FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Anita Eichholzer, Gründerin und Inhaberin von Herz an Herz

21. September 2020

FIELFALT.CH: Anita hat ein wahres Herzensbusiness, welches die Idee auch im Namen trägt. Nach der Geburt ihres ersten Kindes brach ein Wendepunkt für sie an: Von der Unternehmensberaterin zur Gründerin und Unternehmerin mit natürlichen Produkten, die Kindern und somit der ganzen Familie gut tun. In diesem Portrait lest ihr, wie sie das alles als Alleinerziehende schafft, was sie sich persönlich wünscht wie viel Herzblut Anita und ihr Team in die Ideen und Beratungen stecken, einfach herrlich. Und: Zwar ist der Laden in Winterthur ansässig, es gibt aber auch einen Online-Shop.

Liebe Anita, hast du eine bestimmte Morgenroutine? Und wenn ja, wie sieht diese aus?

Ich habe eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie meine Morgenroutine idealerweise aussehen sollte – sie würde eine Tasse Tee, einen Blick in die Natur, eine erfrischende Dusche und eine kurze Meditation beinhalten. Da ich aber zwei Kleinkinder zuhause habe, sieht es eher so aus, dass ich ein bisschen planlos zwischen Windelwechseln, Kinder anziehen, mich selber anziehen, Lego bauen, das nötigste Zusammenpacken und Frühstück für die Kinder vorbereiten switche und hoffe, dass die Kinder ohne Protest beim Grosi oder Papi bleiben – und ich einigermassen rechtzeitig und nicht gerade völlig zerzaust aus dem Haus komme.

Auf was kannst du nur schwer in deinem Alltag verzichten?

Für die Arbeit brauche ich mein Bullet Journal und meinen PC – dann kann ich von überall aus ziemlich effizient arbeiten. Schwer verzichten kann ich auf Schoggi – die ist sehr hilfreich wenn es mal hektisch wird.

Du bist Gründerin, Inhaberin und Geschäftsführerin von Herz an Herz. Was ist Herz an Herz und was ist dein Ziel?

Herz an Herz ist ein Laden und Kompetenzzentrum und Treffpunkt für die „natürliche Familie“. Wir bieten Produkte, Beratungen, Workshops, Events etc. rund um Themen wie Tragen, Stoffwindeln, Stillen, bindungsorientierte Erziehung und vieles mehr an. Mein Ziel damit ist es, wieder mehr Natürlichkeit in den Umgang mit Schwangerschaft, Geburt, Baby und Kind zurück zu bringen. Denn ich bin sicher, dass das Besinnen auf unsere Ursprünge das Familienleben ungemein erleichtert und alle davon profitieren können.

Wie kamst du auf die Idee und letztendlich zur Gründung?

Mit Babys hatte ich nie viel am Hut, bis ich selber eines hatte. Da hat sich mir eine Tür in eine ganz neue Welt geöffnet, die mich fasziniert hat. Ich habe schnell gemerkt, dass im „modernen“ Umgang mit Babys so einiges schief läuft und begann mich dafür zu interessieren, was die Natur sich eigentlich für uns so gedacht hätte und warum Babys so ticken wie sie ticken. Dieses Wissen wollte ich unbedingt anderen Eltern weitergeben, damit auch ihr Alltag leichter wird. Angefangen habe ich als Trageberaterin, aber ich wollte nicht nur beraten, sondern auch gleich die richtigen Produkte anbieten können, die man sich sonst mühsam im Internet zusammensuchen musste. Weil ich in meinem Job als Unternehmensberaterin schon lange nicht mehr so erfüllt war, war rasch klar, dass ich im nächsten Schritt Herz an Herz gründen musste.

Was ist dir bei deinem Unternehmen besonders wichtig?

Bei uns steht das Menschliche im Vordergrund. Ich finde die echte Verbindung mit den Kunden und ihren Anliegen wichtig. Bei uns sollen die Kunden nicht nur Produkte kaufen, sondern ein offenes Ohr und eine Gemeinschaft finden. Sie sollen sich bei uns wohlfühlen. Das gilt auch für die Mitarbeitenden. Wir sind mittlerweile acht Mamas im Team und Herz an Herz soll auch ein schöner, familiärer und etwas außergewöhnlicher Arbeitsort sein, an dem mit Herzblut und aus Überzeugung und Lust an unseren Themen gearbeitet wird.

Natürlichkeit steht bei Herz an Herz im Vordergrund. Was verbindest du persönlich mit Natürlichkeit?

Es geht mir hier immer um die Frage: Was hat sich die Natur gedacht – und wie können wir uns das in unserem zivilisierten Alltag zunutze machen? Viel ursprüngliches Wissen ist in der heutigen Zeit leider verloren gegangen, dabei hätte die Natur alles so perfekt eingerichtet. In fast allem was um mich herum geschieht frage ich mich: Warum ist das so? Wie wäre das wohl in der Steinzeit gewesen? Daraus ergeben sich oft spannende Antworten. Für unsere Produkte bedeutet das, dass wir einerseits Wert legen auf nachhaltige Produktion, aber auch auf Produkte, die einen natürlichen Umgang mit den Kind erlauben. So führen wir zum Beispiel auch ein Plastik-Töpfchen, das zwar überhaupt nicht nachhaltig ist, aber dafür das „Abhalten“ des Babys erleichtert, so dass schon kleinste Babys ohne Windeln aufwachsen können.

Was ist das für dich das Schönste daran, Unternehmerin zu sein?

Mir gefällt es, die Dinge so zu machen, wie ich es möchte. Einfach mal was Neues auszuprobieren ohne irgendwelche Hierarchien zu beachten und so dass ich direkt die Auswirkungen sehen kann. Und mit Herz an Herz habe ich etwas geschaffen, wo mein ganzes Herzblut hinfließt. Ich denke, damit kann ich wirklich etwas bewirken in der Welt. Jedes positive Feedback lässt mein Herz hüpfen. Das ist ein schönes Gefühl! Ich habe zudem ein wundervolles Team, das mich immer unterstützt und eigene Ideen einbringt, so dass wir täglich besser werden und uns immer weiter entwicklen.

Und auf was könntest du verzichten?

Hach, die ganzen organisatorischen, administrativen Dinge. Buchhaltung, Steuern, Verträge und so. Und ganz ehrlich – die 1000 kleinen und grossen Entscheidungen jeden Tag sind auch nicht ganz ohne. Grundsätzlich verlasse ich mich auf mein Bauchgefühl und das klappt eigentlich recht gut, aber manchmal wäre ich schon froh, die Verantwortung auch mal an jemand anderen abzugeben. Nur ist da leider niemand. 😉 Meine Gründungspartnerin Selina und auch mein ganzes Team ist mir aber auch hier eine große Hilfe, so dass ich trotz allem nicht alleine da stehe.

Wie vereinbarst du es, Mama und Unternehmerin zu sein?

Ohne Mama zu sein, hätte ich dieses Unternehmen nicht gründen können. Es gehört irgendwie einfach dazu und ist mir täglich Inspiration für neue Produkte. Schließlich habe ich ja zwei „Testpersonen“ zuhause. Im Alltag ist es nicht immer ganz einfach, vor allem, da ich neuerdings auch alleinerziehend bin. Ich musste lernen, mich mehr abzugrenzen, mehr abzugeben und mehr Pausen zu machen. Das fällt mir nicht so leicht. Aber wochenlange Nachtschichten liegen nicht mehr drin. Zum Glück ist das immer weniger nötig, da unser Team gewachsen ist und sich Prozesse und Abläufe inzwischen auch etwas eingespielt haben. Ich kann mich voll und ganz auf mein Team verlassen. Der Laden läuft auch, wenn ich nicht da bin. Übrigens: Da wir 8 Mamas im Team sind, kommt es ab und zu mal vor, dass mal ein Kind zum Stillen vorbeigebracht wird oder dass eins der Kinder bei der Arbeit mit dabei ist, wenn mal die Betreuung ausfällt. Und das ist wunderbar so.

Zu guter Letzt: Was wünschst du dir beruflich wie privat für die kommenden Monate?

Beruflich wünsche ich mir, dass nach den turbulenten ersten Jahren nun etwas Ruhe einkehrt und wir unseren neuen Standort im Zentrum von Winterthur gut etablieren und unseren Umsatz steigern können, damit wir trotz viel Herzblut vielleicht bald auch von unseren Löhnen leben können. Privat wünsche ich mir, dass sich nach einer stürmischen Zeit die Wogen etwas glätten und wir uns in der neuen Familienkonstellation gut einspielen. Ich wünsche mir etwas zusätzliche Zeit für mich. Und auch wenn die Kinder im Moment die erste Priorität haben, wäre es natürlich das i-Tüpfelchen, wenn ich einen tollen Mann kennenlernen und mit ihm die grosse Liebe erleben dürfte. 😉

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Bilder: ©Herz an Herz

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