EL: Entwicklung & Laufbahn

Was ist Karriere?

17. Oktober 2019

Was ist Karriere für euch? Ist Karriere, eine hohe Position in einem Großkonzern zu erlangen? Ist Karriere, ein Unternehmen zu gründen und zu leiten? Ist Karriere, möglich viele Erfahrungen zu sammeln, in verschiedenen Branchen oder Berufszweigen? Ist Karriere, einen möglichst geradlinigen und perfekten Lebenslauf vorzeigen zu können? Oder ist Karriere für euch sogar nicht nur beruflich besetzt?

Definitionen von Karriere

Als Karriere definieren wir generell die persönliche Laufbahn einer Person während des Berufslebens. Diese Definition ist weit gefächert und beinhaltet auch Veränderungen, wie das Erlangen von Fähigkeiten und Qualifikationen.

Meist verbinden wir jedoch mit Karriere viel mehr als das: Nämlich Aufstieg, nicht nur in der Hierarchie eines Unternehmens, sondern auch sozial. Will heißen: Höhere Position, mehr Gehalt, besserer Dienstwagen, schöneres Büro usw. Wenn über jemanden gesprochen wird, der Karriere macht oder gemacht hat, stellen wir uns häufig einen absoluten Überflieger mit besten Studienabschlüssen, einem schnellen Aufstieg und einen Lebenslauf vor, bei dem internationale Headhunter sofort zuschlagen würden.

Umdenken von Karriere

Doch langsam geschieht ein Wandel. War es früher noch verpönt und mit Schwäche verbunden, sich eine Auszeit zum nehmen, findet man „Sabbaticals“ oder Elternzeiten nun sehr häufig in den Lebensläufen aufgeführt. Dabei nehmen sich Väter Auszeiten, um für ihre Familien Zeit zu haben und junge Menschen machen immer öfter „Sabbatical“, um die Welt zu bereisen oder ihr bisheriges Leben zu überdenken.

Mittlerweile wird dies bei vielen Unternehmen, vor allem agilen Organisationen, sogar positiv gesehen. Es werden nicht perfekte Mitarbeiter gesucht, sondern Teammitglieder, die kreative Lösungen finden, mit denen man gerne zusammen arbeitet, und die nicht nur nach der nächsthöheren Stelle streben, sondern nach Sinn und Gemeinschaft. Erfahrungen, die man abseits von klassischen Karrierepfaden erwirbt, wie eine Weltreise, sind vor allem bei Unternehmen gefordert, die „out of the box“ Denken forcieren.

Im angelsächsischen Raum geht man oft sogar noch einen weiteren Schritt: Sogenannte „Zickzack“-Lebensläufe sind keine Seltenheit, sondern normal. Während (vermeintlich) sichere Jobs und Karrieren in Deutschland nach wie vor hochgehalten werden, müssen sich beispielsweise Amerikaner viel öfter nach neuen Jobs umsehen und gehen manchmal auch unkonventionellere Wege als wir sie hierzulande gewohnt sind. Dabei stehen natürlich finanzielle Aspekte aufgrund der geringen Absicherung dort, aber auch oft die persönliche Entwicklung im Vordergrund. Während man in Deutschland nach jahrelanger Marketingerfahrung sehr, sehr schwer ins Controlling wechseln kann, ist das in anderen Ländern nicht unüblich. Oder es ist normal, auch mal zwischenzeitlich als Barista gearbeitet zu haben. Mehr noch: Damit sehen Personaler häufig eine hohe Dienstleistungsmentalität und Flexibilität.

Individuelle Karrierepfade und Entwicklungsmöglichkeiten

Ich finde dies schön, denn nur, wenn man auch mal etwas Anderes probiert hat, entdeckt man vielleicht unerkannte Talente oder Potentiale. Oder man wird darin bestätigt, dass die aktuelle Tätigkeit genau die richtige für einen ist. Für mich ist Karriere nämlich auch viel mehr als das Erklimmen einer Leiter (und die führt ja meist nach oben), sondern eher eine Entwicklung. Ein Entwicklungsprozess, in dem man Stärken erkennt, Talente ausbaut und sich so seinen ganz individuellen Karrierepfad zusammenbaut. Dabei nicht nur Qualifikationen durch Fortbildungen auf dem Papier gewinnt, sondern übergreifen agiert und nicht nur fachlich, sondern auch menschlich brilliert.

Ich selbst bin zertifizierter Karriere- und Laufbahncoach. Ein Name/Titel, mit dem ich aufgrund der oben genannten Gründe nicht 100%ig glücklich bin. Denn schon während der Ausbildung ging es um so viele Themen, die man mit dem Titel vielleicht nicht verbinden würde. Es ging viel mehr um Entwicklungsbereiche, wie diese angesprochen, identifiziert und dann jobtechnisch umgesetzt werden können. Wie man Ziele erkennt und erreicht, auf dem Arbeitsmarkt ankommt, aber auch bei sich selbst.

Klassische Karrieren wird es weiterhin geben, genau wie Menschen, die geradlinige Lebensläufe haben und als „aufstrebende Mitarbeiter“ oder „high potentials“ gehandelt werden. Und das ist auch gut so! Solche Leute haben natürlich ganz andere Themen, wenn sie sich an mich wenden, als Personen, die an einem Scheideweg stehen. Aber auch sie haben Karrieren, nur ist die Definition vielleicht eine andere und die Themen im Coachingprozess natürlich auch.

Was denkt ihr? Was sind Karrieren für euch? Und habt ihr einen guten Begriff für „Karriere- und Laufbahncoach“? 🙂

 

 

 

Facebookpinterestlinkedinmail

    Kommentiere den Beitrag