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Überforderung: drei Akut-Hilfen im Selbstversuch

5. Juli 2016
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Ich stecke bis zum Hals in der Überforderung.

Sie lähmt mich, sie bremst mich aus, nimmt mir die Luft zum Atmen. Ich kann gerade nichts tun – nicht den Abwasch in der Küche, nicht die Kleidung auf dem Wäscheständer zusammen nehmen, nicht den Staubsauger schwingen oder nach neuen Kunden Ausschau halten. Die Überforderung macht mich handlungsunfähig. Gleichzeitig sorgt sie für Unruhe im Kopf, für Panik im Brustkorb. Ich steh mit dem Rücken zur Wand und weiß nicht, wie ich dort wieder weg komme.

Überforderung – ein tierisches Problem

Wie bin ich hier her gekommen? In drei Monaten erwarte ich mein erstes Kind. Gleichzeitig starte ich immer mehr in die Freiberuflichkeit durch. Ich sollte damit beschäftigt sein, die Babyecke zu dekorieren, Kinderkleidung wegzuräumen, Kunden zu akquirieren und Rechnungen zu stellen. Stattdessen wasche und putze ich. Wir haben nämlich Kleidermotten in der Wohnung. Unsere Wohnung ist nicht nur sauber, sie ist fast klinisch rein. Trotzdem werde ich die verdammten Viecher nicht los. Es überfordert mich.

Gleichzeitig arbeite ich eigentlich gerade an meinem Herzensprojekt, mein eigenes Online Magazin zum Thema „erfüllt und glücklich leben“. Ich wollte launchen, bevor mein Baby auf die Welt kommt. Wollte Content produzieren, Layouts bestimmen, mit Newsletter-Marketing ein Momentum erzeugen und mir meinen großen Traum erfüllen. Doch meine To-Do-Liste mit den Dingen, die vorher erledigt werden müssen, wird nicht kürzer.

Der Überforderung begegnen

Die Überforderung macht mich fertig. Doch ich weiß auch, dass ich ihr jetzt nicht nachgeben darf. Ich MUSS etwas tun, ansonsten komm ich aus der Ecke, mit der Wand im Rücken, nicht raus. Also schreibe ich diesen Artikel, denn schreiben ist mein Ventil.
Lektion 1: Überforderung entsteht im Kopf. Es sind nicht die Umstände, die uns überfordern, sondern es ist primär die Art und Weise, wie wir damit umgehen. Wichtig ist, die Überforderung konstruktiv anzugehen, ihr zu begegnen. Tu etwas. Irgendwas. Es muss noch nicht einmal konkret mit der Situation zusammenhängen, es muss nicht das Problem lösen. Es ist völlig unwichtig, was du tust, wichtig ist das Tun selbst. Du musst die Macht und Kontrolle über deine Gedanken wieder erlangen, um die Überforderung zu besiegen. Häufig entsteht Überforderung nur, weil der Strom unserer Gedanken uns jegliche Aussicht auf einen Ausweg verstellt.

Der überforderten Seele nachgeben

Mein erster Impuls, als die Überforderung immer weiter anwuchs, war, mich ins Bett zu legen und die Decke über den Kopf zu ziehen. Klingt kindisch? Ist es vielleicht auch, denn schlafen ist seit Kindesbeinen an meine Verdrängungs- und Bewältigungsstrategie Nummer 1. Mittlerweile weiß ich, dass dieser Impuls die Konfrontation nur aufschiebt, also lass ich es meist. Doch diesmal habe ich dem Drang in mir soweit nachgegeben, dass ich mich zum Schreiben ins Bett gesetzt habe. Ich habe meinen Laptop genommen, mir die Decke über die Knie gezogen und so das Schreiben begonnen. Augenblicklich fühle ich mich besser, emotional stabiler.
Lektion 2: Hör auf dein Inneres, um die Überforderung zu bewältigen. Welchen Impuls verspürst du, wenn du überfordert bist? Schreit dein Inneres nach Flucht? Zieht es dich an einen bestimmten Ort? Oder hast du das Bedürfnis nach Bewegung, einer bestimmten Speise oder einem Getränk? Was auch immer es ist, gib diesem Impuls nach. So signalisierst du deiner Seele: Ich nehme deine Not an. Du zeigst dir selbst, dass du deine Gefühle ernst nimmst. Statt zu verdrängen, gehst du konkret auf dich und deinen Gemütszustand ein. Du fokussierst dich auf dich selbst und hilfst damit deiner aufgebrachten Seele, wieder zur Ruhe zu kommen.

Auf das Gute konzentrieren

Während ich die vorangegangenen Zeilen schrieb, fing der kleine Junge in meinem Bauch an, für die Kickbo-Meisterschaften 2034 zu trainieren. Ich genieße diese Momente immer sehr, also habe ich für einige Minuten den Laptop weggeschoben. Statt zu schreiben, habe ich mich zurückgelehnt, die Hände auf meinen Bauch gelegt und in mich hineingespürt. Als positiven Effekt merke ich nun, dass ich weitaus entspannter bin als vor zehn Minuten noch.

Lektion 3: Konzentriere dich auf das Gute in deinem Leben. Überforderung hat die unangenehme Eigenschaft, dass sie alles in unserem Leben schwarz malt. Sie strahlt das Problem mit grellen Scheinwerfern an und blendet uns, sodass alles andere drum herum im Dunkel versinkt. Doch du weißt, wo der Lichtschalter ist, um die grellen Strahler abzuschalten. Also nimm dir bewusst einige Minuten Zeit, um dich auf das Gute in deinem Leben zu konzentrieren. Lehn dich zurück, schließ die Augen und denke an das, was dir gut tut. Die lieben Menschen in deinem Leben, die dir ein Lächeln auf’s Gesicht zaubern. Der letzte Restaurantbesuch mit Freunden, bei dem du vor Lachen Bauchschmerzen hattest. Dein letztes Erfolgserlebnis, das dich siegessicher durch die Straße gehen ließ. Die neueste Errungenschaft vom letzten Shoppingtrip. Der wunderschöne Urlaub, der deinem Herzen Frieden geschenkt hat. Öffne anschließend die Augen und konzentrier dich auf das, was du siehst. Schätze die Schönheit, die im Detail steckt. Atme tief ein und aus. Wenn es dir hilft, kann dich eine Affirmation dabei unterstützen, das positive Gefühl festzuhalten. „Ich bin stark und ich schaffe das“, könnte solch ein Satz sein.

Aus der Überforderung Gutes gewinnen

Zugegeben, eine Lösung für mein Mottenproblem habe ich noch nicht. Aber ich fühle mich bereits viel besser. Diesen Artikel zu schreiben, hat mir geholfen, aus all der destruktiven Energie in mir etwas Gutes zu schaffen. Ich habe mich gezielt mit meiner Überforderung auseinandergesetzt und die Learnings zusammengefasst, sodass auch du davon profitierst. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Das wichtigste Learning für mich daraus: Ich kann etwas schaffen, auch wenn ich mich gerade völlig überwältigt fühle. Ich bin nicht Opfer meiner Umstände, sondern ich kann Gutes in meinem Leben bewirken.

Im zweiten Teil zu diesem Artikel berichte ich, wie ich gelernt hab, die Überforderung auch langfristig anzugehen. Wie gehst du mit Überforderung um? Berichte uns in den Kommentaren oder schreib mir unter celsy@fielfalt.de!

Bild © pixabay.com

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