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FORGESTELLT: Inga Koster, Gründerin von true fruits

3. Februar 2016
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Liebe Inga,

ich habe soeben eure „Geschichte“ gelesen und bin schwer beeindruckt. Außerdem muss ich gestehen: Ja, ich bin infiziert! Von einem Studentenprojekt zum Startup, bis hin zum diesjährigen 10-jährigen Jubiläum. Wie ist das möglich? Kannst du rückblickend in Worte fassen, was mit das Wichtigste war, was dich dahin gebracht hat, wo du heute persönlich und mit true fruits stehst?

Warum hast du dich damals eindeutig für die Selbständigkeit und gegen ein Angestelltenverhältnis entschieden?

Inga: Bei unserem Auslandssemester in Aberdeen haben wir uns in Smoothies verliebt. Dort fand man sie damals schon an jeder Ecke. Zurück in Deutschland mussten wir feststellen, dass es hier noch keine Smoothies gab. Und wie das so ist: Eine Urlaubsliebe gibt man ungern auf. Deswegen haben wir uns in den Kopf gesetzt, Smoothies „einfach“ selbst zu machen und sie nach Deutschland zu bringen. Es war also die Idee, die uns getrieben hat den Weg der Selbstständigkeit zu gehen.

Würdst du anderen Frauen raten: „Nicht lange überlegen, sondern einfach machen“?

Inga: Ganz genau. Die Devise lautet: Einfach machen! Schließlich sind die Bedingungen nie ideal. Das ist wie beim Verlieben, Kinder kriegen oder Abnehmen. Wer glaubt, für all das gäbe es den „richtigen“ Moment ist entweder naiv oder zwangsstrukturiert. Leider ist es aber so, dass dieses „Anpacken“ von den Meisten immer weiter weggeschoben wird. Dabei gibt es immer die gleichen Entschuldigungen: Geld und/oder Erfahrung fehlen. In Wahrheit belügt man sich damit selbst und der eigene Traum rutscht auf der Lebens-to-do-Liste immer weiter nach unten, bis er ganz vom Block verschwunden ist. Als wir 2006 true fruits gegründet haben, hatten wir eine 20-Jahre alte VW-Polo-Schrottkiste, die es mit Mühe und Not von Troisdorf nach St. Augustin und Rheinbach schaffte, kein Geld oder gar Branchenkenntnisse. Es hätte sich angeboten erst mal ein paar Jahre zu arbeiten, um sich einen Puffer aufzubauen und Erfahrung zu sammeln. Bis dann eben der richtige Zeitpunkt gekommen wäre… Ich bin überzeugt: Hätten wir diesen Weg gewählt, würden wir immer noch auf den richtigen Augenblick warten.

Warst du dir zu jedem Zeitpunkt der Gründung und weiteren Entwicklung bei Allem sicher, was du tust? Hattest du zu irgendeinem Zeitpunkt Zweifel?

Inga: Natürlich gab es Zweifel. Gerade in der Anfangsphase fühlte sich das Leben wie eine Achterbahn an – ständig geht es rauf und runter. In einem Moment hat man noch ein Erfolgserlebnis (z.B. endlich einen guten Investor gefunden), und im nächsten Moment steht schon eine andere Herausforderung vor einem (wie z.B. Kunden zu finden). Damit muss man lernen umzugehen. Aber wenn man so versessen von einer Idee ist, wie wir es waren (und immer noch sind), findet man die Kraft weiterzumachen.

Welche organisatorischen Tipps kannst Du unseren Leserinnen, rückblickend auf deinen Werdegang, mit auf den Weg geben, um ein Projekt mit ausreichend Mut anzugehen?

Inga: Wenn man ein Projekt angeht und gar nicht weiß, wo man anfangen soll, hilft es einfach, sich mit Experten, Institutionen, Firmen auszutauschen. Man erhält hier oft mehr Unterstützung, als man denkt. Also: fragen, fragen, fragen! Wichtig dabei: Man sollte sich nicht von Skeptikern („Das klappt doch nie“) aus der Bahn werfen lassen, sondern immer wieder die eigene Vision prüfen und verteidigen.

Ward ihr schon immer diese Dreier-Konstellation und habt von Anfang an dasselbe Ziel verfolgt?

Inga: Marco, Nic und ich haben uns im Studium kennengelernt und uns angefreundet. 2006 haben wir dann true fruits zu dritt gegründet und arbeiten auch heute noch in dieser Konstellation – und die hat sich bewährt. Denn im Rahmen einer Unternehmensgründung gibt es ständig Höhen und Tiefen, die man durchstehen muss. Wenn man zu dritt ist, kann man sich gegenseitig motivieren. Das ist besonders am Anfang wichtig, denn die anderen Freunde im Umfeld haben meist nicht so viel Verständnis für das eigene Projekt bzw. können es einfach nicht mehr hören, dass man 24/7 nur noch von der einen Idee spricht. . .

Fühlst du dich wohl als einzige Frau im Gründerteam?

Inga: Ja, sehr 🙂 – Wir sind drei sehr unterschiedliche Typen und ergänzen uns wirklichwunderbar. Wir haben die Firma in drei Bereiche „unterteilt“ und hier konnten wir alle drei unsere Stärken ausbauen. Das „Mann-Frau“-Thema hat da nie eine Rolle gespielt.

© true-fruits

Was ist aus deiner persönlichen Sicht ein großer Bestandteil eures heutigen Erfolgs?

Inga: Meiner Meinung nach ist true fruits so erfolgreich, weil wir uns immer treu geblieben sind. Wir haben unsere Vision mit Leidenschaft konsequent verfolgt und nie aufgegeben. Wir haben von Beginn an auf folgendes Prinzip gesetzt: true fruits – no tricks. Das heißt: Leidenschaft statt Industrie. Qualität statt Zusatzstoffe. Dieses Prinzip ziehen wir konsequent durch – im Produkt, wie in der Verpackung. In unseren Smoothies findet man nur die besten, erntereifen Früchte und wir füllen diese statt in Plastik in Glas ab, so dass auch alles Gute erhalten bleibt. Konzentrate, Zucker, Stabisatoren oder andere Zusatzstoffe gibt es bei uns nicht. Auf die ehrliche Art und die hohe Qualität können sich unsere Kunden verlassen. Aberber nicht nur die, sondern eben auch unsere Partner und Dienstleister. Wir haben uns im Laufe der Jahre ein gutes Netzwerk aufgebaut, dass sich auf uns verlassen kann und auf das wir uns auch verlassen können.

Im Moment sind eure Verkaufsorte Deutschland, Österreich und die Schweiz. Strebt ihr an, eure Produkte auch international auf dem Markt zu integrieren?

Inga: Natürlich schaut man auch mal über den Tellerrand und überlegt, auch außerhalb des deutschsprachigen Raumes aktiv zu werden. Das ist jedoch nicht immer so einfach. Zum einen müssen wir sicherstellen, dass wir die gleiche hohe Qualität unserer Produkte auch in den anderen Ländern anbieten können. Zum anderen funktionieren die Märkte in anderen Ländern oftmals ganz anders, so dass es für uns eine sehr große Umstellung bedeuten würde. Wir haben aber noch jede Menge Produktideen, so dass wir auch innerhalb des deutschsprachigen Marktes noch ein ordentliches Wachstumspotential haben.

Was steht 2016, zu eurem 10-jährigen Jubiläum, als nächstes Etappen-Ziel mit „true fruits“ an? Was möchtet ihr langfristig mit erreichen?

Inga: Wir möchten natürlich die Smoothie-Weltherrschaft übernehmen….! Aber mal im Ernst: Unsere Vision ist es (bereits seit unserer Gründung), das begehrenswerteste, nicht-alkoholische Getränk im deutschsprachigen Raum zu werden. Somit wollen wir in den nächsten Jahren verstärkt die Märkte Österreich und Schweiz in Angriff nehmen. Außerdem stehen auch schon neue Produktkategorien in den Startlöchern. An Ideen mangelt es uns also nicht. Wichtig ist uns vor allem, dass wir gesund wachsen!

Zu guter Letzt, wie oder wo gönnst du dir eine Pause vom Geschäftsführerin Sein?

Inga: Als Geschäftsführer hat man ja nie frei und ist im Kopf immer beim Geschäft. Das ist aber auch gut so, da es meistens ja richtig Spaß macht. Wenn ich die Zeit finde, versuche ich regelmäßig Sport zu machen, da kann ich dann am besten abschalten.


© true-fruits

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Ich bedanke mich ganz herzlich für das tolle Interview und auch im Namen von FIELFALT für Eure Großzügigkeit als Unterstützer von unserem ersten femsemble in Berlin!

Kira

Bildquelle: © true-fruits

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