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Selbst und das ständig, ich würde es jederzeit wieder tun

6. Oktober 2016
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Selbst und das ständig

Gastbeitrag von Nicole Adami

Oder: Aller Anfang ist schön!

18 Monate Selbstständigkeit als freiberufliche Journalistin, Texterin und Kommunikationsberaterin sind im Nu verflogen. Heute ziehe ich Bilanz – schaue zurück, auf das was war. Will wissen, wie er sich denn nun entwickelt hat, dieser „mutige Schritt“, den ich nach Meinung vieler Freunde und ehemaliger Kollegen mit meinem Aufbruch in die Freiberuflichkeit gegangen bin. Dabei bin ich eigentlich kein außergewöhnlich mutiges Persönchen. Meine Lieblingsmenschen können ein Lied davon singen, wenn ich beispielsweise vor jedem neuen Flug wieder mit skeptischer Miene bekunde, welch ein großes Wunder und Abenteuer diese Luftfahrt doch noch immer für mich ist (und sich dabei ein paar winzig kleine, nasse Angstschweißtröpfchen in meinen Handflächen bilden). Nicht gerade die besten Voraussetzungen für jemanden, dessen beruflicher Schwerpunkt auf „Reise & Tourismus“ liegt 🙂

Was bisher geschah

Der Aufbruch in die Selbstständigkeit war für mich aber viel weniger mutig, als das Fliegen. Viel weniger mutig, als das Tauchen mit Schwarzspitzenhaien auf den Malediven damals. Viel weniger mutig, als vielmehr befreiend. Gerade die Freiheit und Neugier waren eigentlich die größten Fürsprecher, meinen 9-Stunden-am-Tag-5-Tage-die-Woche-Plus-Überstunden-Job in einer Münchner PR-Agentur aufzugeben, um stattdessen selbst meinen Kurs und damit meine eigene Reise zu bestimmen.
Auch ist es nicht so, dass ich große Investitionen hätte tätigen müssen – etwa Trockenhauben anschaffen, wie ein Frisör, oder eine teure Hebebühne, wie ein Mechaniker. Nein, alles was ich brauchte, waren zunächst ein Tisch, ein Stuhl, mein Laptop, das Internet und – am wichtigsten – meine persönliche Motivation und Kreativität. So kündigte ich also meinen sicheren Vollzeitjob als fest angestellte PR-Beraterin und ließ die Komfortzone endgültig hinter mir. Es folgten viele Wochen der Neuorientierung, in denen ich mich bei diversen Start-Up-Zentren herumtrieb, meinen Businessplan schrieb, eine Standleitung zum Steuerberater hatte, Gründerseminare besuchte, Versicherungsdetails klärte, Ordnerstrukturen und Buchhaltungstabellen anlegte, viel las und netzwerkte. Nebenbei half ich in der Redaktion eines früheren Arbeitgebers aus, was mir mein Grundeinkommen sicherte. So wurde der Traum vom freiberuflichen Arbeiten immer größer und greifbarer und nahm erste konkrete Züge an.

Von ToDo-Listen und Diva-Druckern

Nach dem ersten halben Jahr war es schließlich soweit und der Gründungsstartschuss für meine Selbstständigkeit offiziell gefallen. „Nicole Adami – text & travel“ stand erstmals auf eigenen Beinen. Nach wochenlanger persönlicher Akquise, vielen Telefonaten und Emails hatte ich auch schon die ersten Aufträge abgewickelt, diverse Artikel von mir waren deutschlandweit in Zeitungen, Zeitschriften und auf Online-Portalen erschienen und mein Name wurde langsam bekannter. Allerdings wuchs auch meine ToDo-Liste – und zwar ungefähr in gleicher Relation wie der Poststapel auf meinem Schreibtisch. Der Laptop wurde zu meinem ständigen Begleiter – ganz gleich ob im Gründerseminar, Co-Working-Space oder Café um die Ecke. Mein Mann bezeichnet mich seither als „Tab-Messie“, weil ich niemals – niemals (!!) – meinen Browser öffnen kann, ohne dass innerhalb der ersten zwei Minuten mindestens drei Fenster mit jeweils circa 20 verschiedenen Tabs aufgehen. Hier habe ich Hintergrundinfos zur Selbstständigkeit, Artikel, die ich noch lesen möchte, Social Media Sites sowie diverse Recherche- und Analyse-Tools offen. Ich bin ein absoluter Multi-Tasking-Freak geworden (die Grundeignung dafür habe ich ja bereits in der Agentur unter Beweis stellen müssen) und sitze auch bis spät abends noch vor meiner „Kiste“. Insbesondere die Erstellung einer eigenen Website ist nichts, was man einfach aus dem Ärmel schüttelt. Es bedarf genauer Planung, präziser Worte und vor allem einen geduldigen Mann (bestenfalls mit einem gewissen Maß an IT-Kenntnissen ;-). Doch auch, wenn es Durststrecken gibt, die natürlich gerade am Anfang an den Nerven zehren können, wenn die Selbstständigkeit manchmal alles Tun und Handeln einnimmt und mich bis in die Nacht hinein wach hält, wenn mein Drucker mal wieder zur Diva wird und jeglichen Dienst verweigert, und selbst, wenn zeitweise der einzige Kontakt zur Außenwelt über Skype vonstatten geht – auch dann war die Selbstständigkeit die beste Entscheidung, die ich treffen konnte!

Habenseite: Eine Freiheit wie diese

Sich den Tag selbst einzuteilen, auch mal einen sonnigen Nachmittag im Freien zu nutzen und dafür am Abend zu arbeiten, nicht mehr der Spielball zwischen Agentur, Kunden und Medienseite zu sein, generell nur noch Auftraggeber zu akzeptieren, für die mein Herz wirklich schlägt – all dies sind eindeutig Pluspunkte, die meinen Alltag bereichern. Ich bin jetzt mein eigener Chef und muss es damit „nur“ noch mir recht machen (und dabei stelle ich weiß Gott nicht die geringsten Ansprüche!). Zu den absoluten Highlights meines Jobs gehört aber auch die Freiheit, nicht immer von München aus arbeiten zu müssen. So habe ich vor kurzem eine Woche in Florenz verbracht und ein berufliches Projekt mit einem privaten Städtetrip verbunden.

Mein Fazit: Die Umsetzung eines Gründungsvorhabens ist sicher kein Pappenstiel und man kann bestimmt nur in den allerwenigsten Fällen davon ausgehen, dass einem die reifen Früchte einfach kopfüber in den Mund wachsen. Die Finanzen müssen immer gut im Blick behalten und Rücklagen sorgsam behandelt werden. Gerade am Anfang braucht man zudem Nerven, Ausdauer und mitunter ein gutes Gespür dafür, wann es sich lohnt, auch ein zweites oder drittes Mal an einer Tür zu klopfen. Allem voran sind aber Geduld, Herz, Verstand und das Vertrauen auf das eigene Können vonnöten. Denn wenn man erst die ersten Aufträge an Land gezogen hat, spinnt sich fast wie von selbst ein Netzwerk aus Empfehlungen, Anfragen und Weiterbeschäftigungen, das für die erfolgreiche Geschäftsentwicklung so unerlässlich ist, wie eben fürs Fliegen das Flugzeug. Man braucht also nicht immer besonders viel Mut, um sich selbstständig zu machen. Ein kleines bisschen davon als Beilage zu einer großen Portion Neugier hat für mich bereits den Anstoß gegeben, mich auf den Weg in eine neue, selbstbestimmte Zukunft zu machen. Ich habe es nicht bereut!

@Nicole Adami

@Nicole Adami

Nicole Adami hat 2015 ihr Textbüro Nicole Adami – text & travel gegründet und arbeitet seither vorwiegend als freiberufliche Journalistin und Texterin – projektweise auch in der Kommunikationsberatung. Neben ihrem Schwerpunkt Reise & Tourismus begeistert sie sich als echtes Münchner Kindl besonders für regionale Themen und junge Unternehmen aus dem süddeutschen Raum.

Bildquelle: @Nicole Adami

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