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FORGESTELLT: Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin

28. September 2015
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Nebenbei gründen? Meike Haagmans macht es vor!

Meike Haagmans, Gründerin eines erfolgreichen Tourismus Start-ups und Flugbegleiterin. Die Unternehmerin liebt das Reisen, das Fliegen und ihren Job über den Wolken. Als Angestellte zu gründen? Na klar! Sie macht sich stark für die Option „nebenbei“ zu gründen und möchte anderen Mut machen es ihr gleich zu tun. Ganz nach Ihrem Lieblingszitat: „Mache es, bevor es jemand anderes macht“. Sie ist alles andere als eine „Stewardess, die nebenbei ein kleines Reisebüro von zu Hause aus betreibt“. Im nachfolgenden Interview berichtet Meike über Schubladen, Vorteile und Ihren Alltag.

Als Flugbegleiterin und Gründerin eines Reiseveranstalters könnte man annehmen dass das Reisen eine große Leidenschaft für dich ist. Was fasziniert dich am Reisen und was war ausschlaggebend für deine Reiselust?

Meike Haagmans: Der ausschlaggebende Punkt war meine Mutter. Sie war alleinerziehend und legte immer viel Wert drauf, dass ich als Kind schon lernte andere Sichtweisen zu bekommen. Wir hatte nie viel Geld, deshalb gab es  keine großen Urlaubsreisen mit dem Flugzeug, sondern immer nur mit unserem alten VW Bus. Ein Beispiel war eine Tour 1989 nach Erfurt. Die DDR Grenzen waren gerade geöffnet und nur einige Wochen später sind wir mit dem Bulli in den Osten gefahren, damit ich diese Kultur noch erleben konnte, bevor Deutschland wieder vereinigt wurde. Meine Mutter hat mir immer vermittelt, dass man eine fremde Kultur nicht nur sehen kann, sondern auch schmecken, riechen und fühlen muss. Wenn ich heute zum Beispiel in einem fremden Land ankomme, nehme ich mir immer 10 Sekunden im Terminal Zeit und atme einmal tief durch um den fremden Geruch zu erleben.

Was fasziniert Dich am Beruf der Flugbegleiterin und wann und wie ist die Idee zu jovenTOUR entstanden?

Meike Haagmans: Mich hat das Fliegen schon immer fasziniert. Hinzu kam, dass wir halt in meiner Kindheit nie in den Urlaub geflogen sind, wie andere Klassenkameraden. Dadurch ist mein Bedürfnis nach Reisen in ferne Länder weiter gewachsen. Als es dann in die Oberstufe ging, fing ich an zu realisieren, dass ich für mein Leben selbst verantwortlich bin und erste eigene Entscheidungen treffen muss. So entwickelte sich mein ursprünglicher Berufswunsch: Pilotin. Als ich nach dem Abitur durch den Einstellungstest gefallen bin, war die Alternative ein Studium mit dem wohl schönsten Studentenjob der Welt: Flugbegleiterin!
Ich habe dann erst ein Bachelorstudium in Deutschland absolviert und später ein MBA Studium in Buenos Aires. In den Semesterferien arbeitete ich dann immer über den Wolken. Und genau am Ende des Masterstudium entwickelte sich die Idee von jovenTOUR. Ich nutzte die Abschlussarbeit um den Markt akademisch zu analysieren und noch lange vor der Verteidigung war die Firma schon gegründet.

Was macht jovenTOUR genau?

Meike Haagmans: JovenTOUR ist ein Reiseveranstalter für Rundreisen in Lateinamerika. Das einzigartige ist die Reiseart, denn wir bieten Touren mit öffentlichen Bussen an. Im Prinzip „organisiertes Backpacking“.

Hast Du dich schnell entschieden zu gründen oder bedarf es damals einer längeren Bedenkzeit?

Meike Haagmans: Das ging relativ schnell. Ich musste ja sowieso für die Masterarbeit alles nieder schreiben. Ich habe dann parallel den Businessplan verfasst und als ich feststellte, dass so eine Gründung gar nicht so kompliziert ist, rief ich beim Notar an und habe eine Neugründung angekündigt.

War es für dich von Anfang an klar, nebenbei zu gründen? Was waren die größten Herausforderungen dabei? Was sind die Vor- und Nachteile?

Meike Haagmans: Ja, die Nebenerwerbsgründung war von Anfang klar. Ich liebe meinen Beruf als Flugbegleiterin und würde diesen nicht mehr her geben. Ich gehe wirklich gerne zur Arbeit (und ich behaupte, dass das weitaus nicht alle Menschen sagen können). Warum also was aufgeben, was ich liebe?
Eine wirkliche Herausforderung gab es nicht. Ich kannte die Branchen und hatte ja auch Tourismus studiert. Ein Vorteil war ganz klar, das geregelte Einkommen und die Auszeiten, die ich zwangsläufig beim Fliegen habe.
Jetzt wo es um eine Anschlussfinanzierung geht, merke ich den Nachteil. Ich höre oft den Satz: „In dich würde ich nicht investieren, weil du noch weiterhin als Flugbegleiterin arbeitest“. Ich schüttele dann nur mit dem Kopf! In zwei Jahren habe ich einiges mehr erreicht (Tourismus- und Unternehmerpreise, Titelgeschichten, eine Kolumne, etc.) als so mancher Vollzeitgründer. Wer meine Gründungskompetenz nur wegen den zwei Wochenenden, an denen ich als Flugbegleiterin arbeite (50% Stelle), in Frage stellt, ist bei mir als Investor sowieso raus. Ich habe die Firma mit eine vierstelligen Summe gegründet, der Umsatz ist nun sechsstellig – ich denke, das beweist mehr als genug, dass ich es kann.
Das Schöne ist ja auch: ich bin auf kein Investment angewiesen. Natürlich würde ich gerne in andere Länder expandieren – das Unternehmenskonzept liegt geschrieben in der Schublade – aber wenn ich mich dafür verbiegen muss, dann lass ich es und wachse organisch weiter. Ganz nach dem Motto: Ich bleib klein und mein Herz bleibt rein!

Flugbegleiterin, Gründerin, Bloggerin und seit Neustem auch Gründer-Kolumnistin bei der Wirtschafts Woche Gründer – wie organisiert du dich am besten um nicht den Überblick zu verlieren?

Meike Haagmans: Als Flugbegleiterin bekomme ich einen festen Plan und arbeite dort meistens immer das dritte und vierte Wochenende im Monat. Das ist damit sehr planbar. Die anderen Tage bin ich im Büro. Vieles kann ich delegieren, an Mitarbeiter oder die Kollegen vor Ort in Lateinamerika. Meinen Blog habe ich gestartet, weil die Gründungsphase eine ganz Spannende ist und ich anderen Nebenerwerbsgründern Mut machen möchte, selber zu gründen. Dort schreibe ich immer nur, wenn etwas Interessantes passiert. Da bin ich leider nicht so ambitioniert wie du, liebe Aimie.
Die Kolumne verfasse ich alle vier Wochen und verarbeite immer aktuelle Themen aus meinem Gründeralltag – oftmals schreibe ich mir einfach nur die Gedanken von der Seele. Ich nehme mir einen Nachmittag im Monat dafür Zeit.

Wie sieht eine typische Woche oder ein typischer Monat für dich aus? Gibt es diesen?

Meike Haagmans: Ja absolut. Generell gehe ich spät in Büro, weil die Kollegen in Lateinamerika durch die Zeitumstellung auch erst immer nachmittags erreichbar sind. An zwei Wochenenden gehe ich Fliegen, ansonsten habe ich einen ganz normalen Gründeralltag: einige Netzwerktreffen abends, einige Veranstaltungen und ab und zu beim Steuerberater vorbei schauen.
Hast du schon einmal darüber nachgedacht eines der Projekte sein zu lassen und monogam in einem Job zu werden? Wenn nein, warum nicht?
Meike Haagmans: Der Blog und die Kolumne laufen ja eher nebenbei. Und die Kombination zwischen Fliegen und Gründerleben gebe ich um keinen Preis der Welt auf.

Wie reagieren meist Unwissende auf dein gesellschaftlich untypisches Berufsleben? Würdest du es ebenfalls als untypisch bezeichnen?

Meike Haagmans: Ich merke oft, dass ich in die Schublade gesteckt werde: „Stewardess, die nebenbei ein kleines Reisebüro von zu Hause aus betreibt“. Solche Vorurteile zeigen mir, dass sich derjenige nicht mit meinem Unternehmen und mir auseinandergesetzt hat. Und auf solche Kontakte kann ich auch gut verzichten. Diejenigen, die sich wirklich für mein Unternehmenskonzept interessieren, erkläre ich es gerne bei einem Kaffee – allerdings nicht zu Hause sondern im Büro!

Dein Blog „Nebenbei durchstarten“ macht Mut neben einem Teilzeitjob zu gründen. Was sind deiner Erfahrung die meisten Gründe die davon abhalten sich vorerst neben seinem Job selbständig zu machen? Oder ist ganz oder gar nicht doch die bessere Lösung wenn man es sich leisten kann?

Meike Haagmans: Es gibt zwei große Hemmnisse.
Erstens der Arbeitgeber: denn Teilzeit wird immer noch als nicht produktiv in Deutschland angesehen.  Diese braucht man aber um im Nebenerwerb gründen zu können. Meiner Meinung nach, sollten Arbeitgeber es positiv sehen, wenn sich Mitarbeiter nebenbei selbständig machen, denn so entsteht ein Blick über den Tellerrand. Ich selbst kann als Gründerin nun verstehen, wie ärgerlich Krankheitsmeldungen oder die Verkündigung einer Schwangerschaft für den Arbeitgeber sein können.
Das zweite große Hemmnis ist die Gründerperson oftmals selbst. Ich höre immer wieder von Kollegen: „ich würde so gerne – aber ich traue mich nicht“. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

In deiner Kolumne in der Wirtschafts Woche Gründer berichtest du ebenfalls über das Gründen nebenbei – welche geheimen Tipps hältst du für Interessierte noch bereit? Gibt es einen ultimativen Rat deinerseits?

Meike Haagmans: Mich hat immer ein berühmtes Zitat inspiriert: „Mache es, bevor es jemand anderes macht“. Einfach machen! Habe keine Angst und Zweifel!

Was macht einen tollen Tag für dich aus und wie beendest du ihn gerne?

Meike Haagmans: Für einen guten Start brauche ich einen guten Kaffee. Im Sommer gehe ich vor dem Büro gerne zwei Stunden Wakeboarden. Danach ist der Kopf frei. Dann arbeite ich 3-4 Stunden sehr intensiv. Danach ein Mittagessen mit meiner besten Freundin und Büromitgründerin. Am Nachmittag bin ich weniger produktiv, da mache ich „Gründung für Dummies Aufgaben“ sprich: Buchhaltung etc – reine Fleissarbeiten halt. Am Abend nochmal in der Stadt mit Freunden und einem Glass Wein.

Vielen lieben Dank Meike!

Anmerkungen oder Fragen zu „FORGESTELLT: Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin“? Wir freuen uns auf Eure Kommentare!

Quelle des Fotos: Lynn Marie Zapp

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