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FORGESTELLT: Marina Schmidt – Co-Founder der Businesshelden GmbH, Speakerin und Networkingspezialistin

19. Oktober 2016
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Marina Schmidt

ist Co-Founder des Coaching-Unternehmens „Businesshelden GmbH“. Dort arbeitet sie als Coach und Rednerin für die Themen Networking, Mentoring und Selbstpräsentation. Sie kann schon auf eine Menge erfolgreicher Workshops und Keynotes, unter anderem bei den Google Developers, der Deutschen Bank sowie auf Karrieremessen, zurückblicken. Im Interview erklärt sie, warum Mentoren wichtig sind und gibt wertvolle Networking-Tipps, die jeder gleich umsetzen kann.

Was macht die Businesshelden GmbH genau?

Marina: Unser Motto lautet: „Du bist Batman, wir sind Robin. Jeder Held braucht einen Helfer und du hast jetzt uns – für deine Karriere.“ Wir coachen vor allem zu den Themen Gehaltserhöhung, Bewerbung, Neuorientierung und persönliche Weiterentwicklung. Unser Stundensatz beträgt normalerweise 180 Euro, das ist der Durchschnittspreis für ein Coaching in Deutschland. Es ist allerdings schwer zu wissen, wie sinnvoll ein Coaching ist, bevor man je eins hatte. Deswegen bieten wir ambitionierten Absolventen sowie Fach- und Führungskräften zunächst eine Coaching-Sitzung gratis. Danach besteht die Möglichkeit, weitere Coaching-Stunden finanziert zu bekommen. Entweder durch einen Bildungsgutschein vom Arbeitsamt oder durch unser „Heldenprogramm“. Coachees kriegen in diesem Fall weitere Stunden umsonst, wenn sie uns weiterempfehlen oder Dienstleistungen eines unserer Partnerunternehmens nutzen. Als Beispiel: Für einen Finanzcheck bekommt man zwei Coaching-Stunden. Das Coaching finanzieren wir durch die erwirtschaftete Provision. Gerade sind wir noch im Aufbau unserer Finanzierungskatalogs. Das Ziel ist es, so viele Möglichkeiten zu bieten, dass für jeden etwas dabei ist. Das Coaching so zu finanzieren ist natürlich kein Muss, sondern ein Kann. Viele unserer Coachees haben mit dem „Heldenprogramm“ angefangen und sind jetzt so überzeugt, dass sie inzwischen monatlich in 1-2 Coachings investieren.

Woher stammt deine Motivation zu gründen?

Marina: Ein Unternehmen zu gründen ist auf jeden Fall mindestens dreißig Mal schwieriger als ich es mir hätte vorstellen können! Auch ich bin den Entrepreneur Roller Coaster gefahren – hoch und runter, runter und hoch. Zum Glück liegt mir die Vision unseres Coaching-Unternehmens wirklich am Herzen, das ist der Gurt der mich in der Achterbahn hält. Als ich 15 war, gestand mir mein Vater, dass sein Krebs nicht besiegt werden kann und die Zeitbombe tickt. Da war mir klar: Ich kann mich auf keine finanzielle Unterstützung von meinen Eltern verlassen. Im Gegenteil: Ich werde für meine Mutter sorgen müssen. Ich hatte unglaubliche Angst, aber das trieb mich auch unglaublich an. Von da an las ich in jeder freien Minute Karriereratgeber. Im gleichen Jahr konnte ich durch ein Förderprogramm mein Business Administration Studium anfangen.

Wie hat Networking deine Karriere beeinflusst?

Marina: Mir 16 fand ich meinen ersten Mentor, der meine Motivation erkannte und mein Alter nie erraten hätte. Er ermöglichte es mir, einen Sales-Job bei Google zu bekommen. Ich nahm all meinen Mut zusammen und sprach mit schlotternden Knien Unternehmer und Marketing Manager an. Das typische aufdringliche Verkaufen und Überzeugen lag mir damals schon nicht. Gerne hätte ich einfach aufgegeben und mal eine Nacht ruhig geschlafen, doch ich war auf das Geld angewiesen. Außerdem hätte ich mich geschämt, meinen Mentor zu enttäuschen. Mein Ansatz sah wie folgt aus: Ich stellte Unternehmer und Führungskräfte einander vor. Der eine hatte ein Problem, der andere hatte die Lösung. Der eine suchte zum Beispiel einen Ingenieur, der andere vermittelte Ingenieure. Es erinnert mich an ein Memory Kartenspiel. Ich erkannte: Je mehr ich helfe, umso mehr kommt zurück. Ab dem Moment musste ich nicht mehr verkaufen, sondern nur noch beraten, denn die Kunden kamen von allein. Innerhalb eines Jahres organisierte ich in meiner Freizeit 66 exklusive Veranstaltungen, um die passenden Menschen einander vorzustellen. Immer häufiger wurde ich als Expertin auf dem Gebiet Networking bezeichnet und um Rat gefragt. So entschloss ich mich, eine Ausbildung zum Coach zu machen.

Netzwerken Frauen anders als Männer?

Marina: Frauen haben die Fähigkeit sehr schnell, sehr starke Beziehungen aufzubauen. Sie haben sehr viel Empathie und emotionale Intelligenz. Hinzu kommt, dass die meisten Frauen einfach gerne quatschen und sehr herzlich sind. Sie haben oft einen sehr breiten Freundeskreis, der ihnen jedoch geschäftlich wenig hilft. Männer knüpfen sowohl persönliche als auch geschäftliche Kontakte und können diese zwei Welten viel eher in einander übergreifen lassen. Deswegen rate ich Frauen, sich mehr Gedanken darüber zu machen, welche beruflichen Kontakte sie brauchen. Viele Frauen sind außerdem unglaublich kompetent, aber sie verkaufen sich unter Wert. Zum Beispiel erzählte mit eine Frau bei einer Veranstaltung von dem Unternehmen bei dem sie arbeitet. Als ich fragte was genau sie macht, antwortete sie ganz nebenbei: „Naja, ich unterstütze das Unternehmen durch meine Erfahrung im Projektmanagement.“ Hätte ich nicht mehrmals nachgefragt, hätte ich gedacht sie ist Freelancerin oder Assistentin. Dabei stellte sich heraus, dass sie Co-Founder eines großen Tec-Unternehmens mit über 70 Angestellten ist, die sie führt.

Hast du einen Networking-Tipp, den man bei der nächsten Gelegenheit umsetzen könnte?

Marina: Der einfachste Tipp, den ich geben kann und der gleichzeitig so unglaublich viel bringt, ist: Sage anderen einfach, was dir helfen würde! Konkrete Situation: Man trifft jemanden, den man längere Zeit nicht gesehen hat und wird gefragt, wie es einem geht und was es Neues gibt. Die typische Antwort lautet: „Jaja, ganz gut. Alles beim Alten.“ Mit solchen Antworten verschenken wir Potential. Nur einen einzigen Satz anzuhängen, kann viel verändern. Ich würde in meinem Fall sagen: „Mir geht es gut. Ich bin gerade auf der Suche nach Redemöglichkeiten bei Stipendienprogrammen oder Karrieremessen.“ Das gleiche Prinzip kann bei einer Vorstellung nützlich sein. Wenn jemand fragt: „Wer bist du? Was machst du?“ – einfach nur einen Satz anhängen, der deutlich macht, was du gerade brauchst, welche Kontakte du suchst oder was dir helfen würde. Die etwas Mutigeren könnte im Laufe des Gesprächs in einer Gruppe direkt fragen: „Oh, mir fällt gerade ein: Ich bin auf der Suche nach XYZ. Habt ihr da Ideen?“ Oh Wunder, was alles passieren kann, wenn man Menschen einfach sagt, was hilfreich wäre.

Und wenn man sich (noch) nicht traut, geradeaus zu sagen, was man gerade braucht?

Marina: Am einfachsten ist es, wenn man eine grundsätzlich großzügige und helfende Einstellung hat. Ich frage mich ständig: Womit könnte ich dem anderen helfen? Mit Kontakten? Informationen? Oder einem offenen Ohr? Wenn der Fokus auf dem Geben liegt, dann fühlt man sich nicht wie ein Bittsteller. Idealerweise fragt man nicht komplett unbekannte Menschen, sondern diejenigen, die einem schon sympathisch sind. Die sicherste Art und Weise ist, nicht zu fragen, sondern ein Statement zu machen. Statt „Kennst du jemanden der mir da helfen kann?“, nutze ein „Ich suche jemanden der XYZ kann. Wenn dir jemand in den Kopf kommt, sag mir doch bitte Bescheid.“ Was ist das Schlimmste, das passieren könnte?

Mentoring ist dein zweites großes Thema. Inwiefern können Mentoren eine Hilfestellung bei der Selbstentwicklung und Selbstverwirklichung leisten?

Marina: Mentoren sind so unglaublich wichtig, weil sie im Gegensatz zu Fachbüchern dein Potential sehen. Ich verwende bei der Erklärung gern die Analogie eines Marmeladenglases. Stell dir vor, du bist im Marmeladenglas. Kannst du aus dem Innern des Glases das Label sehen? Nein. Doch Außenstehenden fällt es sofort auf. Es ist erstaunlich, was andere in uns sehen, was für uns selbst immer verborgen bleiben würde. Man braucht zudem nicht nur eine Person als Mentor, sondern einen, wie ich es nenne, einen „board of mentors“. Also für jeden Bereich deines Lebens, der für dich relevant ist, jemanden, dem du Fragen stellen kannst oder der dir Türen öffnet. Mit dem einen Mentor kannst du vielleicht nicht über Beziehungsthemen sprechen, aber er ist ein super Mentor für Berufsfragen. Jeder hat seine Expertise. Das ist absolut menschlich. Es gibt nicht den Allround-Mentor, der uns wie ein All-Inclusive-Büffet alles bietet.

Würdest du dich wieder für deinen Weg entscheiden?

Marina: Was dieser Beschreibung fehlt, sind die konstanten Absagen und Rückschläge, das ständige Lesen und Lernen in jeder freien Minute und viele Momente an denen ich das Gefühl hatte der Performancedruck zersprengt mich. Ich würde mein Leben als „intensiv“ beschreiben. Wie Abraham Lincoln schon sagte: „It is not about the years in your life that count. It is the life in your years.“ Selbst wenn ich die Chance hätte, die Vergangenheit zu ändern, würde ich es nicht tun. Heute bin ich auf dem besten Weg, meiner Mutter ein Haus zu kaufen, auch wenn bis dahin noch einiges zu tun ist.

Wie können FIELFALT Leserinnen und Leser bei den Businesshelden ein Coaching gratis bekommen?

Marina: Sie können sich in nur fünf Minuten unter http://businesshelden.de/kontakt/ bewerben und ein Coaching-Thema auswählen. Wenn sie dazuschreiben, dass sie durch FIELFALT auf uns aufmerksam geworden sind, melden wir uns innerhalb von 24 Stunden.

Marinas Guide zum Networking: http://businesshelden.de/netzwerken/

Marinas Guide zum Mentoring: http://businesshelden.de/mentor-finden/

Bildquelle: © Christian Kruse

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