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PORTRAITS

FORGESTELLT: Lea Vogel, Life Coach und Anbieterin des Workshops „How happy are you“

24. November 2015
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Darf ich vorstellen: Lea Vogel, Life Coach und Anbieterin des Workshops „How happy are you“!

Wie ich auf Lea aufmerksam geworden bin? Beim Durchblättern der 12. Flow Ausgabe lachte sie mir von einer Doppelseite entgegen. Sofort habe ich mich in ihre positive Ausstrahlung schockverliebt. Und gleich darauf bin ich neugierig geworden – und habe nachgefragt. So habe ich erfahren, was sich hinter ihrem Beruf des Life Coaches verbirgt, wie sie Freundschaft mit sich selbst geschlossen und ihren Weg gefunden hat, jeden Abend glücklich ins Bett zu gehen.

Lea, Du bist Life Coach. Was heißt das und was machst Du? 


Lea: Ich begleite Menschen in Krisen, herausfordernden Situationen und in Momenten, in denen sie glauben, die eigene negative Gedankenspirale nicht verlassen zu können. Man muss nicht krank sein, um hin und wieder vom schnelllebigen und leistungsorientierten Alltag überfordert zu sein. Wir waren noch nie so frei wie in der heutigen Zeit, das ist ein großes Privileg: Wir können zunächst einmal alles sein, jedes Leben leben, mit jedem Partner zusammen sein und generell machen, wonach uns der Sinn steht – diese Freiheit ist aber auch mit großem Druck verbunden.

Wenn man sich für einen Lebensentwurf entscheidet, lässt man automatisch viele andere, vielleicht ebenso verlockende Entwürfe fallen. Das baut Druck auf und Angst, die falsche Entscheidung zu treffen. Nicht selten kommen Klienten zu mir, die mehr über ihr Leben und ihre Möglichkeiten nachdenken, sich mit anderen vergleichen und dadurch ungewollt im Stillstand verharren, statt wirklich erfüllt zu leben. Dabei – und davon bin ich fest überzeugt – hat jeder das Recht, glücklich zu sein und sein Leben nach seinen Bedürfnissen zu gestalten. Dazu muss man seine Bedürfnisse aber erst einmal kennen.

Im Coaching gibt es den nötigen Raum, um sich diesen Fragen zu stellen – ganz ohne Vergleiche, ohne Druck und ohne blockierende Gedanken. Gemeinsam gehen wir dann aus dem Problem hinein in die Lösung. Und wenn man erst einmal weiß, was man selbst wirklich möchte, dann kann man seine Kraft dafür nutzen, darin wirklich gut zu werden. Das kann sich sehr befreiend anfühlen, finde ich.

Für wen ist das Coaching gedacht? 


Lea: Ich glaube, es ist für die Menschen gedacht, die sich davon angesprochen fühlen. Meine Klienten sind sehr unterschiedlich und dennoch haben sie eine Sache gemeinsam: Interesse an der eigenen Selbstentwicklung. Entweder, weil es die Situation fordert (Leidensdruck, versursacht durch einen Umbruch im Leben), oder, weil sie sich selbst noch besser begreifen wollen.

Wie bist Du zu diesem Beruf gekommen? 


Lea: Ich finde, das ist eine mehr als berechtigte Frage. Die Kurzversion: Über Umwege. Die Realität war allerdings, um ganz ehrlich zu sein, recht anstrengend. Kennst Du vielleicht auch das Gefühl, dass der Schuh nicht so recht passen will? Damit vergleiche ich es gerne, denn so ging es mir sehr oft.

Ich habe mich wirklich häufig in meinem Leben gefragt, wohin ich eigentlich gehöre, was ich gut kann und was mich glücklich macht. Als logische Konsequenz aus meinem Studium (Literatur & Kommunikation) und weil ich es wahrscheinlich auch einfach nicht besser wusste, bin ich damals in die PR und in die Social Media-Welt gegangen. Dort wurde ich aber unglücklich. Das “sich darstellen und permanent online sein müssen” hat sich für mich persönlich immer falsch angefühlt, denn im Grunde war ich schon immer eher zurückhaltend und viel mehr daran interessiert, Menschen, deren Emotionen und kognitive Zusammenhänge zu verstehen. Nicht selten habe ich mir abends lange Vorträge über Neurologie und Positive Psychologie angehört, am anderen Tag aber vergessen, den für die Agentur wichtigen Newsfeed zu lesen. Soll heißen: “Schuster, bleib bei Deinen Leisten”. Und das hab ich dann gemacht!

Du sagst, es war für Dich nicht leicht heraus zu finden, was Du 
kannst und was sich gut anfühlt. Was genau hast Du gemacht, um das heraus zu finden? Und wie bist Du mit den Dingen und Momenten umgegangen, die 
sich nicht gut anfühlten? 


Lea: Möglicherweise hört es sich jetzt wie eine Phrase an, dennoch möchte ich versuchen zu erklären, was ich damit wirklich meine: Ich habe irgendwann einfach versucht, bei mir und meinen Bedürfnissen zu bleiben. Soll heißen: lange dachte ich, ich bin ‘zu’ sensibel, ‘zu’ verkopft, ‘zu’ neugierig, ja vielleicht sogar ‘zu’ undankbar, weil ich das, was ich in meinen PR-Jobs hatte, nicht so recht leiden mochte. Ich habe den Fehler also permanent bei mir gesucht, statt vielleicht auch darauf zu achten, was ich mit diesen Eigenschaften auch Positives erreichen kann.

Die Umstellung war ein langer Prozess und auch ein längst überfälliges Freundschaft-Schließen mit mir selbst. Irgendwann habe ich dann für mich begriffen, dass sich dieser Weg nicht gut anfühlen muss, dass es ok ist, wenn sich Neuorientierung auch mal gruselig und beängstigend anfühlt. Wachstumsschmerzen eben. Und am Ende brauchte ich eine große Portion Akzeptanz mir selbst gegenüber, um meinen Weg gehen zu können. Und Vertrauen in mein Bauchgefühl.

Du bietest den Workshop „How happy are you“ an. Worum geht 
es dabei? 


happyLea: Immer wieder höre ich den Satz: “Eigentlich gehts mir ganz gut, ach eigentlich dürfte ich mich nicht beschweren, es läuft ja alles.” Wenn ich dann mal nach dem ‘eigentlich’ frage, fehlen oft die Antworten. Viele Menschen haben sich an ihr Leben gewöhnt und es scheint die Regel zu gelten: Wenn es nicht brennt, muss man auch nicht löschen.

Ich glaube allerdings, dass jeder Mensch das Recht hat, wirklich richtig glücklich zu sein und das wir diesem Gefühl auch näher kommen, wenn wir erst einmal wissen, was uns innerlich erfüllt. Wir haben in Deutschland das große Privileg, diesem Bedürfnis auch Raum zu geben. Versteh mich bitte nicht falsch, in dem Workshop geht es nicht um reine Optimierung, nicht darum, noch besser, noch glücklicher und noch schneller zu werden. Im Gegenteil: Er soll Raum geben, um sich der Frage zu stellen: Wohin will ich? Jetzt, in 5 Jahren, in 10 Jahren. Was würde mich erfüllen und was braucht es dazu? Welche Veränderung, welchen Kompromiss, welche Gedanken?

Warum tun sich viele junge Menschen so schwer damit glücklich 
zu sein? 


Lea: Ich glaube, weil wir überfordert sind. Überfordert von Wahlmöglichkeiten, der Angst, die falsche Entscheidung zu treffen, von “Sollte” und “Müsste”. Oft höre ich: “Was ist denn nur los mit dieser verweichlichten Generation? Die haben keine Sorgen, kennen keinen Krieg und trotzdem sind sie nicht glücklich, alle haben irgendwas und kommen nicht klar.” – Natürlich verstehe ich, was damit gemeint ist und ja, im Vergleich zu anderen Ländern und vorherigen Dekaden geht uns ausgesprochen gut. Im Vergleich wohlgemerkt. Leiden ist allerdings sehr subjektiv und der durch Druck überforderte Mensch hat keine Kapazität, um sich an denjenigen zu messen, denen es womöglich aufgrund von Armut und Hunger sehr viel schlechter geht.

Soll heißen: Den Druck, den wir spüren, den spüren wir nunmal.  Wer schon mal in einem Real Supermarkt war, in dem sich tausende Regale aneinanderreihen, der weiß, wovon ich spreche. Zu viele Wahlmöglichkeiten überfordern uns, lassen den Stresspegel steigen, wir empfinden es als unangenehm und können keine Entscheidung treffen. Und wenn doch, dann überlegen wir danach, ob nicht die andere Entscheidung besser gewesen wäre. Im echten Leben beginnt dann das Gedankenkarussell, das sich gepaart mit Druck und Angst so richtig unangenehm anfühlen und sogar zur Erschöpfung führen kann.

Mein Appell: Sei nachsichtig und nett zu Dir selbst, zu Deinem besten Freund wärst Du es ja auch. Unterschiedliche Entscheidungen führen in unterschiedliche Richtungen. Die Beurteilung “richtig” oder “falsch” entspricht einem leistungsorientierten Ansatz und trägt sehr viel Wertung in sich. Vertrauen ins Leben und Akzeptanz sich selbst gegenüber sollten meiner Meinung nach in jeden guten Lebenswerkzeugkoffer vorhanden sein.

In einem meiner letzten Fielfalt-Blogartikel habe ich die Frage 
aufgeworfen, wie man herausfinden kann, was einen neben der Arbeit total begeistert, erfüllt und glücklich macht. Welche Antwort hast Du auf diese Frage? 


Lea: Hui, gefühlt ist meine Antwort da sehr unspektakulär. Ich glaube da an das Prinzip des Ausschlusskriteriums. Probieren und spüren, ob es sich gut anfühlt. Dann nachjustieren. Irgendwann kommt man da an, wo man hingehört. Wichtig ist nur: Beginnen. Mit irgendwas. Sonst verharrt man womöglich ständig im Stillstand.

Wobei kannst Du so richtig abschalten? 


Lea: Das ist eine gute Frage, denn es geht mir nicht einfach von der Hand, muss ich zugeben! Manchmal erinnere ich mich ganz bewusst daran, dass ich nicht jeden Gedanken zu Ende denken muss. “Moral holiday” sozusagen. Das fällt mir nicht immer leicht, aber ich übe mich darin. Zu viel Grübeln geht auf Kosten der Leichtigkeit und die braucht es nunmal auch, um glücklich zu sein. Manchmal backe oder koche ich auch und probiere mich mit  neuen Marmemaldenrezepten aus. Besonders gut fühle ich mich bei langen Spaziergängen mit meinem Freund und unserem kleinen Hund – er selbst ist auch selbstständig und versteht deshalb haargenau, wie es mir manchmal geht.

Lea_3Wenn Du mit der 16-jährigen Lea sprechen könntest; was würdest 
Du ihr auf jeden Fall sagen wollen? 


Lea: “Sometimes you just need to breathe, trust, let go and see what happens.”

Und: “Perfection is boring”.

Was wolltest Du schon immer gerne mal ausprobieren? 


Lea: Ich würde gerne mal 10 Tage in einem Schweigekloster meditieren. Ich glaube, dass ich an dieser Erfahrung enorm wachsen könnte. Im Moment wirkt die Vorstellung davon aber noch sehr groß und schon auch irgendwie scary – mein Bauchgefühl sagt: “Gib Dir noch ein bisschen, dann bist Du soweit”

Was macht einen tollen Tag für Dich aus und wie beendest Du ihn 
gerne? 


Lea: Ich liebe gute Gespräche, neue Gedanken, starke Impulse. Ein Tag kann für mich toll sein, wenn ich ein spannendes Training in meiner Praxis hatte und merke, dass die Menschen mitgehen, mitfühlen, mitdenken. Gleichermaßen schön finde ich es auch, wenn ich mit Freund, Hund und Freunden raus fahre, spazieren gehe und wir einfach wir sind. Idealerweise ist es an so einem Tag Herbst oder Frühling. Und wenn der Tag richtig toll ist, endet er in unserem Schlafzimmer mit Blick auf den großen Baum. Zusammen.

Vielen lieben Dank für das Interview, Lea!

Hier findet ihr mehr zu Lea: http://coachingberlinmitte.de/lea-vogel

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  • Reply
    Alexandra Lei
    16. November 2015 at 8:10

    Ein schönes Interview. Lea Vogel ist mir in der Flow auch gleich aufgefallen. Allerdings auch, weil ich den Gedanken hatte: „Super, dein Berufsziel existiert ja schon. Ist ja dann doch nicht so abwegig.“ 😀

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