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FORGESTELLT: Alina Ludwig, Expertin im Bereich Influence Marketing

4. Februar 2020

Auf Alina Ludwigwurde ich durch ihr Buch „Influence!“ aufmerksam gemacht. Eine junge Frau, die sich in dem Influencer Marketing als Expertin nennen darf und ganz viele Projekte neben ihrem Hauptjob hat. Von außen wirkt dies alles ganz easy: Alina ist eine Powerfrau. Sie berichtet jedoch auch, dass das Schreiben des Buches sie an ihre Grenzen gebracht hat und dass sie auch eine introvertierte Seite hat (was man zuerst gar nicht von ihr denkt). All dies und noch viel mehr lest ihr in diesem Portrait.

 

Liebe Alina, ohne welche drei Gegenstände verlässt du niemals das Haus?

Es hängt immer davon ab, ob ich alleine oder in Begleitung draußen bin. Allein: Mein Handy, meine EarPods und hoffentlich mein Portemonnaie.

Wenn ich mit Freunden oder Kollegen unterwegs bin, verzichte ich gerne auch komplett auf Handtasche und Handy. Das kann ich jedem empfehlen: Ist ein ganz besonderes Gefühl von Freiheit.

Was würde deine beste Freundin über dich sagen, wenn ich sie zu dir befrage?

Sie würde sagen, dass es nicht immer einfach ist mit mir, weil ich ein recht ambivalenter Mensch bin. Beruflich bin ich ein ziemlicher Perfektionist, während in allen anderen Bereichen eher das Chaos regiert. Ich bin sehr offen und empathisch, komme schnell mit Leuten ins Gespräch und bin eine gute Zuhörerin. Ich bin gerne mit meinen Freunden zusammen, kann mich mit ihnen totlachen und ganze Nächte durchtanzen. Doch genauso brauche ich viel Zeit für mich allein, um wieder neue Energie zu tanken. Dann klinke ich mich gerne auch mal komplett aus – sehr zum Leidwesen der Menschen, die mich erreichen wollen.

Bis vor einiger Zeit habe ich das selbst nicht ganz verstanden, aber je mehr ich über die Introvertiertheit lerne, desto mehr begreife ich, warum ich anders auf bestimmte Situationen und Rahmenbedingungen reagiere, als meine extrovertierten Freunde. Den TED Talk zum Thema „The Power of Introverts“ kann ich allen wärmstens ans Herz legen: https://www.youtube.com/watch?v=c0KYU2j0TM4

Außerdem würde sie vielleicht darauf hinweisen, dass es nicht viele Menschen gibt, die so vielseitig-wirr interessiert sind wie ich. Ich begeistere mich für Politik, Soziologie, internationale Beziehungen, Fußball, Tennis, Mode, Film, YouTube-Trash, Deutschrap, europäische Königshäuser, japanischen Anime und viele weitere Dinge. Für jeden dieser Bereiche habe ich mich zu mindestens einem Zeitpunkt in meinem Leben sehr stark interessiert und teilweise exzessiv eingearbeitet, das bringt mir so manches unnützes Expertenwissen ein, von dem ich immer wieder gern zehre.

Bitte beschreibe uns deine bisherigen wichtigsten beruflichen Stationen und mit welchen Themen du dich aktuell beschäftigst.

Es wirkt vielleicht seltsam, dass ich als introvertierter Mensch den Weg in die Kommunikation gesucht habe, doch ich war schon immer gut im Schreiben, Reden und insgesamt ein kreativer Mensch.

Nach dem Abitur habe ich in Augsburg Medien und Kommunikation studiert – eigentlich mit dem Ziel, Pressesprecherin zu werden. Durch Zufall bin ich dann in einer PR-Agentur (Weber Shandwick) gelandet und habe dort schnell entdeckt, dass der Social-Media-Bereich mich noch mehr interessiert – und mir auch mehr liegt. Die Entwicklung von spannenden Themen, visuellen Inhalten und Strategien für Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram war für vier Jahre mein Leben – auch Influencer Marketing hat hier eine immer größere Rolle gespielt. Diese Themen haben mich in meiner nächsten Station in der Digitalagentur denkwerk zunächst nicht losgelassen. Hier war ich als Senior Social Media Manager im Einsatz. Ende 2018 hat mich mein heutiger Chef dann überzeugt, intern in die Strategie zu wechseln. Gott sei Dank habe ich damals Ja gesagt. Als Markenstrategin und Creative Plannerin habe ich in diesem Jahr so etwas wie meine berufliche Erfüllung gefunden. Der Job scheint wie maßgeschneidert für meine unterschiedlichen Interessen und Talente und hat auch meine anderen Projekte sehr befruchtet.

Ich bin sehr dankbar, dass ich auf all meinen Stationen großartige Mentoren und Förderer gefunden habe. Mit ihrer Hilfe haben sich viele Chancen eröffnet, z.B. die Aufnahme in die Initiative #30u30 des PR Reports 2017 und die Auszeichnung als Young Professional des Jahres, gemeinsam mit meiner Freundin Julia Köster.

Du hast das Buch „Influence!“ geschrieben. Bitte erzähle uns, wie es dazu gekommen ist und worum es in diesem Sachbuch geht.

Daniel Lenz vom digital publishing report hatte mich im vergangenen Jahr gebeten, ein Webinar zum Thema Influencer Marketing zu halten. Dieses richtete sich vor allem an die Verlagsbranche. Im Anschluss kam eine Produktmanagerin des Haufe Verlags auf mich zu und fragte, ob ich nicht Lust hätte, die Themen des Vortrags in einem Buch zu verarbeiten. So ein Angebot bekommt man nicht häufig im Leben und ich habe gerne zugesagt.

Im Buch selbst geht es um Influencer Marketing und genauer um die Frage, wie man Influencer richtig für seine Marke bzw. sein Unternehmen einsetzt. In den letzten Jahren ist ein regelrechter Hype um die Marketing-Disziplin entbrannt und viele Unternehmen haben das Gefühl, dass sie auf den Zug aufspringen müssen. Da sie jetzt nicht mehr zu den First Movern gehören, sind schnelle Erfolge sehr unwahrscheinlich und der Bedarf nach guten Strategien hoch. Hier soll mein Buch Abhilfe schaffen. Es führt den Leser schrittweise durch den gesamten Prozess: Von der Zielsetzung über die Strategie, zur Identifikation der richtigen Influencer bis zur Umsetzung und Evaluation.

Gleichzeitig war es mir aber auch wichtig, dass das Buch einen respektvollen Umgang mit den Menschen vorlebt, die als Influencer tätig sind. Statt Vorurteile auszubauen, möchte ich ihre Vielfalt feiern und ihre unterschiedlichen Antriebe transparent und verständlich machen, ohne kritische Entwicklungen zu verschweigen.

Alina Ludwigs Buch Influence! Foto: ©Désirée Ludwig

Wie war es, ein Buch zu schreiben? Und was hat sich seitdem für dich verändert?

Um ehrlich zu sein war es vor allem hart. Sehr hart und schwierig und gar nicht so, wie ich es mir im Vorhinein vielleicht erträumt hätte. In meiner Vorstellung sitzt ein Autor normalerweise in einem Haus am See, den Blick aus dem Fenster in die Natur gerichtet und bleibt dort mindestens drei Jahre, bis er wirklich zufrieden ist mit seinem Werk. Ich hatte sechs Monate Zeit, um das Buch zu schreiben. Das war vertraglich so festgelegt und auch vollkommen in Ordnung, da man sich für so ein aktuelles Thema ohnehin nicht zu viel Zeit lassen sollte. Es war direkt klar, dass es neben meinem Vollzeitjob realisiert werden muss.

Für mich hat sich das Zeitmanagement dann auch als größtes Problem erwiesen. Ich habe mich beim Schreiben des Öfteren in Details verloren und musste zum Schluss wirklich sehr stringent und diszipliniert arbeiten, um es rechtzeitig zu schaffen. Das bedeutet, dass im Juni und Juli 2019 jede freie Minute für das Buch reserviert war.

Was mir außerdem während des Schreibens aufgefallen ist: Es ist ein interessantes Gefühl, einen Text zu schreiben – ein ganzes Buch – das tatsächlich gedruckt und veröffentlicht wird. Es ist eine immense Herausforderung, die Gedanken in seinem Kopf zu sortieren und in treffender Weise aufzuschreiben. Und dabei nicht in Selbstzweifel zu verfallen, á la „warum sollte sich eigentlich jemand für meine Meinung interessieren?!“. Um etwas Schwarz auf Weiß zu Papier zu bringen sollte man sich seiner Meinung und Expertise schon sehr sicher sein. Das war einerseits ein sehr erhabenes Gefühl, andererseits aber auch zusätzlicher Druck. Ich wollte keinen Fehler machen.

Kürzlich hat der Journalist Juan Moreno mein Verhältnis zum Schreiben sehr gut auf den Punkt gebracht: „Ich habe das Schreiben nie gemocht. Kein ernstzunehmender Schreiber tut das. Jeder Autor, der sagt, dass ihm das Schreiben Spaß mache und wirklich leicht von der Hand gehe, macht mir ein wenig Angst. Niemand schreibt gerne. Alle HABEN gerne geschrieben.“

Was sich für mich verändert hat? Ich habe das Gefühl, dass ich für viele Menschen interessanter geworden bin. Ich bekomme viele Anfragen für Panel-Diskussionen, Workshops und Webinare. Mein Netzwerk erweitert sich täglich. Ich würde das nicht nur auf das Buch, sondern vor allem auf den Podcast zurückführen, aber das Gesamtpaket hat einen Nerv getroffen. Dadurch bietet sich aktuell die Möglichkeit, neue Aufgaben anzunehmen, in unbekannte Rollen zu schlüpfen und vor allem großartige Persönlichkeiten kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen.

Du bist auch Host eines Podcasts. Gib uns doch bitte einen Einblick, worum es in deinem Podcast geht und wie dieser entstanden ist.

Der Podcast entstand im Rahmen meiner Recherchen für das Buch und hat sich im Nachhinein als echter Glücksfall erwiesen. Ich recherchiere persönlich sehr gerne mithilfe von Podcasts und war sehr verwundert, dass es im Bereich Influencer Marketing kein breites Angebot gab. Ich hatte ohnehin vor, für das Buch Interviews mit Experten und Menschen aus der Praxis zu führen, um meine Gedanken zu spiegeln und neue Impulse zu gewinnen. Da ich selbst seit vielen Jahren Podcasts höre, lag der Schluss nahe, diese Gespräche aufzuzeichnen, um sie auch Anderen zur Verfügung zu stellen.

Im Mai 2019 startete ich also mit der ersten Episode von Influence! Der Podcast und habe seitdem über 25 Episoden veröffentlicht. Ziel ist es, die Branche aus unterschiedlichsten Perspektiven in den Blick zu nehmen, daher sind Marketing-Experten, Dienstleister, Unternehmen, Wissenschaftler, Journalisten und natürlich auch Influencer zu Gast, die im Interview über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen sprechen.

Du trittst als Speakerin auf, hostest einen Podcast und hast ein Buch geschrieben. Man kann dich also als Expertin bezeichnen. Wie wird man denn deiner Meinung nach überhaupt Expertin zu einem Thema? Hast du generelle Tipps?

Der allerwichtigste Schritt ist es, loszulegen und offen zu sein, für alle Chancen und Gelegenheiten, die sich einem bieten. Ich bin immer noch fasziniert von der Erkenntnis, dass jeder kleine Schritt, jeder zunächst unbedeutend erscheinende Moment, neue Türen geöffnet hat, von denen ich vorher nicht ahnte, dass sie existieren. Da ergibt sich aus einem spontanen Mittagessen ein gemeinsames Podcast-Projekt, aus einem Netzwerk-Dinner wichtige Unternehmenskontakte sowie zwei Podcast Episoden und ein Auftritt bei der Digitalmesse DMEXCO, aus welchem wiederum drei weitere spannende Interviews hervorgehen, die wieder neue Hörer, Fans und potentielle Gäste ansprechen.

Durch all diese Kontakte und Gespräche baut sich schnell ein Netzwerk auf, das sich wechselseitig befruchtet. Sobald die Menschen einmal wissen, dass man zu einem bestimmten Themenfeld fähig und bereit ist zu sprechen, kommen sie gerne von sich aus auf einen zu. Zudem steht außer Frage, dass man viel Zeit in die eigene Expertise investieren muss, um sie stetig zu vertiefen und auf den neusten Stand bringen. Auch dafür eignet sich ebenso das Netzwerk perfekt, denn man sollte stets das Ziel haben mit Menschen zu sprechen, die klüger, erfahrener und mutiger sind, als man selbst. Nur so kommt man weiter.

Du hast neben deinem Angestelltenverhältnis das Buch geschrieben und den Podcast produziert. Ganz ehrlich: Wie hast du das alles geschafft?

Sehr viele kleine Bausteine sind nötig, um das zu schaffen. Entscheidend war sicher, dass ich einen Arbeitgeber hatte, der mein Vorhaben unterstützt hat. Mein Chef hat das als wichtigen Entwicklungsschritt identifiziert und mich im Laufe des Prozesses an vielen Stellen motiviert, gefördert und mir Sicherheit gegeben. Gleichzeitig hatte ich ein Team um mich, dass sehr verständnisvoll war, selbst wenn ich mal komplett gestresst oder geistig nicht ganz anwesend war.

Für mich persönlich war es sehr wichtig, dass ich weiterhin Sport, v.a. Yoga, gemacht und mich gesund ernährt habe. Das mag wie eine Nebensächlichkeit klingen, doch es hat mir immer ein Gefühl von Kontrolle und Ausgleich gegeben. In den anstrengendsten Momenten haben mir meine Deutschrap-Playlist und Ausflüge in den Grüngürtel oder naheliegende Cafés sehr geholfen, um den Kopf frei zu kriegen. Ich bin froh, dass ich das Projekt im Sommer umgesetzt habe, da meine Stimmung sehr vom Wetter abhängt.

Eins ist klar: Es ging nicht ohne ein kontinuierliches Stressgefühl, körperliche Reaktionen und massive Einschränkungen, vor allem im Privaten. Ich habe viele Freunde über Monate nicht besuchen oder sprechen können, meine Familie kam ebenfalls viel zu kurz und mein Freund war (zum Glück) in dieser Zeit für ein Praktikum in Berlin, wodurch ich ein ziemliches Einsiedlerleben geführt habe. Das war für uns beide sicher das Beste in der Phase. Mein Umfeld war in überwältigender Mehrheit sehr verständnisvoll und hat mir keinen zusätzlichen Druck gemacht. Das war einer der wichtigsten Faktoren.

Von „schaffen“ zu sprechen, fällt mir allerdings immer noch schwer. Ich bin, wie gesagt, ein sehr perfektionistischer Mensch und perfekt wird man all diese Dinge – Arbeit, Buch, Podcast, Familie, Freunde, Hobbies plus Zeit für sich – nie hinbekommen. Das wurmt mich sehr, aber ich lerne immer besser, zu akzeptieren, dass ich nicht alles schaffen kann, was ich mir vornehme.

Hast du ein persönliches Motto?

Sei pragmatisch. Sei mutig!

Was hast du zuletzt gewagt oder ausprobiert und welche private und/oder berufliche Herausforderung möchtest du als nächstes angehen?

Mein letztes großes Wagnis war definitiv die Entscheidung „raus zu gehen“ und öffentlich meine Projekte, Ansichten und Erkenntnisse zu teilen. Ich hätte das Buch auch im stillen Kämmerlein schreiben und daraus keine große Sache machen können – was meinem Naturell in jedem Fall mehr entsprochen hätte. Aber, wer wagt, gewinnt und ich habe mehr gewonnen, als ich es jemals für möglich gehalten hätte.

Die nächste große Herausforderung wird es jetzt sein, wieder einen Schritt zurückzutreten und nach dem großen beruflichen Hoch in diesem Jahr, das Private klar zu priorisieren. Das bedeutet, nicht jede Gelegenheit zu ergreifen, die sich bietet, sondern den Mut zu finden Nein zu sagen.  Ich möchte all meinen Freunden und Familienmitgliedern wieder die Zeit schenken, die sie verdient haben und die in den letzten Monaten leider nicht drin war.

Zu guter Letzt: Was möchtest du der FIELFALT Community mit auf den Weg geben?

Nutzt Chancen, wenn sie sich bieten, auch wenn es erstmal mehr Aufwand bedeutet oder ihr wieder klein anfangen müsst. Wenn eure Intention euch einen Wink gibt, könnt ihr ruhig mutig sein und etwas Komfort abgeben. Es wird euch etwas später mehr als zurückgezahlt.

Und ein Herzensanliegen: Macht euren Mitstreiter*innen Komplimente, lobt sie und baut sie auf! Ihr ahnt gar nicht, in welchen Situationen sich die Adressaten an eure Worte erinnern und Kraft daraus schöpfen. Auch ganz kleine Gesten können so viel bewegen. Ich jedenfalls konnte mich in den Momenten des größten Zweifels an so viele kleine Momente des Zuspruchs und des positiven Feedbacks erinnern, die mir im Laufe der Jahre von Freunden, Kollegen und Chefs mitgegeben wurden. So konnte ich mich immer Stück für Stück aufbauen und bin all diesen Menschen bis heute unendlich dankbar, dass sie mich zu dem gemacht haben, der ich bin.

 

Am besten kommt ihr mit Alina Ludwig in Kontakt via Linkedin: https://www.linkedin.com/in/alinaludwig/ und Instagram: https://www.instagram.com/laalinali/

Alinas Podcast findet ihr auf iTunes, Spotify und allen Podcast-Apps eures Vertrauens: https://influence.podigee.io/

Eine Leseprobe zu Alinas Buch findet ihr unter: https://books.google.de/books?id=EJeUDwAAQBAJ&printsec=frontcover&dq=influence!+Alina+Ludwig&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj2wNOI4c7lAhWKC-wKHRTxCgIQ6AEIKjAA#v=onepage&q=influence!%20Alina%20Ludwig&f=false

Titelbild: ©Damir Bašić

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