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FORGESTELLT: Miriam Wohlfarth, Gründerin und Geschäftsführerin von RatePay

1. April 2016
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Miriam Wohlfarth:“Auch kleine Schritte können beflügeln“

Nach einer Karriere in der Tourismusbrache und im Vertrieb entschied sie sich 2009 das Wagnis der Gründung einzugehen – mit Erfolg. Denn heute ist Miriam Gründerin und Geschäftsführerin von RatePay, einem Berliner FinTech Unternehmen mit mehr als 80 Mitarbeitern. Sie ist eine beeindruckende Führungskraft, Mutter und Gründerin. Wir freuen uns darüber, mit Miriam in einem Telefoninterview über ihre Karriere und den Weg zum Erfolg gesprochen zu haben.

Du bist während deines beruflichen Werdegangs oft einfach Deinen eigenen Weg gegangen! War es hin und wieder schwer für Dich den nächsten Schritt zu wagen?

Miriam: Als ich etwa 20 Jahre alt war, habe ich mich davon gelöst immer das zu tun was das Umfeld von mir erwartet. Deswegen ist beruflich bei mir vieles von einem zum anderen gekommen. Obwohl mein Umfeld immer wieder Aussagen wie z.B. diese tätigten „Das ist doch so eine gute Arbeit.“, ließ ich mich nicht von meinem Weg abringen. Auch 2009, als die Idee zu RatePay im Raum stand habe ich mich nicht von meinem Weg abbringen lassen. Ich wollte gründen und das habe ich getan.

Was mir oft dabei hilft Entscheidungen zu treffen, ist mir selbst die Frage zu stellen: „Was kann ich verlieren?“. Oft ist es ausschließlich der Arbeitsplatz und das Einkommen, ich war mir bisher jedoch immer sicher einen anderen Job finden zu können, wenn ich das wollte. Deswegen habe ich den nächsten Schritt gewagt.

Hast Du dir selbst viel Druck gemacht in Hinblick auf Deine Karriere?

Miriam: Ich war schon immer entspannt, jedoch ehrgeizig und habe gerne Erfolg. Das treibt mich an und das ist ein schönes Gefühl. Ich habe nie gesagt, dass ein bestimmtes Ziel mein End-Ziel ist. Ich möchte für mich immer den nächsten Schritt gehen, der mich erfolgreich macht.

Vielleicht muss man ab und zu aber auch durch Zeiten gehen, in denen Durch- und Aushalten der Schlüssel zum Erfolg ist. Im ersten Jahr von RatePay standen wir beispielsweise ebenfalls unter einer extremen Drucksituation und im Gründerteam haben wir uns auch noch einmal verändert. Das war eine anstrengende Zeit, doch wenn wir damals aufgegeben hätten, wären wir heute nicht da wo wir sind.

 


Mein Rat: Auch kleine Schritte können beflügeln. Versucht trotz Ehrgeiz entspannt zu sein und durchzuhalten.


 

Was macht für Dich eine gute Führungskraft aus?

Miriam: Als Führungskraft sollte man eher Freund als Feind sein. Ich selbst sehe mich als Sparring Partner und unterstütze meine Mitarbeiter darin, selbständig Entscheidungen zu treffen. Deshalb arbeite ich gerne mit Mitarbeitern, die eigenverantwortlich arbeiten und kleine Unternehmer sind.

Außerdem arbeiten wir bei RatePay auf Augenhöhe miteinander und ich bin kein Kontrolleur. Wir haben Vertrauen ineinander und das bringt uns gemeinsam zum Erfolg.

Was sind deines Erachtens nach die größten Herausforderungen eines Leaders?

Miriam: Was mir persönlich schwer fällt, ist der Umgang mit schwierigen Mitarbeitern. Nicht alle Teammitglieder denken als Unternehmer oder gar „Das ist mein Baby“ und behandeln das Unternehmen auch so.

Wenn ich merke, dass das Verhalten oder auch die Leistung eines Mitarbeiters auf Kosten anderer gehen, bin ich konsequent. Direktes Feedback und Gespräche sind an dieser Stelle sehr wichtig. In letzter Instanz fällt es mir dennoch, auch emotional, schwer einen Mitarbeiter zu entlassen oder den Mitarbeiter in dieser Situation vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Und wie motiviert ihr bei RatePay die Mitarbeiter während des schnellen Wachstums?

Miriam: Früher in kleiner Runde konnte man schnell über alles sprechen. Auch Produktweiterentwicklungen haben wir früher zwischen Tür und Angel erzählt. Heute müssen wir für die Motivation, aber auch für eine Informationstransparenz mehr tun. Heute schaffen wir über eine professionelle interne Kommunikation für alle Mitarbeiter Transparenz und insbesondere Raum zur Diskussion. Deshalb finden inzwischen mehr Meetings statt, wir organisieren häufiger Strategieworkshops außerhalb des Unternehmens und auch gemeinsame Mittagessen. Das führt zu einer besseren Motivation, trotz Wachstum. Außerdem haben wir in Bezug auf die interne Kommunikation in den vergangenen Monaten eine separate Stelle geschaffen.

Und welche Rolle spielt das Thema Work-Life-Balance bei Euch?

© Miriam Wohlfarth

© Miriam Wohlfarth

Miriam: Wir arbeiten bei RatePay nicht 24/7. Das liegt vielleicht daran, dass wir 2009 als Gründer nicht ganz so jung waren. Meine Tochter war im Gründungsjahr 5 Jahre alt und als Mutter konnte ich von Anfang an nicht bis 23Uhr abends arbeiten, ansonsten hätte ich, oder auch meine Mitgründer, die Familie nicht mehr sehen können. Wir arbeiten deshalb meist bis 19Uhr. Aber ich glaube, dass man in 9 Stunden genauso gut und produktiv arbeiten kann wie in 12 Stunden. Meines Erachtens ist die eigene Priorisierung und Konzentration ausschlaggebend.

Wir arbeiten auch heute noch nicht 24/7 und bieten unseren Mitarbeitern flexible Arbeitszeitmodelle an. Das ist sehr wichtig für ein gutes Miteinander und ein erfolgreiches Unternehmen, dadurch fördern und unterstützen wir z.B. auch einige Frauen in Führungspositionen bei uns und bieten ihnen mehr Flexibilität.

Welche Rolle haben Netzwerke in Deiner bisherigen Karriere gespielt? Gab es hier insbesondere auch Unterstützung in Form von Frauen-Netzwerken?

Miriam: Frauennetzwerke gab es damals nicht wirklich. Ich habe viele „Männernetzwerke“ zu Hand gehabt, da ich in einer damals Männer dominierten Branche tätig war. Dieses Netzwerk hat mir auch beim Aufbau von RatePay geholfen.

Netzwerken Frauen anders als Männer?

Miriam: Ja und ich glaube Frauen können noch ein bisschen was von Männern lernen. Konkret bedeutet das, dass Frauen ihre Netzwerke besser nutzen sollten. Ich bekomme häufig die Anfrage von Männern ein „Intro“ zu machen oder sie mit meinem Netzwerk zusammenzubringen. Von Frauen leider nicht.

Deshalb finde ich es jedoch gut, wenn weitere Frauen-Netzwerke entstehen. Frau lernt sich besser auszutauschen und verliert vielleicht gewisse „Berührungsängste“.

Welche Ziele habt Ihr euch als Unternehmen für dieses Jahr gesetzt?

Miriam: In den letzten Jahren stand im Fokus ein Produkt zu bauen was richtig gut funktioniert und wir haben es erreicht, eine schwarze Null zu schreiben. Doch nur weil wir heute ein Produkt haben was sehr gut ist, bedeutet das nicht, dass dieses in 2 Jahren noch gut ist. Wir müssen innovativ bleiben und deshalb starten wir dieses Jahr mit der Internationalisierung und vielen Produktinnovationen.

Vielen Dank Miriam für das Interview!

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