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Kein Sinn für Unsinn

14. Juni 2016
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Seit vielen Jahren habe ich proaktiv „Unsinn“ aus meinem Leben verbannt.

Ich schaue kaum noch fern. Lese Sachbücher anstatt Klatschzeitschriften im Wartezimmer. Höre Podcasts statt Musik. Nutze facebook und meine Emails nicht dafür mit Freunden, welche ich lange nicht gesehen habe, zu kommunizieren, sondern, um fleißig Werbeanzeigen für das Business zu schalten.

Neue Bekanntschaften werden direkt auf Nützlichkeit gescreent und schnell wieder aus dem Leben verbannt, wenn kein wesentlicher Grund zur Fortführung der Bekanntschaft gegeben ist. Das Fitnessstudio dient zum Stählen des Körpers und dazu, den Kopf für neue Ideen und Gedanken frei zu bekommen. Der Gesundheit wegen gönne ich mir ca. 1-2 Wochen Urlaub im Jahr und erlaube mir selbst, einen unsinnigen Roman zu lesen, welcher mein Wissen nur bedingt erweitert.

Der Moment

Im Moment sitze ich im Zug mit meinem Rechner auf dem Schoß. Den selbstgemachten Smoothie und Salat habe ich in der Tasche (nur keine Kohlenhydrate – da ich die nächsten Tage keine Zeit für Sport haben werde).

Ich fahre das Wochenende nach Norddeutschland – nicht etwa, um die Stadt zu erkunden, sondern, um einen Vortrag zu halten und mich selbst weiterzubilden.

Ein Freund fragte mich gestern, ob ich diese Reisen denn auch dafür nutze, die Stadt zu erkunden – Fehlanzeige. Die Städte in denen ich die letzten Jahre war, erkenne ich am Bahnhof oder Flughafen. Durch die Stadt bummeln? Unsinnig.

Neben mir sitzt eine junge Frau, die genüsslich ihr Käsebrötchen verspeist und ganz entspannt die Gala liest, wenn sie nicht gerade aus dem Fenster schaut und die Landschaft begutachtet.

Und ich frage mich, wann und warum ich aufgehört habe, diese schönen, unsinnig erscheinenden Dinge aus meinem Leben zu verbannen.

Ich kann es nicht beantworten.

Die Erinnerungen

Und das Erschreckende? Ich erinnere mich tatsächlich fast nur an die von mir als unsinnig bezeichnenden Erlebnisse. An Ausflüge mit Freuden, zu denen ich mich habe breitschlagen lassen (mit viel Widerstand), an den Tag am Strand und einen tollen Roman, an das eine Mal, wo ich anstatt weiterzujoggen, mich in den Park gesetzt habe und die Kinder, die im Wasser spielten beobachtete.

Das waren schöne Erlebnisse meines Lebens und diese waren keineswegs unsinnig.

Die Wahrheit

Beim Lesen der oberen Abschnitte des Artikels haben womögliche einige von Euch den Kopf geschüttelt. Einige erkennen sich wieder. Einige haben ein schlechtes Gewissen bekommen, weil sie scheinbar zu viel Zeit mit dem besagten Unsinn verbringen.

Schon seit Kindertagen wird uns immer wieder Effizienz, Effektivität, Leistung und die Entwicklung des eigenen Ich´s wie eine Karotte vor die Nase gehalten. Wir trimmen und permanent selbst zu einem „besseren“ Ich, verurteilen andere Menschen, die nicht so ambitioniert sind wie wir selbst und streben immer nach mehr.

Doch was ist das „mehr“? Was bereichert unser Leben wirklich? Und wohin wollen wir noch?

Das Plädoyer

Ich weiß, dass ich immer Ziele verfolgen werde, mich selbst weiterentwickeln werde und auch tagtäglich neues dazulernen möchte. Und das fühlt sich auch sehr richtig an. Wir sollten keine Zeit mit Dingen verbringen, die uns unglücklich machen.

Doch so unsinnig auch manche Aktivität erscheint, desto mehr bereichert diese unser Leben. Zeit mit Freunden, der Familie oder einfach nur Zeit in der man nichts tut oder tut was auch immer man will. Wir sollten neben der Optimierung unserer selbst nicht vergessen zu leben.

Deshalb klappe ich meinen Laptop nun zu und werde die nächsten Stunden einfach mal nichts tun – mich vielleicht auf ein spontanes Gespräch einlassen und versuchen mehr Unsinniges in meinem Leben zuzulassen.

Wie stehst Du selbst zu Sinn und Unsinn? Kommentiere diesen Beitrag!

Bilder unsplash.com

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