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Forgestellt: Johanna Eckart Gründerin von Marablue Activewear

27. September 2016
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„Das allererste was man als Selbstständige lernt, ist eigene Grenzsetzung“

Johanna Eckart über die Gründung ihres eigenen Sportwear Labels Marablue Activewear

Immer wieder lese ich Artikel darüber, dass den Deutschen der Mut zum Gründen fehlt und die Anzahl der Neugründungen zurückgeht. Dennoch begegnen mir vor allem immer mehr Frauen, die selbst gründen möchten. Berlin hat die perfekte Start-Up Szene, aber wie setzt man seine Träume und Ideen auch in die Tat um? Johanna Eckart von Marablue Activewear und ich sitzen an einem sonnigen Samstag gemeinsam bei einem Kaffee um genau darüber zu sprechen.

Liebe Johanna, als wir uns kennengelernt haben, da war die Idee zu Marablue Activewear schon geboren. Ich erinnere mich noch an die große Aufregung als die ersten Muster eingetroffen sind. Jetzt hast du nach über einem Jahr harte und schöne Arbeit diese Woche deine Kickstarterkampagne für die erste Kollektion von Marablue Activewear online gestellt. Wie fühlst du dich?

Johanna: Ich hatte eine sehr aufregende und spannende Woche. Wenn es auch gleichzeitig etwas schlauchend ist und ich das Wochenende durcharbeiten werde, aber ich habe Zeit meinen Samstag mit einem entspannten Kaffee anzufangen, also alles sehr gut.

Es ist nicht mal 2 Jahre her, da warst du noch nicht mal in Berlin und dein Leben sah ganz anders aus. Du warst 10 Jahre in der Außenpolitik und Internationalen Zusammenarbeit tätig – wie bist du heute hier gelandet?

Johanna: Ich habe meinen Master in Wassermanagement mit Fokus Entwicklungszusammenarbeit gemacht. Durch meine Arbeit war ich ständig im Ausland unterwegs, zuletzt war ich ein halbes Jahr in Tansania in der Solarbranche tätig. Meine Zukunft sah so aus, dass ich alle drei Monate hätte umziehen müssen – alle drei Monate ein neues Land, oder sogar ein anderer Kontinent. Es kam aber immer mehr die Sehnsucht in mir auf, mich an einem Ort zu verwurzeln. Ich bin aus Berlin, deswegen war auch ziemlich klar, dass ich nach Berlin zurückkehre. Ich wusste auch schon immer, dass ich mich einmal selbstständig machen möchte – irgendwas gründen möchte. In der Solarbranche war ich Assistentin des Geschäftsführers und konnte miterleben wie man ein Unternehmen mit 300 Mitarbeitern führt und wachsen lässt. Das hat mich unglaublich inspiriert und eigentlich habe ich nur gewartet bis meine eigene Idee kommt. Tatsächlich kam die Idee aber erst nachdem ich gekündigt hatte.

Und wie kommt man von Solarenergie auf Sportkleidung?

Johanna: Ich habe schon immer gerne Sport gemacht. Vor allem Kampfsport, ich habe den Schwarzen Gurt in Taekwando. Während meines vierjährigen Studiums in London habe ich auch mit Pole Dance als Unisport angefangen und nachdem ich die Internationale Zusammenarbeit verlassen hatte, habe ich eine neue Herausforderung gesucht. In meinem letzten Monat in Tansania habe ich in einem Tanzstudio gewohnt und mich für einen Berliner Pole Dance Wettbewerb angemeldet. Auf der Suche nach dem perfekten Outfit, habe ich relativ schnell festgestellt, dass es eine Niche auf dem Pole Kleidungsmarkt gibt.

Dann zurück in Berlin angekommen, habe ich einen Gründerzuschuss beantragt und einfach angefangen zu machen. Erst sollte es nur Pole Kleidung sein, aber ich habe ziemlich schnell gelernt größer zu Träumen und  mich entschieden direkt auf den Activewear Markt zu gehen – vor allem da auch Pole mit so viel anderen Sportarten wie Yoga und Krafttraining verbunden wird. Auch im Kampfsport sind die Outfits sehr langweilig, meistens schwarz, weiß oder uniformiert. Ich mag es aber bunt!!! Wie man man sieht ?

Pole Dance und Kampfsport sind ja sehr unterschiedliche Sportarten, welchen Typ Frau möchtest du mit deiner Sportmode ansprechen, oder was für ein Frauenbild möchtest du vermitteln?

Johanna: Marablue ist entstanden, weil ich Frauen unterstützen möchte ihr Selbstbewusstsein und ihre Persönlichkeit kreativ auch beim Sport auszudrücken. Das Bunte ist Ausdruck von Fröhlichkeit, Leichtigkeit und Freiheit – quasi die innere Einstellung, die durch die Sportkleidung nach Außen getragen wird.

Deswegen kommt es gar nicht auf die Sportart an, sondern einfach auf das innere Gefühl. Und deswegen ist auch das Frauenbild, was ich kommunizieren möchte vor allem Vielfältig! Mir ist aber ein ehrliches Frauenbild wichtig – echt, kurvig, durchtrainiert, verschiedene Nationalitäten, Haarfarben, ganz egal  – Hauptsache einfach so wie wir Frauen sind.

Dann bist du ja genau richtig bei Fielfalt ? But let´s talk about Money: Wie finanziert man ein eigenes Activewear Label?

Johanna: Ich hatte Glück und habe wie gesagt ziemlich schnell einen Gründerzuschuss bekommen, der auch nochmal verlängert wurde, damit konnte ich zumindest schon mal anfangen. Außerdem habe ich nebenbei sehr viel in der Filmbranche gejobbt. Das ist insofern gut, dass ich trotzdem den Kopf abends immer frei hatte, um an meinem Label zu arbeiten. Und ich habe jeden verdienten Euro in die Kampagne gesteckt. Für die Produktion der ersten Kollektion von Marablue habe ich  jetzt über die Plattform Kickstarter mit Crowdfunding begonnen und freue mich über jede Unterstützung.

Das klingt nach Multitasking und sehr viel Arbeit. Wie startest du einen produktiven Morgen und wie sieht dein Alltag als Gründerin aus?

 Johanna: Ich hab vor 2 Monaten den 7am Club für mich entdeckt, der mir sehr viel Struktur in mein Leben gebracht hat. Von Montags bis Freitags stehe ich um 7 Uhr auf und meditiere und übe mich in Dankbarkeit. Dann frühstücke ich in Ruhe und gehe zu Factory, einem Coworking Space, der nur ein paar Gehminuten von mir entfernt ist – quasi mein Büro. Dort mach ich dann alles von Brainstorming, Produktentwicklung, Kampagnenplanung, Emails schreiben bis hin zur Kalkulation. Und ganz wichtig – tausche mich mit anderen in der Start-Up Szene aus und besuche Events für Gründer. Gleichzeitig setze ich mich auch durch Workshops und Events intensiv mit Persönlichkeitsentwicklung auseinander. Zum Abschalten findet man mich abends meistens mit Freunden oder beim Sport.

Und was macht dir an deiner Arbeit am meisten Spaß?

Johanna: Am tollsten sind die Tage an denen ich mich mit anderen austausche und mich kreativ austoben kann, zum Beispiel bei Fotoshootings mit Freunden im Park oder an coolen Orten in Berlin, beim Zeichnen oder wenn ich mich im Graphikdesign ausprobiere. Dieses kreative Arbeiten ist mir ja auch neu, in der Politik kam so was nicht vor. Aber es tut mir unglaublich gut diese kreative Seite an mir zu entdecken und auszuleben.

Du hast dein Leben auf jeden Fall um 180 Grad gedreht! Welche Schwierigkeiten hast du erlebt, und was hast du auf deinem Weg mitgenommen?

Johanna: Das allererste, das ich als Selbstständige gelernt habe, ist eigene Grenzsetzung und mich selber zu motivieren. Außerdem muss man lernen abschalten zu können. Gerade in der letzten Phase bevor die Kampagne online gegangen ist, habe ich schnell gemerkt was mir gut tut und was nicht. Ich habe gelernt Fehler zu machen und sehr schnell wieder aufzustehen. Es ist wichtig, dass ich mir erlaube Fehler zu machen, zu experimentieren und damit den Weg in die richtige Richtung zu finden. Ich musste feststellen, dass manche Dinge ganz anders kommen, als man es sich anfangs vorstellt oder geplant hat. Aber am Ende ist das auch völlig okay.

Letzte Frage: Wie sieht deine Zukunft aus? Was sind deine Pläne für Marablue?

Johanna: Durch das Gründen bin ich ständig am Netzwerken und tausche mich mit vielen tollen Frauen aus. Obwohl immer noch viel weniger Frauen in der Gründerszene sind, gibt es sehr starke Netzwerke, die mich sehr inspirieren, wie zum Beispiel auch Fielfalt. Ich möchte in Zukunft vor allem noch mehr andere Frauen einbinden und mit ihnen zusammenarbeiten. Zum Beispiel als Grafikdesignerinnen für die Prints. Langfristig möchte ich auch Leute für Marablue Activewear einstellen und meine Produkte wachsen lassen.

Und doch noch eine Frage…welchen Tipp würdest du anderen Gründerinnen geben?

Netzwerken. Netzwerken. Netzwerken…And feel the fear And do it anyway!!!!

Dann wissen wir ja, was wir jetzt machen 🙂 Danke liebe Johanna für ein wunderbares, aber vor allem ehrliches und informatives Gespräch. Vielleicht konnten wir ja die ein oder andere dazu inspirieren, einfach den ersten Schritt zu wagen. Und dir wünschen wir ganz viel Erfolg mit deiner Kampagne.

 

 

Bildquelle: © Danilo Sierra

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