FA: Fielseitiges & Aspekte

Du findest absolut keine Berufung? Hast du schon einmal von der Vielbegabung gehört?

15. Oktober 2020

Gastautorin: Carina Bode

 

Wenn du jetzt gerade das hier liest, dann muss ich mich eventuell jetzt schon bei dir entschuldigen. (Das fängt ja schon gut an, denkst du dir vielleicht!)
Eigentlich wollte ich einen eher sachlichen, sehr informativ wichtigen und mitteilenden Text verfassen, gerade weil das Thema Vielbegabung noch nicht so viel Verbreitung gefunden hat, wie es sollte.

Und ja – natürlich habe ich dir auch einen Sack voll mit Informationen mitgebracht, allerdings konnte ich nicht umhin, mit wehenden Fahnen und Fanfaren zu plädieren, das deine Individualität extrem wichtig ist (Keine Vielbegabung ist 1:1 gleich und äußert sich immer in unterschiedlichsten Wegen) – nur um dich schon einmal vorzubereiten. 😉

Was ist eigentlich Vielbegabung?

Vielbegabung ist ein relativ junges Feld in der Begabungsforschung und erschließt sich aus einem Teil der Hochbegabung. Doch diese hat ein anderes Erscheinungsbild als die klassische Hochbegabung und tritt auch leicht differenziert auf. Doch der – wahrscheinlich markanteste Punkt – der die beiden unterscheidet ist die Auslebung.

Wo die Hochbegabung in die Tiefe und Spezialisierung geht, hat Vielbegabung ein weites Feld an Interessen und Ideen. Man könnte hier einen guten Vergleich aus der Kunst als Beispiel nutzen um es zu verbildlichen. Ist die Hochbegabung ein fein säuberlich ineinander fließendes Strichportrait sind wir bei der Vielbegabung bei dem Pointillismus. Ein Bild, das nur aus Punkten besteht und erst in seiner Gesamtheit zu erkennen ist wenn du ein, zwei (oder 10 😉 ) Schritte zurück trittst.

Scannerpersönlichkeit, Tausendsassa, Multitalent?

Vielleicht sind dir die Begriffe wie Scannerpersönlichkeit, Tausendsassa oder auch Multitalent schon einmal über den Weg gelaufen? (Oder aber noch 7 andere? Wie Multipotenzial, Renaissanceseele etc ? ) Das sind häufig auch noch andere Namen für die Vielbegabung und alleine hier, mit diesem Umstand, zeigt sich schon, wie sehr Vielbegabte es hassen, sich festzulegen!

Nicht mal eine Bezeichnung reicht für uns aus (Sonst wären wir auch zu eingeschränkt oder?). Der Grund, wieso ich hier, heute (und auch sonst) absichtlich mit dem Wort VielBEGABUNG hantiere, ist das Wissen, dass wir es hier mit einer BEGABUNG zu tun haben! Und all die Unzulänglichkeiten, die solchen Menschen zugesprochen werden, nicht als Charakterschwächen gesehen werden sollten, sondern als einen neuartigen Weg an Dinge heranzutreten. Und Nein! Dafür brauchst und nicht mehr Durchhaltevermögen oder Disziplin!!! Es geht darum herauszufinden, WIE deine Vielbegabung funktioniert, diese ist nämlich bei JEDER Persönlichkeit unterschiedlich und kann nicht wie eine Vorlage abgepaust werden! (Hier einmal die wehenden Fahnen, die ich dir am Anfang versprochen hatte.) Denn mit der momentanen häufigen – vor allen Dingen auch beruflichen – Konstitution und Verständnis von Berufung, wird Vielbegabten häufig Absurdes abverlangt.

Wenn wir das einmal in ein Beispiel setzen möchten, dann stell dir bitte vor, dass ein Fisch auf einen Baum klettern soll. Und zwar keinen kleinen feinen, sondern eher die Redwood Variante. Ich denke wir sind uns einig, dass das nicht nur absurd, sondern auch irgendwie hirnrissig ist. Und mal ganz ehrlich, so unter uns: Wieso sollte er das auch tun? Und vor allem hilft an dem Punkt auch kein Durchhaltevermögen, Disziplin oder Willenskraft mehr weiter. Das Blöde daran: wenn der Fisch unter Affen aufgewachsen ist, wird er sich immer unzulänglich fühlen und das versuchen, was seine Umgebung ihm vorlebt. Ich weiß, es ist ein abstruses Beispiel, aber genau so und so ähnlich habe ich es schon erlebt. Das fast schon Witzige daran: Wenn es für den Fisch im Wasser dann mal turbulent wird, ist es für ihn kein Problem, Willenskraft, Disziplin und Durchhaltevermögen zu haben.

Aber da ist er auch in seinem natürlichen Talent und WEIß um seine Begabung! (Nur um die vermeintliche Charakterschwäche hier einmal komplett auszuschalten.)

Lass uns doch mal schauen, ob du vielbegabt bist!

Dazu habe ich dir ein paar Situationen und Gefühlsebenen mitgebracht, die viele Vielbegabte häufig durchleben und auch nur zu gut kennen. Hier geht es darum zu schauen, ob du dich wiederfindest und auch schon dieselbe Situation oder eine ähnliche durchlebt hast.
Lass uns starten!

  • Wenn du dich zwischen etwas entscheiden oder beschränken musst, hast du das Gefühl, ein Teil von dir würde absterben?
  • Du hast das Gefühl, du hast noch gar nicht richtig dein Potenzial ausschöpfen zu können? Es steckt so viel in dir?
  • Fragst du dich manchmal, wie du all die Dinge tun kannst, die du interessant findest? Es sind einfach zu viele und viel zu unzusammenhängend, um sie zu verwirklichen?
  • Du verlierst die Lust an Dingen, auch wenn du anfangs gedacht hast, dass sie dich bis an dein Lebensende begeistern?
  • Du hast nicht das Gefühl, in deinem Leben irgendetwas vorweisen zu können?
  • Kommen dir manchmal deine ganzen Projekte, und Interessen, die du angefangen hast, wie eine Zeitverschwendung so sinnlos vor, gerade wenn du sie nicht zu Ende gemacht hast?
  • Du hast viele Interessen und Ideen, was du mit deinem Leben anstellen könntest, aber du kannst du deine Berufung einfach nicht finden?
  • Kriegst du eine Gänsehaut (keine gute!), wenn du Stagnation und Routine hörst?

Du musstest innerlich nicken? Wunderbar!
Also fast, sorry…immerhin sind diese Gefühlszustände alles andere als schön. Allerdings hast du jetzt hiermit (der besagten Vielbegabung) eine neue Richtung entdeckt, die sich aufgetan hat und erklärt, wieso du so bist wie du bist und fühlst wie du fühlst.

Und was für eine Berufung sollte man ergreifen, wenn man vielbegabt ist und 1000 Interessen und 1001 Ideen hat, was man mit seinem Leben anfangen möchte?

Gute Frage!! Ich selbst stand auch einmal vor einer wunderbar ausgebreiteten Karriereleiter (die, die mich den Redwood heraufgebracht hätte) Und war so unglücklich wie noch nie zuvor in meinem Leben. Das heißt jetzt nicht, dass Vielbegabte keine Karriereleiter heraufklettern können. Vielmehr geht es um das Wissen, wie die eigene Vielbegabung funktioniert, die es gilt herauszufinden (ich wiederhole den Satz immer wieder gerne!) und dann kann man sich an die Karriereleiter machen, wenn man es möchte. Und nein – die Illusion, dass du dich nur für eine Sache entscheiden musst, möchte und muss ich dir gleich nehmen. Aber ist das nicht auch eine große Erleichterung? Zu wissen, dass man sich nicht nur für eine Sache entscheiden muss?

„Aber was soll ich denn jetzt machen?“ fragst du dich jetzt bestimmt.

Essentiell wichtig ist jetzt, das du wirklich für dich verinnerlichst, das du dich NICHT nur für eine Sache entscheiden kannst. Und es auch gar nicht musst. Eine Vielbegabten Berufung fügt sich nämlich wie ein Puzzle deiner ganzen Interessen, Ideen und Möglichkeiten zusammen. Du brauchst quasi nur zu verstehen, was du wie ausleben möchtest. (Später noch ein Beispiel dazu.) Es gibt auch da wieder einige Möglichkeiten wie einen Cross Over Beruf zu ergreifen, oder eine Interesse „nur“ als Hobby auszuleben. Einige lebst du als Hobby aus, einen machst du zum Beruf oder vielleicht auch einfach mehrere! Du hast natürlich auch die Möglichkeit, dir einen ganz eigenen Beruf zu erschaffen 😉 Wichtig ist nur, dass du herausfindest, wie deine Vielbegabung funktioniert! Also quasi auf welchen Einsichten und Erkenntnissen du deine Entscheidungen, basierst um eben die richtigen zu treffen. Und genau dafür gibt es ein Paar Fragen zu beantworten.

Die 4 Säulen die dich deiner Berufung näher bringen!

Es gibt insgesamt 4 Säulen, die es für dich zu beantworten gilt, wenn du dich auf den Weg zu deiner Vielbegabten Berufung machen willst. Machen kommt man mit Fragen näher, bei anderen musst du gut auf eine Verhaltensweisen achten, um sie zu entlarven. 🙂
Dann fangen wir doch einmal ganz von vorne an :

1. Die Vielbegabten – Persönlichkeitstypen

Barbara Sher hat die Scannerpersönlichkeit als Grundidee geprägt und in die Welt gebracht, allerdings gibt es noch deutlich mehr Grundfesten zu beachten, wenn man seine Berufung finden möchte. Die grundlegende Idee von ihr möchte und muss ich hier aber einmal anbringen, denn sie kann schon so viele Brücken bauen.

Bei ihr gibt es drei Übergeordnete Typen: den Zykler, den Prozesser und die Universalisten. Alle drei haben unterschiedlichste Herangehensweisen, wie sie mit einer Idee oder einer Interesse umgehen.

Der Zykler ist zumeist derjenige, mit den „wenigsten“ Interessengebieten (ca. 2 – 30), allerdings schwankt er immer wieder zwischen diesen hin und her. Jede Vielbegabte mit diesem Merkmal muss für sich herausfinden, wie lange ein ungefährer Zyklus besteht um nicht in Routine oder Stagnation zu enden. (Und sich damit in diese herrlichen Sackgassen zu manövrieren *Sarkasmus – Schild – hoch-halt*.)

Der Prozesser ist der „langsamste“ unter den dreien und weißt die größte Möglichkeit an, dass das Gefühl entsteht, man habe seine Berufung gefunden. So kann dieser Typus sich zumeist Jahre mit etwas begeistern, arbeitet sich tief in die Materie ein und geht ihr auf den Grund, bis eine Art von „Meisterschaft“ errungen worden ist. Das kann z.B. eine Goldmedaille sein oder ein Sprachtest für Muttersprachler, den man erfolgreich absolviert. Allerdings zieht er dort an die Grenze und macht sich in neue Gefilde auf.

Der dritte Typus, als Universalisten bekannt, hat gefühlt ein unendliches Maß an Dingen, das er gerne ausprobieren und erfahren möchte. Dieser Typus ist extrem schnell unterwegs und bewegt sich innerhalb des Interessengebietes in nur Wochen, bis zu wenigen Monaten. Sein größtes „Gut“ könnte man als Idee betrachten, Wissen und Verständnis für ein Thema aufzubauen, bis er einen guten Überblick erhalten hat. So müsste er z.B. keine Fachliteratur zum Thema Astronomie lesen, aber eine interessante und zusammenfassende Lektüre reizt ihn umso mehr. (Außerdem steht für ihn die Thematik des „Ausprobierens“ mit an oberster Stelle.)

Allerdings muss ich betonen, dass selten jemand nur ein Typus ist! Das letztendlich Witzige ist nämlich – und das wurde vorher noch nicht so gesehen –, dass ein Typus zugehörig zu einer Interesse und nicht zur Persönlichkeit ist! (Unterschied Scannerpersönlichkeit und Vielbegabung!) Und jetzt kommt die Crux hervor, denn es geht hier noch weiter! Denn wenn du diese drei Vielbegabtentypen nun einmal genau bei dir unter die Lupe nimmst und sie einmal unter diesen Aspekten von Zykler, Prozesser und Universalisten betrachtest, kann dir vielleicht schon ein Muster auffallen!

2. So etwas nennt sich dann der „Rote Faden“, bei dem es in Säule Nummer 2 geht.

Bei dieser Säule geht es dann um deinen Antrieb und wofür du deine Vielbegabung eigentlich nutzt (noch genauer und pointierter wird es dann bei Säule 4, den Archetypen) Je mehr von deinen Interessen und Ideen hinterfragt und dir die Beweggründe anguckst, desto deutlicher kannst du erkennen, wieso du etwas machst! Womit wir auch schon eine der Fragen haben, die du dir stellen solltest: Das „Wieso“.

3. Bei Säule Nummer drei handelt es sich um deinen Wesenskern.

Und da geht es um deine mitgebrachten Talente, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werte, die du hast und ausleben willst. Du kannst nicht genau sagen, was für Talente und Fähigkeiten du eigentlich hast? Ein kleiner Tipp am Rande: Wenn du dir deine Interessen und Ideen einmal anguckst, dann lässt sich dort auch wieder ein Muster erkennen. Du liebst es, dir Anatomie Bücher zu kaufen und dir vorzustellen, wie was in dem Körper liegt und funktioniert? Und findest Innenarchitektur/Innenraumdesign interessant? Glückwunsch! Das ist ein großer Hinweis darauf, dass du ein räumlich-bildliches Talent besitzt! Und so geht es auch hier letztendlich weiter. Frage dich hierbei gerne nach dem „Was“, das dich so interessiert.

4. Bei Säule Nummer 4 läuft dann alles zusammen, denn dort geht es um die Archetypen.

Diese Grundidee wurde damals von Siegmund Freud begründet und fasst hier erneut ihren Fuß. So z.B. gibt es die Unterstützerin, die auch als gute Seele bekannt ist und Menschen hilft, etwas lehrt oder inspiriert (wird im Beispiel deutlich). Des Weiteren gibt es noch die Königin, die Magierin, die Rebellin, die Heilerin, die Gelehrte und die Künstlerin. Auch hier ist wieder wichtig zu wissen: Keine Vielbegabte ist auch hier wieder nur ein Typus.

Aber lass mir dir da einfach ein Beispiel einer Vielbegabtenberufung aufzeigen, bevor wir jetzt zu kleinteilig werden:

Beispiel der Vielbegabung: Lass mich dir von Caro erzählen

Caro interessiert sich für Yoga, Astronomie, Musizieren, Kochen, Reisen (Richtung Asien) und Spiritualität (ich könnte noch ewig so weitermachen, ich denke, du kennst es auch). Ihre ganzen Interessen haben sie stetig von A nach B gezogen und sie hatte nie das Gefühl, wirklich voran zu kommen bzw. trat stetig auf der Stelle. Ihre vielen Interessen haben sie quasi in eine Entscheidungsstarre versetzt, weil sie Angst hatten, eine falsche zu treffen. Diese Endgültigkeit war eine ihrer größten Ängste. Und die einhergehende Existenzangst, denn wie sollte man sich etwas aufbauen, wenn man immer wieder hin und her gezogen wird?

Für Caro hat sich dann folgendes ergeben, nachdem sie sich mit ihrer Vielbegabung auseinander gesetzt hat: Sie hat sich entschieden, eine Yoga-Ausbildung in Indien zu machen und betreibt nun ein eigenes kleines Studio. Nebenbei ist sie mit einem kleinen Stand (und in ihrem Online -Shop) auf Weihnachtsmärkten und Mittelaltermärken unterwegs und verkauft dort ihren handgefertigten Schmuck. Zuhause kümmert sie sich dann um ihren Garten und zeigt ihren Kursteilnehmerinnen (aus dem Yoga-Studio), welches Obst, Gemüse und welche Rezepte gut für einen Immun-Boost sind (Thema Gesundheit ist hier also auch noch enthalten). Musizieren tut sie jeden Freitag mit ihrer kleinen Band. Im Winter ist sie manchmal dann für mehrere Wochen in der Welt unterwegs und arbeitet als Tauchlehrerin. Neue Projekte, die sie sonst noch für sie interessant sind (sie hat jetzt letztens mit Tango angefangen💃), verwirklicht sie mit ihrem persönlich abgestimmten Zeitmanagement. Damit alle Interessen die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen.

Genial oder? Es war niemals nötig, dass sie sich nur für eine Sache entscheiden musste, sie musste nur verstehen, wie ihre Vielbegabung funktioniert! Es ging darum herauszufinden, was sie wie am besten ausleben wollte. Ich hoffe, dieses Beispiel nimmt dir den Druck und die Vorstellung, dass du dich für irgendetwas entscheiden musst. Und auch ganz wichtig!! Du musst nicht alles auf einmal tun. Du kannst abwechselnd an deinen Projekten arbeiten, oder zuerst eine Idee verwirklichen, bevor du mit der nächsten startest. Du darfst bestimmen. Daher jetzt noch einmal die wehenden Fahnen, das du dich nicht entscheiden musst, WAS du machst, sondern WIE!

Das war`s auch schon von mir und dem kleinen Überblick in das Thema Vielbegabung und Berufung. Was für Erkenntnisse konntest du für dich herausziehen? Schreib gerne Alex oder mir!

 

Über die Autorin: Carina Bode treibt ihr Unwesen an der Vielbegabten-Akademie.de (mit weiteren wehenden Fahnen und Infos rund um die Vielbegabung), ist selbst vielbegabt und findet, dass ein Leben ein Abenteuer sein darf. Mit all den Ideen, Träumen und Interessen die man hat. #makeityourbestone

 

Titelbild: ©Photo by salvatore ventura on Unsplash

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