PORTRAITS Weitere Beiträge

FORGESTELLT: Penelope Kemekenidou, Activist, Artivist und der Meinung, dass jede*r unsere Gesellschaft positiv beeinflussen kann!

20. Juli 2016
Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedinmailby feather

Penelope Kemekenidou: „Wir haben ein Recht darauf angepisst zu sein, so ist das einfach, und das kann man auch mal rauslassen.“

Penelope Kemekenidou bezeichnet sich selbst als Activist und Artivist und setzt sich aktiv für Frauenrechte ein.  Sie ist der Meinung „Jede*r kann unsere Gesellschaft beeinflussen, und es wäre schön wenn das noch viel stärker ins Bewusstein der Leute gehen würde.

Sie selbst ist stellvertretender Vorstand vom Gender Equality Media e.V., Social Media Managerin bei Stop BILD Sexism, macht gerade ihren Dr. an der LMU in München und startete die Petition zur Senkung der Tamponsteuer in Deutschland. Sie machte so darauf aufmerksam, dass 19 Prozent Steuern auf Tampons bezahlt werden müssen, obwohl in Deutschland auf für den täglichen Gebrauch notwendige Produkte, wie z.B. Schnittblumen oder Trüffel nur 7 Prozent Steuern abverlangen.

Wir wollen Euch Penelope gerne vorstellen:

Liebe Penelope, welche 3 Wörter beschreiben Dich am Besten?

Penelope Kemekenidou: Energisch // chaotisch // idealistisch

Auf was möchtest Du am Morgen nicht verzichten? Und wie gestaltet sich dann in der Regel Dein Tag?

Penelope Kemekenidou: Da zitiere ich einfach mal Lorelai Gilmore: Coffeecoffeecoffee!

Sonntags zu Besuch bei den Großeltern – wie beschreibst Du das, was Du beruflich machst?

Penelope Kemekenidou: Ich versuche unsere Gesellschaft für alle ein Stück fairer zu machen und ja, das geht zu Teil auch von zuhause aus!

Du bezeichnest Dich selbst als „activist“ und „artivist“, was heißt das für Dich?

Penelope Kemekenidou: Gesellschaftlichen Wandel schafft man zuallererst dadurch dass man seine Umgebung nicht nur auf intellektueller Ebene, sondern auch über die emotionale Ebene packt.

Aktivisten schaffen es dass man nicht nur versteht warum es zum Beispiel schlecht ist Kleidung aus sweatshops zu kaufen – sie schaffen emotionale Betroffenheit, und die ist es, die langfristige Verhaltensänderungen bewirkt.

Kunst wiederum ist ideal um diese Art von Kontakt zu den Menschen herzustellen – artivism schließt genau da an.

Und wie wird man zur Aktivistin?

Penelope Kemekenidou: Erst einmal: Herausfinden was einen so stört. Sich eins (!) dieser Dinge heraussuchen – sonst wird man irre – und Gruppe suchen. 
In seltensten Fällen muss man von null und ganz alleine anfangen; und zumindest als starting point und um sich zu vernetzen sind schon bestehende Gruppen perfekt.

Hast Du für Dich persönlich eine Vision, die Du mit Deinem Tun verfolgst?

Penelope Kemekenidou: Es ist zum Teil ein innerer drive den man sowieso nicht abstellen kann – ich bin gelassener solange ich weiß dass ich irgendetwas mache, sei es noch so klein.
Die Vision dahinter wäre aber vielleicht ein Bewusstein dafür zu schaffen dass nichts in Stein gemeißelt ist. Unsere Ideen, Meinungen, eigentlich alles, sind Teil einer Sozialisierung die im steten Wandel ist. Jede*r kann unsere Gesellschaft beeinflussen, und es wäre schön wenn das noch viel stärker ins Bewusstein der Leute gehen würde.


„Unsere Ideen, Meinungen, eigentlich alles, sind Teil einer Sozialisierung die im steten Wandel ist.“


Als Feministin bist Du selbst aktiv bei „StopBILDSexsim“ was steckt dahinter?

Penelope Kemekenidou: Medialer Sexismus trägt dazu bei dass patriarchale Machtstrukturen als auch Gewalt gegen Frauen in unserer Gesellschaft normalisiert, als auch am Leben gehalten wird.
Die Bild-Zeitung ist die auflagenstärkste Zeitung Europas, ihr Einfluss auf unsere Gesellschaft damit kaum abstreitbar – dennoch schafft es Tanit Koch ein Blatt drucken zu lassen in dem Vergewaltigung oft als „Sex-Falle“ betitelt wird; ein Vergewaltiger wird schnell zum „Sex-Gangster“ und die Tat selbst zum „Sex-Krimi.“ 
Eine Vergewaltigung ist sicherlich kein „Krimi,“ ein Wort das auch den Ausblick auf Entertainment für den Leser in Aussicht stellt – Vergewaltigung ist niemals Sex; diese Art von Verharmlosung muss aufhören.

Außerdem hast Du zu Beginn des Jahres in Deutschland eine Petition zur Senkung der Tamponsteuer von 19% auf 7% gestartet im Rahmen einer europaweiten Kampagne. Was habt ihr bis heute erreicht? Und welche Rolle spielt dabei Bloodties.org?

Penelope Kemekenidou: Wir haben es geschafft dass das Thema „gender pricing“ und „pink tax“ wieder in die deutschen Medien kommt – und damit auch überhaupt wieder das Thema Frauen und Geld in Deutschland. 
Frauen verdienen im Durchschnitt weniger und müssen mehr für ihre Produkte und Dienstleistungen zahlen. Das muss nicht so sein und gerade im Fall von bestimmten Produkten kann man als Verbraucher schon selbst viel ändern.
Unsere Seite fokussiert sich hingegen ganz auf das Thema Periode – wir zeigen für den Fall Deutschland alternative Produkte zu Tampons auf, informieren aber auch über den Zustand auf der ganzen Welt. In einigen Ländern dürfen Mädchen während ihrer Periode, da sie dann als „schmutzig“ gelten, nicht in die Schule. Das hat zur Folge dass sie im Jahr im Durchschnitt 1/3 des Unterrichts verpassen und deswegen selten den Abschluss schaffen. Das ist unfassbar für das 21.Jahrhundert und kann und muss so nicht akzeptiert werden.



“Frauen verdienen im Durchschnitt weniger und müssen mehr für ihre Produkte und Dienstleistungen zahlen. Das muss nicht so sein und gerade im Fall von bestimmten Produkten kann man als Verbraucher schon selbst viel ändern.“


Würdest Du insgesamt sagen dass wir Frauen noch „zu leise“ sind und Vieles einfach hinnehmen anstatt aktiv zu werden?

Penelope Kemekenidou: Frauen* beziehungsweise Mädchen wird schon von früh auf anerzogen leise, rücksichtsvoll und überhaupt empathischer zu sein; sich das wieder abzutrainieren ist schwer, für manche kaum komplett ablegbar. Wenn wir dann doch laut werden, ja, dann sind wir hysterisch, unsere Erfahrungen werden relativiert, kleingemacht, zum Teil einfach ignoriert; „ghosting“ nennt man das in der Fachsprache.
Also ja, ich plädiere stark dafür dass man als Frau* öfter mal lauter werden sollte. Und wenn es mal eine andere um einen herum werden sollte, diese auch zu unterstützen. Wir haben ein Recht darauf angepisst zu sein, so ist das einfach, und das kann man auch mal rauslassen.


„Wir haben ein Recht darauf angepisst zu sein, so ist das einfach, und das kann man auch mal rauslassen.“


Wir von FIELFALT wollen insbesondere Frauen als Individuum stärken mehr zu wagen und sich selbst zu verwirklichen nach dem Motto „Wenn Du etwas ändern willst, fang selbst bei Dir an“. Warum glaubst Du scheuen sich einige Frauen heutzutage noch selbstbewusst und selbstbestimmt durch´s Leben zu gehen und welche Hürden begegnen Dir in unserer Gesellschaft?

Penelope Kemekenidou: Weil self-care für die meisten Frauen* zuallererst immer eins bedeutet: Egoismus. Auch das hat wieder mit der Art und Weise zu tun wie wir erzogen wurden. Bis vor kurzem war auch noch die Definition von Mutterliebe „aufopfernde Liebe einer Mutter zum Kind,“ beim Vater stand da: „Mutter eines Vaters zum Kind“. Sagt doch schon alles. 
Ich kenne viele engagierte und auch recht laute Frauen, die lautstark für eine Sache einstehen – solange diese sie nicht selbst bevorteilt. Die meisten sind schnell dabei wenn es um Tierschutz, soziale Projekte im Ausland, oder ähnliches geht; ich persönlich sehe dann aber einen starken Kontrast dazu wenn es darum geht für etwas einzustehen dass auch einem selbst nützt.
Wir nagen ja noch nicht am Hungertod, wir dürfen ja überhaupt arbeiten. Und die Vergewaltigungen sind ja jetzt auch nicht so krass viele und schlimm wie zum Beispiel in Indien, also wieso sollten wir hier von rape culture sprechen.

Was dabei immer mitschwingt, aber eigentlich nie laut gesagt wird: Die Messlatte hier, das sind andere Frauen, in anderen Ländern – nicht Männer in Deutschland. Ganz unbewusst disqualifizieren wir uns da schon selbst und sagen dass wir als Frauen genug haben, beziehungsweise so viel, dass wir uns nicht beschweren dürfen.


„Was dabei immer mitschwingt, aber eigentlich nie laut gesagt wird: Die Messlatte hier, das sind andere Frauen, in anderen Ländern – nicht Männer in Deutschland.“


Zum Schluss: Was würdest Du gerne im nächsten halben Jahr wagen?

Penelope Kemekenidou: Eine Kunstaktion die schon sehr lange in der Schublade liegt – Zeit wird’s und wenn nicht jetzt, wann dann!

Veranstaltungshinweis:

„Frauen nur als Deko – Sexismus in den Medien“, am 28.09.2016 in Berlin von 11:00 – 16:30 Uhr! Weitere Infos unter: http://www.fes.de/forumpug/inhalt/documents/FES_SexismMedien.pdf

Werde jetzt Teil unserer Online-Community und erhalte Dein persönliches Matching:

Registrieren!

Bildquelle: © Penelope Kemekenidou

Facebooktwitterinstagramby feather

    Leave a Reply