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FORGESTELLT: KARIN HEINZL, Gründerin von MentorMe und Vorbild im Bereich Female Empowerment

18. Januar 2016
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Heute dürfen wir Euch die wunderbare Karin Heinzl, eine österreichische Frohnatur und Gründerin von MentorMe vorstellen! Karin hat einen bunten und spannenden Lebenlauf mit abwechslungsreichen Erfahrungen, welche sie in Amerika, Indien, Österreich und Deutschland gemacht hat. Im Interview mit ihr möchten wir Euch einen Vorgeschmack auf unser erstes femsemble Event am 05.02. geben, wo Karin das Event als Speakerin bereichern wird!

Karin, welche 3 Worte beschreiben Dich am besten?

Karin: enthusiastisch, schnell, clever

Du hast selbst schon einen spannenden Werdegang hinter Dir, welcher Dich dazu geführt hat, im vergangenen Jahr MentorMe zu gründen. Welche Stationen haben Dich am meisten geprägt?

Karin: Meine Sturm & Drang-Zeit in New York, die harten Lehrjahre in der Politik, und das ehrenamtliche Abenteuer in Indien.

 


„Ladies, seid euch zuerst der Herausforderungen klar. Die Welt ist kein Zuckerschlecken. Habt keine Angst vor Kritik, Zurückweisung und Niederlagen … they are part of the game.“


 

Des Öfteren liest man verschiedene Artikel mit den Headlines „GeisteswissenschaftlerIn und dann?“. Weshalb haben es insbesondere Geisteswissenschaftler schwer, einen geeigneten Berufseinstieg zu finden?

Karin: Uns geht es um Geistes- und Sozialwissenschaftler. Absolventen beider Studienrichtungen wird in ihren Studien kaum berufliches Praxiswissen vermittelt – trotz oder wegen der vielschichtigen beruflichen Bereiche, die für sie in Frage kommen. Deshalb sind ihre Berufsprofile vage und sie ziehen oftmals im Kampf um Jobs den Kürzeren gegen Mitbewerber anderer Studienzweige. Hürden wie geschlechtliche Rollenerwartungen, geringere Gehälter und die allbekannte „gläserne Decke“ kommen bei Absolventinnen hinzu.

Ging es Dir als Studentin auch so?

Karin: Aufgrund des Überangebots an Bereichen in die ich mich als Sozialwissenschaftlerin entwicklen kann, konnte auch ich mich nicht entscheiden. Andererseits, ich bin neugierig und wollte deshalb sehen, was die Welt mir so bieten kann 🙂 Dementsprechend habe ich mir einige Berufsfelder angesehen, wie z.B. Public Relations, Diplomatischer Dienst, Lehre, Public Affairs, Politik, NGO.

Du hast MentorMe ins Leben gerufen, ein Mentoring-Programm, das Studentinnen der Geistes- und Sozialwissenschaften mit Mentoren zusammenbringt. Ziel ist es, die Studentinnen bei ihrem Berufseinstieg zu unterstützen und zu begleiten. Wie funktioniert MentorMe und was ist Eure Vision?

Karin: Wir bringen Studentinnen (Mentees) mit Berufserfahrenen (Mentoren/innen) zusammen. Ein Jahr lang erhalten die Studentinnen in drei Bereichen Unterstützung:

  1. Individuelles Mentoring von ihren Mentoren/innen
  2. Begleitendes Blended Learning Programm (Offline Workshops und Online Seminare) zu den Bereichen Selbstmanagement und Leadership
  3. Unterstützende Netzwerkveranstaltungen (Get-Together, Unternehmensbesuche, Vorträge erfolgreicher Menschen zu Chancen und Hürden beim Berufseinstieg)

Unserer Status Quo und unsere Vision: Für das im Oktober 2015 gestartete Programmjahr 2015/16 haben wir 51 Mentoring-Teams zusammen gebracht. So verbindet MentorMe jetzt schon über 100 Menschen: Mentees und ihre Mentoren/innen und ein 6-köpfiges Team.

Was wir für unsere Mentees für die Zukunft erwarten: Selbstsicherheit, klare berufliche Ziele und Chancen, Durchsetzungsstärke … und, ganz wichtig für uns, dass sie selbst anderen helfen und sich engagieren; entweder als Mentorinnen bei MentorMe, für unserer Partnerorganisationen oder anderweitig.

Wie überzeugt ihr Mentoren sowie Mentees von MentorMe? Und wer kann sich als Mentee sowie als Mentor bewerben und wie bringt ihr die jeweiligen Paare zusammen und fördert den gemeinsamen Austausch?

Karin: Der Ansturm der Studentinnen auf unser Programm (wir haben über 30 Anmeldungen für das nächste Programmjahr) verdeutlicht, wie wichtig sie Mentoring einschätzen und spiegelt den Wert von MentorMe wider. Auch viele Mentoren/innen sind an uns herangetreten, da sie selbst mal in der Position der heutigen Studentinnen waren und/oder ihre Beratungskompetenzen und ihr Netzwerk erweitern wollen. Allerdings haben wir auch viele unserer Mentoren/innen angesprochen und gebeten, ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiterzugeben.

Bild 3

Karin, Beata, Carina von MentorMe

Studentinnen der Sozial- und Geisteswissenschaften in Berlin und Umgebung können sich bewerben. Die Mentoren sind berufserfahren und kommen aus vielen Bereichen, wie z.B. Marketing/PR, Presse/Blogging, Politik, politische, wirtschaftliche und Umwelt-Beratung, Unternehmertum, Lehre, Personalwesen/Coaching, Stiftungs- und Vereinswesen/NGOs, Kinder- und Jugendarbeit, Lehre, Entwicklungshilfe/Flüchtlingsarbeit, etc.

Für Studentinnen, die Mentees und Berufserfahrene, die Mentoren/innen werden wollen, bieten wir Online-Formulare auf unserer Website an. Im Formular werden nicht nur formelle Daten abgefragt wie Alter, Studium, Uni, Alter, Berufswunsch; uns interessiert auch ganz persönliche Dinge wie die Motivation zum Mentoring und was die Studentinnen tun würden, wenn Geld keine Rolle spielte. Was uns nicht interessiert sind Noten, Herkunft, Religionen und solche oberflächlichen Dinge, die im Kern wenig bis nichts über einen Menschen aussagen. Verbunden mit dem Lebenslauf der Studentinnen helfen uns diese Informationen, einen ersten Eindruck zu bekommen.

Danach sprechen wir oftmals mit den Studentinnen und Berufserfahrenen persönlich, um zu erfahren, wohin sie privat und beruflich wollen. Aus unserem Mentoren-Pool versuchen wir dann für die jeweilige Mentee den Mentor oder die Mentorin zu finden, der oder die am besten passt. Oft begeben wir uns dabei selbst auf die Suche nach Mentoren mit entsprechenden beruflichen Erfahrungen. Wir wollen Mentoring-Teams, die sich das Mentoring miteinander vorstellen können. Deshalb schicken wir Mentees und Mentoren die Profile des anderen zu. Wenn von beiden Seiten ein ‚Go’ kommt, machen wir das finale Matching und das individuelle Mentoring sowie die anderen Programmpunkte beginnen.

Was sind die größten Fragen oder sogar Hürden, mit denen Studentinnen auf Euch zukommen?

Karin: Die Hürden sind vielfältiger Natur: Es sind zum einen innere Unsicherheiten wie Schüchternheit und die Unkenntnis darüber, in welche Richtung sie sich entwickeln wollen und wie sie das am besten anstellen. Es sind zum anderen auch viele und ganz konkrete berufliche Fragen, wie zu Jobaussichten, Bewerbungsverfahren und Kontakte in die Branchen.

Und wie könnt ihr konkret unterstützen bzw. gibt es bereits einige Erfolgsgeschichten, die durch die Initiative MentorMe hervorgegangen sind?

Karin: Durch die drei Programmsäulen (siehe oben) unterstützen wir unsere Mentees.

Wir können bereits jetzt, kurz nach Programmbeginn, Erfolge vorweisen: Eine Mentee hat über Ihren Mentor eine bezahlte Festanstellung in einer Flüchtlingsnotunterkunft bekommen, eine weitere Mentee hat über ihre Mentorin ein Praktikum im EU-Parlament in Brüssel erzielt und eine dritte engagiert sich Teilzeit in der Stiftung ihrer Mentorin.

Neben diesen Erfolgen ist das Feedback der Mentees nach so kurzer Zeit erfreulich: Unsere Mentees wissen, dass Sie mit ihren noch bestehenden Unsicherheiten bezüglich ihrer Zukunft nicht alleine sind. Sie bekommen Unterstützung von ihren Mentoren/innen, dem MentorMe-Team und voneinander. Sie beginnen, sich wichtige Fähigkeiten für den Arbeitseinstieg anzueignen und ein Netzwerk aufzubauen.MentorMe 1

Welche Tipps kannst Du Studentinnen auf den Weg geben, auf der Suche nach dem passenden Job?

Karin: Das lässt sich schwer in dieser Kürze darstellen, da die Tipps individuell unterschiedlich sind – genau so wie jede Studentin anders ist. Hier jedoch ein paar schnelle Tips:


 

Schau dich um, welche Bereiche dir Spaß machen und engagiere dich. Selbst wenn du dabei noch kein Geld verdienst, siehe es als Investition in dich selbst! Plus, sprich mit Vielen (habe keine Scheu, z.B. Fremde und Leute aus dem Bereich, der dich interessiert anzuschreiben und nach Treffen, Tipps und Kontakten zu fragen); bitte Bekannte, dir deine Stärken zu nennen; versuche, dir einen „optimalen Berufstag“ in 10 Jahren vorzustellen (weniger die Position, sondern was du an dem Tag machst) und dann zurückzudenken, welche Schritte du gehen kannst, um dich dorthin zuführen; lies Blogs und Biografien von Menschen, die dir imponieren … solche Dinge.


 

Neben MentorMe beschäftigst Du dich auch mit den Themen Leadership und Female Empowerment. Welche Defizite weisen wir diesbezüglich noch in Deutschland auf bzw. welche grundsätzlichen Herausforderungen hast Du diesbezüglich in den letzten Jahren beobachtet?

Karin: Viele glauben ja, wir haben alles erreicht beim Thema Chancengleichheit und Gleichberechtigung. Doch die Realität sieht anderes aus: Frauen verdienen immer noch im Durchschnitt weniger als ihre männlichen Pendants; in Grämien, Aufsichtsräten und an der Spitze vieler Unternehmen und Organisationen sind Frauen unterrepräsentativ; Frauen um die 30 bekommen schwerer Jobs als gleichaltrige Männer, da viele Unternehmen eine „drohende Schwangerschaft“ sehen; Frauen, die nach Erfolg streben werden oft als „über-ehrgeizig“ gesehen, wohingegen Männern mit dem Willen zu Macht mit Ehrfurcht begegnet wird. Dann spielt natürlich die Erziehung nach wie vor eine große Rolle: Mädchen werden Puppen gegeben und sie dürfen ins Ballett – und Jungs? Jungs lernen früher, sich zu behaupten, bei Sportarten wie Fußball. Viele Familienbetriebe werden eher an männliche Nachfolger weitergegeben als an Töchter … Die Liste der Beispiele könnte endlos weitergehen. Wenn jeder überlegt und um sich blickt: Diese ChancenUNgleichheit ist überall zu finden. Das sind auch die Herausforderungen, die wir alle, die Politik, die Gesellschaft, Arbreitgeber, Eltern und vor allem wir selbst als Individuen anpacken sollten.


„Viele glauben ja, wir haben alles erreicht beim Thema Chancengleichheit und Gleichberechtigung. Doch die Realität sieht anderes aus!“

 


Und welchen Rat gibst Du Frauen, um sie insbesondere in diesen beiden Themen zu stärken? Gibt es Quick Wins, die jede Frau umsetzen könnte?

Karin: Ladies, seid euch zuerst der Herausforderungen klar. Die Welt ist kein Zuckerschlecken. Habt keine Angst vor Kritik, Zurückweisung und Niederlagen … they are part of the game. Setzt euch für eure Rechte ein und, ganz wichtig: unterstützt Andere. Denn es gilt: Wer gibt, bekommt viel! Zeigt, was ihr könnt und habt keine Scheu, Herausforderungen anzunehmen, denn wer nicht wagt … ihr kennt den Spruch. Probiert euch aus bis ihr etwas gefunden habt, das euch Spaß macht, denn das ist die Basis für Erfolg. Setzt euch 1-Jahr, 5-Jahres und 10-Jahres Ziele und überlegt euch, welche Schritte zu eurem Ziel hinführen. Arbeitet an diesen. Seid viel unterwegs, um neue Menschen kennenzulernen. Sucht euch eine/n Mentor/in. Bildet euch weiter und engagiert euch – auch ehrenamtlich – denn das sind Investitionen in euch selbst. In Summe: macht euch selbst zu dem, was ihr in Zukunft sein wollt. Übernehmt Verantwortung und nehmt euer Leben in die eigenen Hände.

Und nun abschließend…neben vielen tollen Projekten ist es auch wichtig sich hin und wieder eine Auszeit zu gönnen, wie sieht diese für Dich aus?

Karin: Reisen. Zum Glück bin ich darin ziemlich gut 🙂

Vielen Dank, liebe Karin, für das Interview!

Bildquelle: © MentorMe

Weitere Informationen zu MentorMe:

Homepage: www.mentorme-ngo.org

facebook: www.facebook.com/MentorMeBerlin

instagram: www.instagram.com/mentorme_berlin

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