FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Christiane Germann, Gründerin und Geschäftsführerin der Amt 2.0 Akademie und Germann Hauptstadtkommunikation GmbH sowie Mitglied von Mission Female

3. März 2020

Wir setzen unsere Kooperationsreihe mit Mission Female mit Christiane Germann fort. Christiane hat viele Jahre als Beamtin gearbeitet, bevor sie sich selbständig gemacht hat. Wie es zu diesem Schritt kam, was sie bei den Behörden bewegen möchte und was sie über Perfektionismus denkt, schildert sie in dem heutigen Portrait!

Liebe Christiane, wie sieht deine Morgenroutine aus?

Jeden Morgen anders! Manchmal setze ich mich schon um 7 Uhr im Schlafanzug an den Laptop, an anderen Vormittagen mache ich Sport und fange erst gegen Mittag mit der Arbeit an. Diese freie Zeiteinteilung ist ein großer Vorteil der Selbstständigkeit.

Du bist mittlerweile Unternehmerin, hast aber dafür knapp 19 Jahre als Beamtin gearbeitet. Bitte schildere und doch deinen Werdegang und wie es dann genau zur Gründung kam.

Ich habe mich vor vielen Jahren für ein duales Studium der öffentlichen Verwaltung entschieden, weil ich direkt Geld verdienen wollte. Eigentlich war ich aber schon immer ein eher kreativer Typ. Dass ich es dann so lange im öffentlichen Dienst „aushielt“, ist ein Wunder. Ich habe in den 19 Jahren neben dem Beamtenjob schon immer eigene Projekte verfolgt, habe beispielsweise nebenbei ein zweites Studium und einen Master absolviert. Irgendwann war es soweit: Ich hatte genug Mut, etwas Eigenes zu machen. Aus meiner Erfahrung in verschiedenen Behörden resultierte auch eine gute Geschäftsidee – nämlich, Behörden und ähnliche Organisationen bei der Nutzung von Social Media zu beraten und zu unterstützen.

Du bist Gründerin und Geschäftsführerin der Amt 2.0 Akademie und Germann Haupstadtkommunikation GmbH. Was für Dienstleistungen und Lösungen bietest du genau an und wer sind deine Kunden?

Die Amt 2.0 Akademie bietet Social-Media-Schulungen und -Dienstleistungen speziell für Behörden an. Da ich ja selbst lange im öffentlichen Dienst war, verstehe ich «Ämter» besser als so manch anderer Dienstleister auf dem Markt – ich spreche ihre Sprache. Das führt zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Am liebsten arbeite ich länger mit einzelnen Behörden zusammen und helfe ihnen auch, eine langfristige Social-Media-Strategie für sich zu erarbeiten und ihre Kommunikationsabteilung passend aufzustellen. Hauptstadtkommunikation ist das Dach-Unternehmen, unter dem ich diese Leistungen mittlerweile auch für andere Organisationen wie Stiftungen oder Verbände anbiete.

Was ist für dich das Schönste am Gründen und daran, Unternehmerin zu sein?

Eigene – auch mal schnelle – Entscheidungen zu treffen, nicht mehr in einer Hierarchie festzustecken und Dinge ausprobieren zu können, ohne es mit jemandem absprechen zu müssen.

Und was ist für dich das weniger Schöne daran?

Derzeit habe ich noch keine Mitarbeiter/innen. Am Anfang fand ich es großartig, allein zu arbeiten, mittlerweile merke ich, dass ich beim Arbeiten gerne wieder mehr Gesellschaft und Austausch hätte. Ich bin in einem CoWorking-Space angemeldet und habe hier in Berlin auch viele geschäftliche Lunches, das reicht mir aber auf Dauer nicht.

Im Gegensatz zum Beamtentum: In welchen Bereichen musstest du dich am meisten umstellen bzw. was sind für dich die größten Veränderungen?

Ich hatte keinerlei „Nachwehen“, sondern habe es von Anfang an genossen, dass ich nun zeitlich und örtlich unabhängig arbeiten kann, mich morgens nicht mehr bei jedem Wetter in den ÖPNV begeben muss, meine eigenen Geräte nutzen kann, mir selbst Gehalt zahle. Die Veränderungen waren alle positiv.

Foto: ©Verena Felder

Du hast in einem anderen Interview beschrieben, dass dich vor allem Herausforderungen antreiben. Welche Herausforderungen möchtest du beruflich wie privat in den kommenden Monaten angehen?

Ich würde dieses Jahr gerne erstmals einen oder zwei Mitarbeiter/innen einstellen. Falls es klappt, wird das auf jeden Fall eine Herausforderung – alleine die damit verbundene Bürokratie! Privat möchte ich mir nach vielen Jahren, in denen der Job bei mir auch gedanklich immer die Nummer 1 war, bewusst mehr Zeit für die Menschen nehmen, die mir wichtig sind. Das ist in den letzten Monaten schon ganz gut gelungen.

Du bist Social-Media-Expertin. Wo hapert es deiner Meinung nach in diesem Umfeld am meisten bei den Behörden und welche Trends beobachtest du?

Es gibt Behörden – beispielsweise Polizeien – die Social Media sehr erfolgreich nutzen und dort täglich sehr viele positive Reaktionen von Bürgerinnen und Bürgern bekommen. Das bestärkt sie und deshalb werden sie jeden Tag besser. Es gibt aber auch viele Behörden, die irgendwie „stecken geblieben“ sind und Facebook, Instagram, Twitter und Co. falsch, etwa wie eine „zweite Website“, nutzen – oder noch gar nicht. Sie sind meine Hauptzielgruppe, sie möchte ich unterstützen, den Anschluss nicht dauerhaft zu verpassen. Bürgerinnen und Bürger erwarten, dass Behörden und Institutionen Social-Media-Kompetenz beweisen, ihnen auf „ihren“ Plattformen auf Augenhöhe begegnen und schnell und kompetent antworten.

Du bist in dem Netzwerk Mission Female aktiv. Was ist für dich das Besondere an diesem Netzwerk?

Ich stand reinen Frauennetzwerken früher kritisch gegenüber. Ich liebe Netzwerken, auch mit Männern. Mission Female hat aber einen erfrischend anderen Ansatz: Es geht nicht darum, nur eine Plattform zu schaffen, auf der sich Frauen begegnen – sondern um ein festes Netzwerk, in dem man sich in einer relativ kleinen Gruppe sehr häufig trifft und gegenseitig aktiv unterstützt. Engagement wird von jeder einzelnen geleistet und auch eingefordert. Diese Verbindlichkeit gefällt mir. Durch Mission Female habe ich gelernt, dass Netzwerken unter Frauen ergänzend gut und hilfreich ist, bis wir echte Gleichstellung erreicht haben.

Was ist dir beim Netzwerken wichtig?

Neben Verbindlichkeit: Sympathie. Netzwerken bedeutet für mich, dass ich diesen Personen Zeit widme und aktiv überlege, wo ich sie unterstützen kann. Für mich wäre es vergeudete Lebenszeit, das bei Menschen zu machen, mit denen die Chemie einfach nicht stimmt. Da bin ich konsequent – selbst, wenn eine Person mir nützlich wäre.

Zu guter Letzt: Hast du ein Motto, nach dem du lebst oder einen Ratschlag, den du befolgst?

Ich neige zu Perfektionismus und habe mir deshalb für dieses Jahr das Motto gegeben: Das Leben ist schlicht nicht perfekt – weder bei mir, noch bei anderen. Das versuche ich mir jetzt immer laut zu sagen, wenn die Bahn mal wieder ausfällt oder ein Mensch sich nicht so verhält, wie ich es gerne hätte.

 

Mehr zu Christiane und den direkten Kontakt zu ihr findet ihr unter: www.hauptstadtkommunikation.de

Sowie unter: https://www.linkedin.com/in/germannberlin/

Link zu Mission Female: https://www.missionfemale.com/#mission

 

Titelbild: ©Henning Schacht

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