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Von Suche und Sehnsucht

15. Mai 2016
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Ein Gastbeitrag von Stefanie Jungbauer

Hat man den Studien- oder Schulabschluss erst mal in der Tasche, steht man schnell vor der nächsten Herausforderung: Die Berufswahl. Gerade in Deutschland definieren sich viele Menschen über das, was sie tun und wenige rüber das, was sie sind. Karriere ist wichtig, gutes Geld und Sicherheit natürlich auch. So viel zur Theorie.

Berufe gibt es viele. Und die Wahl wird oft und schnell zur Qual: Man kann zum Beispiel Hebamme werden oder Englischlehrerin. Oder Journalistin oder auch sozialarbeiterin – die Liste ließe sich beliebig fortführen. Wenn man nicht bereits im Alter von 5 Jahren wusste, dass das Berufsziel Arzt oder Pilot lautet, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas später im Leben folgende Frage laut werden:

Was will ich mit meinem Leben anfangen?

Wer sich diese Frage offen und ehrlich stellt, betritt ein weites Feld, häufig üppig bestellt mit Ängsten und Zweifeln. Denn die „Was will ich mit meinem Leben anfangen“-Frage geht Hand in Hand einher mit zahlreichen anderen Fragen. Und die gehen tief und fordern uns auf, uns unserem eigenen Ich zu stellen:

  • Welche Rolle will ich in der Gesellschaft übernehmen?
  • Wofür will ich meine Energie einsetzen?
  • Was macht für mich Sinn?
  • Welche Werte sind mir wichtig?

Solche Fragen beantwortet man nicht einfach mal so morgens beim Frühstückskaffee. Wer sich solche Fragen stellt, wird schnell merken, dass er oder sie es hier mit einem Prozess zu tun hat, der eine Weile dauern wird.

Ausprobieren, Hinspüren, Verwerfen, Weiterziehen

Stellen wir uns einmal die oben genannten Berufe als einzelne Etappen eines lebensweges vor, in die man sich erlaubt hinein zu schnuppern: Man versucht sich als Hebamme und arbeitet danach als Englischlehrerin im Ausland. Oder man ist Journalistin und anschließend in der Obdachlosenhilfe tätig.

Hier wird eine besondere Dynamik sichtbar: Die Dynamik von Ausprobieren, Hinspüren, „Doch nicht“-Sagen und Weiterziehen – immer der Sehnsucht nacht. Zum Beispiel der Sehnsucht danach, zu sehen, wie Menschen über sich hinaus wachsen. Die Sehnsucht danach, Wissen zu vermitteln und Menschen in ihrem Selbstvertrauen zu bestärken. Die Sehnsucht danach, Menschen eine Stimme zu geben und neue Perspektiven aufzuzeigen. Die Sehnsucht danach, für Menschen da zu sein.

Oft spüren wir unsere Sehnsüchte deutlich, doch wir sehen uns mit Rahmenbedingungen konfrontiert, von denen wir uns begrenzt fühlen, die mit unseren Werten nicht in Einklang sind. Wer beispielsweise als Hebamme in einem Krankenhaus arbeitet, sieht sich mit einem System konfrontiert, das wenig Natürlichkeit ausstrahlt. Hier erinnert eine Geburt eher an einen medizinischen Eingriff als an ein Wunder der Natur. Ist Natürlichkeit für mich ein hoher Wert, dann stoße ich im Setting eines Krankenhauses sehr wahrscheinlich irgendwann an meine persönlichen Grenzen.

Wie sehen die Rahmenbedingungen aus, um die eigenen Sehnsüchte wirklich leben zu können? Und welche Werte verbergen sich dahinter?

Durch das Ausprobieren bekommen wir nicht nur Klarheit über unsere Werte, sondern auch darüber, in welchem Rahmen sich diese für uns am besten leben lassen. Und wenn unsere innere Stimme „Nein“ sagt, sollte uns das Aufhorchen lassen und zum Handeln anregen. Weiterziehen wäre eine Möglichkeit.

Doch im Land der gepriesenen geraden Lebensläufe ist eine ordentliche Portion Mut nötig, um sich das Ausprobieren, das Hinspüren, das wieder Verwerfen und das Weiterziehen zu erlauben. Denn es kostet Zeit und die ist ja bekanntlich immer knapp.


Dies ein Plädoyer. Ein Plädoyer für das Ausprobieren, das Hinspüren, das „Doch nicht“-Sagen und das Weiterziehen. Denn am Ende kommt man an. Vielleicht nicht in einem Beruf. Aber möglicherweise in seiner Berufung.


 

Bildquelle: pexels.com

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  • Reply
    Jessie
    17. Mai 2016 at 15:17

    Schöner Artikel, der die Werte über, die man über sich selbst hat, aufgreift!

    Nur Mut Ladies!

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