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Werden wir zu Ess-tremisten?

6. Februar 2016
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Essen ist anstrengend geworden. Täglich werden wir in den Medien, beim Lebensmitteleinkauf oder beim Brunchen mit Freunden mit dem Thema Ernährung konfrontiert. Es geht es schon lange nicht mehr um die Nahrungsaufnahme als elementares menschliches Grundbedürfnis, um zu überleben: die so genannten Superfoods wie Chia-Samen, Goji-Beeren und Quinoa gibt es jetzt auch beim Edeka, jeder hat eine Gemüsekiste aus dem städtischen Gemeinschaftsgarten abonniert und mein Onkel setzt auf den Ernährungstrend Paleo. Essen ist keine Privatangelegenheit mehr. In der zentralen Frage nach der „richtigen“ Ernährung gehen die Meinungen innerhalb der Bevölkerung weit auseinander. Foodies und Fast-Food-Liebhaber bilden dabei die Endpole der Ernährungstrend-Skala. Werden wir zu Ess-tremisten?

Essen ist das neue Pop

Essen ist das neue Pop, so beschreibt es die Foodtrend-Forscherin Hanni Rützler in ihrem aktuellen Food-Report. Und macht gleich drei große Foodtrends für 2016 aus: Infinite Food, Fast Good und Spiritual Food.

Infinite Food beschreibt den Trend, der sich in Orten wie der Markthalle Neun oder dem Kauf dich glücklich manifestiert. Gegessen wird nicht mehr ausschließlich Zuhause oder in Restaurants, sondern auf Märkten und in Geschäften, die Verkaufsfläche und Café geschickt kombinieren. Nicht selten finden sich in diesen Hybrid-Läden auch Fast Goods. Die liebreizende Schwester des Fast Foods steht auf frische und regionale Zutaten ohne Geschmacksverstärker. Doch nicht allein gesundheitliche Aspekte spielen eine große Rolle. Laut Hanni Rützler wird Ernährung als Spiritual Food zunehmend zur Ersatzreligion und steht im engen Zusammenhang zur eigenen Lebenseinstellung.

Ernährung als Statement

Unsere Ernährung dient als Projektionsfläche für Überzeugungen und prägt unsere Identität. Ähnlich wie Mode ist Essen Ausdruck eines Lifestyles und Statement zugleich: eine vegane Ernährung kann ethische Verantwortung gegenüber Tieren signalisieren und Urban Gardening setzt zentrale Forderungen der Postwachstumsökonomie in die Tat um. Politische, ökologische, soziale und ethische Kriterien spielen eine große Rolle bei der Auswahl des eigenen Ernährungskonzeptes. Essen ist nicht länger reine Privatsache.

Empowerment der Konsumenten

So unterschiedlich die verschiedenen Ernährungstrends sein mögen, sie alle eint die Skepsis vieler Anhänger gegenüber der Lebensmittelindustrie. Sie verstehen sich als Prosumenten – einer Wortverschmelzung der beiden Begriffe Konsument und Produzent. Die mit der Industrialisierung einhergegangene Entfremdung von Verbraucher und Hersteller weicht zunehmend auf. Der Konsument gewinnt an Deutungs- und Wirkmacht, nicht zuletzt durch den Informationsfluss, den Blogs und Social Media unter anderem ermöglichen. Und anders als beispielsweise in der Technologie- oder Automobilbranche können auch kleine Produzenten im Food-Bereich erfolgreich am Markt bestehen. Ihr Vorteil: sie können meist flexibler und schneller auf veränderte Wünsche und Bedürfnisse der Verbraucher reagieren.

Das Empowerment der Verbraucher zeigt sich darüber hinaus in einer veränderten Protestkultur. Statt „Wir haben es satt!“ lautet die Devise „Wir haben Hunger!“ Die Suche und Umsetzung von Alternativen steht dabei im Fokus und nicht der bloße Protest gegen die Lebensmittelindustrie.

Bildquelle: © Leif Czakai

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  • Reply
    Jessika
    6. Februar 2016 at 15:47

    Sehr interessanter Beitrag, liebe Tina 🙂 ich habe mich schon öfter dabei erwischt, wie ich mich in bestimmten Kreisen dafür geschämt habe, Fleisch zu essen und nach Rechtfertigungen gesucht habe. Das fand ich dann schon ziemlich merkwürdig.

    Liebe Grüße,
    Jessi

  • Reply
    Alexandra Lei
    7. Februar 2016 at 11:09

    „Essen ist anstrengend geworden. Täglich werden wir in den Medien, beim Lebensmitteleinkauf oder beim Brunchen mit Freunden mit dem Thema Ernährung konfrontiert.“

    Leider wahr. Und das sage ich, als Ernährungsberaterin 😉 Ernährung sollte Genuss sein. Und die gesunde Ernährung ganz selbstverständlich sein. Dann spricht auch nichts gegen ab und zu Fast Food und dieses ganze Gerede und die 24/7-Beschäftigung mit dem Thema wäre nicht mehr nötig.

    Aber Extreme sind momentan verbreiteter als Realität. Dabei ist Essen doch lebensnotwendig und kann nebenbei unser Leben so stark bereichern. Wenn man sich nicht zu viele Sorgen macht… Aber es gibt ja ein paar wenige da draußen, die versuchen Essen wieder zu etwas alltäglichem zu machen 😉

    Liebe Grüße
    Alexandra

    • Reply
      Tina Müller
      7. Februar 2016 at 13:24

      Liebe Alexandra,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Wirkt sich das derzeitig omnipräsente Thema um die „richtige“ Ernährung auch auf deinen Job aus? Fänd spannend zu erfahren, ob du da Veränderungen oder Tendenzen bemerkst. Und absolut: Essen sollte in erster Linie Genießen sein. Am liebsten mit Menschen, die man gern um sich hat. Ich finde, es gibt wenig, was geselliger ist, als ein gemeinsames Essen.

      Liebe Grüße

      Tina

  • Reply
    Ronja
    7. Februar 2016 at 12:48

    Najaa. ^^ Mir ist es ziemlich egal, wie man welche Ernährungsweise grade nennt und was in ist etc.

    Ich habe vor vielen Jahren entschieden, dass ich die Leute, die Tiere quälen und schlachten, einfach nicht dafür bezahlen will. Fertig.

    Ich weiß welche Nährstoffe sinnvoll sind, um genug Energie für den Tag zu haben, also esse ich immer mal wieder Rohkost. Schmeckt ja auch.

    Aber das ist kein Dogma und ich weiß auch nicht, wie es heißt.
    Und wenn ich Bock drauf hab, ess ich Pommes 😉

    Das muss man einfach alles ein bisschen unkomplizierter sehen. Lieber: „Du hast heute kein Fleisch gegessen? Wie cool!“ statt „Wiiiiee, du bist nicht vegan???“

    Liebe Grüße,
    Ronja

    • Reply
      Tina Müller
      7. Februar 2016 at 13:28

      Liebe Ronja,

      du sprichst einen wichtigen Punkt an. Immer, wenn etwas dogmatisch wird, wird es anstrengend und viele Leute reagieren mit Abwehr. Eine positive Kommunikation ist meist so viel erfolgreicher als der Brecht’sche Moralzeigefinger.

      Liebe Grüße

      Tina

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