INSPIRATION, Weitere Beiträge
Kommentare 3

Wir brauchen mehr Roman-Heldinnen

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedinmailby feather

Roman-Heldinnen

begeistern Leser (und Leserinnen) seit Jahrhunderten.

Meistens sind es einfache Leute ohne großen finanziellen oder ehrenwerten Hintergrund, die sich durch Mut, Geschick und Intelligenz allen Hindernissen widersetzen und zum Helden werden. Solche Figuren liefern gutes Identifikationspotenzial und lassen die Leserschaft mitfiebern, mitleiden und mittriumphieren.

Ob klassische Helden wie David Copperfield, Robinson Crusoe, Peter Pan oder Huckleberry Finn oder neuere Gestalten wie Harry Potter, Kurt Wallander oder Frodo Beutlin (und acht Geäfhrten) – eins haben die meisten bekannten Helden gemeinsam: sie sind alle männlich. Weibliche Protagonisten tauchen oftmals nur als unterstützende Randfigur oder Love Interest des Helden auf. Schade!

Starke Frauen in der Literatur

Auf keinen Fall denke ich, dass das Bild einer „starken Frau“  erzwungen werden sollte. Ich lese selbst gerne auch Romane mit männlichen Figuren. Allerdings bin ich der Meinung, dass tollen und komplexen Protagonistinnen mehr Raum gegeben werden sollte, sich zu entwickeln statt automatisch dem Mann die Heldenrolle zuzuschreiben.

Aus diesem Grund habe ich eine völlig subjektive Liste erstellt mit Romanen, in denen mir die weiblichen Figuren besonders gut gefallen haben. Ich habe einfach gesammelt, was mir als eingefallen ist. Auffallend sind – erstmal wertfrei – zwei Dinge: Erstens landen erstaunlicherweise viele Kinder- und Jugendbücher auf der Liste. Und zweitens sind der Löwenanteil dieser Romane von Frauen geschrieben. Aber seht selbst:

Katniss und Prim Everdeen – Tribute von Panem (Suzanne Collins)

Die Hunger Games ist sicherlich eine der am meisten gehypte Roman- und Filmreihe der letzten Jahre. Zu Recht, wie ich finde. Die Geschichte ist eine spannende und psychologisch interessante Gesellschafts- und Medienkritik. Die Bücher haben mir schon vor über sechs Jahren auch aufgrund der glaubwürdigen weiblichen Protagonistinnen gut gefallen. Während Katniss das Bild einer starken, furchtlosen Heldin heraufbeschwört, hat sie doch stark mit inneren Dämonen zu kämpfen und handelt nicht immer rein moralisch. Besonders gut gefallen hat mir sowohl in den Büchern als auch in den Filmen aber auch ihre vordergründig unscheinbare kleine Schwester Prim, die still und geduldig im Hintergrund agiert und furchtlos Verletzte versorgt, ohne im Rampenlicht zu stehen.

Thursday Next – The Eyre Affair (Jasper Fforde)

Die Thursday Next-Reihe von Jasper Fforde ist aus vielen Gründen sehr zu empfehlen. Das englische Buchcover beschreibt ganz treffend eine Mischung aus „Harry Potter, Stephen Hawking, Monthy Python, Miss Marple and Buffy the Vampire Slayer with its own quirky charm“. Dennoch ist vor allem die Hauptfigur Thursday Next bemerkenswert, die als Agentin der „LiteraTecs“ auf außergewöhnliche Weise die Welt rettet, in dem sie u.a. in dem Roman „Jane Eyre“ einen üblen Schurken jagt und dabei  jede Menge verrückte Sachen erlebt. Thursday hat nicht nur im (fiktiven) Krim-Krieg als Soldatin gekämpft, sie ist auch als Agentin furchtlos, geschickt und selbstbestimmt mit einer ordentlichen Portion Witz. Dass sie aber ebenfalls mit Albträumen, Einsamkeit und Selbstzweifeln zu kämpfen hat, macht sie nicht nur authentisch, sondern auch überaus sympathisch.

Hermine Granger – Harry Potter (Joanne K. Rowling)

Klar, Protagonist der wohl erfolgreichsten Roman-Serie der letzten 20 Jahre ist natürlich eigentlich der namensgebende Harry Potter. Ich habe den zwar mutigen, aber auch selbstmitleidigen Harry aber immer als etwas nervig empfunden. Geben wir es zu: wahre Heldin der Romanreihe ist eindeutig Hermine, die nicht nur mit Ehrgeiz und Talent gesegnet ist und ihren Freunden eigentlich immer mit dem richtigen Zauberspruch aus der Patsche hilft. Sie hat das Herz am richtigen Fleck und vergisst trotz eines hohen Lernpensums und ihrer strengen Prinzipien nicht, ihren Freunden zu helfen. Zudem sorgt sie (teilweise unfreiwillig) für jede Menge Witz und zunehmend auch für den Coolness-Faktor. Ohne Hermine würden nicht nur Harry und Ron ziemlich dumm aus der Wäsche gucken, die Bücher hätten auch sehr viel ihres Charmes eingebüßt. Interessante, vielschichtige Figuren sind in Harry Potter zuhauf zu finden. Beispiele sind Luna Lovegood, Neville Longbottom, Severus Snape und Minerva McGonagall, aber auch Albus Dumbledore und Draco Malfoy.

Roman

Elizabeth Bennett – Stolz und Vorurteil (Jane Austen)

Der Klassiker in dieser Liste darf natürlich auch nicht fehlen. Natürlich rebellieren die Hauptfiguren von Jane Austen (übrigens fast ausnahmslos weiblich) aus heutiger Sicht natürlich nicht komplett gegen die gesellschaftlichen Missstände. Aber im Zeitkontext gesehen sind Elizabeth Bennett und Co. starke Persönlichkeiten, die selbst denken, selbstbestimmt handeln und damit deutliche Gesellschaftskritik durchblicken lassen. Sicherlich darf man aber auch nicht außer Acht lassen, dass die Charaktere den Hintergrund einer einigermaßen gut situierten Familiensituation genießen und sich dadurch diesen „Luxus“ leisten können, aber dennoch: für die damalige Zeit beinahe ein Skandal. Elizabeth Bennett ist dabei der häufig genannte Prototyp: selbstbewusst mit Selbstachtung, aber liebenswert und höchst hilfsbereit.

Alanna von Trebond – Alanna (Tamora Pierce)

Zugegeben – die Fantasy-Reihe Alanna ist ein kleines bisschen trashig, aber trotzdem sehr unterhaltsam und spannend. Sie handelt von einem jungen Mädchen, das Ritter werden möchte und sich kurzerhand am Hof des Königs als männlichen Knappen Alan ausgibt. Natürlich kann sie diese Tarnung nicht ewig aufrechterhalten. So schlägt sie sich wacker im männerdominierten Mittelalter durch alle Hindernisse, bekämpft als erste Ritterin an der Seite des Prinzen böse Magier und erarbeitet sich einen hervorragenden Ruf. Auf dem Weg dahin muss sie jedoch mit jeder Menge Ärger, Gefühlen und eigenen Zweifeln herumschlagen und erleidet viele Rückschläge. Auf jeden Fall eine kurzweilige Jugendbuchreihe mit Botschaft.

Pippi Langstrumpf – Pippi Langstrumpf (Astrid Lindgren)

Natürlich darf bei einer Reihe über starke Frauen auch Pippi Langstrumpf nicht fehlen – quasi der Prototyp der weiblichen Kinderbuchhelden. Nicht nur körperlich stark, sondern auch selbstständig, innovativ und mit klugem Kopf und frechem Mundwerk stellt sie das Schweden der 30er Jahre, die feine Gesellschaft und die Polizei gehörig auf den Kopf und tut dabei jede Menge Gutes. Astrid Lindgren ist für ihre liberalen Ansichten bekannt. Das spiegelt sich auch in ihren andere Protagonisten wider, z.B. die widerspenstige Ronja Räubertochter, die zwei verfeindete Familien vereint oder die trotzige Lotta, die doch immer wieder die Welt in Ordnung bringt. Natürlich gibt es im Astrid-Lindgren-Universum auch jede Menge toller Jungenfiguren, aber eben das bestärkt auch ihre Ansichten von Gleichberechtigung.

Pony Hütchen – Emil und die Detektive (Erich Kästner)

Auch in diesem Fall ist der namensgebende Titelheld natürlich ein aufgeweckter Junge. Aber dennoch ist Emil ein naives Landei, der sich im Zug das Geld klauen lässt. Und seien wir doch mal ehrlich: ohne seine toughe Cousine Pony Hütchen, die sich in der Großstadt Berlin auskennt, hätte er es bestimmt nicht wiedergesehen. Denn auch wenn Pony Hütchen das einzige Mädchen in der gesamten Clique ist, hat sie dort doch sprichwörtlich ziemlich die Hosen an – vergisst aber auch nicht, sich rollengerecht für die 30er Jahre zuhause sittsam zu benehmen und der Oma beizustehen.

Jane Marple – Miss Marple (Agatha Christie)

Natürlich darf in dieser Liste auch der Inbegriff aller Frauenpower nicht fehlen. Miss Jane Marple, eine rüstige ältere und durchaus britische Dame, die es in sich hat und der (etwas unfähigen) Polizei immer wieder zeigt, wo der Hammer hängt. Sie zeigt nicht nur einen klugen Kopf und ein Feingefühl für Verbrechen, sondern auch jede Menge Tatkraft und Mut, wenn sie sich immer wieder mitten in die Höhle der Löwen begibt. Gerade diese Mischung gepaart mit einer großen Portion Charme, frechen Sprüchen und raffinierten Kriminalfällen machen Miss Marple zu einem zeitlosen Lesevergnügen und hat auch heute angesichts des demographischen Wandels auf keinen Fall an Relevanz verloren. So stellt Miss Marple ein hervorragendes Vorbild als selbstständige Frau in einer männerdominierten Welt.

Momo – Momo (Michael Ende)

Zuletzt beweist Momo, dass Heldinnen nicht immer vordergründig stark und tough sein müssen. Gerade durch Sanftmut, Hilfsbereitschaft, die Fähigkeit zuzuhören und Integrität, besiegt die stille Momo die grauen Herren ohne viel Action. Gerade die arme und verwahrloste Momo hat als einzige verstanden, was wirklich wichtig ist. Für mich in der heutigen schnelllebigen Gesellschaft immer noch ein Roman mit einer wertvollen Botschaft.

Sicherlich kann diese Liste noch beliebig erweitert werden. Sie soll nur einen persönlichen Einblick geben, welche weiblichen Figuren mich besonders beeindruckt haben. Ich freue mich über Ergänzungen und Anmerkungen in den Kommentaren.

Erzählt uns von euren persönlichen Roman-Heldinnen!

Bildquelle: © pixabay.com

Lust auf unseren Newsletter?

Facebooktwitterinstagramby feather

3 Kommentare

  1. Ich werfe mal meinen Lieblingsautoren Friedrich Dürrenmatt in die Runde, der – was viele nicht wissen – einige starke (mitunter sogar monströs starke) Frauenfiguren geschaffen hat. Mich hat dieser Umstand so sehr fasziniert, dass ich darüber meine Bachelorarbeit geschrieben haben 🙂

    Eine tolle Liste, liebe Kristina, die direkt Lust macht, ein Buch in die Hand zu nehmen,

    Viele Grüße,
    Jessi

    • Vielen Dank 🙂 Dürrenmatt ist super, aber an Frauenfiguren kenne ich von ihm nur “die alte Dame” – die ist allerdings ziemlich klasse. Spannendes Thema für eine Bachelorarbeit! An welche Protagonistinnen hattest du konkret gedacht?

  2. Morle sagt

    Mir fällt – passend zu der Erkenntnis mit den Kinderbüchern – noch “Anne auf Green Gables” ein. Anne war mir direkt sympathisch, da sie nicht einseitig geschildert ist, sodern viele unterschiedliche – nicht nur positive – Eigenschaften hat und deswegen lebendig wirkt.
    Von mir auch noch ein Lob für den Artikel und die Zusammenstellung. Es ist doch sehr interessant, welche Bücher einem einfallen und welche auch nicht, wenn man sich Gedanken zu dem Thema macht. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.