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FORGESTELLT: Katharina Buch, UN-Jugenddelegierte

11. January 2017
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Katharina Buch

vertritt ein Jahr lang die deutsche Jugend vor den Vereinten Nationen. Im Interview spricht die 24jährige darüber, wie man durch kleine Schritte Großes bewirken kann und wie ehrenamtliches Engagement einen selbst zum Positiven verändert.

Seit einem Dreivierteljahr bist du UN-Jugenddelegierte. Was verbirgt sich hinter diesem Amt?

Katharina: Als Jugenddelegierte zur UN-Generalversammlung – so lautet die etwas umständliche offizielle Bezeichnung – bin ich mit meinem Kollegen Eric ein Jahr lang die Brücke zwischen der Jugend in Deutschland und der UN. Im Oktober 2016 waren wir in der Generalversammlung der UN in New York und im Februar 2017 sind wir in der Sozialentwicklungskommission. Dabei beraten wir einerseits die deutsche UN-Delegation in Jugendfragen, andererseits haben wir die Möglichkeit vor der Generalversammlung eine Rede zu halten und sogenannte Side-Events zu organisieren. Ein Side-Event ist eine kleine Veranstaltung zu einem Jugendthema, das uns wichtig erscheint. Daran können Diplomaten sowie Mitarbeiter der UN teilnehmen.

Woher wisst ihr, welche Themen für die deutsche Jugend wichtig sind?

Katharina: Bevor wir nach New York geflogen sind, haben wir eine mehrmonatige Deutschlandtour absolviert, um uns mit unterschiedlichen Jugendgruppen auszutauschen. Eines unserer Ziele als UN-Jugenddelegierte ist auch, junge Menschen zum politischen und gesellschaftlichen Engagement zu motivieren beziehungsweise sie weiter darin zu bestärken. Dazu organisieren wir unter anderem Workshops zu Themen wie internationale Jugendpartizipation oder Sustainable Development Goals (Nachhaltige Entwicklungsziele) der UN . Wir haben politisch aktive junge Menschen getroffen, die sich bereits in einer Partei, einem Verband oder einer NGO engagieren. Dabei war es uns wichtig herauszufinden, was diese Aktiven brauchen, damit ihr Engagement noch effektiver wird. Aber wir haben auch den Kontakt zu jungen Menschen gesucht, die noch gar nicht politisch aktiv sind oder sich selbst als unpolitisch bezeichnen. Da haben wir versucht herauszufinden, woran es liegt, dass sich diese Menschen nicht politisch engagieren wollen oder können und sich noch nicht als einen aktiven Teil der Demokratie verstehen.

Und was waren dabei die wichtigsten Erkenntnisse?

Katharina: Junge Menschen sind interessiert, sie wollen ihr Leben selbst gestalten und unsere Gesellschaft mitprägen. Dafür brauchen sie aber Freiräume, sowohl zeitlich als auch physisch, und Informations- und Aktionsangebote. Unpolitisch sind selbst „die Unpolitischen“ nicht! Es fehlt nur häufig an Selbstvertrauen und manchmal auch an dem Wissen, dass die eigene Meinung einen (politischen) Wert hat.

Können die UN-Jugenddelegierten tatsächlich etwas bewegen?

Katharina: Das werden wir sehr, sehr oft gefragt. Der springende Punkt ist folgender: Es sind kleine Schritte, kleine Erfolge, die am Ende dazu führen, dass sich der Blick der Erwachsenen für Jugendbelange schärft. Unser Amt gibt es seit elf Jahren, von Jahr zu Jahr bekommen wir mehr Handlungsspielräume und immer mehr Länder entscheiden sich, Jugenddelegierte einzusetzen. Dieses Jahr waren es 67 aus 35 Ländern – so viele wie noch nie! Und der Einfluss, den wir auf unserer Deutschlandtour haben, ist groß. Wir können bewirken, dass sich junge Menschen überhaupt beziehungsweise mehr politisch engagieren. Ich erinnere mich an einen Workshop, nach dessen Abschluss sich eine ganze Traube von Leuten um mich gebildet hat. Alle wollten weitere Tipps zum politischen Engagement haben. Zu einigen habe ich immer noch Kontakt, bekomme mit, wo sie sich engagieren und was ich als Multiplikatorin bewirkt habe.

Was war bisher das Highlight deiner Amtszeit?

Katharina: Das ist schwierig zu beantworten. Bei der UN in New York zu sein war unglaublich spannend. Das ist eine ganz eigene Welt. Aber es gab auch viele kleine Highlights wie gelungene Workshops und Teilnahmen an Konferenzen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Veranstaltung der Deutschen Telekom zum Thema Digitale Verantwortung. Da saß ich in der Expertenrunde und war die jüngste. Ich wurde ernst genommen und habe für meine Beiträge viel Applaus bekommen. Es war schön zu merken, dass man auch als junger Mensch Teil eines Expertenkreises sein kann und absolut ernst genommen wird.

Wie hat dein ehrenamtliches Engagement dich persönlich verändert?

Katharina: Ohne das Jugenddelegiertenprogramm wäre ich sicherlich nicht da, wo ich jetzt bin. Ich habe durch das Amt viele wertvolle und spannende Kontakte geknüpft. Dass ich zum Beispiel in Kürze anfange als politische Beraterin zu arbeiten, hätte ich vorher auch nicht vermutet. Außerdem habe ich an Gelassenheit und Selbstvertrauen gewonnen. Ich neigte, weil ich jung und weiblich bin, oft dazu, mich sehr viel zu hinterfragen und mich zurückzuhalten. Während meiner Zeit als Jugenddelegierte habe ich festgestellt: Die anderen kochen auch nur mit Wasser und ich kann mir den Raum nehmen, den ich brauche.

Wie würdest du dich selbst beschreiben?

Katharina: Als realistische Visionärin.

Weitere Infos zum UN-Jugenddelegiertenprogramm: www.jugenddelegierte.de

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