oben hin. Ich wollte immer weiter. Also machte ich mich selbstständig. Ich komme aus einer Familie, in der alle selbstständig sind. Das liegt einem im Blut.

Das heißt, Autorität nervt?

Flavia: Ja!
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Was sind die Besonderheiten von Flavia Wilde Feinkost?

Flavia: Wir haben ein Sortiment mit eigenen Brands. Darauf lege ich ganz großen Wert. Wir haben Schnäpse, Liköre, Käse, Nudeln und Brausen, auf denen mein Name steht. Das heißt, wir haben eine eigene Produktlinie erstellt. Ich klebe aber nicht nur mein Logo drauf, sondern fahre zu den Herstellern hin und entwickle neue Rezepte, gucke mir die Produkte an, spreche mit dem Lieferanten und entscheide mich dann für ein gewisses Produkt. Es kommt darauf an, dass wir Spezialitäten haben, die sonst keiner in Magdeburg oder in Sachsen-Anhalt anbietet. Sprich unser Holunder-Schinken und unsere Holunder-Wurst.

Wie gelang dir die Finanzierung für den Start? Sind Bänker mit Feinkost leicht zu überzeugen?

Flavia: Die Bänker waren sehr leicht zu überzeugen. Ich habe vorher das Business Angel Matching (Förderprogramm für überzeugende Geschäftsideen, Anm. d. Red.) in der Landesinvestitionsbank gewonnen. Da ich aus dem Marketingbereich komme, wusste ich halt, welche Fäden ich ziehen muss.

Mit dem Businessplan, den ich geschrieben hatte, hatte ich die Business Angels überzeugen können. Anschließend war ich sehr mutig und dachte: „Dann klappt das bei der Bank auch.“ Die Beurteilung der Bank war sehr toll. Das lag vor allem an dem guten Background: Ich habe meine Eltern mit ihrer Landfleischerei und 25 Jahren Geschäftstätigkeit, die hinter mir stehen. Das kam gut an.

Es heißt, du empfiehlst Bauchgefühl in sowohl geschäftlichen als auch persönlichen Fragen. Wie viel Planung, Konzept und Kalkül stecken wirklich in Flavia Hollburg?

Flavia: In Flavia Hollburg stecken ganz viel Planung, Kalkül und Konzept. Ohne das würde es nie laufen. Aber ich vertraue in letztendlichen Entscheidungen immer auf mein Bauchgefühl.

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Deine Eltern führen eine Landfleischerei, mit der du kooperierst. Zuvor warst du lange in Österreich und deine Mutter nennst du englisch „Mum“. Wer überwiegt: Die Frau von Welt oder die bodenständige Metzgerstochter?

Flavia: Die bodenständige Metzgerstochter überwiegt ganz klar. Ich bin zwar auch ein sehr bereister Mensch, bin viel rumgekommen und bin auch gerne im Jetset unterwegs und kenne viele Leute, aber nichtsdestotrotz liebe ich es dienstagmorgens bei meinen Eltern zu sitzen und Stichfleisch zu essen mit sauren Spreewaldgurken.

Wie gehst du mit Stress um?

Flavia: Ich gehe mit Stress eigentlich sehr gut um. „Eigentlich“ gibt es nicht. Ich gehe mit Stress sehr gut um. Über die Jahre habe ich mir ein sehr dickes Fell erarbeitet und bin extrem stressresistent. Ich stresse eher noch andere Mensch als mich selbst.

Aber irgendwann wird es doch auch mal für dich zu viel sein.

Flavia: Ja. Ich hole mir natürlich auch Ruhepausen. Die sind ganz wichtig, um weiterhin kreativ zu sein. Nur wer den Kopf frei hat, kann kreativ sein und weiterdenken. Ich bin gern in der Natur. Und ich liebe es zu tanzen und mit Freunden bis nachts um eins durchzudrehen. Dann komme ich um drei nach Hause, mein Wecker klingelt um sieben und ich stehe auf und gehe arbeiten. Aber das macht mir nichts. In bin einfach ein totales Energiebündel.

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Hast du irgendwelche großen oder kleinen Pläne für die Zukunft?

Flavia: Ich habe immer große Pläne, weil man nur weiterkommt, wenn man sich große Ziele steckt. Allerdings besteht jeder Große Plan aus ganz vielen kleinen Schritten:

  • Ich möchte mein Angebot erweitern. Dabei denke ich auch an Caterings oder Events wie Weinverkostungen, Bierverprobungen und Kochkurse. Kunden sind immer dankbar für Rezeptvorschläge.
  • Hier muss noch ganz viel passieren. Wir haben Ideen für Aktionen und Kooperationen in ganz Sachsen-Anhalt.
  • Außerdem darf ich Lehrlinge ausbilden. Ich möchte jetzt unbedingt, dass wir einen Lehrling haben. Auch wegen des Fachkräftemangels.
  • Ich möchte auch in Schulen gehen und Aufklärungsarbeit zum Thema „Fleisch“ leisten.
  • Mein Vater macht leckere Wurst- und Schinken-Spezialitäten. Mir geht es vor allem darum, sie besser zu vermarkten. Mein Vater sagt, ich würde in seiner Firma rumwurschteln. Ich nenne es „Prozessoptimierung“.

So läuft das bei uns.

Vielen Dank für dieses Interview.

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