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Ich bin nicht nur ein FEMpreneur

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durch mein Geschlecht

Ich bin ein Entrepreneur

Seit einigen Wochen bin ich nicht mehr Führungskraft im Angestelltenverhältnis und Teilzeit-Unternehmerin, sondern Gründerin und Unternehmerin. Am Ziel angekommen bin ich noch lange nicht, denn das Ziel ist es nicht Entrepreneur zu sein, sondern mit ArtNight ein super erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, mit einer außergewöhnlichen Unternehmenskultur und einem unvergesslichen Kundenerlebnis.

Seit vielen Monaten habe ich in meinen Tweets, meinen Facebook-Posts und in meinen Beiträgen das Wort “Fempreneur” gebraucht. Für mich selbst und für andere. Ich wollte ein “Fempreneur” sein, wollte dem “Fempreneur-Club” beitreten und Vorbild sein.

“What is in your opinion the difference between women and entrepreneurs?”

Die Interviews, die ich in den letzten Wochen gegeben habe, reduzieren sich meist auf ein Präfix – “Fem”. Die Fragen beziehen sich dabei (leider) häufig auf sexuelle Belästigung, die Wahl der Kleidung, Vorteile durch Attraktivität, Nachteile durch mein Geschlecht, oder wie ich es plane Kinder und Karriere zu vereinen (obwohl ich noch nicht mal welche habe). Fragen zum Erfolg, dem Business Model, meiner oder unserer Strategie bleiben häufig aus.

Ich bin kein Einzelfall. Ein aktueller Beitrag des World Economic Forums bestätigt das gleiche Phänomen in Interviews mit weiblichen CEO´s (siehe Infografik):

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Image: Rockefeller Foundation and Global Strategy Group

I Wanna Be An Entrepreneur

Ich will keine Sonderstellung wegen meines Geschlechts, weder im positiven oder im negativen Sinne. Ich will keinen Vor- oder Nachteil wegen meines Geschlechts. Obgleich ich als Fempreneur oder Entrepreneur bezeichnet werde, möchte ich relevante Fragen gestellt bekommen und diese beantworten dürfen.

Ja, wir brauchen auch eine Veränderung im Hinblick auf Unternehmensgründungen in Deutschland. Die Zahlen von männlichen vs. weiblichen Gründern ist unbefriedigend. Dafür benötigen wir insbesondere mehr Vorbilder. Doch um die Vorbilder bekannter zu machen, benötigen wir mehr Raum das Wichtige in den Vordergrund zu stellen.

Nichtsdestotrotz stellt sich mir die Frage, ob wir teilweise selbst dafür verantwortlich sind. Wieso schaffen wir uns Schubladen wie “Fempreneure” oder “Mompreneure” – diese gibt es bekannterweise nicht für Männer. Schaffen wir es so, die Sichtbarkeit von tollen Frauen zu erhöhen und wenn ja, lenken wir diese dann auf den richtigen Fokus “Fem” oder “Mom”? Geht es nicht darum, unabhängig des Geschlechts erfolgreich als Entrepreneur zu sein, Fragen in Bezug auf das Business oder das Privatleben bei beiden Geschlechtern anzugleichen? Und damit auch männliche Vorbilder zu schaffen in gewissen Bereichen?

Ja, wir können nun gegen Journalisten, Medien und Fragende wettern, doch was können wir selbst daran ändern? Wir gruppieren uns zu Sondergruppen, schaffen neue Wortschöpfungen die uns eine besondere Stellung geben, gruppieren uns sogar in spezifischen Branchen. Führt das wirklich dazu, Männer und Frauen auf Augenhöhe zusammenzubringen? Schaffen wir dadurch nicht auch eine gläserne Wand zwischen den Gechlechtern? Wäre es nicht an der Zeit Schubladen beiseite zu packen und das Wesentliche zu betrachten?

Lasst uns Entrepreneure sein.

Wir freuen uns über Eure Meinungen, Gedanken und Erfahrungen – kommentiert einfach diesen Beitrag.

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6 Kommentare

  1. Hallo Aimie,

    Kompliment für diesen klasse Beitrag. Es ist immer wieder er gleiche Teufelskreis: Indem wir Frauen unsere Weiblichkeit betonen (in diesem Fall aus unternehmerischer Sicht), werden wir darauf reduziert. Danke für deinen Einblick in die Interviews. Das Beispiel hat sehr gut verdeutlicht, was das Problem ist.

    Liebe Grüße aus Erfurt,
    Jessi

  2. Liebe Aimie,
    vielen Dank für deinen spannenden Text! Das Thema hat mich in den letzten Wochen auch stark beschäftigt – ausgelöst durch den Begriff “Powerfrau”, den wir alle so oft verwenden, aber niemals auf die Idee kämen “Powermann” zu sagen… ich bin auch dafür, diese selbstgewählten Schubladen aufzulösen und neue Wege auf Augenhöhe zu gehen. Ich selbst sehe mich auf dem Weg in die Selbstständigkeit als Entrepreneurin 🙂
    Ganz liebe Grüße!
    Theresa

  3. Liebe Aimie, danke für diesen zum Nachdenken anregenden Artikel! Mir geht es da ähnlich wie dir und dennoch glaube ich, dass beides Vor- und Nachteile hat. Die Nutzung solcher “Schubladen” betont natürlich das Besondere, macht es dadurch attraktiver für Berichterstattungen und sagt letztlich: Schaut, es gibt uns, die weiblichen Entrepreneure, oder die weiblichen Entrepreneure mit Kids. Das Thema bekommt somit das Mehr an gewünschter Aufmerksamkeit und das ist ja grundsätzlich sehr gut! Schwierig wird es dann, wie du beschreibst, wenn die Stereotypen von außen an einen heran getragen werden, wobei auch das differenziert zu betrachten ist. Während ich es durchaus immer wichtig und relevant finde, über mögliche Diskriminierung zu sprechen (einfach weil sie so häufig vorkommt), finde ich es z.B. schwierig, über Persönliches wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefragt zu werden. Sicher ist das für viele ein Thema, und wer möchte, sollte auch darüber sprechen. Aber wenn man das zu privat findet, oder einfach nicht relevant, dann kann man es sicher auch genau so ggü. den Journalisten, Medien und Fragenden verlauten. Es ist, wie du richtig sagst, an einem selbst die Wahrnehmung und Debatte zu formen. Und das kann ganz direkt im Rahmen von Interviews sein, indem man auch mal sagt: Vielen Dank für die Frage, tatsächlich ist das für mich gar kein so relevantes Thema. Worüber ich mir momentan viel mehr Gedanken mache ist, wie ich meine selbst gesteckten Business-Ziele erreiche. Gerne erzähle ich darüber mehr… oder eben so ähnlich. 😉 Letztlich ist es sicher auch eine sehr persönliche Entscheidung… ich habe von mir selbst glaube ich nie als Fempreneur gesprochen, sondern immer als Unternehmerin. Aber trotzdem habe ich mein Geschlecht nicht komplett ausgeblendet, sondern es im Storytelling um mein Gründer-Dasein und mein Unternehmen mit eingeflochten – für das mehr an Aufmerksamkeit etc. Es hilft auf jeden Fall, bei dem Thema immer eine gewisse Sensibilität zu haben, und wenn man das Gefühl hat, dass man zu sehr in eine Ecke gedrängt wird, dann sollte man das meiner Meinung nach auch unbedingt ansprechen und aufzeigen. Liebe Grüße, Jule

    • Liebe Jule, vielen Dank für Deinen Beitrag und dafür dass Du Deine Erfahrungen teilst, das ist wichtig und bringt uns voran! Die ultimative Lösung kenne ich nicht und freue mich, wenn jeder von uns anfängt einen kleinen Unterschied zu machen und damit eine Veränderung in der Wahrnehmung hervorruft!

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