Instagram

Follow Me!

PORTRAITS Weitere Beiträge

FORGESTELLT: Jessika Balzer, Creative Director bei Urban Africa Atelier

18. Februar 2016
Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedinmailby feather

Auf und davon? Nach dem Abschluss ihres Modedesign-Studiums in Berlin entschied sich Jessika, nach Kapstadt zu gehen. Das ist drei Jahre her. Seitdem arbeitet sie als Creative Director beim Label Urban Africa Atelier, das sich auf handgefertigte Lederaccessoires spezialisiert hat. Im Interview erzählt sie mir, was sie an Südafrikas Hauptstadt schätzt und weshalb die Arbeit mit Leder herausfordernd und spannend zugleich ist.


Dich hat es nach dem Abschluss deines Modedesign-Studiums in Berlin 2012 direkt nach Kapstadt gezogen – zu deinem früheren Praktikumsplatz Urban Africa Atelier. Eine Herzensentscheidung?

Jessika: Absolut. Schon während meines Praktikums fand ich es spannend, Kapstadt als vergleichsweise wenig bekannte Designmetropole aus einem kreativen Blickwinkel zu entdecken. Es gibt eine große kreative Szene, die gerade am Entstehen ist. Es ist toll, Teil von etwas Wachsendem zu sein. Die Gemeinschaft empfinde ich als solidarischer und offener: man greift sich gegenseitig unter die Arme und es ist leicht, mit anderen kreativen Köpfen in Kontakt zu kommen und Kooperationen aufzubauen. Es scheint mir einfacher als in Berlin, Teil dieser Gemeinschaft zu werden. Zudem sind viele Kleinunternehmer in Südafrika nicht so sehr durch ein Sicherheitsdenken geprägt, sondern haben Vertrauen in sich und ihre Idee.

Was schätzt du an Kapstadt und dem Leben und Arbeiten in der Stadt?

Jessika: Ganz klar: das Wetter und die Natur. Es bedeutet mir viel, der Natur so nah zu sein. Das erdet mich im wahrsten Sinne des Wortes. Selbst wenn ein Arbeitstag sehr stressig war, lasse ich das alles bei einem Spaziergang durch den Wald schnell hinter mir. Das macht für mich einen großen Unterschied. Ich schätze auch die Vielfältigkeit des Landes. Natürlich ist die politische Lage in Südafrika nicht die stabilste und es herrscht eine große Ungleichheit. Doch so schlecht die Situation im Land manchmal sein mag, so viel Motivation und Hoffnung gibt es zugleich. Mich fasziniert jeden Tag die Freundlichkeit und Offenheit, mit der mir die Menschen begegnen.

Euer Atelier befindet sich im Woodstock Exchange – einem sehr bekannten Kreativ-Hub in Kapstadt. Wie würdest du die kreative Szene in Kapstadt beschreiben, insbesondere in Bezug auf Mode? Was hat sich in den letzten Jahren getan?

Jessika: Kapstadt zählte lange Zeit nicht zu den Modemetropolen wie Mailand, New York oder Paris. 2014 war die Stadt aber World Design Capital und diese Auszeichnung steht symptomatisch für eine Entwicklung, die ich seit 2011 beobachte. Es ist unglaublich viel passiert, zum Beispiel haben sich anfangs noch kleine Labels mittlerweile etabliert. Südafrika als kreatives Land ist definitiv gewachsen und wird von der restlichen Welt anders wahrgenommen. Zudem wird das typisch afrikanische Design zunehmend durch ein modernes ersetzt, das die südafrikanische Kultur und Identität neu interpretiert.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Urban Africa aus? Gibt es den überhaupt?

Jessika: Ich versuche mir die Woche relativ strikt aufzuteilen. Zwei Tage die Woche halte ich mir frei, um an neuen Projekten und Design-Ideen zu arbeiten. Die restliche Woche bin ich hauptsächlich in der Produktion und im Verkauf tätig. Inzwischen kann ich auch viel besser einschätzen, wie viel Zeit beispielsweise die Herstellung einer Tasche beansprucht. Das hilft mir, meine Woche besser zu planen und die kreative Freiheit nicht zu kurz kommen zu lassen.

Ist es schwierig, eine Arbeitserlaubnis in Südafrika zu bekommen? Wie sind die rechtlichen Regelungen?

Jessika: Im April 2014 hat sich die Gesetzeslage für den Erhalt einer temporären Aufenthaltsgenehmigung verschärft. Ich hatte jedoch glücklicherweise vor diesem Zeitpunkt mein Visum bekommen und kann bis 2018 im Land leben und arbeiten. Und da ich dann 5 Jahre im Land verbracht habe, ist es möglich, einen dauerhaften Aufenthalt zu beantragen.

Wofür steht Urban Africa Atelier?

Jessika: Jedes Lederaccessoire, das wir anfertigen, verkörpert unsere Vision: individuelles, qualitativ hochwertiges und handgemachtes Design. Wir stellen langlebige Stücke her, die nicht produziert werden, um nach 6 Monaten im Müll zu landen. Auf diese Weise werden unsere Stücke vielleicht auch ein Teil der Persönlichkeit ihrer Besitzer, denn sie tragen sie jahrelang bei sich. Uns ist es wichtig, innerhalb des Produktionsprozesses so wenig Abfall wie möglich zu erzeugen. Aus Lederresten fertigen wir beispielsweise kleine Schlüsselanhänger an.

Ihr arbeitet bei Urban Africa Atelier ausschließlich mit Leder. Was ist das Besondere an diesem Material?

Jessika: Inzwischen habe ich ein gutes Gespür für das Material entwickelt. Leder gibt einen Rahmen vor, denn man kann nicht alles damit machen. Zugleich ist es ein Material, das fast noch lebt und sich mit der Zeit und im Gebrauch verändert. Diese Aspekte muss ich während des Design- und Produktionsprozesses mitdenken, aber das macht es für mich besonders spannend.

© Sebastian Rohner

© Sebastian Rohner

Tierrechtsorganisationen wie PETA prangern regelmäßig die Verbrechen der Lederindustrie an. Woher bezieht ihr euer Leder und wie geht ihr mit Kritikern eurer Produkte um?

Jessika: Wir beziehen unser Leder von einer lokalen Gerberei, die fast ausschließlich mit Farmen aus Südafrika kooperiert. Natürlich gibt es immer mal wieder Kunden, die das Design unserer Produkte zwar schätzen, aber aus ethischen Gründen keine Tasche aus Leder besitzen möchten. Andere kritische Bemerkungen wurden jedoch bislang nicht an uns herangetragen.

Bei euch können die Kunden auch selbst mitdesignen und eigene Ideen für Taschen und Accessoires einbringen. Wie läuft die Zusammenarbeit genau ab?

Jessika: Wir haben viele Kunden, auch Touristen, die direkt in unseren Laden kommen und zum Beispiel eine Tasche in einer anderen Farbe oder Größe haben möchten. So lange die Grundmaße der Tasche nicht verändert werden, können wir diesen individuellen Änderungswünschen sehr schnell nachkommen. Gelegentlich bekommen wir auch Anfragen, maßgeschneiderte Taschen anzufertigen. Wenn uns das Design interessiert und wir uns damit identifizieren können, übernehmen wir gern solch ein Projekt, aber es ist nicht unser daily business.

Liebe Jessika, vielen Dank für das Interview.

Hol dir jetzt dein ganz persönliches Lederaccessoire von Urban Africa Atelier. Ob Laptop-Tasche, Gürtel oder Geldbörse: spare 10% mit dem FIELFALT-Gutscheincode „URBANAFRICA-FIELFALT“.

 

Habt ihr Fragen an Jessika zum Leben in Kapstadt oder Urban Africa Atelier, dann kommentiert gern den Beitrag: „FORGESTELLT: Jessika Balzer, Creative Director von Urban Africa Atelier“.

Bildquelle: © Juliette Bisset

Lust auf unseren Newsletter

Facebooktwitterinstagramby feather

    Leave a Reply