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FORGESTELLT: Angie Raab, Wildhüterin in Afrika

21. September 2021

Angie Raab ist Wildhüterin und Hundetrainerin in Afrika. Eine ganz, ganz beeindruckende Frau und eine tolle Geschichte. Es geht um Mut, um den Sinn des Lebens, um Neuanfänge und um den Zauber unseres Planeten. Ihr erfahrt auch, wie ihr selbst einen Beitrag leisten könnt, ohne nach Afrika zu reisen.

Liebe Angie, wie startest du deinen Tag?

Ich wache um 5:50 zum Gesang von African Greys auf – vor ein paar Tagen zum Schmatzen eines Elefanten.

Wenn wir Wasser haben, dann gibts eine kalte Dusche zum Aufwachen (wir haben nur kaltes Wasser), Kaffee wird hergerichtet und Frühstück eingepack t- je nachdem, was ich da habe. Joghurt mit Honig in ein Glas abgefüllt oder Sandwich oder Müsli – wir haben ja nicht immer alles da.

Was ist dir besonders wichtig im Leben?

Familie, Freunde, mein Hund, meine Arbeit und vor allem, das Leben jeden Tag zu leben. Seitdem ich im Kongo bin, erfreue ich mich tatsächlich an den kleinsten Kleinigkeiten und genieße jeden Tag. Mich erfüllt mein Job extrem und ich bin ein viel glücklicherer Mensch.

Mein Leben hat sich seit meiner Scheidung und seit Covid 19 komplett verändert- aus Silver Linings heraus erfüllte ich mir so viele Träume und bin eigentlich da, wo ich sein möchte

Du bist Wildhüterin in Afrika. Wie kann ich mir deinen Alltag vorstellen?

Um 6.45 haben wir die Flaggenparade, danach gebe ich meinen Hundeführern Instruktionen (Kennel cleaning und “Raubtier” Fütterung – wir haben 4 Malinois). Um 8 werden dann alle 4 trainiert, je nach ihrem Trainingsstand. Die 2 Youngsters (1 Jahr alt) haben wir gerade an Munition und Pangolingerüche gewöhnt und trainieren das Aufspüren dieser und unsere 2 Profis werden jeden Tag mit allen Gerüche trainiert. Wir versuchen auch ,das Umfeld immer zu ändern, ob in der Werkstatt, bei den Häusern, am Office oder im Trainingsbereich bei den Kennels. Dann arbeite ich am Computer (Emails etc.) und am Nachmittag wird dann spazieren gegangen mit den Hunden und gespielt. Um 6 wird gefüttert. Noch ist die Unit nicht operational, aber sobald der Papierkram dazu erledigt ist, kommen dann Einsätze dazu bei Roadblocks und am Gate.

Wie bist du Wildhüterin geworden?

Ich bin als Conservation Fotografin nach Afrika gekommen, war mit vielen Wildhütereinheiten unterwegs und habe einen tiefen Einblick in die Arbeit bekommen. Mein Exmann und ich gründeten dann eine Non Profit Organisation, mit der wir einige Projekte vor Ort unterstützen und viel unterwegs waren. Als wir nach Kapstadt gezogen sind, weil er ein Jobangebot als Executive Protection Officer (Bodyguard) bekam, ließen wir unser Buschleben zurück – mir ging es dabei nicht ganz so gut, aber wir sind immer wieder mal zu unseren Projekten und haben vom Kap aus das ganze nebenbei geschmissen. Ende 2019 war unsere Ehe am Ende, da mein Mann sich total verändert hat.

Was Besseres hätte mir eigentlich nicht passieren können- ich bin zuerst nach Europa und dann zu einem Kumpel nach Malawi (der für African Parks arbeitet) geflüchtet und von dort aus dann zurück nach Südafrika, um meinen Hundeführerzertifikat zu machen und dann auch die Scheidung abzuwarten und nach Malawi zurück zu kehren.

Covid passierte und somit waren alle Pläne erstmal weg. Aber ich habe meinen Hundeführer durchgezogen, danach bin ich mit meinem Welpen (der irgendwie passierte) ins Training nach Zululand im Osten von Südafrika gegangen und dann bekam ich das Angebot, für African Parks eine Unit aufzubauen. Mein Hund (mittlerweile kein Welpe mehr und fast am Ende seines Trainings) ist noch in Südafrika im Training und ich bin in den Kongo geflogen und lebe nun meinen Traum – wir werden sehen, wie es weitergeht – habe ein positives Gespräch diese Woche über meine Zukunft.

Wir haben mit sehr wenig in den letzten 3 Monaten sehr viel erreicht und sind sehr stolz drauf. Es war ein langer Weg mit vielem Auf und Ab und nun bin ich fast am Ziel. Die ersten 6 Wochen im Kongo waren hart und schwierig, ganz anders als Südafrika. Aber ich bin kein Quitter und habe mich durchgekämpft. Mittlerweile ist mein Französisch gar nicht mehr so schlecht und ich habe mich eingelebt. Meinen Hund vermisse ich total, bin aber froh, dass er seine Ausbildung mit Erfolg zu Ende bringt.

Was macht für dich deinen Job so besonders?

Alles. Ich arbeite in der Wildnis, um die Wildnis und unsere gefährdeten Arten zu schützen unter total schwierigen Umständen. Der Job macht einen stärker und bringt Sinn in das Leben. Wir schützen unsere Tierwelt und Artenvielfalt, damit auch andere Generationen noch etas davon haben und wir überleben können. Es ist schon toll zu wissen, dass man Teil von etwas Wichtigem ist.

Mit dabei ist immer dein Hund. Kannst du bitte seine Rolle beschreiben?

Mein Hund Ska ist momentan nicht mit, aber er wird später auch Elfenbein, Nashorn Horn, Munition/Waffen und Pangolin erschnüffeln. Es wird auch als Patrol und in fast Reaction trainiert, d.h., er kann auch bei Festnahmen mitwirken und wenn notwendig mich schützen (jap der Kleine kann auf Kommando ganz schön zubeißen).

Wildhüterin zu sein ist nicht ungefährlich. Hast du nicht auch Angst? Und wie gehst du mit der Angst um?

Nein. Angst habe ich keine. Ich war schon in prekären Situationen als Conservation Fotografin in einem Kriegsgebiet in Mali, wo die letzte Wüstenelefanten beschützt werden und für mich gehörte das damals schon dazu. Auch heute denke ich nicht so viel darüber nach. Wenn unsere Kerze ausgeht, dann ist es egal, was wir gerade tun, unsere Zeit hier ist um. Ich denke, wir alle sind uns der Gefahr bewusst und halten uns gegenseitig den Rücken frei als Team. Ich habe im letzten Monat einen Mentor verloren, der in Burkina Faso ermordet wurde, als er auf Patrouille in einem der Parks dort war. So etwas ist nicht selten – er wusste, dass es passieren kann und ich weiß es auch. Dennoch leben wir unser Leben erfüllend und machen das, wozu wir hier sind 🙂

Was würdest du Frauen raten, die auch in deine Fußstapfen treten möchten?

Generell an alle Frauen: Lebt euren Traum, traut euch. Es wird nicht leicht sein und ist mit vielen Auf und Abs verbunden und wir müssen immer härter arbeiten und zeigen, dass wir es drauf haben.

Wobei eine Organisation wie African Parks keine Skrupel hat, Frauen in gefährlichen Jobs anzustellen (wir sind z. B. zwei Frauen im Team; Claudine ist Kongolesin, was es nochmal superspeziell macht) und in Führungspositionen. Wildhüter in Afrika ist schwierig aus Visagründen, da diese nicht so leicht zu bekommen sind, aber als Hundeführerin zu arbeiten geht immer – bei der Polizei, Grenze, Militär, mit Naturschutzhunden und dann später zum Trainer aufsteigen. Ein guter Freund von mir bildet Wildhüterhunde aus und fliegt in die Länder, um dann vor Ort die Einheit zu unterstützen und Hundeführer und Hund zu trainieren. Frau muss einen eisernen Willen mitbringen, keine Angst haben vor Hunden und Waffen, eine Passion für diesen Job haben und sich nicht unterkriegen lassen, denn es ist nach wie vor eine Männerdomäne.

Wie kann meine deine Arbeit und deine Organisation unterstützen?

Ich würde gerne einen Kontakt für die Organisation, die meinen Hund trainiert, weitergeben, denn diese sind superklein, schützen Nashörner in Zululand, die Wiege des White Rhino, und machen einen tollen Job – sie können jede Hilfe gebrauchen. Das ist mein Herzensprojekt 🙂

Project Rhino:

Junior Blom (head of K9 unit)

+27 72 540 7824 (WhatsApp)

Spenden an die Unit selbst gehen an Projects Rhino’s Partner Wessa Wildlands mit der Referenz Project Rhino K9 unit

Bitte mit dem Namen des Spenders, um sich zu bedanken:

Accounname: WESSA KZN

Bank: First National Bank

Account Number: 6256 0496 658

Swift: FIRNZAJJ

Reference: Project Rhino K9 + donor name

Zu guter Letzt: Wie beendest du normalerweise deinen Tag?

Sundowner mit Kollegen, kalte Dusche, Filme schauen oder Lesen … abschalten.

 

Weiterführende Links:

https://www.intothewylde.net/blog

https://www.instagram.com/into__the__wylde/

https://www.facebook.com/bootsonthegroundphotography

 

Titelbild: ©Lizzie Honiball, restliche Bilder privat

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