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Kolumne: Lieschen Müller aus Musterstadt

1. August 2016
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Kolumne

Lieschen Müller aus Musterstadt

 

Meine lieben Herren da oben,

hier schreibt ihre untergebene Lieschen Müller. Wie, Sie kennen mich nicht? Na dann schauen sie sich doch mal um, von mir gibt’s einen ganzen Haufen… Ach nee warte, in Ihrem Unternehmen ist mit 10% die Frauenquote ja schon längst erfüllt. Also nochmal auf Anfang.

Ich, Lieschen Müller, will ihnen einen kleinen subjektiven… ähhh ich meinte, objektiven Einblick einer jungen Frau mit Führungsambitionen in die äußerst männerdominierende – Sissy (Obacht Englisch!)-infiltrierte Arbeitsscheinwelt eines großen Unternehmenstankers geben.


Vorab, Jungs, bisher habt ihr einen soliden Job gemacht! Groß rausgekommen und ordentlich Kohle gescheffelt. Läuft – oder besser lief.

 


Aus dem Dornröschenschlaf wachgeschlagen, steht ihr nun da und schaut euch verdattert um weil die Welt leider nicht vor gefühlten 34.983 Millionen Jahren stehen geblieben, sondern munter an euch vorbei gezogen ist. Was da alles entwickelt wurde: Computer, das Internet, Smartphones, Elektrizität (das Biest!), emanzipierte Frauen etc..

Ich bin nicht hier, um euch eure diversen „Fehler“ vorzuhalten, das macht ihr schon genug in diversen Task Forces, Steering Groups oder ASSSGDE (AlteSäckeSchaukelnSichGegenseitigDieEier) Meetings und verwerft sie munter wie alle Innovationen, sondern euch zu zeigen WIE es hier ist, wenn man jung, ambitioniert und dazu auch noch eine Frau sein muss!

Ja, ihr sagt zwar „Mädel, bist doch hier in dem Laden aufgewachsen!“ …– Stimmt.  Und es gab auch Zeiten, wo ich dankbar dafür war, aber bei einer Sache habt ihr kläglich versagt, nämlich mich zu diesem kleinen, unaufmüpfigen, unscheinbaren Mädchen zu machen, wie ihr sie alle wollt und genug davon bereits rumlaufen! Ganz nach eurem Motto „Das haben wir schon IMMER so gemacht!“, muss man hier um weiter zu kommen entweder ein X-Chromosom zu wenig haben (bzw. das berühmte Y tragen), so aussehen wie ein XY Chromosomträger oder das liebe – süße – ohne eigene Meinung – seiende – Mädel von Nebenan sein! Und was man damit wird, wissen wir alle…

Aber natürlich, hier gibt es auch Frauen in der Führung. Zumindest ein paar. Die, die ich kenne, sind entweder halbe Kerle oder sehen so aus, hatten mal eine Affäre mit dem Chef oder waren/sind verheiratet mit diesem (kompetent sind davon sicherlich einige, nur der bittere Beigeschmack bleibt – wenn ihr wisst, was ich meine…) oder wurden von ihren männlichen Kollegen ins Burnout gemobbt (na und die zählen nicht mehr) oder…sind unfassbar kompetent und respektiert und gewertschätzt von ihren männlichen Mitstreitern – denkste! Es gibt sie hier sicherlich irgendwo versteckt in irgendwelchen dunklen Bereichen, nur eben nicht omnipräsent wie der ganze Rest dieser Oberaffenherde. Mit denen würde ich gerne mal einen Kaffee trinken gehen…

Meine Herren, auch wenn ihr sagt „Klassischer Fall von frustriertem hippeligen Hühnchen ohne Sitzfleisch“ (nein Jungs, das werde ich mir gar nicht erst ansitzen!), will ich meinen vielen ambitionsgetriebenen – noch nicht lethargischen – Mädels da draußen Mut zu sprechen, das egal wie unbeweglich stur, alt und fett die Hürde an Männern vor euch ist, nie nie niemals aufzugeben und rein zuhauen wo es geht (also bitte nicht physisch unbedingt)! Zeigen wir den alten platt gesessenen Managern da draußen mal, dass WIR – die Lieschen Müllers dieser Welt – viel mehr drauf haben als die WOLLEN!

In diesem Sinne: Willkommen in meiner stereotypischen Wunder-Unternehmenswelt von Vor-vor-vor-vor-vor-vor-vor-vor GESTERN!

Euer Lieschen Müller

Fortsetzung folgt…

 


Lieschen Müller kommt aus Musterstadt, wo sie ein musterhaftes Leben führt und brav ihrer täglichen musterhaften Arbeit nachgeht – schön wärs!

Kurz zu ihrer Bio (als wäre bei ihr irgendetwas kurz, wenn sie nur einmal anfängt zu reden oder schreiben…egal): Sie ist Ende 20 und schlägt sich nun seit fast einem Jahrzehnt bei einem großen deutschem Männergeführtem Unternehmen durch, inklusive  Ausbildung, Studium, unterfordernde Bereiche und ein paar Jahre im Ausland.

Jetzt sitzt sie in einem musterhaften Bereich mit einem mustergütlichem Chef (ganz nach dem Motto „Dienst nach Vorschrift und eine davon ist: Frauen bitte habt keine eigene Meinung!“) und da sie schon immer gerne redete, dramatisierte und aufmüpfig war gepaart mit ihrer Lust am Schreiben, wird sie euch einen kleinen feinen Einblick in ihre wundersame Welt geben.

Bildquelle: © Lieschen Müller

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  • Reply
    Lottchen Meier
    24. August 2016 at 15:45

    Liebes Lieschen,
    was für ein prima Start in den Tag – da krieg ich direkt Lust auf ne Portion Aufmüpfigkeit und darauf, mich im nächsten Meeting gleich mal ans Kopfende zu setzen und die Füße pompös aufn Tisch zu legen.
    Freue mich sehr auf weitere Berichte aus Musterstadt!

    Dein Lottchen Meier

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