EL: Entwicklung & Laufbahn

Wie gestalte ich meine Bewerbungsvisitenkarte?

2. Oktober 2019

Immer wieder werde ich als Personalerin gebeten, mir Lebensläufe und Bewerbungsunterlagen anzusehen und Feedback zu geben. Und leider muss ich auch immer wieder feststellen, dass sich viele Bewerber viel zu wenige Gedanken um ihren CV (Curriculum Vitae), also Lebenslauf, kümmern. Deswegen gibt es heute ein paar allgemeine Tipps.

Kulturelle Unterschiede

Macht euch bitte unbedingt im Vorfeld über die bewerbungsspezifischen Gepflogenheiten des Landes vertraut, falls ihr euch auf internationalem Parkett bewerbt. In manchen Ländern sind Fotos, Geburtsdaten oder Geschlechtsangaben absolut nicht geläufig in den Bewerbungsunterlagen. Auch im deutschsprachigen Raum gibt es z. T. schon Unterschiede im Schriftbild, der Anrede etc.

Sprechen wir die gleiche Sprache?

Bitte tut euch und dem Unternehmen den Gefallen, euren Lebenslauf in der jeweiligen Sprache der Stellenausschreibung zu verfassen. Es steckt oft ein Sinn dahinter, wieso die Stellenbeschreibung in der jeweiligen Sprache verfasst ist und gibt ein Indiz darüber, dass diese Sprache in der Position absolut wichtig ist. Selbst wenn ihr mit dem zuständigen Personaler sprecht und bemerkt, dass ihr es mit einem deutschen Muttersprachler zu tun hat, rate ich euch jedoch trotzdem davon ab, euren Lebenslauf und das Anschreiben auch in Deutsch zu verfassen, falls die Stellenbeschreibung zum Beispiel in Englisch geschrieben wurde. Hintergrund ist, dass der zukünftige Vorgesetzte vielleicht kein Deutsch verstehen kann und ihr so aus dem weiteren Prozess rausfallt. Nebenbei werden Personaler skeptisch, wenn die Sprache der Bewerbungsunterlagen sich nicht mit der der Stellenbeschreibung deckt. Fragen wie „kann der Bewerber die Sprache überhaupt“ oder „hat die Kandidatin sich unsere Ausschreibung angesehen oder sich massenhaft auf unzählige Positionen beworben“ poppen ziemlich schnell auf.

Eure Zeugnisse und Referenzen müsst ihr nicht unbedingt in der jeweils angegebenen Sprache versenden, zumindest im deutschsprachigen Raum. Ein deutsches Abiturzeugnis erhält man selten in Englisch. Wenn dies nicht explizit gefordert ist, jedoch alle Unterlagen verlangt werden, rate ich zu einen kurzen Hinweis im Anschreiben, dass man euch für eine Übersetzung kontaktieren soll.

Über Individualität und Kreativität

Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr im Bewerbungsprozess weiterkommt, erhöht sich immens, wenn eure Erfahrungen die Anforderungen der Stellenbeschreibung spiegeln. Es ist selten der Fall, dass man 1:1 vorweisen kann, was gefordert wird. Betont aber das, was für die Position und das Unternehmen wichtig ist. Vermerkt Erfolge, beschreibt relevante Tätigkeiten und streicht bzw. kürzt Unwesentliches. Falls ihr euch auf eine Controlling Stelle bewerbt, interessiert es vermutlich niemanden, dass ihr in eurem ersten Praktikum eigenständig Newsletter aufgesetzt habt. Datenbankkenntnisse können bei diesem Beispiel jedoch sehr wohl relevant sein, auch wenn diese eventuell etwas eingerostet sind. Geht also Schritt für Schritt die Beschreibung durch und versucht, euren Background damit zu matchen. Ähnliches gilt für das Anschreiben: Es darf z. B. geduzt werden, wenn die Stellenbeschreibung auch in „Du“ Form formuliert ist.

Seid gerne etwas kreativ, wenn es um euren Lebenslauf geht, beachtet aber bitte auch den nächsten Absatz. Gerade, wenn ihr euch in einem kreativen Bereich bewerbt, ist es sinnvoll, euer Talent oder euer Gespür für Trends im CV anzudeuten. Es sollte jedoch alles im Rahmen sein. Gute Vorlagen (auch für die Buchhalter unter uns) findet ihr beispielsweise bei Canva.

Struktur ist das halbe Leben

Formuliert euren CV prägnant und strukturiert ihn so, dass die wichtigsten Daten und Fakten schnell gefunden werden. Vor allem eure Kontaktdaten (unbedingt kontrollieren!!!!!!) und die Überschriften zu beruflicher Expertise und Ausbildung. Weniger ist hier mehr: Einen Lebenslauf, der verständlich ist, Highlights und Erfolge betont und dabei nicht zu viele verschiedene Schriften, Farben, Bilder verwendet, kommt sozusagen nie aus der Mode.

Auch hier gilt: Das Wichtigste zuerst. Bitte gebt eure aktuelle berufliche Station an und geht dann in die Vergangenheit zurück. So sehen Personaler und zukünftige Vorgesetzte gleich das Wesentliche. Kurze berufliche Zwischenstopps zwar erwähnen, sie können jedoch sehr kurz gefasst werden. Lieber relevante Steps und Weiterbildungen herausstreichen.

Ja, bitte

Schöne, klare Fotos sind eine sehr gute Investition. Nicht nur für den CV, auch für Social Media Kanäle. Ihr müsste nicht jede Woche ein neues Foto machen lassen, aber in aktiven Bewerbungsphasen sollte es definitiv ein neues sein, mit dem ihr euch wohl fühlt und welches euch authentisch zeigt und nicht so, dass ihr beim Bewerbungsgespräch nicht erkannt werdet.

Oft beobachte ich, dass Hobbys und Interesse mittlerweile weggelassen werden, was ich schade finde. Ich möchte abseits der Fähigkeiten des Bewerbers wissen, was er oder sie für ein Mensch ist und ob die Person ins Team passt. Zudem sind vor allem ungewöhnliche Freizeitaktivitäten auffällig und bleiben definitiv im Gedächtnis, sind also ein Alleinstellungsmerkmal und bergen Gesprächsstoff sowie Anknüpfungspunkte.

Nein, danke

Vor einigen Jahren wurde Schülern eingetrichtert, immer eine Unterschrift auf den CV zu setzen, die Namen der Eltern und Geschwister (nach Möglichkeit mitsamt Berufsangaben) anzugeben und alles wirklich immer auf eine Seite zu komprimieren. Leider ist der Wissensstatus einiger Bewerber dort anscheinend stehen geblieben.

Haltet den Lebenslauf gerne kurz und knackig, aber es dürfen auch zwei Seiten sein. Die Unterschrift auf dem Lebenslauf nimmt nur unnötig Platz weg und eure Familienchronik interessiert nicht, eventuell wird im Vorstellungsgespräch (vor allem bei Auszubildenden) danach gefragt.

Und ansonsten?

Ihr müsst nicht alles angeben, verheimlicht aber nichts. Ihr seid zum Beispiel nicht gezwungen, anzugeben, dass ihr kleine Kinder habt. Schließlich geht es um euch und eure Fähigkeiten. Falls ihr damit hadert, könnt ihr gerne Kind und Kegel erwähnen, mit dem Vermerk, dass die Betreuung gewährleistet ist.

Falls ihr euch eine Auszeit zwischen beruflichen Stationen genommen habt, führt diese auf. Vor allem spannende Reisen bieten Gesprächsstoff und können ein Pluspunkt in einem internationalen Unternehmen sein oder überall dort, wo „Out of the box“ Denken gefragt ist. Unerwähnte Lücken machen eher skeptisch.

Viel Erfolg bei eurer Bewerbung!

Foto: ©Andrew Neel on Unsplash

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