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FORGESTELLT: Gudrun Wegener von bilderbuero

16. April 2016
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Das sind meine Antworten für das Interview. Das waren ziemlich spannende Fragen und mir sind die Antworten gar nicht so leicht gefallen, wie ich gedacht habe. Aber wann reflektiert man sich schon so im Alltag. 🙂

Über diese Rückmeldung von Gudrun habe ich mich sehr gefreut ehrlich gesagt, denn genau das möchten wir mit unseren Portrait-Reihe erreichen: Wir möchten ehrliche, authetische und beeindruckende Geschichten von Frauen wie Gudrun hervorheben und euch dadurch inspirieren und ermutigen, auch etwas zu wagen und eure Ideen und Visionen umzusetzen.

Liebe Gudrun, ein kurzes „Über mich“ zu verfassen ist nicht einfach, dennoch bitte ich dich, deine Persönlichkeit in wenigen Worten zu beschreiben, damit wir einen ersten Eindruck von dir gewinnen.

Gudrun: Ich bin begeisterungsfähig für neue Ideen, offen und unkompliziert und ehrgeizig wenn es um meine Ziele geht. Oder wie man bei uns in Norddeutschland so schön sagt: „Nicht lang schnacken – lieber machen!“  Nichts ist für mich quälender, als wenn man ständig über ein Thema redet und überlegt und diskutiert, aber nicht effektiv vorankommt. Wahrscheinlich bin ich auch deswegen so gerne selbstständig, denn ich entscheide selbst, wie und womit ich meine Zeit verbringe.

Wie sahen deine Pläne nach deinem Studium der Illustration und Webdesign aus? Hattest du von Anfang an einen genauen Plan, den du verfolgt hast oder war dein Berufseinstieg eher zufällig?

Gudrun: In meinem Kopf hatte ich schon immer ein festes Bild von meiner Zukunft: ein großes, lichtdurchflutetes Atelier, in dem ich male, gestalte und tolle Designs entwerfe. Frei, kreativ, unabhängig und ohne Chef. Also quasi das, was sich fast alle Kreativen erträumen.
Mit diesem rosaroten Bild vor Augen, hab ich mich direkt nach dem Studium übereilt selbstständig gemacht, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung davon zu haben, was das eigentlich alles bedeutet.
Und es kam, was kommen musste, wenn man sich so ganz ohne Plan in eine Selbstständigkeit stürzt – ich bin gescheitert. Aber dafür wusste ich im Anschluss ganz genau, dass zu einem erfolgreichen Design-Business sehr mehr gehört, als tolle Designs zu entwickeln.

Wie kam es dazu, dass du dich 2010 letztendlich dazu entschieden hast als Freelancerin tätig zu werden und deine eigene Infografik Agentur, das bilderbuero, zu gründen? Gab es dazu einen bestimmten oder ausschlaggebenden Impuls?

Gudrun: Nach meiner gescheiterten ersten Selbstständigkeit folgten drei spannende und sehr lehrreiche Jahre als angestellte Infografikerin bei der großen deutschen Nachrichtenagentur dpa. Für mich ein echter Glücksgriff. Doch als mein Arbeitgeber bekannt gab, dass die Agentur nach Berlin umziehen wird, musste ich mich erneut entscheiden, wie ich meine berufliche Zukunft gestalten will. Zumal ich zu dem Zeitpunkt gerade mit meiner ersten Tochter schwanger war. Also was sollte ich machen? Mit meiner Familie nach Berlin gehen, ohne zu wissen was uns alle erwartet oder in Hamburg bleiben und nach der Elternzeit ohne Job dastehen? Wir sind in Hamburg geblieben.
Und wenn ich schon neu anfangen musste, dann wollte ich es zu meinen Konditionen machen. Also habe ich ein zweites Mal das „Abenteuer Selbstständigkeit“ gewagt und mein bilderbuero gegründet. Jetzt aber mit Berufserfahrung, mehr Wissen und einer genaueren Vorstellung von dem, was mich erwartet.
Heute bin ich sehr froh darüber. Wer weiß, ob ich sonst all die tollen Projekte und Ideen umsetzen würde, die heute zu meiner Arbeit zählen.

Wie sahen deine ersten Schritte von der Idee der eigenen Infografik Agentur bis zur Umsetzung aus?

Gudrun: Mein großer Vorteil bei der Gründung vom bilderbuero war, dass ich schon einmal vieles falsch gemacht hatte. Und trotz dieses Wissensvorsprungs, hatte ich noch sehr viel zu lernen. Glücklicherweise brauchte ich als Designerin nicht viele Arbeitsmittel, um mich selbstständig zu machen. Es reichten ein Rechner, die Designprogramme, gestalterisches Know-how und eine große Portion Enthusiasmus. Den Rest hab ich mir Schritt für Schritt aufgebaut. Einen großen koordinierten Plan gab es nicht, ich hätte auch nicht gewusst, wen ich hätte fragen können. Ich hab Erfolge und Misserfolge gehabt, habe aus den Fehlern gelernt und mich ständig weiterentwickelt. Rückblickend war das ganz sicher nicht der einfachste Weg in die Selbstständigkeit.

Was ist deiner Meinung nach dein USP? Hast du einen Fokus für dich innerhalb deiner Arbeiten gelegt?

Gudrun: Wie wichtig eine genaue Positionierung ist, wenn man erfolgreich selbstständig sein will, war mir ganz lange nicht klar. Ich hab quasi jeden Auftrag angenommen, der ungefähr zu meinen Fähigkeiten gepasst hat. Egal ob die Projekte dann zäh oder langweilig waren. Aber Designs ohne echte Leidenschaft machen nicht nur mich unzufrieden, sondern auch meine Kunden. Auch das zehnte Logodesign macht einen nicht froh, wenn man viel lieber Infografiken machen will.
Irgendwann war dann ein Punkt erreicht, an dem ich das für mich nicht mehr akzeptieren wollte. Ich bin selbstständig, damit ich das machen kann, worin ich wirklich gut bin und was mich inspiriert. Nur dann ich auch für meine Auftraggeber das bester Ergebnis erzielen.
Heute weiß ich genau wie, warum und für wen ich arbeite. Mein Schwerpunkt sind Infografiken, interaktive Grafiken und Visualisierungen für Unternehmer, die es satt haben, dass ihre Botschaften einfach nicht wahrgenommen werden, weil sie in der täglichen Informationsflut untergehen. Wir Menschen lieben gute Geschichten und wir lieben Bilder. Im bilderbuero kombiniere ich diese beiden Disziplinen und mache Unternehmen so für ihre Kunden interessanter und sichtbarer.

Bist du vom Wesen her eher risikofreudig oder fiel es dir anfangs schwer damit umzugehen, kein festes Angestelltenverhältnis mehr zu haben?

Gudrun: Nachdem die Entscheidung erstmal gefallen war, gab es für mich nur noch den Blick nach vorne – also ja, ich bin in dem Punkt eher risikofreudig.

Was möchtest du anderen Frauen diesbezüglich mit auf den Weg geben, die noch am Anfang stehen aber eine ähnliche Vision bzgl. einer Selbständigkeit haben?

Gudrun: Sei dir darüber im Klaren, was du kannst und wofür wirklich dein Herz schlägt. Sei mutig und stolz auf deine Leistungen. Zeig anderen was du kannst und teile dein Expertenwissen, denn das macht dich besser und erfolgreicher. Designer sein bedeutet nämlich nicht netterweise für sein Hobby Geld zu bekommen, sondern es heißt, dass du ein Unternehmen führst.
Ich treffe immer wieder auf kreative junge Designerinnen, die wahnsinnig gute Arbeiten machen und trotzdem nie wirklich am Markt Fuß fassen, weil sie einfach nicht wissen wie sie es anstellen sollen. Auf der Uni lernen sie zwar gute Designs zu machen, aber wie man vom Designer sein lebt, dass wissen die wenigsten. Ich finde das furchtbar! Das sich jeder Kreative am Anfang seiner Selbstständigkeit wieder von neuem und alleine durch all die Hürden durcharbeitet ist aus meiner Sicht so unnötig!
Das zu ändern ist ein Punkt, der mir unglaublich stark am Herzen liegt. So sehr, dass ich zu dem Thema „Selbstständigkeit als Designer“  einen eigenen Blog ins Leben gerufen habe. Auf Achtung Designer zeige Grafikern, Illustratoren und Designern wie sie sich ein Design-Business aufbauen, dass sie kreativ, zufrieden und erfolgreich macht. Ich gebe quasi all das Wissen und die Erfahrungen weiter, die ich mir selbst so mühevoll im Laufe der Jahre erarbeitet habe.

Kannst du alle Aufträge bei bilderbuero komplett eigenständig und alleine erledigen und wie fühlt es sich für dich an, sich selbst zu führen?

Gudrun: Ja, ich arbeite immer eigenständig und eigenverantwortlich an den Designaufträgen. Das heißt aber nicht, dass ich unbedingt immer alleine arbeite. Ein Teil meiner Projekte entstehen im direkten Austausch mit Redakteuren, Programmierern, SEOs oder Social Media-Experten. Ich mag diese Arbeit in offenen Teams, weil man sich so gegenseitig inspiriert und voranbringt.


Wie es sich anfühlt, dass ich mich selbst führe  – selbstverständlich, natürlich und als der einzige richtige Weg. Alles andere würde sich falsch anfühlen.


Bist du in Hamburg mit anderen Gründerinnen vernetzt? Wie wichtig ist dir der Austausch untereinander zu bestimmten oder vielseitigen Themen, außerhalb des Freundeskreises?

Gudrun: Egal ob Meetups, Konferenzen, Barcamps, Facebook-Gruppen oder einfach das spontane Treffen auf einen Milchkaffee – für mich ist der regelmäßige Austausch mit Gleichgesinnten sehr wichtig. „Was gibt es für neue Entwicklungen? Welche Möglichkeit hast du genutzt um dein Ziel zu erreichen? Kennst du schon diese App? Nutzt du dieses oder jenes Tool? Wie bist du mit diesem Problem umgegangen?“ Ich hab ständig tausend Fragen und anderen Gründerinnen aus meinem Netzwerk geht es auch so. Was liegt da näher, als das man sich austauscht und vom gegenseitigen Wissen aus den verschiedenen Bereichen profitiert. Ich brauche diesen regelmäßigen Input.
Für alle designerspezifischen Fragen habe ich ein weiteres Netzwerk durch meinen Blog Achtung Designer. Das ist sehr hilfreich, wenn es mal um ganz berufsbezogene Fragen geht.

Was machst du gerne in deiner Freizeit um abzuschalten und den Gedanken mal wieder freien Lauf und kreativen Raum zu lassen?

Gudrun: In meiner Freizeit steht meine Familie an erster Stelle. Außerdem hab ich mir angewöhnt in zwei Schichten zu arbeiten. Den größten Teil meiner Arbeit erledige ich wenn die Kleinen im Kindergarten und in der Vorschule sind. Den zweiten Teil mache ich, wenn die Kinder im Bett sind. So sind die Nachmittage frei und wir habe Zeit für Ausflüge oder einfach nur um zusammen im Garten zu spielen. Mit zwei kleinen Kindern ist ja ständig was los und es wird zum Glück nie langweilig.

© Gudrun Wegener von Bilderbuero

 

Vielen Dank liebe Gudrun! Es hat mich sehr gefreut dich bei unserem ersten Workshop in Hamburg persönlich kennengelernt zu haben und ich hoffe wir sehen uns bald wieder. Und herzlichen Dank für die wunderschöne Illustration unseres Forgestellt eBook Covers.

Kira

 

Falls ihr Fragen zu Gudrun habt, kommentiert gerne diesen Beitrag, wir freuen uns sehr über Feedback!

Bildquelle: © Gudrun Wegener

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