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FORGESTELLT: Katharina W. Carrapa, Gründerin von heartfully done

20. März 2016
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Das Hobby zum Beruf machen und mit „Do it Yourself“-Artikeln Geld verdienen – davon träumen viele. Katharina W. Carrapa hat es geschafft und mit heartfully done ihr eigenes Business aufgebaut – und zwar in New York. Im Gespräch erzählt sie, wie sie ihre ersten Kunden gewonnen hat, was die größten Hürden beim Gründen im Ausland sind und warum Workshops für die Kundenbindung so wichtig sind.

Liebe Katharina, erzähl doch erst mal: Wer bist du, wo wohnst du und was machst du?

Katharina: Ich bin Katharina, 33 Jahre alt und seit September 2014 lebe ich mit meinem Mann in New York City. Ursprünglich habe ich evangelische Theologie studiert, um anschließend als Pastorin zu arbeiten. Hier in New York bin ich aber primär als Künstlerin tätig. Im Moment baue ich mein eigenes Business auf unter dem Namen „heartfully done“. Unter dem Namen verkaufe ich meine Kunstwerke: keine riesigen Ölgemälde oder Skulpturen, sondern handgemachte Karten – die meisten davon Spezialanfertigungen, die es in keinem Geschäft so zu kaufen gibt.

Gab es einen Auslöser, durch den du mit dem Kartenbasteln angefangen hast?

Katharina: Mit dem Kartenbasteln habe ich während meiner Masterarbeit angefangen. Mein ganzes Leben schien damals aus dieser riesigen schriftlichen Hausarbeit zu bestehen. Von montags bis samstags, von früh bis spät saß ich in der Bibliothek, aber wirklich greifbare Ergebnisse hatte ich nicht. Es war wirklich sehr frustrierend für mich, nach einem langen Arbeitstag nach Hause zu kommen und nichts Fertiges in der Hand zu halten. Das Kartenbasteln war meine Rettung, denn da hat man sehr schnelle Erfolgserlebnisse: Eine schöne Karte kann ich innerhalb einer Stunde entwickeln und am Ende habe ich ein (an)fassbares Resultat in den Händen.

Wann kam die Idee, dass du mit den Karten Geld verdienen könntest?

© Katharina W. Carrapa

© Katharina W. Carrapa

Katharina: Ich habe mich relativ bald entschieden, im Direktvertrieb bei einer Firma für Bastel- und Stempelbedarf einzusteigen (so wie man es bei Tupperware kennt, nur eben für Bastelsachen). Zunächst aber nicht, weil ich damit Geld verdienen wollte, sondern um einen Rabatt bei Stempeln, Stanzen und Papieren zu bekommen. Weil ich so im Kartenmachen aufging, war ich mir sicher dass das Basteln auch eine Bereicherung für andere sein würde. Und so habe ich nach und nach meinen Verwandten- und Bekanntenkreis damit angesteckt und begonnen Workshops zu machen. Durch Workshopgebühren, kleinere Kartenaufträge zwischendurch und durch Direktbestellungen der Bastelmaterialien für andere habe ich meine ersten Umsätze gemacht.

Als die Masterarbeit dann endlich abgegeben war, begann ich mich für Pastorenstellen zu bewerben. Um die Zeit bis zur ersten Stelle zu überbrücken, habe ich bei einer Hochzeitsplanerin angefragt, ob sie in ihrer Dienstleisterkartei noch Platz für handgemachte Hochzeitspapeterie habe. Den hatte sie und dadurch durfte ich für mehrere Hochzeiten wunderschöne Unikate herstellen. Das war der Start in Deutschland. Doch bevor ich das Business so richtig groß machen konnte, bekam mein Mann das Jobangebot in New York. In den USA musste ich dann ganz von vorne anfangen. Neuer Business-Name, neues Konzept, neue Sprache usw.

Dein Business heißt heartfully done. Was bedeutet der Name und wie bist du darauf gekommen?

Katharina: Im Englischen gibt es die Redewendung „artfully done“, wenn etwas besonders kunstfertig und hochwertig ist. Ich verbinde diese Redewendung mit dem Wort „heart“, weil es mir am Herzen liegt, Dinge schön und kunstvoll zu gestalten. Außerdem ist mir Qualität wichtig. Ganz besonders hier in den USA, wo es so oft um Quantität, anstelle von Qualität geht.

Amerika gilt als Land, in dem alles möglich ist und in dem es vor allem Selbstständige und Unternehmer sehr viel einfacher haben als in Deutschland. Würdest du dem zustimmen?

© Katharina W. Carrapa

© Katharina W. Carrapa

Katharina: Ich habe sowohl in Deutschland, als auch in Amerika selbstständig gearbeitet und kann dem ehrlich gesagt nicht zustimmen. Ich habe vorher gehofft, dass es leichter in den USA beziehungsweise New York wäre, aber dann wurde ich mit der Realität konfrontiert. Das hat mehrere Gründe – und fängt schon bei der Arbeitserlaubnis an. Bis ich die hatte, sind mehrere Monate ins Land gegangen. Überhaupt hat man als Deutscher in Deutschland den großen Heimvorteil: Man kennt die Muttersprache, weiß wo die Ämter sind, hat ein Netzwerk. Sogar die Bürokratie ist leichter zu bewältigen. Zudem wird einem der Start als Kleinunternehmer in Deutschland sehr viel einfacher gemacht. In New York gibt es viele Hürden, man muss von vornherein kämpfen.

Das bringt natürlich Frustration mit sich. Doch all diese Hürden sind auch Wachstumschancen. Auf die Nase zu fallen und wieder aufzustehen ist Teil der Selbstständigkeit, egal in welchem Land man lebt. Die Frage, ob es mir das alles wert ist, stelle ich mir regelmäßig. Und weil heartfully done mir eine Herzensangelegenheit ist, mache ich weiter. Wenn es mir nur ums Geld gehen würde, dann hätte ich wohl schon längst aufgegeben.

Im Supermarkt bekommt man Karten für einen Dollar. Deine Karten können – je nach Aufwand und Material – deutlich teurer sein. Warum entscheiden sich dennoch so viele Leute für deine Karten? Was macht sie so besonders?

IMG_4107Katharina: Die Menschen, die Karten bei mir in Auftrag geben, kaufen nicht nur die Karte, sondern auch ein Stück Liebe. Denn jede Karte, die ich mache, strahlt Liebe aus. Liebe fürs Detail, für Qualität, für Sorgfalt. Das ist meinen Kunden wichtig, schließlich kaufen sie die Karten ja nicht in erster Linie für sich, sondern um jemand anderem eine Freude damit zu bereiten. Zudem ist jede Karte individuell, ein Unikat, das genau auf die Wünsche meiner Kunden abgestimmt ist. Wer eine solche Karte verschenkt, zeigt: „Ich mache mir Gedanken um dich, du bist mir wichtig.“ Das kann eine Ein-Dollar-Karte aus dem Supermarkt nicht.

Wie sieht dein typischer Kunde aus? Hast du eine bestimmte Zielgruppe?

Katharina: Den typischen Kunden gibt es nicht. In der Regel möchten meine Kunden aber ein Stück Kunst kaufen, um anderen Menschen damit eine Freude zu bereiten. Sie legen Wert auf Schönheit, Qualität und ausgezeichneten Service. Sie möchten, dass die Persönlichkeit des Künstlers auch zum Produkt passt – dass der Künstler sein Handwerk versteht, aber auch das Herz am rechten Fleck hat.

Du veranstaltest außerdem regelmäßig Workshops, in denen du anderen zeigst, was man alles aus Papier und Pappe zaubern kann. Die Workshops kommen sehr gut an. Woran liegt das? Gerade in einer Stadt wie New York, die ja bekanntermaßen niemals schläft, würde man doch meinen, dass die Menschen ständig mit anderem beschäftigt sind und gar keine Zeit haben, um sich in Ruhe dem Kartenbasteln zu widmen.

custom-79Katharina: Meine Workshops kommen so gut an, weil es für meine Gäste wie ein Bastel-Wellness-Erlebnis ist. Die Teilnehmer kommen, wie sie sind, und sollen sich richtig wohl bei mir fühlen. Sie haben Spaß, alles ist für sie vorbereitet, ich nehme mir Zeit, höre zu, erkläre, wie alles geht. Es gibt leckere Snacks und gute Gemeinschaft mit den anderen Gästen. Ich überlege mir immer, auf welche Art ich mich selbst wertgeschätzt fühle, wenn ich bei jemandem eingeladen bin. Und da ist ein aufmerksamer Gastgeber der wichtigste Aspekt. Jemand, der sich Gedanken um mich macht und will, dass es mir als Gast gut geht. Auch das ist Teil des „heartfully done“-Konzeptes. So wie ich in meinen Karten mein Bestes gebe, so tue ich das auch in meinen Workshops als Gastgeberin und Lehrerin.

Was rätst du anderen Frauen, die mit selbstgemachten Produkten ein Business aufbauen wollen – eventuell sogar in einem fremden Land?

Katharina: Wenn ihr ein eigenes Unternehmen aufbauen wollt, dann nehmt euch Zeit und werdet euch darüber klar, was ihr wirklich wollt. Wenn der Wunsch immer konkreter wird und fest steht, welche Art von Business es sein soll, dann würde ich Kontakt mit erfolgreichen Menschen in dieser Branche aufnehmen und von ihnen lernen. Klar könnt ihr auch mit euren Freunden brainstormen, aber wenn ihr ein erfolgreiches Business aufbauen wollt, dann kommt ihr nicht drum herum, mit den Menschen in eurer Branche zu reden, die es geschafft haben. Denn eure Zeit ist zu kostbar, als dass ihr das Rad noch mal neu erfinden könnt! Vernetzt euch und lernt so viel ihr könnt. Und dann probiert euch aus und fangt an, Stück für Stück eure Idee umzusetzen.

Bildquelle: © Katharina W. Carrapa

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