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FORGESTELLT: Natascha Hoffner, Gründerin der HerCareer

29. September 2016
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Von der Intrapreneurin zur Entrepreneurin, im Interview mit Natascha Hoffner

Ein Auslöser für Nataschas Weg in die Selbständigkeit waren ihre Kinder und heute setzt Sie sich mit ihrem Unternehmen und dem Messeformat „HerCareer“ für die die Chancengleichheit von Frauen und Männern im beruflichen Kontext ein!

Natascha, Du bist Gründerin und Geschäftsführerin der messe.rocks GmbH – welche Gründe haben Dich dazu motiviert eine private Messegesellschaft zu gründen?

Natascha: In kürzester Zeit wurde aus mir aus der Intrapreneurin eine Entrepreneurin. Ich habe über 14 Jahre für eine private Messegesellschaft in Mannheim gearbeitet. Als ich dort vor 16 Jahren eingestiegen bin, war es selbst Teil einer Neugründung. Der damalige Gründer und Geschäftsführer hat mir bereits nach den ersten vier Wochen ein eigenes Projekt übergeben. Da war ich noch Auszubildende … Innerhalb kürzester Zeit hatte ich die Verantwortung für viele weitere Messeprojekte und Mitarbeiter und war an der Unternehmensentwicklung beteiligt. Meine Leistung überzeugte und der Gründer hat mich in die Geschäftsführung berufen. So weit so gut … Dann wurde ich schwanger, völlig ungeplant, und führte eine Fernbeziehung im über 400 km entfernten München. Damals war ich nicht bereit, alles, was ich mir bis dahin aufgebaut hatte, einfach aufzugeben und meinem Partner nach München zu folgen. Da hat mein Partner ohne Wenn und Aber gesagt, dass er den Job mit Kind und Elternzeit übernimmt. Ich war also die ersten drei Monate zu Hause und bin sonntags nach Mannheim gependelt und am Donnerstag wieder nach Hause. Meinem Mann bin ich wirklich dankbar, dass er mir das ermöglicht hat. Das war die ideale Lösung für uns.

Das zweite Kind folgte nur eineinhalb Jahre später. Eine Rückkehr zu meinem Arbeitgeber in Mannheim, der zwischenzeitlich Teil eines Konzerns geworden war, war nicht gegeben. Mit dem Auslaufen der Kündigungsfrist habe ich vier Monate später die messe.rocks GmbH angemeldet. Eine Selbstständigkeit hatte ich schon immer im Kopf… Aber wenn du einen Job hast, der dir mega Spaß macht und deine Arbeit geschätzt wird, dann ist der Ansporn nicht besonders hoch, ein regelmäßiges Gehalt gegen Unsicherheiten zu tauschen. Ohne meine beiden Kids hätte ich sicherlich nicht den Schritt gewagt, den ich bis heute nicht bereut habe.

Was waren die ersten Schritte, gab es Hürden?

Natascha: Die ersten Schritte? Klar, der Businessplan stand, die Bankengespräche liefen, ich hatte bereits die Zusage einer ehemaligen Kollegin, mir nach München zu folgen, die Webseite stand, eine Datenbank mit potenziellen Kunden war im Aufbau. Ich stand in nur wenigen Wochen zum Starten bereit. Aber es folgte einfach keine Zusage einer Bank. Ich hatte alle Mittel investiert, die ich besaß, hatte mein Netzwerk aktiviert, konnte über 14 Jahre Erfahrung in exakt dem gleichen Geschäftsmodell vorweisen und hatte europäische Leitmessen aufgebaut. Das hat mich schockiert, wie schwer es war oder auch immer noch ist, an Startkapital zu kommen. Die Förderung der Agentur für Arbeit habe ich in Anspruch nehmen dürfen, aber von den Förderbanken habe ich eine Absage erhalten. Und dann bin ich einfach gestartet, auch ohne feste Zusage … Zwischenzeitlich habe ich einen Kredit erhalten.

Wie groß ist Dein Team heute und wie würdest Du einen typischen Tagesablauf von Dir beschreiben? Gibt es diesen?

Natascha: Das Kernteam besteht aus Linda, der Projektleiterin, und Simone, der Projektassistentin, und natürlich aus mir. Unterstützt werden wir durch freie Mitarbeiter in der Grafik und der Presse und einer Reihe von Dienstleistern zur Durchführung der Messe im Bereich Technik und Standbau. Hier greife ich auf gute Kontakte und Netzwerke aus der Vergangenheit zurück.

Netzwerken ist das A und O. Das habe ich ganz besonders in der Selbstständigkeit gelernt. Netzwerken und auch der Vertrieb sind unsere Kernkompetenzen und die wichtigsten Säulen.


„Netzwerken ist das A und O. Das habe ich ganz besonders in der Selbstständigkeit gelernt.“


Selbstständigkeit, 2 Kinder und eine glückliche Partnerschaft – gibt es Deinerseits Geheimtipps, alles unter einen Hut zu bekommen, ohne sich dabei verrückt zu machen?

Natascha: Es geht mir und meiner Familie wirklich gut! Natürlich ist auch bei uns nicht immer alles Sonnenschein. Mein Mann weist mich hin und wieder freundlich darauf hin, dass jetzt mal Wochenende sei und ich die Firma Firma sein lassen sollte … Mein Mann unterstützt mich, wo er nur kann. Ich bin unglaublich glücklich darüber, dass ich ihn als Partner an meiner Seite weiß. Gerade auch, weil er sich voll und ganz in die Familie einbringt und mir bei meiner Selbstständigkeit den Rücken stärkt.

Der Schwerpunkt Eurer Arbeit liegt auf der „herCAREER“ – kannst Du in einem kurzen Satz beschreiben, was bei dieser Messe im Mittelpunkt steht?

Natascha: Die herCAREER ist aktuell unser Kernprojekt. Es geht uns darum, Netzwerke zu schaffen und Förderer und Unterstützer sichtbar zu machen. Diese stehen auch als Sparrringspartner zur Verfügung. Dabei wollen wir, dass die Teilnehmerinnen von den Erfahrungen und dem Wissen anderer Frauen und Männer profitieren. Wir setzen uns für die Chancengleichheit von Frauen und Männern im beruflichen Kontext ein. Dabei wollen wir zukünftig Frauen vom Jobeinstieg, -aufstieg , -wiederstieg und/oder bei der Gründung begleiten. Aber auch das Thema Vereinbarkeit soll nicht zu kurz kommen. Zum Beispiel wird auf der herCAREER von Allegra eine Diskussionsrunde organisiert rund um die 32-Stunden-Woche. Derzeit arbeiten die meisten Väter Vollzeit, ein Großteil der Mütter Teilzeit. Viele Eltern würden aber gerne ihre Familien- und Arbeitszeit gerechter aufteilen, zum Beispiel, dass jeder 32 Stunden arbeitet. Wie könnte so ein Modell in der Wirklichkeit aussehen? Was sagen Paare, die dieses Modell bereits praktizieren? Das wird eine spannende Diskussion. Dabei sind Petra Mackroth, Abteilungsleiterin Familie, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Martin Ehlert, Soziologe und Arbeitsmarktforscher, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und Anna Kaiser, Geschäftsführung, TANDEMPLOY.


„Wir setzen uns für die Chancengleichheit von Frauen und Männern im beruflichen Kontext ein.“


Wie entstand die Idee, eine Messe zur organisieren, die insbesondere Frauen und Karriere in den Mittelpunkt stellt?

Natascha: Es ist einfach nicht zu leugnen, dass Frauen hier in Deutschland bislang keine gleichen Chancen im Job haben. Über all die Jahre habe ich Fachmessen für das Personalmanagement verantwortet und war unter anderem für den Aufbau und das Wachstum Europas größter Fachmesse für Personalmanagement – die Zukunft Personal – verantwortlich. Zum Thema Personal hatte ich also vorab schon einen Bezug, insbesondere auch in Bezug auf Recruiting. Ich habe mich gefragt, warum es unsere Wirtschaft nicht schafft, diese tollen und vielfältigen Potenziale von Frauen für sich bzw. für das Unternehmen viel besser zu nutzen. Ich bin deshalb mit der Messe angetreten, um für Frauen und Familien, mit Männern und Entscheiderinnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik etwas zu bewegen und Frauen wie Männern den Rücken zu stärken, die sich für eine gerechtere Arbeitswelt einsetzen.

Welche Themen werden seitens der Unternehmen und auch seitens der Besucher ganz besonders nachgefragt?

Natascha: Gerade das Thema Digitalisierung nimmt einen großen Raum auf der Messe ein. Meiner persönlichen Meinung nach muss man hier aber etwas vorsichtig sein. Christiane Benner, Vizechefin der IG Metall hat es auf den Punkt gebracht mit den Worten „Frauen sind nicht die Arbeitsbienen der digitalen Welt“. So spannend die Digitalisierung und die digitale Transformation auch ist, die Unternehmen tun sich teilweise recht schwer, sich neu aufzustellen. Und es funktioniert auch nicht zwangsläufig in den alten Mustern und Strukturen. „9 to 5“ und starre Arbeitszeiten mit einer Präsenzkultur müssen dann auch einmal überdacht werden. Aber bitte nicht so, dass Mütter dann als Freelancer beschäftigt werden, rund um die Uhr arbeiten und dann doch alle anderen diejenigen sind, die Karriere machen.

Ansonsten bietet die herCAREER eine große Themenvielfalt. Da ist wirklich für jede und jeden etwas dabei: Das reicht von der Gründungsfinanzierung in einer Diskussionsrunde mit dem BMWi und Anna Alex von Outfittery, über die Frage, ob Gleichstellung Männersache ist, bis zum Thema Führung und Aufstieg.

Sind Männer auf der herCareer auch willkommen?

Natascha: Ja natürlich! Klar, es steht die Frau im Mittelpunkt, aber Männer können und müssen Frauen auch in ihrem beruflichen Vorankommen unterstützen, gerade beim Thema Vereinbarkeit. Wer hat denn bitte gesagt, dass das ein reines Frauenthema sein muss. Und mehr Frauen im Management? Das geht nur mit unseren Männern und nicht ohne sie.


„Und mehr Frauen im Management? Das geht nur mit unseren Männern und nicht ohne sie.“


Was war im letzten Jahr Dein ganz besonderes Highlight?

Natascha: Besonders das überaus positive Feedback unserer Besucherinnen. Damit hatte ich in dem Maße gar nicht gerechnet. Ganz besonders stolz sind wir natürlich über das vielseitige Commitment unserer Aussteller und Table Captains bei der angeschlossenen Netzwerkveranstaltung herCAREER@Night. Ich bin einfach stolz darauf, was wir der Kürze der Zeit auf die Beine gestellt haben und so viele Teilnehmerinnen gewinnen konnten, die sich für die weibliche Karriereplanung einbringen und sich selbst mit ihren Netzwerken und ihren eigenen Erfahrungen einbringen.

Und auf welche Programmpunkte freust Du Dich und Euer Team in diesem Jahr ganz besonders?

Natascha: Es gibt nicht den einen Punkt, der mir ganz besonders wichtig ist. Da gibt es ganz viele. Ein persönliches Anliegen ist mir aber tatsächlich die Diskussionsrunde zum Thema Gründungsfinanzierung mit dem BMWI, weil ich selbst erfahren musste, wie schwer es ist, an einen Kredit zu kommen. Und dann liegt mir natürlich die Gleichstellung am Herzen. Daher freue ich mich besonders auch auf die Diskussionsrunde mit dem Thema „Ist Gleichstellung Männersache?“ unter der Moderation der SZ mit Ralf Kleindiek, Staatssekretär aus dem Bundesfamilienministerium und Robert Franken, dem ehemaligen CEO von Chefkoch, erklärter Feminist und heute erfolgreicher Berater für Equality. Aber auch zahlreiche weitere tolle Persönlichkeiten wie Philosophin und Bestsellerautorin Rebekka Reinhard, Valerie Bönström, Gründerin des Franchiseunternehmens Mrs.Sporty und US-Konsulin Jennifer Gavito, die bereits Aufgaben im US-Außen- und Finanzministerium innehatte, sind dabei.
Das Programm ist unglaublich vielseitig. Besonders wichtig ist uns, dass der Eintrittspreis erschwinglich ist. Damit soll den Besucherinnen möglich sein, spannende Persönlichkeiten kennenzulernen, um so das persönliche Netzwerk zu erweitern und konkrete Hilfestellungen zu erhalten.

Vielen Dank liebe Natascha!

Wir ermöglichen Euch einen Tag freien Eintritt für die HerCareer, wenn Du dabei sein möchtest, kommentiere einfach diesen Beitrag und wir senden Dir deinen Gutscheincode via Email zu!

 

Bildquelle: © Sung-Hee Seewald

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  • Reply
    Synthia Demetriou
    5. Oktober 2016 at 11:38

    Eine sehr interessante Erfolgsgeschichte. Alles Gute weiterhin!

  • Reply
    Anja
    5. Oktober 2016 at 21:47

    Interessanter Beitrag. Ich würde die Messe gerne besuchen und freue mich über ein Ticket!

  • Reply
    Elena Tsakmakis
    9. Oktober 2016 at 15:12

    Die hercareer Messe letztes Jahr hat mich sehr inspiriert. Ich freue mich schon auf den Besuch dieses Jahr. Viele tolle Redner, die Vorbildcharakter haben. Weiter so!

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