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FORGESTELLT: Julia Derndinger, erfolgreiche Unternehmerin, Macherin und Sparringspartner

8. März 2016
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„Machen. Machen. Machen.“  –  Julia Derndinger im Telefoninterview mit FIELFALT

Julia Derndinger ist erfolgreiche Unternehmerin und Gründerin. 2004 hat sie nebenberuflich ihr erstes erfolgreiches Unternehmen gegründet und machte die damalige Mobiltelefon-Welt mit j-straps bunter. Darauf folgten weitere Gründungen sowie Positionen als Geschäftsführerin und Aufsichtsrätin. Um ihre Erfahren und ihre Expertise bestmöglich weiterzugeben, gründete sie außerdem 2008 den EO Accelerator, ein spezielles Format für talentierte Jungunternehmer. Heute ist sie eine gefragte Gründertrainerin und berät insbesondere als Sparringspartner StartUps und CEOs.

Julia, auf Deiner Homepage schreibst Du „Meine Arbeit ist meine Leidenschaft und nimmt eine zentrale Rolle in meinem Leben ein“. Wie hast Du die Leidenschaft zu deinem Job entdeckt?

Julia: Ich bin bereits seit 12 Jahren Unternehmerin und vor 8 Jahren habe ich das erste deutsche Accelerator Programm für die Entrepreneurs´Organization aufgebaut. Dabei konnte ich selbst viele Erfahrungen sammeln und über 250 tolle Gründer beim Aufbau Ihrer multimillionen Unternehmen beobachten und unterstützen. 

Ich habe in den letzten Jahren durch das Unternehmertum und EO meine Leidenschaft entdeckt jungen Gründern zu helfen und sie zum Erfolg zu führen.  Sie faszinieren mich und für die meisten ist Scheitern keine Option, was die Zusammenarbeit sehr interessant gestaltet. Eine der ersten Gründerinnen, mit der ich zusammengearbeitet habe, war Constanze Buchheim (Geschäftsführerin und Gründerin von i-potentials), die auf mich zukam und nach Rat und Sparring gefragt hat.

Wo war der Ursprung Deiner Karriere? Und wie kam es dann zur ersten Gründung?

Julia: Meine erste Firma, die Trendwerk 77 GmbH, habe ich neben meiner Tätigkeit als Managerin Loyalty & Retention für Geschäftskunden bei E-Plus gegründet. Die Idee entsprang daraus, dass wir damals alle das gleiche Firmenhandy hatten. Die Verwechslungsgefahr war groß, weshalb eine Kollegin Handyanhänger aus den USA bestellte, um diese zu unterscheiden. Diese Anhänger wollte ich deutschlandweit verfügbar machen. An diesem Gedanke habe ich festgehalten und das war der Ursprung der j-straps und meines ersten Unternehmens, welches ich gemeinsam mit meinem ehemaligen Chef Holger Weißner gründete.

Ihr habt damals einen Kredit aufgenommen, um eine erste Finanzierung des Unternehmens zu sichern. Würdest Du dies heutigen Gründern empfehlen? Oder ist es von Vorteil zu Beginn einen Investor zu überzeugen?

© Fotograf Marcel Dykiert

© Fotograf Marcel Dykiert/ Büro Julia Derndinger

Julia: Das Besondere war bei meinem ersten Unternehmen, dass ich die Chance hatte, berufsbegleitend zu gründen. Mit einem zusätzlichen Kredit der Bank hatten wir eine gute Basis für die ersten Monate.

In unserer heutigen Gründer- bzw. StartUp-Szene ist die Aufnahme eines Kredits nicht ganz leicht, da viele junge Gründer keine Sicherheiten aufzuweisen haben.

Meiner Erfahrung nach wird die Möglichkeit einen Investor zu gewinnen, oftmals zu früh in Betracht gezogen. Ich halte es für wichtig einen Investor erst hinzuzuziehen, wenn der erste „Proof of Concept“ erfolgt und das Unternehmen bereit für Wachstum ist. Ansonsten besteht die Gefahr, dass in einer frühen Phase zu viele Anteile abgegeben werden müssen und man selbst nicht mehr alleiniger „Herr im Hause“ ist.

Wie geht man also vor? ich empfehle immer, eine Idee erst einmal mit Eigenkapital zu testen und genau darüber nachzudenken, was das Besondere bzw. der „Sustainable Competitive Advantage“ am Produkt oder der Dienstleistung ist. Das kann zum Beispiel bedeuten, eine Landingpage aufzusetzen und die Nachfrage (ohne das Produkt bereits verfügbar zu haben) zu testen. Zudem empfehle ich, in der frühen Phase viele Gespräche über die Idee bzw. das Produkt zu führen, um das Feedback aufzugreifen und sich rasant zu verbessern.

Es gibt aber auch Geschäftsmodelle (siehe beispielsweise Rocket Internet), in deren Fokus der Wettbewerbsvorteil steht anstelle des Cash-Flows. In Anbetracht dessen wird schnell viel Kapital benötigt und eine andere Vorgehensweise als oben beschrieben ist besser geeignet.

Wenn man deinen bisherigen Werdegang betrachtet, ist man absolut beeindruckt! Was hat dich beruflich bisher am meisten geprägt?

© Fotograf Marcel Dykiert

© Fotograf Marcel Dykiert

Julia: Ich hatte in meiner beruflichen Laufbahn nicht das eine große Momentum. Mein Weg als Unternehmerin wurde geprägt durch die Summe vieler kleiner Schritte. Ich habe außerdem glücklicherweise nie eine ganz große Katastrophe erleben müssen, die mein Leben verändert hätte.

Herausforderungen gab es dennoch viele. Bei Trendwerk77 beispielsweise konnten wir Produkte im Wert von 50.000 Euro, die bereits an unsere Kunden verkauft wurden, nicht liefern. Grund dafür waren fehlende Lizenzen eines Lizenzgebers trotz Verträge. In dieser Situation hat uns nur Offenheit geholfen. Wir waren gegenüber unseren Kunden ehrlich und haben gemeinsam die „Kuh vom Eis“ geholt.


 

„Mein Weg als Unternehmerin wurde geprägt durch die Summe vieler kleiner Schritte.“

 


 

Ich glaube außerdem immer daran, dass es weitergeht und nicht an Fehler. Wir treffen unter bestimmten Gegebenheiten zu einer bestimmten Zeit Entscheidungen, die wir ggf. zu einem späteren Zeitpunkt revidieren würden. Unternehmerin sein heißt für mich nicht, die eine große Sache richtig machen, sondern viele kleine Dinge richtig zu machen, die einen wiederum groß machen.

Ein weiteres Learning, welches ich an Unternehmer weitergeben möchte, ist die Frage des Sustainable Competitive Advantage. Man sollte in seinem Unternehmen, beim Produkt oder der Dienstleistung immer eine Sache nachhaltig besser machen als andere. Unsere Handyanhänger haben wir damals beispielsweise mit Cartoon- und Bundesliga-Lizenzen bestückt. Das hat unser Produkt einzigartig gemacht und die von uns geschaffene Nische nachhaltig besetzten lassen.


„Unternehmerin sein heißt für mich nicht, die eine große Sache richtig machen, sondern viele kleine Dinge richtig zu machen, die einen wiederum groß machen.“

 


 

Und welche Eigenschaften machen Dich erfolgreich?

Julia: Leidenschaft, Hartnäckigkeit und Macherin-Sein.

In einem Video-Interview plädierst Du dafür, dass man „einfach machen“ soll. Leichter gesagt als getan, insbesondere in einer überwiegend vom Risiko abgeschreckten Gesellschaft. Welche Gedanken haben Dich dabei unterstützt, loszulegen?

Julia: Eigentlich ist es unfair zu sagen „Mach doch einfach“. Ich beschäftige mich viel mit Gründern und mit Menschen und das „Macher-Sein“ ist ein Persönlichkeitsprofil. Diesbezüglich kann man vier Typen unterscheiden (Das Persönlichkeitsprofil kann man z.B. mit dem DISC Profile herausfinden):

1)     Den Macher

2)    Den Visionär

3)     Den Analytiker

4)    Den Teamplayer

Wenn man kein Macher ist, ist es schwierig „einfach mal loszulegen“. Jeder sollte entsprechend seines Persönlichkeitsprofils seine Rolle finden. Man weiß dann, welche Schwachstellen man hat und durch welches Team man diese ausgleichen sollte. Denn ein Unternehmen braucht alle vier Typen um langfristig erfolgreich zu sein. Der Macher sollte aber auf jeden Fall „einfach machen“!

Bist Du selbst ein risikofreudiger Mensch? Und welchen Vorteil oder Nachteil bringt eine Risikoaversion?

© Fotograf Marcel Dykiert

Julia Derndinger mit ihrem langjährigen Kunden Ulrich Katterbach

Julia: Ich selbst bin eher ein Pessimist und kein risikofreudiger Mensch. Ich habe während der Gründung meines ersten Unternehmens meine Festanstellung so lange wie möglich behalten. So habe ich das damalige Risiko minimiert.

Ich würde deshalb nie einen Gründer auffordern, komplett ins Risiko zu gehen, sondern das Risiko bestmöglich zu minimieren. Ich finde es grundsätzlich gut risikoavers zu sein, jedoch sollte man diese Eigenschaft nicht über alles stellen. Dennoch sollte man keine Risiken eingehen, deren Konsequenzen man nicht vollständig tragen kann.

Gibt es eine „Altersgrenze“, um erfolgreich zu gründen?

Julia: Das glaube ich überhaupt nicht. Ich bin der Meinung, dass wir in Deutschland viel zu festgefahren sind in Bezug auf unsere Lebensläufe. Wir sollten mehr Mut zu ungewöhnlichen Lebensweisen und Lebensläufen aufbringen. Und aufhören ausschließlich in klassischen CVs zu denken.

Was spricht denn dagegen, mit 60 zu gründen? Oder was spricht dagegen, als junge Mutter zu gründen? Wir sollten nicht nur junge Unternehmer fördern, sondern auch 45 Jährige Quereinsteiger. Wer sagt denn wann, wo man wie gründen soll?!  Ich selbst freue mich darüber, noch nicht sagen zu können, was ich in 10 Jahren mache!


„Wir sollten mehr Mut zu ungewöhnlichen Lebensweisen und Lebensläufen aufbringen.“

 


 

Was sollte bei einer Gründung zuerst da sein, der Wille oder die Idee?

Julia: Ich wünsche mir Leute, die von etwas leidenschaftlich bewegt sind und sich dann trauen, eine Idee in die Tat umzusetzen!

Ich finde es sehr schwer, auf analytischem Wege die perfekte Geschäftsidee zu finden. Meines Erachtens sollte die Geschäftsidee auf der eigenen Leidenschaft basieren. Das bedeutet sich Gedanken zu machen was einen bewegt und was man gerne in diesem Bereich umsetzen wollen würde. Im nächsten Schritt sollte man dann direkt die Umsetzung in Angriff nehmen!

Im Gegenzug dazu stehen jedoch Unternehmen, die systematisch planen Firmen zu bauen. Hier fehlt meist jedoch die Leidenschaft für das Produkt oder die Dienstleistung.

Wie können wir uns Deinen typischen Alltag vorstellen?

Julia: Ich berate täglich Unternehmer und Gründer, die einen Austausch suchen, sich selbst reflektieren und besser werden wollen. Sie müssen in ihrer Position viele Entscheidungen treffen und dafür stelle ich mich als Sparringspartner zur Verfügung. Das bedeutet, dass wir oft die Ausgangslage gemeinsam betrachten, Entscheidungen besprechen und treffen, ich hin und wieder Ratschläge oder einen kleinen Tritt in den Po erteile und auch nur den Spiegel vor halte.  :D.

Was möchtest du unseren Leserinnen als kleinen Impuls mit auf den Weg geben?

Julia: Ich möchte dazu motivieren zu „Machen, Machen, Machen“! Setzt Eure Ideen in die Tat um.  Und dazu, immer ein bisschen größer zu denken!

Vielen Dank Julia für das Interview!

Bildquelle: © Fotograf Marcel Dykiert

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