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FORGESTELLT: Jule Gölsdorf – Journalistin, Moderatorin und Autorin

19. Juli 2016
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Heute stellen wir Euch Jule Gölsdorf vor, Journalistin, Moderatorin und Autorin. Jule ist ein absoluter Allrounder: Neun Jahre lang hat sie die ZDF-Kindernachrichten „logo!“ moderiert, die 2012 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurden.

Heute ist sie News-Anchor bei n-tv, moderiert im NDR-Fernsehen die Sendungen „Mein Nachmittag“ und „Bingo!“, sie ist als Nationalmannschafts-Reporterin für DFB-TV unterwegs, außerdem moderiert sie für n-tv und RTL-Nitro die 24-Stunden-Rennen. Und sie hat als Autorin bereits mehrere Romane veröffentlicht.

Jule, welche 3 Adjektive beschreiben dich am besten?

Jule: Kreativ, offen, unkompliziert.

Dein Tag beginnt oft sehr früh am Morgen, wenn du die Frühnachrichten bei n-tv moderierst. Hast du eine Morgenroutine oder was hilft dir dabei, jeden Tag so richtig durchzustarten?

Jule: Mein Tipp ist, den Wecker auf keinen Fall immer weiter vorzustellen, sondern sofort aufzustehen, dann kurz unter die Dusche, danach ist man wach! Ich trinke meistens einen Matcha-Latte, das ist ein besonders gesunder grüner Tee, der macht mich genauso wach wie Kaffee, hat aber weniger Säure und schmeckt köstlich! Außerdem nehme ich mir Porridge mit in die Redaktion, einen Haferbrei mit Apfel- und Bananenstückchen, Datteln und Nüssen, der ist gesund und gut für den Magen, der um diese Uhrzeit ja etwas empfindlich sein kann.

Du hast neun Jahre lang „logo!“ moderiert. Gab es aus dieser Zeit ein Ereignis oder eine Sendung, die dir besonders im Kopf geblieben ist?

Jule: Ja, die Reportage aus Japan ein Jahr nach dem Erdbeben und dem schlimmen Tsunami. Wir sind in die betroffenen Regionen gereist und ich war schockiert darüber, wie viel Kraft Wasser haben kann. Natürlich wusste ich schon vorher, was der Tsunami angerichtet hat, aber wenn man die Trümmer der zerstörten Häuser direkt vor sich sieht und die Geschichten dahinter erahnen kann, ist das noch mal etwas ganz anderes! Wir haben Häuser gesehen, in denen lag noch Kinderspielzeug auf dem Fußboden, da hatte man den Eindruck, das Unglück musste gerade erst passiert sein. An anderen Orten sah man nur noch die Grundmauern, alles andere hatte das Wasser weggefegt, das war schon sehr emotional. Aber ich war auch sehr beeindruckt davon, wie die Menschen mit dem Unglück umgegangen sind. Sie haben sich nicht unterkriegen lassen und haben nach vorne geschaut, waren so stark und positiv gestimmt, das hat mir gefallen! Generell bin ich immer gerne draußen, am Ort des Geschehens, dort kann man als Reporterin und Journalistin einfach am besten verstehen, was passiert ist!

Kannst du dich noch erinnern, was du werden wolltest, als du ein Kind warst?

Jule: Na, klar! Ich wollte Tierärztin werden! Ich habe in der Schulzeit ein Praktikum in der Tiermedizinischen Hochschule in Hannover gemacht, dabei aber festgestellt, dass ich nicht besonders gut Blut sehen kann, außerdem konnte ich nicht hinschauen, wenn den Tieren Spritzen gegeben wurden. Beides keine guten Voraussetzungen, um selbst als Veterinär zu arbeiten. Aber ich habe mir als Kind auch schon immer Geschichten ausgedacht und diese aufgeschrieben, von daher war der Wunsch, Autorin zu werden, auch schon immer da. Der erste Schritt war dann der Weg in den Journalismus und die Moderation, wo man ja ebenfalls ganz viel mit Sprache arbeitet, daher bin ich mit meinem Beruf total happy.

Ich habe deine letzte „logo!“-Sendung gesehen. Wie schwer ist es dir gefallen, nach so langer Zeit das Team zu verlassen und vor allem die kleinen Zuschauer? Und welche Reaktionen hast du daraufhin erfahren?

Jule: Das war schon schwer! Kinder sind besonders tolle Zuschauer, sie sind noch so neugierig und wissbegierig, aber auch sehr ehrlich! Sie sagen sofort ganz deutlich, wenn ihnen etwas nicht gefällt, das kann auch mal hart sein, aber ich fand es toll! Und neun Jahre sind natürlich eine lange Zeit, in der man viele Zuschauer und Fans gewonnen hat. Für viele Kinder waren wir ja so etwas wie eine große Schwester oder ein großer Bruder, das war klasse. Daher gab es natürlich sehr viele Emails von Kindern, die geschrieben haben, wie sehr sie mich vermissen werden. Das tat mir auch leid, aber nach neun Jahren wollte ich einfach mal etwas Neues machen – zudem war ich zu der Zeit schon parallel bei n-tv und bei Radio Bremen und wollte einfach mal wieder etwas mehr Zeit für mich. Das war natürlich ein frommer Wunsch, denn mehr Zeit habe ich seitdem nicht. Aber ich bin so sehr von meinem Beruf begeistert, dass es wirklich oft schwer fällt, ein tolles Angebot abzulehnen!

Jetzt moderierst du ganz unterschiedliche Sendungen und Formate. Welche Tipps kannst du unserer Community mit auf den Weg geben, um viele unterschiedliche Projekte gleichzeitig erfolgreich zu stemmen? Und wie gelingt es dir, hin und wieder auch mal eine Pause einzulegen?

Jule: Das ist natürlich nicht immer ganz einfach, insbesondere, wenn man für unterschiedliche Sender arbeitet, weil man nirgendwo richtig ist und überall ein bisschen. Aber das macht natürlich auch den Reiz aus, so kommen keine Langeweile und Routine auf, das hält wach und lässt Freiraum für Kreativität. Wichtig ist natürlich eine gute Planung, so dass keines der Projekte zu kurz kommt. Und ich halte es für ganz wichtig, immer mit offenen Karten zu spielen und über alles zu reden! Und auch Pausen sind ganz entscheidend, nur wer sich erholt, kann hinterher wieder zu Höchstformen auflaufen! Ich achte generell darauf, mich gesund zu ernähren und viel Sport zu treiben, das ist schon mal ein guter Ausgleich, außerdem gehe ich gerne in die Sauna und gönne mir regelmäßig mal eine Massage, dabei kann ich gut abschalten. Natürlich müssen auch Urlaube sein, bei denen ich das Laptop zuhause lasse, das Handy ausschalte und mich einfach mit ein paar guten Büchern an den Strand lege!

Was sind die größten Herausforderungen, die du bisher in deinem Berufsleben erlebt hast?

Jule: Mich in der komplexen Nachrichtenwelt zurecht zu finden! Es gibt so viele Konflikte auf unserem Planeten, täglich kommt es zu neuen Ereignissen, Naturkatastrophen, Terroranschlägen und politischen Entwicklungen. Und ich verstehe in der heutigen Zeit jeden, der sagt: Hey, ich habe den Überblick verloren und verstehe einfach nicht mehr, was in unserer Welt passiert! Das ist für uns Nachrichtenmoderatoren in Breaking-News-Situationen eine besondere Herausforderung: Wir müssen die Nachrichten vermelden, erklären, was da gerade passiert, die News einordnen und in das große Ganze einbetten. Gleichzeitig müssen wir die neuesten Meldungen im Blick haben, mit Korrespondenten sprechen, Interviews führen und mit dem Chef vom Dienst, der eine laufende Sendung betreut, abstimmen, was als nächstes gesendet wird. Da ist multi-tasking gefragt!

Wie hast du das gemeistert bzw. was hast du daraus gelernt?

Jule: Dass die anderen auch nur mit Wasser kochen! Es ist natürlich wichtig, immer gut vorbereitet zu sein und sich immer weiter zu informieren. Aber in einer Breaking-News-Situation hilft am Ende nur eins: Ruhe zu bewahren und die Zuschauer so gut es geht darüber zu informieren, was gerade passiert! Und: Wir können nicht alles wissen, das kann Niemand! Da muss man auch mal den Mut haben, Fehler zu machen! Wir machen am Ende nur Fernsehen, nicht mehr und nicht weniger!

Was macht dir in deinem Job besonders viel Spaß?

Jule: Dass ich hinter die Kulissen schauen darf und unglaublich viele spannende Menschen treffe. Als Journalistin hat man einfach so viele Möglichkeiten und unterschiedliche Themengebiete. So wird es nie langweilig, das liebe ich an meinem Beruf. Und als Autorin kann man sich zusätzlich noch selbst aussuchen, worüber man schreibt, das ist ein großes Privileg!

Neben deinen unterschiedlichen Engagements vor der Kamera hast du auch gerade deinen zweiten Kriminalroman geschrieben. Ist die Ruhe des Schreibens für dich ein Ausgleich zum medialen Alltag?

Jule: Ich glaube, es ist eher eine Möglichkeit, besonders kreativ zu sein. Im Journalismus und vor allem im Nachrichtengeschäft muss man sich an die Fakten halten, darf sich nichts ausdenken. Zudem ist das Nachrichtengeschäft sehr schnell und manchmal auch ein wenig oberflächlich. Nicht generell, aber oft bleibt einfach nicht die Zeit, ein Thema richtig in die Tiefe zu recherchieren, weil schon wieder die nächste Nachricht kommt, die uns beschäftigt. Deshalb mochte ich es sehr, mir für ein Buch ein spezielles Thema vorzunehmen und das dann eben auch auf 300 Seiten zu beleuchten. Und als Autorin kann ich mir Geschichten ausdenken, meine Figuren so handeln lassen, wie ich es möchte und nicht so, wie es die Realität vorgibt! Das macht den Reiz aus! Und ich habe mir auch immer spannende Themen vorgenommen: Für ein Buch über Italien bin ich wochenlang durch den Stiefel gereist, für ein anderes über Japaner war ich zur Recherche auf einem japanischen Kreuzfahrtschiff, bin von Yokohama bis nach Kuba gereist. Und meine Krimis spielen in Monaco, an der Cote d´Azur! Das alles sind so tolle Orte und ich bekomme durch das Schreiben die Möglichkeit, die Welt zu sehen, das ist doch ein großes Geschenk!

Wie war es für dich, das erste Buch zu schreiben? Viele lassen ja heutzutage von Ghost Writern schreiben. Wie hast du angefangen, woher hast du die Inspiration für deine Charaktere genommen?

Jule: Ich habe immer selbst geschrieben, ein Ghost-Writer käme für mich niemals in Frage! Ich habe einfach angefangen und erste Projekte Agenturen vorgeschlagen, weil es heutzutage einfacher und gängig ist, einen Verlag über einen Buchagenten zu finden. Und natürlich war das zu Beginn schwierig! Die ersten Projekte sind alle abgelehnt worden. So ist das halt, man muss sich als Autor entwickeln, manche Projekte schreibt man für die Tonne, aber man lernt daraus. Als ich den ersten Buchvertrag in der Tasche hatte, war ich natürlich stolz, erst recht, als ich das Buch dann zum ersten Mal in der Hand halten durfte! Das war toll! Und im Oktober erscheint nun bereits mein zweiter Krimi im Aufbau-Verlag: „Tödliche Vorstellung“.

Generell gehöre ich zu den Autoren, die sich sehr viel Zeit für die Recherche nehmen. Für den ersten Monaco-Krimi habe ich anderthalb Jahre lang nur recherchiert, habe mir die Örtlichkeiten genau angeschaut, nach spannenden Kleinigkeiten gesucht, herausgefunden, wie es riecht, welche Stimmung dort herrscht. Ich habe mit ganz vielen Leuten gesprochen, Fragen gestellt, Interviews geführt – und all die Menschen, die ich getroffen habe, haben mich dann auch für meine Charaktere inspiriert. Ich nehme es mit der Charakterentwicklung grundsätzlich sehr genau, entwickele für jeden eine richtige Biografie. Das mache ich meistens mit riesigen Flipcharts, auf denen ich dann alles notiere: Namen, Geburtsorte, Kindheitserinnerungen, Einschnitte und so weiter. Das ist wichtig, denn nur so erhält eine Figur auch Charakter!

Gibt es noch weitere Ideen, die du zeitnah umsetzen möchtest?

Jule: Hunderte! Ich sprudele nur so vor lauter neuen Ideen! Ich bräuchte nur sehr viel mehr Zeit, um sie alle umzusetzen. Als erstes werde ich versuchen, aus meinen Monaco-Krimis Drehbücher zu machen. Außerdem steht ein politisches Sachbuch auf dem Zettel – ich glaube nämlich, dass viele Menschen zur Zeit eine große Unsicherheit verspüren, sie den Überblick darüber verloren haben, was auf der Welt passiert. Das kann ich gut verstehen, daher würde ich gerne gemeinsam mit einer Kollegin versuchen, einige Punkte zu erklären. Also eine Art „logo!“ für Erwachsene, nur nicht im Fernsehen, sondern zum Nachlesen!  Und ich habe gerade mit fünf Freundinnen einen Blog ins Leben gerufen, in dem wir aus unserem Leben als Journalistinnen berichten: www.inmybook.de

Herzlichen Dank für das Gespräch Jule!

Jules Abenteuer könnt ihr am Besten über ihre Facebook Seite  Jule Gölsdorf verfolgen oder aber Ihr schaut mal auf Ihrer Website vorbei: www.jule-goelsdorf.com

© Foto: Jule Gölsdorf

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