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FORGESTELLT: Bianca und Nicole, Gründerinnen vom familienfreundlichen CoWorking-Space Krämerloft

1. December 2016
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New Work, Work-Life-Integration, CoWorking – Themen, die gerade in aller Munde sind und auch immer mehr Menschen zu neuen Wegen inspirieren. Zwei von ihnen sind die Erfurterinnen Bianca und Nicole, Selbstständige, Networkerinnen, Mütter und leidenschaftliche CoWorker, die ihre Passion nun zum Business gemacht haben. Ich habe mit den beiden Power-Frauen über ihre Vision – das Krämerloft, die Vereinbarung von Beruf und Familie, ihre Inspirationsquellen, Entspannungsrezepte für den stressigen Berufsalltag und vieles mehr gesprochen.

Hallo Bianca und Nicole, was ein Loft ist, wissen wir alle, doch was ist ein Krämer?

Nicole: Ein Krämer ist eine andere Bezeichnung für einen Händler. Der Name als solcher kommt nicht einfach von der bekannten Erfurter Krämerbrücke, sondern von der Lage meines ersten Herzensobjektes, einer Industriehalle in der Erfurter Krämpfervorstadt. „Krämpfer“ ist nämlich genauso wie „Krämer“ eine Bezeichnung für „Kaufmann“ und so war der Name KrämerLoft geboren.

Bianca: Das Loft kommt von der Vorliebe für den Industriecharme und beides zusammen passt dann, mit dem Gedanken an eines von Erfurts Wahrzeichen, einfach perfekt zu unserer Idee eines familienfreundlichen Coworking Spaces mit Industriecharme in Erfurt. Mit dem Objekt hat es dann zwar leider nicht geklappt, aber der Name ist geblieben, ebenso wie die Idee und der Anspruch.

Was unterscheidet euer CoWorking-Space von den anderen in Deutschland?

Nicole: Grundsätzlich möchten wir alle positiven Aspekte eines Coworking Spaces zur Verfügung stellen und das haben wir mit anderen Spaces gemeinsam, da wollen wir uns gar nicht unterscheiden. Der Aspekt “familienfreundlich” und die Art, wie wir ihn umsetzen, dürfte uns jedoch von den meisten Coworking Spaces unterscheiden. Wir möchten unseren Coworkern eine optimale Work-Life-Integration ermöglichen. Das heißt im Speziellen, wir bieten ein Kinderzimmer und beschäftigen uns auf Anfrage auch mit den Kids, damit die Coworker in Ruhe arbeiten können. Außerdem liegt uns das Thema gesundes und entspanntes Arbeiten am Herzen. Wir bieten deshalb Fitness- und Entspannungstrainings sowie gesunde Snacks im Haus an.

Bianca: Und natürlich wir beide und die Art und Weise, wie wir das KrämerLoft mit Leben füllen gibt es halt nur einmal.

Ihr sprecht gezielt von „familienfreundlich“. Bedeutet das, dass es euch bisher schwergefallen ist, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen?

Bianca: Nun ja, leicht war es nicht immer – egal ob als Angestellte oder als Selbständige. Ich finde, dass man seinen Weg erst suchen muss und dazu ist es einfach notwendig, mehrere Optionen auszuprobieren. Die Dinge fühlen sich manchmal ganz anders an, als man gedacht hätte. Die Freiheit dieses „Ausprobierens“ und Erlebens möchten wir gerne im KrämerLoft möglich machen.

Nicole: Nach mehr als zwei Jahren Selbständigkeit möchte ich gewisse Freiheiten, zum Beispiel in der Zeiteinteilung, nicht missen. Die Selbständigkeit ist natürlich nicht für jeden geeignet, daher möchten wir gezielt auch Firmen ansprechen, die ihren Mitarbeitern Möglichkeiten zur Work-Life-Integration bieten wollen und dabei Unterstützung und neue Wege suchen.

Hört man das Wort CoWorking, dann denken viele sofort nur an Selbstständige. An wen richtet sich euer Angebot? Welche Zielgruppen hat das Krämerloft?

Bianca: Sicherlich gehören Selbständige, Freelancer und Freiberufler zu unserer Zielgruppe. Wie Nicole gerade erwähnt hat, richten wir uns auch an Firmen, die beispielsweise eine Lösung für Projekte, Meetingräume oder eben Möglichkeiten im Bereich Work-Life-Integration und New Work suchen.

Nicole: Grundsätzlich sind wir allen gegenüber offen und laden alle ein, die ebenfalls offen für neue Ideen und Wege sind.

Was wird die CoWorker alles in eurem Space erwarten?

Nicole: Es wird einen Open Space geben, in dem man Arbeitsplätze anmieten kann – ganz klassisch. Auch wird es Teambüros geben, die man mieten kann und natürlich Meetingräume. Außerdem haben wir eine Küche und einen Loungebereich, den alle nutzen können und den man ebenfalls für Veranstaltungen anmieten kann. Außerdem wird es ein Café geben. Natürlich gehört es für uns zu einem Coworking Space, dass wir Netzwerkveranstaltungen machen und die Coworker auch sonst beim Vernetzen und Weiterentwickeln begleiten – eine echte Community halt.

Bianca: Neben Sport- und Entspannungsangeboten ist natürlich das Kinderzimmer eines unserer Kernangebote. Dort können die Kleinen spielen und Kind sein, während die Eltern mit freiem Kopf etwas fertig stellen. Bei Veranstaltungen werden die Kids dann bespaßt und Mama und Papa können entspannt das Event genießen. Auch der Makerspace mit verschiedenen Werkstätten im Keller hat viel zu bieten, wenn man seinen Do-it-Yourself-Ambitionen frönen möchte. Da werden nach und nach Holz-, Metall- und Textilwerkstätten, Elektro- und Fotolabor und ein 3D-Drucker entstehen.

Nicole: Vor allem möchten wir eine Atmosphäre schaffen, in der ein entspanntes Arbeiten möglich ist und in die man gerne kommt – egal ob mit oder ohne Kind, allein oder bereits als Team, täglich oder nur ab und zu.

Bianca: Und last but not least gibt es natürlich jede Menge Herzblut und Begeisterung von uns obendrauf.

Um den Leuten im Krämerloft eine besondere Atmosphäre bieten zu können, macht ihr gerade ein Crowdfunding. Wollt ihr dazu noch etwas sagen?

Nicole: Wir möchten nicht einfach ein paar Tische und Stühle in einen Raum stellen und die Wände streichen. Zu einer Wohlfühl-Umgebung im Industriestil gehört für uns auch ein besonderes Interieur. Hierfür haben wir viele Ideen im Kopf und auch schon einen Fachmann gefunden mit noch mehr Ideen und Erfahrung im Bereich Upcycling und Industriedesign, der ganz tolle Dinge herstellt und uns unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar!

Bianca: Genau an dieser Stelle möchten wir auch nur äußerst ungern Kompromisse machen, die unserem Anspruch nicht gerecht werden. Um also ein “wow!” und ein “ach, wie schön!” abholen zu können, haben wir die Kampagne auf startnext gestartet. Wir freuen uns über jede Unterstützung und natürlich gibt es auch passende Dankeschöns.

Ihr wart beide schon vor dem Krämerloft Gründerinnen. Was habt ihr bisher beruflich gemacht?

Nicole: Wir sind beide studierte Wirtschaftswissenschaftler. Nach dem Studium ist Bianca beruflich kreuz und quer im Großkonzern durch die Republik und die Weltgeschichte getingelt, um Erfahrungen im Changemanagement und Führungskompetenz zu sammeln. Ich habe Wurzeln in der Thüringer Tourismusbranche geschlagen und meine Heimat im Bereich Online Kommunikation gefunden – womit ich jetzt auch bereits seit mehr als zwei Jahren selbstständig erfolgreich bin.

Bianca: Irgendwann habe ich beschlossen, das Vagabundenleben gegen ein Mamaleben einzutauschen und vor über einem Jahr habe ich mich dann selbstständig gemacht mit einer kleinen Agentur für Kinderfeiern, was zu dem Zeitpunkt gerade genau in mein Leben gepasst hat. Kurz darauf hat mir eine Freundin von Nicole und ihrer Idee erzählte und ich war davon und ihrer Ausgestaltung so begeistert, dass wir beschlossen, gemeinsam weiter zu machen – zumal ich hierbei auch meine Erfahrungen und Interessen aus meinem bisherigen beruflichen Leben wieder wunderbar einbringen kann. Für mich die perfekte Kombination.

Ihr habt also schon Erfahrung mit der Selbstständigkeit. Was ist das beste daran?

Nicole: Die Selbstbestimmtheit und das tägliche Abenteuer, Neues ausprobieren zu können.

Bianca: Genau, und das Bewusstsein, eigene Entscheidungen und Verantwortlichkeiten jeden Tag auf‘s Neue zu leben.

Und was bereitet euch die meisten Probleme?

Bianca: Nach einer langen Zeit im Anstellungsverhältnis war es schon gewöhnungsbedürftig, bestimmte Sicherheiten nicht mehr zu haben. Die Fragen von Freunden und Bekannten, ob ich mir das auch wirklich gut überlegt habe, waren dann halt auch nicht so einfach mit “ja” zu beantworten, da ich auch (fast) immer auf mein Bauchgefühl höre. Aber ja, ich habe es mir gut überlegt.

Nicole: Zu Beginn der Selbständigkeit fiel es mir schon schwer, vom Alten loszulassen. Ich war vorher fast 15 Jahre in ein und derselben Firma tätig. Da sind Gewohnheiten und Freundschaften entstanden. Aber die Neugier und der Tatendrang, etwas Neues aufzubauen, waren einfach stärker. Das einzige, wozu ich mich immer wieder disziplinieren muss in der Selbständigkeit, ist die Buchhaltung und irgendwelche bürokratischen Sachen. Aber das geht ja vielen so.

Was macht ihr als Ausgleich zu all den beruflichen Herausforderungen? Was ist euer Entspannungsrezept?

Nicole: Mein Ausgleich ist meine Familie, die mich immer wieder erdet und mich vollends unterstützt. Da ich vor Jahren mit meiner Familie aufs Land gezogen bin, haben wir einen riesigen Naturgarten mit einem Schwimmteich direkt vor der Haustür. Mehr Entspannung geht ja fast gar nicht. Und wenn der Stresslevel doch zu hoch ist, packen wir alle unsere sieben Sachen und entdecken in unserer Famikutsche – so nennen wir unser Wohnmobil – die Welt.

Bianca: Ich glaube, das ganze Leben ist eine Herausforderung – im positiven Sinne. Natürlich gibt es immer wieder Dinge, die mich ärgern oder die nicht so laufen, wie ich es mir vorstelle und dann versuche ich mir bewusst eine Auszeit zu nehmen, zum Nachdenken, Entspannen und um mich wieder auf all das Schöne und Gute in meinem Leben zu konzentrieren.

Was inspiriert euch?

Bianca: Ganz oft meine Kinder und die Art, wie sie die Welt sehen oder die Fragen, die sie stellen. Ansonsten gehe ich immer mit offenen Augen durch die Welt und dabei kommen häufig die besten Inspirationen, wenn man sie gar nicht erwartet.

Nicole: Ich bin ein leidenschaftlicher Netzwerker und lasse mich gerne von anderen Menschen und deren Geschichten inspirieren. Ich bewundere Menschen, die trotz aller Widerstände ihren Weg gehen, weil sie einfach nur an sich und ihre Vision glauben. Und genau das will ich jetzt auch so leben.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit eurem Projekt.

Foto: © Konstanze Wutschig

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