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FORGESTELLT: Mandy Seidler, Gründerin von Welcome Dinner Berlin

25. März 2016
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„Ich bin ein ein visionärer und kreativer Mensch, der, wenn er einmal eine Idee im Kopf hat, Alles dafür tut diese auch umzusetzen und dabei andere motivieren kann. Ich weiß aber auch, dass ich, egal um welche Lebenslage es sich dabei handelt, nicht Alles alleine schaffen kann. Ein soziales Netzwerk mit inspirierenden und liebevollen Menschen, ist für mich meine Basis von der heraus ich stark sein kann. Sobald mich meine Energie zu stark in die Arbeit stürzen lässt und dadurch Familie und Freunde zu kurz kommen, leide ich. Ich brauche also unbesingt Beides.“

Liebe Mandy, wir würden gerne wissen, was du vor der Gründung von Welcome Dinner Berlin gemacht hast.

MANDY: Ich habe Literaturwissenschaften studiert und auch 3 Jahre an meiner Promotion im Bereich Europäisch-jüdische Studien geschrieben. Seit 2012 arbeite ich Teilzeit als Projektmitarbeiterin im Literarischen Colloquium Berlin und veranstalte dort unter anderem die literarische Reihe „Das weiße Meer-Literatur rund ums Mittelmeer“.

Wie ist die Idee für das Projekt „Welcome Dinner Berlin“ entstanden und welcher Schritt hat das Ganze, mit einem ganzen Team imHintergrund, ins Rollen gebracht?

MANDY: Im August letzten Jahres entschieden Benjamin Hanstein und ich uns Welcome Dinner für geflüchtete Menschen in Berlin zu organisieren. Uns trieb die gleiche Motivation an, nämlich etwas entgegen zu setzen, gegen die Angst der „besorgten Bürger“ und die geflüchteten Menschen aus ihrer Isolation herauszuholen.
Mir war es wichtig einen Integration befördernden Kontakt auf nachbarschaftlicher ebene zu initiieren, der über die oft gut gemeinte, aber paternalistische Geflüchteter-Helfer-Dynamik hinaus geht. Mein Wunsch war und ist es, dass man sich wieder als Menschen mit individuellen Geschichten, Wünschen und mit Familien wahrnimmt und ich glaubte, dass dies alles sehr gut an einem Tisch und bei einem selbstgekochtem Essen funktionieren kann.
Mittlerweile sind wir ein 9-köpfiger Verein aus 3 Betriebswirten, 3 Kulturmanagern, einer Architektin, einem Historiker und einem Soziologen, die alle von ihrer internationalen Arbeitserfahrung profitieren. Unser Verein soll und wird wachsen, denn wir haben schon jetzt Unterstützung von vielen Ehrenamtlichen, die uns tatkräftig dabei helfen noch mehr Dinner zu vermitteln.

War das Konzept schon komplett ausgereift als ihr euch beim Social Impact Lab in Berlin beworben habt?

MANDY: Wir waren schon ziemlich weit, hatten neben dem Anmeldesystem auf unserer Homepage bereits eine grobe interne Arbeitsstruktur aufgebaut und dadurch bereits über 50 Welcome Dinner vermittelt. Wir hatten auch schon den Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin als Kooperationspartner gewinnen können.

Wie sieht dein jetziger Arbeitsalltag, im Vergleich zu vor der Aufnahme in das Social Impact Start Programm, aus?

MANDY: Ich versuche alle Coachings mitzunehmen und habe auch schon viel davon für uns nutzen können. Wir hatten sowohl juristische, als auch unternehmensplanerische Unterstützung und wir werden jetzt unsere erste Crowdfunding-Kampagne starten. Ich konnte mich viel mit anderen Startups austauschen und wir auch schon eigene Seminare mit SIL organisieren. Wir sind mittlerweile noch mehr vernetzt und es ist auf jeden Fall unglaublich spannend und lehrreich.


Wir verstehen uns als Türöffner für Integration, die auf bürgerlicher Ebene die Voraussetzung für jede Staatliche Maßnahme ist.


Gibt es ein klares Ziel, was ihr mit Welcome Dinner Berlin erreichen oder bewirken wollt?

MANDY: Für viele Geflüchtete ist das Welcome Dinner die erste Möglichkeit mit Berlinern und ihrer Kultur in kontakt zu kommen. In der direkten Begegnung im privaten Raum erfahren geflüchtete Menschen nicht nur eine lange vermisste Wertschätzung, sondern auch ein Interesse an der individuellen Geschichte und öffnen sich so für die deutsche Kultur.
Durch die Geste eines geteilten Essens, zuhause mit der Familie oder Freunden, entsteht ein intensiver und eindrücklicher Kontakt auf Augenhöhe, der es schaffen kann kulturelle Grenzen zu überwinden und den anderen als das Eigene wahrzunehmen.
Wir schaffen es mittels der Welcome Dinner auch die Mitte der Gesellschaft anzusprechen und obwohl- oder gerade – weil für die Gastgeber keine weiteren Verpflichtungen mit dem Dinner verbunden sind, entstehen nicht nur langfristige Bekanntschaften und Freundschaften, sondern auch mitbürgerliche Hilfe.

Versteckt sich hinter dieser Idee ein Geschäftsmodell, sodass Du eines Tages davon leben kannst/möchtest?

MANDY: Ja, das Ziel ist es neben den Ehrenamtlichen auch hauptamtliche Mitarbeiter einstellen zu können. Wir haben bereits eine Teilfinanzierung für 2016 von Rotary Berlin bekommen, sodass ich als Geschäftsführerin bereits ab April bezahlt werden kann. Wir wollen aber auf Dauer weg von Drittmitteln und nach dem Vorbild von Amnesty oder Greenpeace Fördermitgliedschaften pflegen, die eine dauerhafte Etablierung von Welcome Dinnern in ganz Deutschland möglich machen.

Gibt es schon Ergebnisse in Zahlen, wieviele Menschen ihr für ein Welcome Dinner zusammengebracht habt? Wie ist das Feedback der Teilnehmer?

MANDY: Seit sEptember 2015 konnten wir insgesamt 152 Dinner mit jeweils durchschnittlich 5 Teilnehmern vermitteln. Im Durchschnitt waren daran 2 Gäste und 3 Gastgeber beteiligt. Das Feedback ist durchweg positiv – euphorisch und total motivierend. Letztens sagte mir eine Journalistin, dass ihr beim durchscrollen über unsere Facebookseite die Tränen gekommen wären. Das ist schon ein tolles Kompliment.

Wie werden Flüchtlinge und Gastgeber hauptsächlich auf Euch aufmerksam?

MANDY: Wir werben in Flüchtlingsunterkünften mit viersprachigen Flyern und Postern, in Sprachschulen, über virtuelle Netzwerke und natürlich bekommen wir ganz viel Zuspruch durch die vielen Feedbacks, die wir immer auf Facebook veröffentlichen. Gastgeber müssen wir eigentlich gar nicht suchen, die Berliner sind wirklich ein Vorbild, was persönliches Engagement angeht.

Fühlst Du dich in deiner Rolle als Gründerin wohl? Und wie wichtig ist dir das Thema „Networking“ und der Austausch mit anderen Gründerinnen?

MANDY: Das Welcome Dinner hat mein Leben total verändert. Ich kann jedem nur raten diesen Traum etwas eigenes aufzubauen umzusetzen. Es gibt nichts befriedigenderes, auch wenn es manchmal ganz schön an den Kräften zerrt. Leicht ist es wohl nicht, aber man lernt jeden Tag dazuund vor allem wie viel in einem selbst steckt.
Ja, ich tausche mich mit anderen Gründerinnen aus und eine Art Mentorin habe ich auch, denn manchmal, wenn ich unsicher werde, brauche ich doch eine starke Frau, die mir als Vorbild dient. Aber so oft brauche ich das gar nicht mehr 😉

Vielen Dank für deine inspirierenden und motivierenden Worte Mandy!

Falls ihr Fragen oder Anregungen zum Welcome Dinner habt, kommentiert einfach diesen Beitrag. Wir freuen uns über Eure Nachrichten!

Bildquelle: © Mandy Seidler

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